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Brexit: 6 Monate Zeit für „irgendeine Lösung“, aber in Wirklichkeit nur noch 41 Tage Zeit!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Da ist sie also nun, die große Lösung der 27 EU-Mitgliedsstaaten für den Brexit. Man gewährt Großbritannien bis Ende Oktober Zeit „irgendeine Lösung“ zu finden. So sagt EU-Ratspräsident Donald Tusk dazu nämlich, dass die Briten in dieser Zeit „nach wie vor“ das Austrittsabkommen annehmen könnten, dann wäre der Aufschub sofort zu Ende. Die Briten könnten aber auch ihre Brexit-Strategie insgesamt überdenken.

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Oder sie könnten den Antrag zum EU-Austritt zurückziehen und den Brexit absagen, so Tusk. Also im Klartext: Macht was, irgendwas, aber wichtig für uns ist, dass das Problem nun eindeutig und zu 100% bei euch auf der Insel liegt. Und dem ist ja auch so mit diesem Halbjahres-Freibrief für die Briten. Hier finden Sie den Original-Text des EU-Rats von heute Nacht im Wortlaut. Dazu hier eine sehr interessante Text-Passage:

Wenn das Vereinigte Königreich im Zeitraum vom 23.-26. Mai 2019 noch ein Mitgliedstaat der EU sein
und das Austrittsabkommen bis zum 22. Mai 2019 noch nicht ratifiziert haben sollte, muss es die Wahl zum Europäischen Parlament im Einklang mit dem Unionsrecht abhalten. Kommt das Vereinigte Königreich dieser Verpflichtung nicht nach, so erfolgt der Austritt am 1. Juni 2019.

Was heißt das im Klartext? Dass die Frist zwar offiziell noch mehr als sechs Monate läuft. Aber dass sie in Wirklichkeit nur noch 41 Tage läuft, nämlich bis zum 22. Mai. Denn es ist kaum vorstellbar, dass das Lager der Brexit-Befürworter auf der Insel es zulassen wird, dass Großbritannien Ende Mai an der Wahl zum EU-Parlament teilnimmt. Natürlich ist auf der Insel wohl alles möglich, wie Neuwahlen zum Parlament, oder eine ganz neue Brexit-Wahl. Aber sind solche Szenarien besonders wahrscheinlich?

Die Aussage von Donald Tusk, dass die Briten ihre Brexit-Strategie auch „insgesamt überdenken“ könnten, korrespondiert aber nicht so wirklich mit dem offiziellen Text des EU-Rats. Denn dort heißt es auch, dass Zitat:

„…nicht erneut über das Austrittsabkommen verhandelt werden kann und dass jede einseitige Verpflichtung oder Erklärung oder jeder sonstige einseitige Akt mit dem Geist und dem Buchstaben des Austrittsabkommens vereinbar sein sollte und dessen Durchführung nicht beeinträchtigen darf.“

Theresa May wird heute diese Einigung aus Brüssel im Parlament in London vortragen. Da dürfte es heute mal wieder hoch her gehen. Und wie es nun in London weitergeht? Zerstreiten sich die beiden Lager immer weiter? Gut möglich, dass man sich in London erst einmal ausruht, weil man ja wieder Zeit gewonnen hat. Es ist aber nur schwer vorstellbar (so meinen wir), dass die britischen Bürger im Mai aufgerufen werden an der Wahl zum EU-Parlament teilzunehmen. Dann würden diejenigen Bürger, die vor drei Jahren für den Brexit stimmten sich denken, dass hier doch irgendwas gehörig schief läuft.

Übrigens: Die 27 EU-Mitgliedsstaaten haben sich mit Theresa May auch darauf geeinigt, dass sich die 27 in den nächsten Monaten jederzeit ohne Großbritannien treffen können – und das obwohl die Briten ja erst einmal weiterhin Voll-Mitglied der Union sind!

Und das britische Pfund? Mit 1,3086 beim Pfund vs US-Dollar absoluter Stillstand im Vergleich zu gestern Nachmittag, bevor das Treffen des EU-Rats in Brüssel begann. Auch am Devisenmarkt weiß also niemand, wie es nun weiter gehen soll. Man darf also gespannt sein auf die nächste „große Vorführung“ im House of Commons.

Brexit EU-Rat
Jean-Claude Juncker und Donald Tusk auf der PK heute Nacht. Copyright: European Union

10 Kommentare

10 Comments

  1. Avatar

    Columbo

    11. April 2019 11:06 at 11:06

    Bemerkenswert, wie sämtliche vermeintlich akute Krisen der letzten Jahre im Sande verliefen und verlaufen.
    Trump/Nordkorea, Spanien/Katalonien, Italien/EU, US/China, England/EU….
    Politische und mediale Börsen scheinen immer noch kurze Beine zu haben und unbeeindruckte Anleger haben still und leise Geld verdient.
    Wirklich kritische Situationen findet man nicht in Medien oder bei „Crashexperten“. Sehr wenige erkennen diese rechtzeitig und meist äußern sie sich dann noch eher leise und bescheiden.

  2. Avatar

    Roberto

    11. April 2019 11:34 at 11:34

    @Columbo, sehr richtig !!! das sind exakt meine Gedanken dazu. Ich schrieb damals hier
    so ähnlich. Wurde aber leider sofort angegangen.
    Natürlich haben wir Krisen auf der ganzen Welt und das schon seit vielen Jahren. Die von ihnen beschriebenen Krisen sind noch nicht mal ausgestanden, sondern mitten drin. Und wenn wir uns die Börsen dazu ansehen, dann würden wir denken das es eigentlich nicht eine einzige Krise auf der Welt gibt.
    Und natürlich warten wir auch auf eine gesunde Korrektur um langfristig in den Markt einzusteigen. ABER niemand weiß wann diese Korrektur kommt…es kann sein das es noch Jahre dauert. Wir werden aber in der zwischenzeit leider kein Geld damit verdienen wenn wir unser Geld auf dem Bankkonto liegen lassen. Und genau das ist das Problem viele Anleger. Sie trauen ( verständlicher Weise ) den hohen Kursen nicht und sitzen auf ihr Geld. Das ist frustrierend. Deshalb habe ich für mich schon seit einiger Zeit entschieden diesen daytrading Ansatz zu fahren, damit ich wenigstens etwas aus dem Geld mache, bevor es nur rumliegt.

    • Avatar

      Columbo

      11. April 2019 12:39 at 12:39

      @Roberto
      Sehr spannend finde ich den Versuch, herauszufinden, wer die Roger Babson‘s von heute/morgen sein könnten.
      (Wer es nicht weiß, Roger Babson war ein Statistiker, der kurzfristig vor dem 1929er Crash warnte).

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    Roberto

    11. April 2019 12:47 at 12:47

    @Columbo, ja da bringen sich ja täglich neue in Stellung. Irgendwann wird es passieren und dann werden sehr viele auf der Matte stehen und erklären das sie es doch waren die das wussten. Das dazwischen aber Jahre vergangen sind, wird natürlich keiner hervorheben :-)

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    Prognostiker

    11. April 2019 14:01 at 14:01

    @ Columbo, Es gibt eben keine echten Crash- Propheten mehr, weil sie nach mehreren künstlichen Notenbankeingriffen u. Crash Verhinderungen verhöhnt werden.Einer der sich trotzdem seine skeptische Haltung nicht verbiegen lässt ist Herr Fugmann.
    Er könnte dann im Jahre 2050 bei DOW Jones 100000 u.bei Zinsen von minus 10% u.nachfolgendem Crash
    als CRASH- Fugi in die Börsengeschichte eingehen.
    @Roberto, natürlich hört man lieber die Wunschkonzert Börsianer, aber die Folgen der Blase hat noch immer der kleine Bürger ausgebadet.Natürlich profitieren die gewitzten Anleger / Trader beim Anstieg u.beim Absturz.

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    Roberto

    11. April 2019 15:19 at 15:19

    ich glaube auch das es bei den heutigen Finanzverwerfungen die wir Global haben überhaupt keine crash´s oder echte Korrekturen mehr geben kann.
    Die Angst ist zu groß und die Wahrheit ist zu erschreckend, als das man das zulassen könnte.
    In einem solchen drohenden Fall würden alle Notenbänker der Welt in einer Telefonkonferenz den Markt dramatisch mit liquidität fluten.
    Seit 2008 haben die Notenbanken gesehen was passieren kann. Und genau das ist der eigentliche PUT auf die Märkte.
    Schade eigentlich, aber normale Märkte sind Geschichte.

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    Nicht- Permabulle

    11. April 2019 18:55 at 18:55

    Wenn man den Roberto als Permabulle bezeichnen würde, wäre er wieder beleidigt.Als selbsternannter Immoprofi sollte er wissen, dass die Korrektur auch von den Immobilien ausgehen könnte, wie 2008oder Japan ab 1990.
    Oder würden dann die Notenbanken auch noch die Immobilien aufkaufen? Das grösste Risiko ist jetzt, dass fast Alle glauben, dass es nie mehr abwärts geht.

  7. Avatar

    Roberto

    11. April 2019 20:29 at 20:29

    @nicht-Permabulle, Nein, ich bin nicht beleidigt :-)
    Das mit dem selbsternannten Immoprofi würde ich bestätigen.
    ich denke jemand der seit über 30 Jahren selbständig als Immobilienkaufmann in einer Großstadt wie Berlin agiert und seit fast 15 Jahre Vermieter und Bauträger ist, der sollte schon etwas Ahnung von der Materie haben. Nur etwas…nicht viel….:-)
    Schönen Abend noch.

  8. Avatar

    Nicht Permabulle

    12. April 2019 07:28 at 07:28

    @ Roberto, heute gute Laune, etwa gerade einen Kurztrade oder einen Swingtrade oder im Swingerklub einen Höhepunkt erlebt? Spass beiseite, Was ich schizophren finde, die staatlichen Notenbanken treiben künstlich Aktien , Anleihen u. Immobilien in die Höhe.
    Die Wertsteigerungen von Aktien u.Anleihen werden von allen gerne angenommen.Die Wertsteigerungen von Immobilen erfreut nur die Besitzer, während bei den Mietern offensichtlich die Probleme der irrwitzigen Geldpolitik hervortreten.
    Währen Aktien schon lange staatlich ( Notenbanken) gegen unten gestützt werden ,gibt es jetzt Vorstösse, die Immobilien nach oben deckeln wollen.
    Fazit: Man nimmt das falsche Medikament u.bekämpft dann die unerwünschten Nebenwirkungen wieder mit einem falschen Medikament. DER PATIENT WIRD NICHT ÜBERLEBEN!

  9. Avatar

    Roberto

    12. April 2019 08:48 at 08:48

    @Nicht -Permabulle, eigentlich habe ich immer gute Laune :-)
    Aber zum traden bin ich gestern wenig gekommen, musste mich um wichtige Angelegenheit kümmern. :-)
    Gestern gab es eine Diskussion bei Maybritt Illner bezüglich der Immobilienenteignungen. ich bin schon echt verwundert wie offensichtlich Menschen eine Enteignung fordern weil die Mieten so stark gestiegen sind. Anstatt die Politik vor sich her zu treiben das tatsächliche Problem des Wohnungsangebotes zu beheben, gehen alle auf die Eigentümer los.
    Nach dem Motto : Spekulanten enteignen :-))))
    Vielleicht sollte man dann die Mieter die mit Aktien spekulieren und die gut gelaufen sind auch enteignen…diese Spekulanten :-))) Da hat Herr Altmaier einen guten Einwand gebracht. Aber wie dem auch sei….als Vermieter werde ich kein Applaus erwarten, egal was ich schreibe.
    Ihnen “ Nicht-Permabulle “ wünsche ich jeden falss einen erfolgreichen Tag mit vielen guten Trades .-)

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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am

Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Aktien

Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Von

Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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