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Brexit: 6 Monate Zeit für „irgendeine Lösung“, aber in Wirklichkeit nur noch 41 Tage Zeit!

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Da ist sie also nun, die große Lösung der 27 EU-Mitgliedsstaaten für den Brexit. Man gewährt Großbritannien bis Ende Oktober Zeit „irgendeine Lösung“ zu finden. So sagt EU-Ratspräsident Donald Tusk dazu nämlich, dass die Briten in dieser Zeit „nach wie vor“ das Austrittsabkommen annehmen könnten, dann wäre der Aufschub sofort zu Ende. Die Briten könnten aber auch ihre Brexit-Strategie insgesamt überdenken.

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Oder sie könnten den Antrag zum EU-Austritt zurückziehen und den Brexit absagen, so Tusk. Also im Klartext: Macht was, irgendwas, aber wichtig für uns ist, dass das Problem nun eindeutig und zu 100% bei euch auf der Insel liegt. Und dem ist ja auch so mit diesem Halbjahres-Freibrief für die Briten. Hier finden Sie den Original-Text des EU-Rats von heute Nacht im Wortlaut. Dazu hier eine sehr interessante Text-Passage:

Wenn das Vereinigte Königreich im Zeitraum vom 23.-26. Mai 2019 noch ein Mitgliedstaat der EU sein
und das Austrittsabkommen bis zum 22. Mai 2019 noch nicht ratifiziert haben sollte, muss es die Wahl zum Europäischen Parlament im Einklang mit dem Unionsrecht abhalten. Kommt das Vereinigte Königreich dieser Verpflichtung nicht nach, so erfolgt der Austritt am 1. Juni 2019.

Was heißt das im Klartext? Dass die Frist zwar offiziell noch mehr als sechs Monate läuft. Aber dass sie in Wirklichkeit nur noch 41 Tage läuft, nämlich bis zum 22. Mai. Denn es ist kaum vorstellbar, dass das Lager der Brexit-Befürworter auf der Insel es zulassen wird, dass Großbritannien Ende Mai an der Wahl zum EU-Parlament teilnimmt. Natürlich ist auf der Insel wohl alles möglich, wie Neuwahlen zum Parlament, oder eine ganz neue Brexit-Wahl. Aber sind solche Szenarien besonders wahrscheinlich?

Die Aussage von Donald Tusk, dass die Briten ihre Brexit-Strategie auch „insgesamt überdenken“ könnten, korrespondiert aber nicht so wirklich mit dem offiziellen Text des EU-Rats. Denn dort heißt es auch, dass Zitat:

„…nicht erneut über das Austrittsabkommen verhandelt werden kann und dass jede einseitige Verpflichtung oder Erklärung oder jeder sonstige einseitige Akt mit dem Geist und dem Buchstaben des Austrittsabkommens vereinbar sein sollte und dessen Durchführung nicht beeinträchtigen darf.“

Theresa May wird heute diese Einigung aus Brüssel im Parlament in London vortragen. Da dürfte es heute mal wieder hoch her gehen. Und wie es nun in London weitergeht? Zerstreiten sich die beiden Lager immer weiter? Gut möglich, dass man sich in London erst einmal ausruht, weil man ja wieder Zeit gewonnen hat. Es ist aber nur schwer vorstellbar (so meinen wir), dass die britischen Bürger im Mai aufgerufen werden an der Wahl zum EU-Parlament teilzunehmen. Dann würden diejenigen Bürger, die vor drei Jahren für den Brexit stimmten sich denken, dass hier doch irgendwas gehörig schief läuft.

Übrigens: Die 27 EU-Mitgliedsstaaten haben sich mit Theresa May auch darauf geeinigt, dass sich die 27 in den nächsten Monaten jederzeit ohne Großbritannien treffen können – und das obwohl die Briten ja erst einmal weiterhin Voll-Mitglied der Union sind!

Und das britische Pfund? Mit 1,3086 beim Pfund vs US-Dollar absoluter Stillstand im Vergleich zu gestern Nachmittag, bevor das Treffen des EU-Rats in Brüssel begann. Auch am Devisenmarkt weiß also niemand, wie es nun weiter gehen soll. Man darf also gespannt sein auf die nächste „große Vorführung“ im House of Commons.

Brexit EU-Rat
Jean-Claude Juncker und Donald Tusk auf der PK heute Nacht. Copyright: European Union

10 Kommentare

10 Comments

  1. Columbo

    11. April 2019 11:06 at 11:06

    Bemerkenswert, wie sämtliche vermeintlich akute Krisen der letzten Jahre im Sande verliefen und verlaufen.
    Trump/Nordkorea, Spanien/Katalonien, Italien/EU, US/China, England/EU….
    Politische und mediale Börsen scheinen immer noch kurze Beine zu haben und unbeeindruckte Anleger haben still und leise Geld verdient.
    Wirklich kritische Situationen findet man nicht in Medien oder bei „Crashexperten“. Sehr wenige erkennen diese rechtzeitig und meist äußern sie sich dann noch eher leise und bescheiden.

  2. Roberto

    11. April 2019 11:34 at 11:34

    @Columbo, sehr richtig !!! das sind exakt meine Gedanken dazu. Ich schrieb damals hier
    so ähnlich. Wurde aber leider sofort angegangen.
    Natürlich haben wir Krisen auf der ganzen Welt und das schon seit vielen Jahren. Die von ihnen beschriebenen Krisen sind noch nicht mal ausgestanden, sondern mitten drin. Und wenn wir uns die Börsen dazu ansehen, dann würden wir denken das es eigentlich nicht eine einzige Krise auf der Welt gibt.
    Und natürlich warten wir auch auf eine gesunde Korrektur um langfristig in den Markt einzusteigen. ABER niemand weiß wann diese Korrektur kommt…es kann sein das es noch Jahre dauert. Wir werden aber in der zwischenzeit leider kein Geld damit verdienen wenn wir unser Geld auf dem Bankkonto liegen lassen. Und genau das ist das Problem viele Anleger. Sie trauen ( verständlicher Weise ) den hohen Kursen nicht und sitzen auf ihr Geld. Das ist frustrierend. Deshalb habe ich für mich schon seit einiger Zeit entschieden diesen daytrading Ansatz zu fahren, damit ich wenigstens etwas aus dem Geld mache, bevor es nur rumliegt.

    • Columbo

      11. April 2019 12:39 at 12:39

      @Roberto
      Sehr spannend finde ich den Versuch, herauszufinden, wer die Roger Babson‘s von heute/morgen sein könnten.
      (Wer es nicht weiß, Roger Babson war ein Statistiker, der kurzfristig vor dem 1929er Crash warnte).

  3. Roberto

    11. April 2019 12:47 at 12:47

    @Columbo, ja da bringen sich ja täglich neue in Stellung. Irgendwann wird es passieren und dann werden sehr viele auf der Matte stehen und erklären das sie es doch waren die das wussten. Das dazwischen aber Jahre vergangen sind, wird natürlich keiner hervorheben 🙂

  4. Prognostiker

    11. April 2019 14:01 at 14:01

    @ Columbo, Es gibt eben keine echten Crash- Propheten mehr, weil sie nach mehreren künstlichen Notenbankeingriffen u. Crash Verhinderungen verhöhnt werden.Einer der sich trotzdem seine skeptische Haltung nicht verbiegen lässt ist Herr Fugmann.
    Er könnte dann im Jahre 2050 bei DOW Jones 100000 u.bei Zinsen von minus 10% u.nachfolgendem Crash
    als CRASH- Fugi in die Börsengeschichte eingehen.
    @Roberto, natürlich hört man lieber die Wunschkonzert Börsianer, aber die Folgen der Blase hat noch immer der kleine Bürger ausgebadet.Natürlich profitieren die gewitzten Anleger / Trader beim Anstieg u.beim Absturz.

  5. Roberto

    11. April 2019 15:19 at 15:19

    ich glaube auch das es bei den heutigen Finanzverwerfungen die wir Global haben überhaupt keine crash´s oder echte Korrekturen mehr geben kann.
    Die Angst ist zu groß und die Wahrheit ist zu erschreckend, als das man das zulassen könnte.
    In einem solchen drohenden Fall würden alle Notenbänker der Welt in einer Telefonkonferenz den Markt dramatisch mit liquidität fluten.
    Seit 2008 haben die Notenbanken gesehen was passieren kann. Und genau das ist der eigentliche PUT auf die Märkte.
    Schade eigentlich, aber normale Märkte sind Geschichte.

  6. Nicht- Permabulle

    11. April 2019 18:55 at 18:55

    Wenn man den Roberto als Permabulle bezeichnen würde, wäre er wieder beleidigt.Als selbsternannter Immoprofi sollte er wissen, dass die Korrektur auch von den Immobilien ausgehen könnte, wie 2008oder Japan ab 1990.
    Oder würden dann die Notenbanken auch noch die Immobilien aufkaufen? Das grösste Risiko ist jetzt, dass fast Alle glauben, dass es nie mehr abwärts geht.

  7. Roberto

    11. April 2019 20:29 at 20:29

    @nicht-Permabulle, Nein, ich bin nicht beleidigt 🙂
    Das mit dem selbsternannten Immoprofi würde ich bestätigen.
    ich denke jemand der seit über 30 Jahren selbständig als Immobilienkaufmann in einer Großstadt wie Berlin agiert und seit fast 15 Jahre Vermieter und Bauträger ist, der sollte schon etwas Ahnung von der Materie haben. Nur etwas…nicht viel….:-)
    Schönen Abend noch.

  8. Nicht Permabulle

    12. April 2019 07:28 at 07:28

    @ Roberto, heute gute Laune, etwa gerade einen Kurztrade oder einen Swingtrade oder im Swingerklub einen Höhepunkt erlebt? Spass beiseite, Was ich schizophren finde, die staatlichen Notenbanken treiben künstlich Aktien , Anleihen u. Immobilien in die Höhe.
    Die Wertsteigerungen von Aktien u.Anleihen werden von allen gerne angenommen.Die Wertsteigerungen von Immobilen erfreut nur die Besitzer, während bei den Mietern offensichtlich die Probleme der irrwitzigen Geldpolitik hervortreten.
    Währen Aktien schon lange staatlich ( Notenbanken) gegen unten gestützt werden ,gibt es jetzt Vorstösse, die Immobilien nach oben deckeln wollen.
    Fazit: Man nimmt das falsche Medikament u.bekämpft dann die unerwünschten Nebenwirkungen wieder mit einem falschen Medikament. DER PATIENT WIRD NICHT ÜBERLEBEN!

  9. Roberto

    12. April 2019 08:48 at 08:48

    @Nicht -Permabulle, eigentlich habe ich immer gute Laune 🙂
    Aber zum traden bin ich gestern wenig gekommen, musste mich um wichtige Angelegenheit kümmern. 🙂
    Gestern gab es eine Diskussion bei Maybritt Illner bezüglich der Immobilienenteignungen. ich bin schon echt verwundert wie offensichtlich Menschen eine Enteignung fordern weil die Mieten so stark gestiegen sind. Anstatt die Politik vor sich her zu treiben das tatsächliche Problem des Wohnungsangebotes zu beheben, gehen alle auf die Eigentümer los.
    Nach dem Motto : Spekulanten enteignen :-))))
    Vielleicht sollte man dann die Mieter die mit Aktien spekulieren und die gut gelaufen sind auch enteignen…diese Spekulanten :-))) Da hat Herr Altmaier einen guten Einwand gebracht. Aber wie dem auch sei….als Vermieter werde ich kein Applaus erwarten, egal was ich schreibe.
    Ihnen “ Nicht-Permabulle “ wünsche ich jeden falss einen erfolgreichen Tag mit vielen guten Trades .-)

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Negativzinsen: So locker und entspannt sieht die EZB das Thema

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EZB-Direktor Benoît Cœuré sieht die ganze Sache mit den Negativzinsen in der Eurozone doch recht entspannt. Aus einem aktuellen Interview mit ihm (hier kompletter Text) kann man entnehmen, wie locker die EZB das ganze Thema sieht. Die negativen Einlagenzinsen von -0,4%, welche die Banken und Sparkassen für überschüssige Einlagen beim Hinterlegen auf EZB-Konten zur Strafe zahlen müssen (wirken sich letztlich auch auf die Sparer bei den Banken aus), sind in den Augen der EZB kein wirklich wichtiges Problem. Trotz 7,5 Milliarden Euro Kosten seien die Negativzinsen (welche die Banken an die EZB zahlen müssen) Zitat „aber wirklich nicht das größte Problem. Ihr Beitrag zu niedrigen Bankgewinnen ist begrenzt. Die Banken sollten mehr über ihre Kosten nachdenken.“

Er finde die Intensität der Diskussion überraschend, weil sie sich auf einen engen Aspekt der Geldpolitik der EZB fokussiere. Es sollte eine breitere Debatte über die lange anhaltenden Niedrigzinsen geben. Man verstehe die Sorgen jener, die von schädlichen Nebenwirkungen von sehr niedrigen Zinsen betroffen seien. Diese würden mit der Zeit zunehmen. Mögliche Sorgen gebe es um die Finanzstabilität, die Vermögenspreise würden steigen.

Wir meinen: Die Worte „man versteht die Sorgen“ heißt im Klartext, dass man halt gezwungenermaßen zuhört bei dem Gejammer, sich aber nicht wirklich dafür interessiert. Und ob man bei der EZB gestaffelte Negativzinsen für Geschäftsbanken einführen werde, um ihnen eine Erleichterung zu verschaffen? Dazu sagt Benoît Cœuré, dass dies zwar eine nützliche und relevante Diskussion sei, die es ja schon mal gegeben habe, und auf die man regelmäßig zurückkommen solle. In Japan und der Schweiz gebe es gestaffelte Systeme. Aber die Negativzinsen seien Zitat „nicht der wichtigste Faktor dafür, dass die Zinsen so niedrig sind.“

Wenn die EZB etwas ändere, müsse es einen geldpolitischen Grund dafür geben. Im Augenblick sehe er das geldpolitische Argument für eine Staffelung aber nicht. Allerdings müsse man sich die Entwicklung genau ansehen. Von der Staffelung würden vor allem die Banken mit hoher Überschussliquidität profitieren, von denen viele in Frankreich und Deutschland sitzen, wo die Kreditvergabe ohnehin schon hoch ist. Es gebe also bisher keinen Beweis, dass die Negativzinsen schlecht für die Kreditvergabe seien, so Cœuré. Es sei eher umgekehrt.

Im Klartext: Liebe Banker, lieber Sparer, schminkt euch den Gedanken mal kräftig ab, dass es von der EZB in geraumer Zeit eine Zinswende gibt, die man mit der Lupe wird erkennen können. Weiter sagt er zum Thema Zinsen Zitat:

Ich weiß nicht, was das langfristige Ziel der Zinsen in Europa sein soll. Aber „Normalisierung“ heißt für mich, dass die Leitzinsen wieder das Hauptinstrument der Geldpolitik sind – so wie vor der Krise. Da sind wir noch nicht. Das Anleihekaufprogramm – die „Quantitative Lockerung“ – ist noch nicht vorbei, weil wir auslaufende Anleihen nachkaufen. Wir reinvestieren jeden Monat eine erhebliche Summe. Und zweitens ist die „Forward Guidance“ heute das Hauptinstrument, die Lenkung der Markterwartungen durch Worte – nicht durch Leitzinsänderungen. Wir geben die Aussicht auf die Normalisierung nicht auf, doch der Konjunkturabschwung verzögert sie.

Im Februar wurde eine perfide Denkschrift des IWF bekannt, wonach man Bargeld abwerten könne, wodurch letztlich noch tiefere Negativzinsen durchgesetzt werden könnten. Auch dazu wurde Cœuré aktuell befragt, und hat dazu nur die ausweichende Antwort parat, dass dies keine neue Idee sei. Die habe schon Silvio Gesell vor 100 Jahren gehabt. Aber das sei keine praktische Diskussion für die EZB. Das klingt irgendwie nicht so, als stehe man dieser Idee bei der EZB völlig ablehnend gegenüber. Denn ein klares NEIN klingt anders.

Benoît Cœuré über Negativzinsen
EZB-Dirktor Benoît Cœuré. Foto: Aron Urb (EU2017EE) – Flickr CC BY 2.0

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Staatsschulden in Euroland sinken immer weiter? Nein, eine Täuschung!

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Die europäische Statistikbehörde Eurostat hat heute für das Jahr 2018 Daten bekanntgegeben für Staatsschulden, Schuldenquoten und die Haushaltsdefizite der Staaten in Eurozone wie auch Gesamt-EU. An dieser Stelle wollen wir uns nur die Daten der Eurozone anschauen, und nicht die der Gesamt-EU. Nach dem Ausscheiden der Briten aus der Union werden sich die Zahlen der Gesamt-EU ohnehin stark denen der Eurozone angleichen. Schaut man auf die Headline-Aussage der Statistiker, dann läuft alles wie am Schnürchen. Zitat Eurostat:

„Im Jahr 2018 verringerten sich das öffentliche Defizit und der öffentliche Schuldenstand relativ gesehen sowohl im Euroraum (ER19) als auch in der EU28 im Vergleich zu 2017. Gemessen am BIP verringerte sich der öffentliche Schuldenstand im Euroraum von 87,1% (Ende 2017) auf 85,1% (Ende
2018).“

Und in der Tat, die Erfolge können sich sehen lassen. Zusammengefasst hatten alle Staaten der Eurozone im Jahr 2015 noch ein Haushaltsdefizit von 215 Milliarden Euro. Es Sank über 168 auf 110, und in 2018 auf nur noch 60 Milliarden Euro. Das ist gut! Auch die Schuldenquote der Staaten sank im Lauf der Jahre immer weiter, von 90,1% (in Relation zum BIP), auf 89,2%, auf 87,1% bis auf 85,1% im Jahr 2018. Da gibt es nur einen „Schönheitsfehler“.

Denn anders als es suggeriert wird, sinken die Staatsschulden nicht. Denn wer genau nachliest, der merkt: Es ist nicht die Rede von sinkenden Staatsschulden, sondern nur von sinkenden Staatsschulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Und der tatsächliche Schuldenstand? Der wird in der Headline-Aussage von Eurostat nicht erwähnt, sondern nur in der Statistik als Zahl erwähnt. Und siehe da, von 2015 bei 9,49 Billionen Euro stieg er weiter an auf 9,67, 9,76 bis auf 9,86 Billionen Euro in 2018.

Von einem Schuldenabbau in Euroland kann also keine Rede sein. Die tatsächlichen Staatsschulden (in Euro) steigen weiter an! Die Schuldenquote sinkt nur deswegen kontinuierlich, weil das BIP europaweit stärker steigt als die Verschuldung der Staaten. Welch prozentuales Glück für die Statistiker! Das Staatsschuldenproblem ist damit aber nicht gelöst. Bei der nächsten Rezession oder auch nur Konjunkturdelle steigen die realen Schulden dann wieder schneller an, während das BIP wohl schrumpft. Dann schnellen die Quoten wieder in die Höhe.

Staatsschulden Schuldenquoten Defizite

Hier weitere Details von Eurostat im Wortlaut:

Im Jahr 2018 verzeichneten Luxemburg (+2,4%), Bulgarien und Malta (je +2,0%), Deutschland (+1,7%), die Niederlande (+1,5%), Griechenland (+1,1%), Tschechien und Schweden (je +0,9%), Litauen und Slowenien (je +0,7%) sowie Dänemark (+0,5%), Kroatien (+0,2%) und Österreich (+0,1%) einen öffentlichen Überschuss, während Irland einen ausgeglichenen Finanzierungssaldo meldete. Zwei Mitgliedstaaten wiesen ein Defizit von 3% oder mehr des BIP auf: Rumänien (-3,0%) und Zypern (-4,8%).

Am Ende des Jahres 2018 wurden die niedrigsten Verschuldungsquoten (öffentlicher Schuldenstand im Verhältnis zum BIP) in Estland (8,4%), Luxemburg (21,4%), Bulgarien (22,6%), Tschechien (32,7%), Dänemark (34,1%) und Litauen (34,2%) verzeichnet. Vierzehn Mitgliedstaaten wiesen eine Verschuldungsquote von mehr als 60% des BIP auf. Die höchsten Verschuldungsquoten wurden in Griechenland (181,1%), Italien (132,2%), Portugal (121,5%), Zypern (102,5%), Belgien (102,0%), Frankreich (98,4%) und Spanien (97,1%) registriert.

Im Jahr 2018 beliefen sich die Staatsausgaben im Euroraum auf 46,8% des BIP und die Staatseinnahmen auf 46,3%. Die entsprechenden Zahlen für die EU28 lagen bei 45,6% bzw. 45,0%. Zwischen 2017 und 2018 haben sich die Ausgaben des Staates im Verhältnis zum BIP in beiden Gebieten verringert, während die Einnahmen des Staates im Verhältnis zum BIP gestiegen sind.

Rom
Italien hat nicht nur steigende Schulden, sondern auch eine weiter steigende Schuldenquote mit zuletzt 132,2%. Das Kolosseum in Rom. Foto: Diliff CC BY-SA 2.5

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Fortnite als Blaupause für die Geldanlage der Zukunft?

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Mit mehr als 125 Millionen Teilnehmern ist Fortnite derzeit das weltweit erfolgreichste Online-Spiel. Markus Koch interviewt im folgenden Video Christoph J. Gum von der Private Alpha Switzerland AG zum Thema „Künstliche Intelligenz (KI) in der Geldanlage“. Auch wenn man den Verdacht haben könnte, dass es sich hierbei um eine Art Promo-Video für Herrn Gum handelt, möchten wir das Thema KI zur Gedankenanregung hiermit in den Ring werfen. Die Frage die wir uns stellen: Kann die Crowd wie über „Fortnite“ als Idee kopiert werden für die automatisierte Geldanlage? Und kann die KI in diesem Bereich wirklich dauerhaft und sicher den Menschen ersetzen? Herr Gum greift bei seiner vollautomatisierten Geldanlage zum Beispiel gar nicht mehr manuell ein. Frage: Kann ein Algorithmus wirklich alle, wirklich ALLE Ereignisse an der Börse verstehen und inhaltlich sinnvoll „bearbeiten“? Man kann daran seine Zweifel haben.

Fortnite
Fortnite at E3 2018. Foto: Sergey Galyonkin CC BY-SA 2.0

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