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Brexit: Das Drama mit den Briten – und warum sie scheitern werden..

Eine seltsame Verkennung der Realität macht sich breit im Land der Briten. Und das ist eigentlich gar nicht britisch..

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

Es heißt ja, die Briten hätten ein besonderes Geschick im Umgang mit anderen Kulturen und Völkern. Ein Geschick, das sie zu ihren besten Kolonialzeiten immer wieder unter Beweis gestellt hatten, als sie mit einer vergleichsweise kleinen Bevölkerung ein ganzes Weltreich etablieren konnten (bis zum Ersten Weltkrieg). Die Kolonialpolitik der Briten zielte dabei meist auf einen Interessensausgleich mit den lokalen Eliten: diese beließ man in ihrer Herrschaftsfunktion, sodaß die lokalen Eliten den britischen Kolonialisten zu Loyalität verpflichtet waren, und London hatte stets den Daumen drauf, ohne viele Ressourcen dafür einsetzen zu müssen. Man hatte also an die Eigeninteressen der anderen appelliert (der Oberschicht in Indien, Afrika, der Karibik oder wo auch immer) – und damit gigantischen Erfolg.

Nun aber scheint den Briten dieses Gespür für den Interessensausgleich irgendwie abhanden gekommen zu sein. Denn nach wie vor glaubt man bei den Brexit-Befürwortern wie Boris Johnson, aber auch bei den verantwortlichen Politikern wie Theresa May, die eigentlich nicht für den Brexit waren, dass man schon den bestmöglichen Deal für UK heraushandeln werde (wohl im Vertrauen darauf, dass man historisch nicht gerade ein schlechtes Verhandlungsgeschick bewiesen hat).

boris_johnson_july_2015
Boris Johnson, der neue Aussenminister der Briten
Foto: U.S. Embassy photographer, https://www.flickr.com/photos/usembassylondon/19279447599/

Aber diesmal gibt es ein sehr erhebliches Problem: die Briten respektive die handelnden Brexit-Verwalter zeigen ein erstaunliches Defizit, sich in die Lage der Anderen hineinzuversetzen. Man sagt sich schlicht: dass alles so bleibt, wie es ist, man also Zugang behalte zum EU-Binnenmarkt und umgekehrt die EU nach UK, sei doch auch im Interesse auch der anderen EU-Staaten. Und zeigt ihnen gleichzeitig den Stinkefinger, indem man ihnen sagt, die Sache mit der Freizügigkeit, die könne man aber leider überhaupt nicht akzeptieren – sonst hätten man den Brexit ja gar nicht erst machen brauchen (Hauptargument der Brexit-Befürwoter war ja die Einwanderung).

Mit dieser Haltung stößt man vor allem die mittelosteuropäischen Visegrad-Staaten vor den Kopf, die an sich ja eigentlich mit ihrer grundsätzlich skeptischen Haltung zur EU natürliche Verbündete für die Briten hätten sein können. Und das ist unschlau: man vergräzt in schwieriger Lage besser keine potentiellen Bündnispartner, deren Interessen zu den eigenen ähnlich gelagert sind. Das ist schonmal der erste schwerwiegende Fehler.

Der zweite Kardinal-Fehler ist, dass die britische Verhandlungsposition verkennt, dass sich durch den Brexit für die EU nun die Existenzfrage stellt: wenn man den Briten nun den Abschied noch versüßt und damit die Büchse der Panora weit aufmacht, wird die EU implodieren, das wissen die EU-Verantwortlichen. Also muß man aus dieser Logik heraus hart bleiben und notfalls – anders als die Briten glauben – gegen die eigenen Wirtschaftsinteressen handeln, wenn man nicht die eigene Existenz als EU-Bürokrat oder EU-Verantwortlicher auf´s Spiel setzen will. Für die EU-Bürokratie geht es also um alles oder nichts – und das macht die Sache mehr als heikel.

Nun heißt es daher folgerichtig aus EU-Kreisen (zu denen wir aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände Zugang haben..), dass man gar nicht anders könne, als eine harte Haltung zu zeigen. Ein Deal könne und werde ca. 10 Jahre dauern – und wenn in der Zwischenzeit eben Zölle eingeführt würden, dann sei dem eben so. Das haben die Briten irgendwie nicht so ganz kapiert – eben weil sie sich nicht ausreichend in die Lage der EU-Verantwortlichen versetzen!

In Großbritannien selbst scheint es, neben dieser Ignoranz, derzeit übrigens eine klare Tendenz zu geben, sich die ökonomischen Dinge nach dem Brexit-Votum schön zu reden (siehe dazu unseren Artikel „Brexit: Wie sich die britischen Brexit-Befürworter in die Tasche lügen!“). Die Daten, die etwa von staatlichen Behörden erhoben werden, sind überwiegend miserabel (so gestern die Zahlen zur Kreditvergabe, die auf den tiefsten Stand seit 2008 gefallen ist etc. etc.) – aber dann heißt es meist einschränkend nebulös: aber sonst ist alles prima.

Diese seltsame Tendenz setzt sich heute ungebrochen fort, in einer Umfrage der Federation of Small Businesses (FSB), also der kleineren britischen Unternehmen, die vom Brexit deutlich stärker betroffen sein werden als die Großkonzerne, die meist eigentlich ausländischer Provinienz sind und sich über die Pfund-Schwäche freuen, weil das Bilanzgewinne bringt (Gewinne im Ausland werfen mehr Pfund ab duch dessen Abwertung). Für die kleineren Unternehmen dagegen ist die Pfund-Schwäche ein Problem (Importe), zumal die Arbeitnehmer bald Entschädigung fordern werden für die absehbar stark steigenden Preise.

Daher ist es auch alles andere als ein Zufall, dass die Stimmung bei den kleineren Unternehmen sehr schlecht ist:

„The Federation of Small Businesses (FSB) has found that UK small business confidence has continued to fall, dipping into negative territory for the first time since 2012.
In the first data gathered since the UK’s decision to leave the EU, the FSB Q3 Small Business Index (SBI) found business confidence in negative territory (-2.9). This is the second largest year-on-year fall in confidence in the Index’s history (Hervorhebung FMW), with the largest drop occurring in the previous quarter of 2016 (Q2). Confidence has now fallen for the last three quarters in a row.“

Oha. Aber sonst auch hier wieder alles nicht so schlimm, schließlich hätten die kleineren Unternehmen guten Zugang zu Krediten (wie viel genau?) etc. Auch hier also wieder der Versuch der Schönfärberei, während die nackten Daten eine klare, eine ganz andere Sprache sprechen!

Man kann daher den Briten nur wünschen, dass sie ihre traditionellen Tugenden (Empathie für die Interessen anderer, Nüchternheit etc.) wiederentdecken – sonst wird der Aufprall in der Realität umso härter..

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    gerd

    22. September 2016 13:08 at 13:08

    Was dieses Thema angeht spüre ich die Neigung, mit Ihnen eine Wette einzugehen. Da das aber so nicht möglich ist, lasse ich diese mal so intern in meinem Kopf mitlaufen.

    Ich behaupte, dass in zweieinhalb Jahren (ungefährer Austrittstermin) Deutschland weitaus stärker den Bach runtergegangen sein wird als GB.

    Und außerdem
    „…wenn man den Briten nun den Abschied noch versüßt und damit die Büchse der Panora weit aufmacht, wird die EU implodieren“
    Die EU wird so oder so implodieren.
    Desweiteren würde es mich nicht wundern, wenn in den nächsten Jahren einige EU-Länder der EU gleichfalls den Rücken kehren und sich stattdessen l i e b e r m i t G B in einer
    n e u e n G e m e i n s c h a f t z u s a m m e n t u n .

    Letztlich muss ich aber gestehen, nobody knows. Ich natürlich auch nicht.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      22. September 2016 13:21 at 13:21

      @Gerd, die EU ist ein instabiles Gebilde – etwa so wie Italien, das hunderte Regierungswechsel erlebt hat, und dennoch weiter existiert. Wirklich gefährdet, das hat etwa Nassim Taleb sehr gut gezeigt, sind scheinbar monolithische Gebilde wie einst die Sowjetunion oder jetzt China, die aber viel eher auseinanderbrechen oder implodieren als solche vermeintlich permanent instabilen Gebilde wie die EU oder Italien..

      • Avatar

        gerd

        22. September 2016 13:34 at 13:34

        Sie werden ja wahrscheinlich sogar Recht behalten. Allein auch deshalb schon, weil die Mächtigen ihre Pründe nicht so schnell aufgeben sondern bis zum Letzten verteidigen werden.

        Aber wenn ich z.B. den Juncker vorn paar Tagen gehört habe.
        So sinngemäß: „die EU muss mehr auf die Bürger zugehen. WIR HABEN VERSTANDEN. “
        Aber Ttip und Ceta, das wolln wir schon noch mal so eben durchwinken. Obwohl europaweit Menschenmassen dagen auf die Straße gehen.

        Und so geht das doch weiter, da ändert sich nichts.
        Und irgendwann werden auch die deutschen (u. andere) Schlafschafe aufwachen und dann…….o.k., dann wird es zu spät sein. Die Schafe werden feststellen, dass man ihnen das Fell längst über die Ohren gezogen hat.

      • Avatar

        Dreistein

        23. September 2016 07:43 at 07:43

        Die EU wird so lange halten bis man aus Deutschland kein Geld mehr holen kann, dann hat der Spuk ein Ende!

  2. Avatar

    Marko

    22. September 2016 13:37 at 13:37

    Hallo,

    genau dies wird man wohl tun müsssen, hart bleiben. Die Rosinenpicker wollen den freien Zugang zum nicht gerade unerheblich kleinen EU-Binnenmarkt, die Bürger aus GB sollten innerhalb der EU arbeiten können, wo sie wollen, aber umgekehrt will man den Flüchtlingsstrom einschränken und sich auch noch die „guten“ EU-Bürger als Arbeitskräfte aussuchen. Aus Osteuropa gibt es schon Stimmen, das man sich dagegen mit Händen und Füßen wehren wird, Stichwort Billigarbeitskräfte aus Osteuropa in GB, die dann um ihren Job Bangen müssten.
    Am Wochenende gab es schon Stimmen, dass die Briten bereit wären, diesen Streitpunkt aufzugeben, man hat offenbar mitkommen, dass die EU in diesem Punkt eisenhart bleiben musss und wird.
    Das würde aber, solange wie der Status Quo erhalten bleibt (Sprich die Austrittsverhandlungen könnten sich auf Jahre hinaus ziehen) , Jahr für Jahr bedeuten, dass die Briten an die EU zahlen müssen…
    Es ist ja schon im Gespräch, dass man London als sogenannte „Sonderwirtschaftszone“ einrichten könne, ähnlich wie Hong-Kong bei den Chinesen .. ;) – vielleicht baut man dann einen Grenzzaun um London herum ? :D
    Die Societe Generale überlegt jedenfalls schon aus London abzuwandern, andere (gerade große US-Banken, die könnten sich dann London nicht mehr „erlauben“) dürften folgen…
    Falls es zu keiner Einigung kommen sollte, wird man über Grenzkontrollen, Visa bzw. dann auch Zölle nicht hinauskommen, das ist dann eben der Preis, den man für seine Flüchtlingspolitik zahlen wird müssen – ein ziemlich hoher, wie ich finde…

    VG Marko

    • Avatar

      Petkov

      22. September 2016 14:43 at 14:43

      Sehe ich auch so. Der Preis für die Flüchtlingspolitik der Britten wird hoch sein. Der Preis für die Flüchtlingspolitik der merkel wird jedoch dramatisch höher sein.

      Übrigens sollten wir endlich aufhören von Flüchtlingen zu reden. Die berechtigten Flüchtlinge sind eine ganz kleine Minderheit, die kaum mediale Aufmerksamkeit gefunden hätte. Die echten Flüchtlinge, die vor Kriegen und insbesondere vor dem Klimawandel zu Recht flüchten, kommen erst noch.

      Nicht die Migranten sind das Problem, sie verhalten sich aus ihrer Sicht rational. Der Unmut der Europäier richtet sich nicht auf die Neuankömmlinge, sondern auf den völlig inadäquaten politischen Umgang mit denen. Stellvertretend dafür steht die merkel, aber mittlerweile steht sie nicht stellvertretend, sondern vollkommen isoliert und alleine da. Ohne die merkelsche Flüchtlingspolitik hätten die Brexit-Befürwörter keine Chance gehabt. Die Britten haben lediglich die Reißleine gezogen und müssen jetzt einen hohen Preis für fremde Fehler zahlen.

    • Avatar

      joah

      22. September 2016 14:51 at 14:51

      Das mit dem Abwenden von London sind alles nur hohle Luftschläge zur Drohung. Da die Institute aber durchgängig davon profitieren dort zu sein, haben die in Wirklichkeit überhaupt gar kein Interesse von dort zu entfliehen.

  3. Avatar

    m.d

    22. September 2016 13:50 at 13:50

    Kann man vielleicht mal einen Bericht machen über die Vorteile und Nachteile dieser Ttip und Ceta abkommen. Weil ich keine klare Meinung habe. Pro und contra ist aber wichtig für eine Meinungsbildung. Danke vorab

  4. Avatar

    Marko

    22. September 2016 15:52 at 15:52

    Hallo,

    das glaube ich nicht, dass das mit Londen nur eine hohle Drohung ist, für die europäischen Banken dürfte es kein Problem sein, sich vom Finanzplatz London zurückzuziehen, natürlich nicht ganz, das macht doch keiner, dafür ist London viel zu bedeutend.
    Das Problem sind die Ami-Banken, deren Hauptgeschäft konzentriert sich auf London und durch London natürlich auch auf Europa.

    Wenn London als Europas Börsenplatz Nummer 1 isoliert wäre und eben nicht de freien Zugang zu „Resteuropa“ hätte, würde dies definitiv zu Konsequenzen führen, Arbeitsplätze in London würden abgebaut werden. London würde weltweit an Bedeutung verlieren und Finanzen und Banking , das können sie (immerhin) die Briten..

    Die EU erwartet von London den Austrittsantrag im Frühjahr 2017, hoffentlich reichen die 2 Jahre… ;)

    VG
    Marko

    • Avatar

      Dreistein

      23. September 2016 07:29 at 07:29

      London und Frankfurt haben doch fusioniert und der EU Markt steht den Engländern weiter zur Verfügung, die werden schon Wege finden.

  5. Avatar

    Marko

    22. September 2016 16:46 at 16:46

    Hallo,

    …“Nun heißt es daher folgerichtig aus EU-Kreisen (zu denen wir aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände Zugang haben..), dass man gar nicht anders könne, als eine harte Haltung zu zeigen. Ein Deal könne und werde ca. 10 Jahre dauern – und wenn in der Zwischenzeit eben Zölle eingeführt würden, dann sei dem eben so. Das haben die Briten irgendwie nicht so ganz kapiert – eben weil sie sich nicht ausreichend in die Lage der EU-Verantwortlichen versetzen!“

    und in der Zwischenzeit kann man keine Zölle einführen, weil : in der Zwischenzeit gilt der Status Quo. Es sei denn, GB wäre stur und würde seine Verpflichtungen gegenüber der EU einstellen.
    Aber : das wäre schon sehr unrealistisch, da sieht man mal wieder, welchen Sinn macht der Brexit eigentlich ?
    Keinen ? Natürlich war auf Seiten der Briten ein wenig Panik dabei, wie geht es weiter mit den Flüchlingen usw, durchaus.

    VG
    Marko

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      22. September 2016 17:07 at 17:07

      @Marko, doch das wäre 2 Jahre nach Aktivierung des Artikel 50 des Lissabonner Vertrags der Fall. In Artikel 50 heißt es (Absatz 3):

      Die Verträge finden auf den betroffenen Staat ab dem Tag des Inkrafttretens des Austrittsabkommens oder andernfalls zwei Jahre nach der in Absatz 2 genannten Mitteilung keine Anwendung mehr, es sei denn, der Europäische Rat beschließt im Einvernehmen mit dem betroffenen Mitgliedstaat einstimmig, diese Frist zu verlängern.“

  6. Avatar

    Marko

    22. September 2016 17:29 at 17:29

    Hallo,

    GB steht jetzt unter Druck, nicht die EU.
    Ich kann mich an den Tag nach dem Brexit-Referendum erinnern, Renzi, Merkel, Hollande schauten damals ganz betroffen in die Kameras – die dachten wohl, man hätte jetzt einen Fall Lehman 2.0 ?

    Nö, langweilige EU-Verträge lesen bringt was, schlimmer wäre das Brexit-Votum gewesen, wäre GB ein „Vollmitglied“ der EU gewesen, sprich gemeinsame Währung…man war ja sowieso die ganzen Jahre aussen vor…
    Von daher, GB muss im Frühjahr „liefern“…

    Markus , die 2 Jahre sind EU-Beamtensprech, da wär ich mir nicht so sicher, wer weiß schon, was in 2 Jahren ist ?

    Ausserdem müssen doch genauso ALLE EU-Staaten einstimmig dem Brexit zustimmen ? Na, das wird lustig…Wenn die Briten auf Ihre EU-Arbeitspolitik bestehen, wird das nix, die Osteuropäer wollen in GB den freien Arbeitsmarktzugang haben.

    VG
    Marko

  7. Avatar

    Marko

    22. September 2016 17:37 at 17:37

    Markus,

    wieso sollte die EU die Brexitverhandlungen nicht verlängern wollen ?

    Aus EU-Sicht, macht das doch Sinn, Hauptsache GB kommt seinen Verpflichtungen nach ? Oder habe ich da einen Denkfehler ? Wie gesagt der Brexit, der macht Sinn…

    VG
    Marko

  8. Avatar

    Jan

    23. September 2016 07:37 at 07:37

    Hallo,
    die Briten wissen ganz genau was sie da tun.
    Wusstet ihr, dass die Gesetze der EU noch nie geltendes Recht in der „City of Lodnon“ waren. Die City besitzt einen Sondersatus.
    Anscheinend grabt ihr alle noch an der Oberfläche.

    Guß Jan

  9. Avatar

    sascha

    23. September 2016 14:42 at 14:42

    Hallo Herr Fugmann,

    alles prima , auch die Kommentare .

    ABER: Das Bild ist echt nicht notwendig, da steht die Dummheit im Gesicht und das GEHT gar nicht, lieber die Queen , sieht netter aus und hat Geschichte. :-)

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IHS Markit-Kauf für 44 Milliarden Dollar – wie man gigantisch wächst ohne neue Schulden

Claudio Kummerfeld

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am

New York Downtown bei Nacht

In der Branche für Finanzdaten, Börsendaten und ökonomischen Analysedaten nimmt die Konzentration auf wenige große Anbieter immer mehr zu. Es gibt Bloomberg, Reuters, große Börsenanbieter wie die Deutsche Börse oder Euronext, und es gibt gerade den Versuch der London Stock Exchange den Datenanbieter Refinitiv für 27 Milliarden Euro zu übernehmen. Jetzt legt S&P Global (gehört zur Standard & Poors-Gruppe) nach und kauft den Datenanbieter IHS Markit. Und das für satte 44 Milliarden Dollar.

IHS Markit war Ende letzter Woche an der Börse noch 37 Milliarden Dollar wert. S&P Global lag bei 82 Milliarden Dollar. Wie schafft man es so viel Geld auszugeben, mal eben 44 Milliarden Dollar? Nun, in diesem Fall ist das gar kein Problem. Man „kauft“ per Aktientausch. Ein richtiger Kauf ist es dann gar nicht. Man fusioniert, und der „Käufer“ erhält an der neuen Firma die Aktienmehrheit. Oder besser gesagt, die bisherigen Aktionäre des größeren Fusionspartners halten dann später auch die Mehrheit am neuen Unternehmen.

So kommt es, dass die bisherigen Aktionäre von S&P Global an der neuen Firma 67,75 Prozent der Anteile halten werden, und die bisherigen Aktionäre von IHS Markit 32,25 Prozent. So haben alle was davon, und die Firma hat keine gestiegene Verschuldung durch diese Transaktion. So können große Konzerne schnell weiter wachsen, ohne sich zu verschulden.

Ganz anders lief es vor vier Jahren bei Bayer, wir erinnern uns alle mit Grausen an die Zeit danach. Die Leverkusener kauften Monsanto für 66 Milliarden Dollar in Cash. Dafür musste man damals eine Brückenfinanzierung über 57 Milliarden US-Dollar aufnehmen, also Kredite. So brockt man sich jede Menge Probleme ein, wenn man seine bisherige Aktionärsstruktur beibehalten will.

Will man extern kräftig zukaufen, muss man sich dann wie Bayer massiv verschulden. Um die Last zu reduzieren, muss man dann brutal einsparen, einzelne Sparten verkaufen usw. Gerade große Konzerne mit stark steigenden Aktienkursen können sich über den Weg des Kaufs mit eigenen Aktien (Fusion) andere Unternehmen einfach und bequem einverleiben. Dann werden die Aktionäre der bisherigen Konkurrenzfirma einfach zu Miteigentümern des eigenen Unternehmens gemacht. Und zack, der Konzern wächst kräftig, ohne dabei neue Schulden machen zu müssen. Natürlich hat der einzelne Altaktionär nach der Transaktion weniger Eigentum am Konzern. Aber dafür ist der Konzern an sich ja auch spürbar gewachsen, wodurch eine Kompensation stattfindet. Langfristig können über diese Methode die ganz großen Konglomerate entstehen.

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Die vierte Woche in Folge gibt es pünktlich Montag Mittag eine Impfstoff-Meldung, diesmal von Moderna. Und IHS Markit soll von S&P Global gekauft werden. Markus Koch spricht von einer massiven Konsolidierung im Bereich der Finanzdaten.

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Performance-Check: Das sind die härtesten Aktien der Welt – Werbung

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Lieber Börsianer,

wir alle wissen, wenn der Aktienmarkt einmal ins Rutschen gerät, bleibt kein Auge trocken. Selbst die Aktien anerkannter Qualitätsunternehmen fallen dann unisono mit dem Gesamtmarkt. Man ist dann als Anleger schon zufrieden, wenn sich das eigene Depot der Korrekturbewegung zumindest teilweise entzieht.

Genauso wissen wir, wenn die Weltkonjunktur einmal lahmt, sinken die Unternehmensgewinne durch die Bank. So ist nun einmal die Börse.

Aber ich bohre tiefer. Gibt es wirklich keine Unternehmen, die sich einem negativen Markttrend entziehen? Gibt es wirklich keine Ausnahme, die die Regel bestätigt?

Doch, die gibt es! Tatsächlich existiert in den USA eine Aktiengattung, die sich bereits seit Jahrzehnten durch eine ganz ungewöhnliche Stabilität auszeichnet. Diese ausgesuchten Unternehmen erwirtschaften nicht selten sogar in der tiefsten Rezession, z.B. zuletzt 2008/9, beste Gewinne. Mehr noch: Sie erhöhen selbst in diesen Phasen, wo die „normalen“ Unternehmen versagen, regelmäßig die Dividenden.

Börsianer bezeichnen solche unverwüstlichen Unternehmen als „Dividendenaristokraten“. Diese Dauerbrenner zeichnen sich vor allem durch zwei Merkmale aus:

1)
Naturgemäß verfügen die Dividendenaristokraten über langjährig bewährte und unantastbare Geschäftsmodelle.

2)
Deshalb erhöhen diese Unternehmen die Dividende seit mindestens 25 Jahren, und zwar jährlich.

Und das Regelwerk für Dividendenaristokraten ist knallhart. Wenn ein Unternehmen, sagen wir, im 43. Jahr die Dividende einmal nicht mehr jährlich erhöht, dann wird ihm der Aristokraten-Titel sofort entzogen. Folglich verlässt das Unternehmen dann auch den entsprechenden Index und muss sich nun wieder aufs Neue beweisen. Mit anderen Worten: Hier ist wirklich kein Platz für Verlierer oder

Nicht nur mehr Stabilität, sondern einfach auch mehr Rendite

Wie bereits angedeutet schaffen nur eine Handvoll Unternehmen diese Kriterien. Gegenwärtig gelten rund 10 % der Unternehmen des marktbreiten S&P 500 als Dividendenaristokraten. Die anderen 90 % des S&P 500 sind eben ganz normale Unternehmen, deren Gewinne im Einklang mit der Konjunktur mal fallen und mal steigen.

Gegenwärtig finden Sie im Dividendenaristokraten-Index zahlreiche Unternehmen aus traditionellen Industriesparten. Namhaft sind hier etwa Caterpillar, 3M oder etwa der Maschinenbauer Illinois Tool Works. Natürlich bringt auch die nicht-zyklische Konsumgüter-Branche…..

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