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Brexit: Das Drama mit den Briten – und warum sie scheitern werden..

Eine seltsame Verkennung der Realität macht sich breit im Land der Briten. Und das ist eigentlich gar nicht britisch..

Markus Fugmann

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am

Von Markus Fugmann

Es heißt ja, die Briten hätten ein besonderes Geschick im Umgang mit anderen Kulturen und Völkern. Ein Geschick, das sie zu ihren besten Kolonialzeiten immer wieder unter Beweis gestellt hatten, als sie mit einer vergleichsweise kleinen Bevölkerung ein ganzes Weltreich etablieren konnten (bis zum Ersten Weltkrieg). Die Kolonialpolitik der Briten zielte dabei meist auf einen Interessensausgleich mit den lokalen Eliten: diese beließ man in ihrer Herrschaftsfunktion, sodaß die lokalen Eliten den britischen Kolonialisten zu Loyalität verpflichtet waren, und London hatte stets den Daumen drauf, ohne viele Ressourcen dafür einsetzen zu müssen. Man hatte also an die Eigeninteressen der anderen appelliert (der Oberschicht in Indien, Afrika, der Karibik oder wo auch immer) – und damit gigantischen Erfolg.

Nun aber scheint den Briten dieses Gespür für den Interessensausgleich irgendwie abhanden gekommen zu sein. Denn nach wie vor glaubt man bei den Brexit-Befürwortern wie Boris Johnson, aber auch bei den verantwortlichen Politikern wie Theresa May, die eigentlich nicht für den Brexit waren, dass man schon den bestmöglichen Deal für UK heraushandeln werde (wohl im Vertrauen darauf, dass man historisch nicht gerade ein schlechtes Verhandlungsgeschick bewiesen hat).

boris_johnson_july_2015
Boris Johnson, der neue Aussenminister der Briten
Foto: U.S. Embassy photographer, https://www.flickr.com/photos/usembassylondon/19279447599/

Aber diesmal gibt es ein sehr erhebliches Problem: die Briten respektive die handelnden Brexit-Verwalter zeigen ein erstaunliches Defizit, sich in die Lage der Anderen hineinzuversetzen. Man sagt sich schlicht: dass alles so bleibt, wie es ist, man also Zugang behalte zum EU-Binnenmarkt und umgekehrt die EU nach UK, sei doch auch im Interesse auch der anderen EU-Staaten. Und zeigt ihnen gleichzeitig den Stinkefinger, indem man ihnen sagt, die Sache mit der Freizügigkeit, die könne man aber leider überhaupt nicht akzeptieren – sonst hätten man den Brexit ja gar nicht erst machen brauchen (Hauptargument der Brexit-Befürwoter war ja die Einwanderung).

Mit dieser Haltung stößt man vor allem die mittelosteuropäischen Visegrad-Staaten vor den Kopf, die an sich ja eigentlich mit ihrer grundsätzlich skeptischen Haltung zur EU natürliche Verbündete für die Briten hätten sein können. Und das ist unschlau: man vergräzt in schwieriger Lage besser keine potentiellen Bündnispartner, deren Interessen zu den eigenen ähnlich gelagert sind. Das ist schonmal der erste schwerwiegende Fehler.

Der zweite Kardinal-Fehler ist, dass die britische Verhandlungsposition verkennt, dass sich durch den Brexit für die EU nun die Existenzfrage stellt: wenn man den Briten nun den Abschied noch versüßt und damit die Büchse der Panora weit aufmacht, wird die EU implodieren, das wissen die EU-Verantwortlichen. Also muß man aus dieser Logik heraus hart bleiben und notfalls – anders als die Briten glauben – gegen die eigenen Wirtschaftsinteressen handeln, wenn man nicht die eigene Existenz als EU-Bürokrat oder EU-Verantwortlicher auf´s Spiel setzen will. Für die EU-Bürokratie geht es also um alles oder nichts – und das macht die Sache mehr als heikel.

Nun heißt es daher folgerichtig aus EU-Kreisen (zu denen wir aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände Zugang haben..), dass man gar nicht anders könne, als eine harte Haltung zu zeigen. Ein Deal könne und werde ca. 10 Jahre dauern – und wenn in der Zwischenzeit eben Zölle eingeführt würden, dann sei dem eben so. Das haben die Briten irgendwie nicht so ganz kapiert – eben weil sie sich nicht ausreichend in die Lage der EU-Verantwortlichen versetzen!

In Großbritannien selbst scheint es, neben dieser Ignoranz, derzeit übrigens eine klare Tendenz zu geben, sich die ökonomischen Dinge nach dem Brexit-Votum schön zu reden (siehe dazu unseren Artikel „Brexit: Wie sich die britischen Brexit-Befürworter in die Tasche lügen!“). Die Daten, die etwa von staatlichen Behörden erhoben werden, sind überwiegend miserabel (so gestern die Zahlen zur Kreditvergabe, die auf den tiefsten Stand seit 2008 gefallen ist etc. etc.) – aber dann heißt es meist einschränkend nebulös: aber sonst ist alles prima.

Diese seltsame Tendenz setzt sich heute ungebrochen fort, in einer Umfrage der Federation of Small Businesses (FSB), also der kleineren britischen Unternehmen, die vom Brexit deutlich stärker betroffen sein werden als die Großkonzerne, die meist eigentlich ausländischer Provinienz sind und sich über die Pfund-Schwäche freuen, weil das Bilanzgewinne bringt (Gewinne im Ausland werfen mehr Pfund ab duch dessen Abwertung). Für die kleineren Unternehmen dagegen ist die Pfund-Schwäche ein Problem (Importe), zumal die Arbeitnehmer bald Entschädigung fordern werden für die absehbar stark steigenden Preise.

Daher ist es auch alles andere als ein Zufall, dass die Stimmung bei den kleineren Unternehmen sehr schlecht ist:

„The Federation of Small Businesses (FSB) has found that UK small business confidence has continued to fall, dipping into negative territory for the first time since 2012.
In the first data gathered since the UK’s decision to leave the EU, the FSB Q3 Small Business Index (SBI) found business confidence in negative territory (-2.9). This is the second largest year-on-year fall in confidence in the Index’s history (Hervorhebung FMW), with the largest drop occurring in the previous quarter of 2016 (Q2). Confidence has now fallen for the last three quarters in a row.“

Oha. Aber sonst auch hier wieder alles nicht so schlimm, schließlich hätten die kleineren Unternehmen guten Zugang zu Krediten (wie viel genau?) etc. Auch hier also wieder der Versuch der Schönfärberei, während die nackten Daten eine klare, eine ganz andere Sprache sprechen!

Man kann daher den Briten nur wünschen, dass sie ihre traditionellen Tugenden (Empathie für die Interessen anderer, Nüchternheit etc.) wiederentdecken – sonst wird der Aufprall in der Realität umso härter..

16 Kommentare

16 Comments

  1. Avatar

    gerd

    22. September 2016 13:08 at 13:08

    Was dieses Thema angeht spüre ich die Neigung, mit Ihnen eine Wette einzugehen. Da das aber so nicht möglich ist, lasse ich diese mal so intern in meinem Kopf mitlaufen.

    Ich behaupte, dass in zweieinhalb Jahren (ungefährer Austrittstermin) Deutschland weitaus stärker den Bach runtergegangen sein wird als GB.

    Und außerdem
    „…wenn man den Briten nun den Abschied noch versüßt und damit die Büchse der Panora weit aufmacht, wird die EU implodieren“
    Die EU wird so oder so implodieren.
    Desweiteren würde es mich nicht wundern, wenn in den nächsten Jahren einige EU-Länder der EU gleichfalls den Rücken kehren und sich stattdessen l i e b e r m i t G B in einer
    n e u e n G e m e i n s c h a f t z u s a m m e n t u n .

    Letztlich muss ich aber gestehen, nobody knows. Ich natürlich auch nicht.

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      22. September 2016 13:21 at 13:21

      @Gerd, die EU ist ein instabiles Gebilde – etwa so wie Italien, das hunderte Regierungswechsel erlebt hat, und dennoch weiter existiert. Wirklich gefährdet, das hat etwa Nassim Taleb sehr gut gezeigt, sind scheinbar monolithische Gebilde wie einst die Sowjetunion oder jetzt China, die aber viel eher auseinanderbrechen oder implodieren als solche vermeintlich permanent instabilen Gebilde wie die EU oder Italien..

      • Avatar

        gerd

        22. September 2016 13:34 at 13:34

        Sie werden ja wahrscheinlich sogar Recht behalten. Allein auch deshalb schon, weil die Mächtigen ihre Pründe nicht so schnell aufgeben sondern bis zum Letzten verteidigen werden.

        Aber wenn ich z.B. den Juncker vorn paar Tagen gehört habe.
        So sinngemäß: „die EU muss mehr auf die Bürger zugehen. WIR HABEN VERSTANDEN. “
        Aber Ttip und Ceta, das wolln wir schon noch mal so eben durchwinken. Obwohl europaweit Menschenmassen dagen auf die Straße gehen.

        Und so geht das doch weiter, da ändert sich nichts.
        Und irgendwann werden auch die deutschen (u. andere) Schlafschafe aufwachen und dann…….o.k., dann wird es zu spät sein. Die Schafe werden feststellen, dass man ihnen das Fell längst über die Ohren gezogen hat.

      • Avatar

        Dreistein

        23. September 2016 07:43 at 07:43

        Die EU wird so lange halten bis man aus Deutschland kein Geld mehr holen kann, dann hat der Spuk ein Ende!

  2. Avatar

    Marko

    22. September 2016 13:37 at 13:37

    Hallo,

    genau dies wird man wohl tun müsssen, hart bleiben. Die Rosinenpicker wollen den freien Zugang zum nicht gerade unerheblich kleinen EU-Binnenmarkt, die Bürger aus GB sollten innerhalb der EU arbeiten können, wo sie wollen, aber umgekehrt will man den Flüchtlingsstrom einschränken und sich auch noch die „guten“ EU-Bürger als Arbeitskräfte aussuchen. Aus Osteuropa gibt es schon Stimmen, das man sich dagegen mit Händen und Füßen wehren wird, Stichwort Billigarbeitskräfte aus Osteuropa in GB, die dann um ihren Job Bangen müssten.
    Am Wochenende gab es schon Stimmen, dass die Briten bereit wären, diesen Streitpunkt aufzugeben, man hat offenbar mitkommen, dass die EU in diesem Punkt eisenhart bleiben musss und wird.
    Das würde aber, solange wie der Status Quo erhalten bleibt (Sprich die Austrittsverhandlungen könnten sich auf Jahre hinaus ziehen) , Jahr für Jahr bedeuten, dass die Briten an die EU zahlen müssen…
    Es ist ja schon im Gespräch, dass man London als sogenannte „Sonderwirtschaftszone“ einrichten könne, ähnlich wie Hong-Kong bei den Chinesen .. ;) – vielleicht baut man dann einen Grenzzaun um London herum ? :D
    Die Societe Generale überlegt jedenfalls schon aus London abzuwandern, andere (gerade große US-Banken, die könnten sich dann London nicht mehr „erlauben“) dürften folgen…
    Falls es zu keiner Einigung kommen sollte, wird man über Grenzkontrollen, Visa bzw. dann auch Zölle nicht hinauskommen, das ist dann eben der Preis, den man für seine Flüchtlingspolitik zahlen wird müssen – ein ziemlich hoher, wie ich finde…

    VG Marko

    • Avatar

      Petkov

      22. September 2016 14:43 at 14:43

      Sehe ich auch so. Der Preis für die Flüchtlingspolitik der Britten wird hoch sein. Der Preis für die Flüchtlingspolitik der merkel wird jedoch dramatisch höher sein.

      Übrigens sollten wir endlich aufhören von Flüchtlingen zu reden. Die berechtigten Flüchtlinge sind eine ganz kleine Minderheit, die kaum mediale Aufmerksamkeit gefunden hätte. Die echten Flüchtlinge, die vor Kriegen und insbesondere vor dem Klimawandel zu Recht flüchten, kommen erst noch.

      Nicht die Migranten sind das Problem, sie verhalten sich aus ihrer Sicht rational. Der Unmut der Europäier richtet sich nicht auf die Neuankömmlinge, sondern auf den völlig inadäquaten politischen Umgang mit denen. Stellvertretend dafür steht die merkel, aber mittlerweile steht sie nicht stellvertretend, sondern vollkommen isoliert und alleine da. Ohne die merkelsche Flüchtlingspolitik hätten die Brexit-Befürwörter keine Chance gehabt. Die Britten haben lediglich die Reißleine gezogen und müssen jetzt einen hohen Preis für fremde Fehler zahlen.

    • Avatar

      joah

      22. September 2016 14:51 at 14:51

      Das mit dem Abwenden von London sind alles nur hohle Luftschläge zur Drohung. Da die Institute aber durchgängig davon profitieren dort zu sein, haben die in Wirklichkeit überhaupt gar kein Interesse von dort zu entfliehen.

  3. Avatar

    m.d

    22. September 2016 13:50 at 13:50

    Kann man vielleicht mal einen Bericht machen über die Vorteile und Nachteile dieser Ttip und Ceta abkommen. Weil ich keine klare Meinung habe. Pro und contra ist aber wichtig für eine Meinungsbildung. Danke vorab

  4. Avatar

    Marko

    22. September 2016 15:52 at 15:52

    Hallo,

    das glaube ich nicht, dass das mit Londen nur eine hohle Drohung ist, für die europäischen Banken dürfte es kein Problem sein, sich vom Finanzplatz London zurückzuziehen, natürlich nicht ganz, das macht doch keiner, dafür ist London viel zu bedeutend.
    Das Problem sind die Ami-Banken, deren Hauptgeschäft konzentriert sich auf London und durch London natürlich auch auf Europa.

    Wenn London als Europas Börsenplatz Nummer 1 isoliert wäre und eben nicht de freien Zugang zu „Resteuropa“ hätte, würde dies definitiv zu Konsequenzen führen, Arbeitsplätze in London würden abgebaut werden. London würde weltweit an Bedeutung verlieren und Finanzen und Banking , das können sie (immerhin) die Briten..

    Die EU erwartet von London den Austrittsantrag im Frühjahr 2017, hoffentlich reichen die 2 Jahre… ;)

    VG
    Marko

    • Avatar

      Dreistein

      23. September 2016 07:29 at 07:29

      London und Frankfurt haben doch fusioniert und der EU Markt steht den Engländern weiter zur Verfügung, die werden schon Wege finden.

  5. Avatar

    Marko

    22. September 2016 16:46 at 16:46

    Hallo,

    …“Nun heißt es daher folgerichtig aus EU-Kreisen (zu denen wir aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände Zugang haben..), dass man gar nicht anders könne, als eine harte Haltung zu zeigen. Ein Deal könne und werde ca. 10 Jahre dauern – und wenn in der Zwischenzeit eben Zölle eingeführt würden, dann sei dem eben so. Das haben die Briten irgendwie nicht so ganz kapiert – eben weil sie sich nicht ausreichend in die Lage der EU-Verantwortlichen versetzen!“

    und in der Zwischenzeit kann man keine Zölle einführen, weil : in der Zwischenzeit gilt der Status Quo. Es sei denn, GB wäre stur und würde seine Verpflichtungen gegenüber der EU einstellen.
    Aber : das wäre schon sehr unrealistisch, da sieht man mal wieder, welchen Sinn macht der Brexit eigentlich ?
    Keinen ? Natürlich war auf Seiten der Briten ein wenig Panik dabei, wie geht es weiter mit den Flüchlingen usw, durchaus.

    VG
    Marko

    • Markus Fugmann

      Markus Fugmann

      22. September 2016 17:07 at 17:07

      @Marko, doch das wäre 2 Jahre nach Aktivierung des Artikel 50 des Lissabonner Vertrags der Fall. In Artikel 50 heißt es (Absatz 3):

      Die Verträge finden auf den betroffenen Staat ab dem Tag des Inkrafttretens des Austrittsabkommens oder andernfalls zwei Jahre nach der in Absatz 2 genannten Mitteilung keine Anwendung mehr, es sei denn, der Europäische Rat beschließt im Einvernehmen mit dem betroffenen Mitgliedstaat einstimmig, diese Frist zu verlängern.“

  6. Avatar

    Marko

    22. September 2016 17:29 at 17:29

    Hallo,

    GB steht jetzt unter Druck, nicht die EU.
    Ich kann mich an den Tag nach dem Brexit-Referendum erinnern, Renzi, Merkel, Hollande schauten damals ganz betroffen in die Kameras – die dachten wohl, man hätte jetzt einen Fall Lehman 2.0 ?

    Nö, langweilige EU-Verträge lesen bringt was, schlimmer wäre das Brexit-Votum gewesen, wäre GB ein „Vollmitglied“ der EU gewesen, sprich gemeinsame Währung…man war ja sowieso die ganzen Jahre aussen vor…
    Von daher, GB muss im Frühjahr „liefern“…

    Markus , die 2 Jahre sind EU-Beamtensprech, da wär ich mir nicht so sicher, wer weiß schon, was in 2 Jahren ist ?

    Ausserdem müssen doch genauso ALLE EU-Staaten einstimmig dem Brexit zustimmen ? Na, das wird lustig…Wenn die Briten auf Ihre EU-Arbeitspolitik bestehen, wird das nix, die Osteuropäer wollen in GB den freien Arbeitsmarktzugang haben.

    VG
    Marko

  7. Avatar

    Marko

    22. September 2016 17:37 at 17:37

    Markus,

    wieso sollte die EU die Brexitverhandlungen nicht verlängern wollen ?

    Aus EU-Sicht, macht das doch Sinn, Hauptsache GB kommt seinen Verpflichtungen nach ? Oder habe ich da einen Denkfehler ? Wie gesagt der Brexit, der macht Sinn…

    VG
    Marko

  8. Avatar

    Jan

    23. September 2016 07:37 at 07:37

    Hallo,
    die Briten wissen ganz genau was sie da tun.
    Wusstet ihr, dass die Gesetze der EU noch nie geltendes Recht in der „City of Lodnon“ waren. Die City besitzt einen Sondersatus.
    Anscheinend grabt ihr alle noch an der Oberfläche.

    Guß Jan

  9. Avatar

    sascha

    23. September 2016 14:42 at 14:42

    Hallo Herr Fugmann,

    alles prima , auch die Kommentare .

    ABER: Das Bild ist echt nicht notwendig, da steht die Dummheit im Gesicht und das GEHT gar nicht, lieber die Queen , sieht netter aus und hat Geschichte. :-)

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Coronakrise: Für die Verlierer folgt wohl der zweite wirtschaftliche Abschwung

Redaktion

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am

Von

Lufthansa mit massiven Problemen in der Coronakrise

Zum Ausbruch der Coronakrise gab es zunächst massive Staatshilfe über Kurzarbeit, Zuschüsse, Milliardenkredite und sogar Unternehmensbeteiligungen durch den Staat. Die Lage schien sich zu stabilisieren. Mit der deutschen Volkswirtschaft geht es wieder bergauf. Und wenn man sich die Headlinezahlen der Statistiker betrachtet, wirkt die Lage auch gar nicht mehr so schlimm. Aber die Verlierer-Branchen, die ab März fast komplett den Bach runtergingen, die erleben derzeit womöglich den zweiten Abschwung.

Wenn dem wirklich so ist, wäre es für Börsianer ratsam die Finger von Aktien dieser Branchen zu lassen. Denn es ist natürlich zunächst verführerisch. Was im Zuge der Coronakrise stark gefallen ist, scheint jetzt vom reinen Aktienkurs her optisch günstig zu sein. Aber kommt eine weitere kräftige Abwärtswelle bei den Aktienkursen der betroffenen Konzerne, wenn den Börsianern klar wird, dass die Coronakrise auf ganz spezielle Branchen noch viel länger sehr drastische Auswirkungen haben wird?

Lufthansa in der Coronakrise weiter im Abschwung

Da wäre zum Beispiel die Lufthansa als Paradebeispiel in Deutschland zu nennen. Zum Ausbruch der Coronakrise sanken die Passagierzahlen auf Null. Nun denkt man, dass sich die Fluggastzahlen zusammen mit der allgemeinen wirtschaftlichen Erholung auch steigern werden. Aber die Lage ist wohl schwieriger. Erstmal hilft da der gesunde Menschenverstand. Wie viele potenzielle Urlauber bleiben bitte schön solange den Flughäfen fern, bis die Maskenpflicht entfällt? Denn stundenlang als erholungssuchender Tourist im Flieger, am Flughafen, im Hotel, und an der Strandpromenade mit Maske rumzulaufen – darauf haben viele Menschen einfach keine Lust, denn das ist einfach kein richtiger Urlaub!

Nach den bisherigen massiven Einschnitten der letzten Monate sieht es bei der Lufthansa (wie bei anderen Airlines auch) nach einer erneuten Runde von Einschnitten aus. Dies lässt vermuten, dass sich die Flugzahlen eben nicht so erholen, wie man es sich erhofft hatte. Laut aktuellen Berichten soll Anfang nächster Woche bekanntgegeben werden, wie viele zusätzliche Jobs und Maschinen bei der Lufthansa gestrichen werden. Denn die Airlines leider derzeit auch darunter, dass sich die Einreisebeschränkungen einzelner Länder schnell ändern, und der potenzielle Reisende dann fernbleibt. Auch hier kann man denken aus „kaltherziger“ Börsianer-Sicht: Gut, dann warte ich die nächste Kürzungsrunde und weiter fallende Aktienkurse noch ab, und kaufe dann günstig ein.

Aber das sage mal jemand den Aktionären der Telekom, die damals in ein immer weiter fallendes Messer griffen nach dem Motto „jetzt gibts die Aktie aber günstig zu kaufen“. Natürlich ist das alles Ansichtssache. Es kann natürlich auch sein, dass ab einem gewissen Kursniveau wirklich eine Bodenbildung eintritt. Aber man sollte als Börsianer nicht all zu euphorisch agieren, nur weil der Aktienkurs optisch günstig zu sein scheint. Im folgenden Chart sehen wir in den letzten 12 Monaten in blau den Verlauf des Dax gegen die deutlich schlechter laufende Lufthansa-Aktie (beides auf CFD-Basis).

Chart zeigt Kursverlauf von Lufthansa gegen Dax

US-Airlines und Hotels

Auch in den USA geht der Abbau bei den Verlierern weiter. Nachdem die Airlines nach dem Ausbruch der Coronakrise bereits üppig vom US-Steuerzahler bedacht wurden, scheint das Geld wohl auszugehen. Nach ganz aktuellen Berichten sind die Chefs der großen US-Airlines im Weißen Haus vorstellig geworden. Das Motto lautete: Gebt erneut Staatshilfe, oder wir müssen Massenentlassungen durchführen. Auch dies ist ein klares Indiz dafür, dass es Delta, United und Co sehr schlecht geht.

Wie jüngste Berichte zeigen, und was natürlich mehr als verständlich ist: Das Spieler-Paradies Las Vegas wurde von der Coronakrise übel getroffen, aber gleich doppelt und dreifach. Da lohnt es sich einen Blick zu werfen auf die Las Vegas Sands Corp, einen Hotel- und Casino-Betreiber mit Schwerpunkten in Las Vegas, Macau und Singapur. Die Aktie notierte vor dem Beginn der Coronakrise im Februar bei 71 Dollar, jetzt bei 49 Dollar. Im folgenden Chart, der 12 Monate zurückreicht, haben wir die Kursverläufe der Hotelkette und von United Airlines übereinander gelegt. Frage: Greift man hier in ein fallendes Messer, wenn man jetzt kauft? Oder stehen die Aktien vor einem langen, langweiligen Seitwärtstrend?

Chart zeigt United Airlines und Las Vegas Sands

Nicht in das fallende Messer greifen?

Der Spruch ist einer der absoluten Börsianer-Klassiker. Man soll nicht in das fallende Messer greifen. Damit ist gemeint, dass man in einem Absturz, bei dem der Boden noch nicht erkennbar ist, nicht kaufen sollte. Natürlich sollte man auch später nie krampfhaft versuchen den absoluten Tiefpunkt für seine Einstiege an der Börse zu finden. Aber derzeit scheint es bei Aktien von Hotels und Airlines so zu sein, dass die Corona-Misere weitergeht, während sich der größte Teil der sonstigen Volkswirtschaft damit beschäftigt die alten Niveaus zu erreichen. Also, Vorsichti ist geboten bei den Problembranchen. Es sieht nicht nach einer raschen Erholung aus! Gestern berichteten wir bereits über die große Entlassungswelle bei deutschen Autozulieferern (hier finden Sie den Artikel). Auch hier sollte man bei Neueinstiegen in die entsprechenden Aktien überlegen, ob nun das Tief wirklich erreicht wird, oder ob die Misere noch einige Zeit anhalten wird, was auch die Aktienkurse weiter belasten könnte.

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Aktien

Aktuell: Grenke veröffentlicht ausführliche Stellungnahme

Claudio Kummerfeld

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am

Die Grenke AG (notiert im MDax) ist seit Tagen massiv unter Beschuss nach harten Manipulationsvorwürfen a la Wirecard (wir berichteten). Nachdem man die Vorwürfe bereits zurückwies, erfolgt ganz aktuell eine ausführliche Stellungnahme des Unternehmens. Hier zeigen wir die wichtigsten Passagen im Wortlaut. Vorab noch die Info, dass Grenke heute beschlossen hat, dass man ein Sondergutachten beim Wirtschaftsprüfer KPMG in Auftrag gibt, welches die massiven Vorwürfe entkräften soll. Nun geht es aber los, mit ausgewählten Passagen aus dem aktuellen Text von Grenke (hier in voller Länge).

Headline-Aussage:

Die GRENKE AG, globaler Finanzierungspartner für kleine und mittlere Unternehmen, weist auch nach genauer Prüfung des 64-seitigen Berichts von “Viceroy Research” die darin erhobenen Vorwürfe mit aller Entschiedenheit zurück. Nach einhelliger Auffassung des Vorstandes und des Aufsichtsrates sind sämtliche Anschuldigungen in allen Themenbereichen unbegründet. Antje Leminsky, Vorstandsvorsitzende der GRENKE AG: „Die Behauptungen in dieser sogenannten Analyse entbehren jeder Grundlage. Wir verwehren uns gegen jeglichen Vergleich mit Wirecard. Die Anschuldigungen eines Leerverkäufers, der mit dem von ihm ausgelösten Kursverfall Geld verdient, sind ein Schlag ins Gesicht unserer über 1.700 Mitarbeiter, unserer 40.000 Händler und unserer langfristig orientierten Aktionäre.“

Entscheidend – Vorwurf zu fehlenden Geldern:

Viceroy behauptet ferner, dass ein substanzieller Anteil von den im Halbjahresfinanzbericht 2020 ausgewiesenen 1.078 Mio. Euro liquiden Mitteln nicht existiere. Diese Behauptung – einer der zentralen Vorwürfe von Viceroy – ist frei erfunden. 849 Mio. Euro, also fast 80 Prozent der liquiden Mittel, befanden sich zum 30.06.2020 auf Konten der Deutschen Bundesbank – wie im Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht. Am 15.9.2020 betrug das Guthaben bei der Bundesbank, wie bereits mitgeteilt, 761 Mio. Euro. Die Differenz von rund 20 Prozent befindet sich überwiegend auf Konten bei deutschen Großbanken.

Zum Franchise:

Viceroy unterstellt, dass die Franchise-Akquisitionen von GRENKE in der vergangenen Dekade mit nicht offengelegten verbundenen Parteien stattgefunden hätten und diese Beziehungen hätten offengelegt werden müssen. Das ist falsch.

Die GRENKE AG betont zudem, dass unter den Geschäftsführern der Franchise-Unternehmen durchaus ehemalige GRENKE-Mitarbeiter sind, diese aber alle spätestens mit Aufnahme ihrer Tätigkeit als Gesellschafter und Geschäftsführer der Franchise-Unternehmen keine Rolle im GRENKE Konzern mehr innehatten.

Viceroy behauptet zudem, die von Grenke akquirierten Franchise-Unternehmen hätten keinen reellen und tangiblen Wert und seien „underperforming“. Dennoch tauchten sie in den Büchern des Konzerns mit Goodwill auf.

Dazu erläutert GRENKE: Die Franchise-Unternehmen werden gerade deshalb nach vier, fünf oder sechs Jahren akquiriert, weil sie dann schon ein gutes Händlernetz aufgebaut und gleichzeitig viel Potenzial haben. Es ist völlig normal, dass die Franchise-Unternehmen zum Zeitpunkt des Verkaufs als wachsende Start-ups noch Verluste machen.

Geldwäsche:

Viceroy stellt außerdem die Wirksamkeit der Geldwäsche-Prävention bei GRENKE in Frage. Als vermeintlicher Beleg dafür wird angeführt, dass drei GRENKE-Bank-Kunden Geldwäsche über ihre Konten bei der GRENKE Bank hätten betreiben können, obwohl die BaFin bereits rechtlich gegen sie vorging. Auch dieser Vorwurf ist falsch: Die regulatorisch vorgeschriebenen Prozesse für „Know your customer“ (KYC) und Anti-Money-Laundering (AML) werden bei GRENKE vollumfänglich umgesetzt und regelmäßig überprüft. Als KYC-Tool nutzt GRENKE ein leistungsfähiges System, das dem Branchenstandard entspricht und unter anderem von einer dreistelligen Zahl von Volks- und Raiffeisenbanken ebenfalls einsetzt wird.

Zentrale von Grenke
Firmengelände des Unternehmens. Foto: © GRENKE AG

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Aktien

Aktienmärkte: Großer Verfall – Optionen und mögliche Turbulenzen!

Heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden. Der große Verfall und die US-Tech-Aktien

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Für die Aktienmärkte ist heute der große Verfall der wahrscheinlich entscheidende Faktor – es verfallen Optionen und Futures mit Laufzeit September (siehe hierzu den heutigen Videoausblick „Großer Verfall – es steht viel auf dem Spiel“). Zuletzt war in den Finanzmedien vor allem das in den USA von Privatinvestoren gehandelte Volumen an Optionen (vor allem Calls auf die großen US-Tech-Aktien) ein großes Thema – und das zurecht!

Folgende besipielhafte Grafik zeigt, wie dieses hohe Volumen an Calls bei den Borkern/Verkäufern dieser Call-Optionen Käufe des jeweiligen underlyings ausgelöst hat – in der Grafik konkret illustriert anhand der Amazon-Aktie:

Großer Verfall: Der stark gestiegene Effekt der Optionen auf die Aktienmärkte

Grafik: Benn Eifert, https://twitter.com/bennpeifert

Man sieht: der Kauf von Call-Optionen auf die Amazon-Aktie hat letzlich den Verkäufer der Call-Optionen gezwungen, sein Risiko durch den Kauf der Amazon-Aktie abzusichern, nachdem die Amazon-Aktie angestiegen war (was ja bis Anfang September der Fall war). Aus 1500 Dollar, die ein Privakunde in Amazon-Calls investiert hatte, entstanden Käufe im Volumen von 230.000 Dollar der Amazon-Aktie durch den Broker/Verkäufer der Amazon Calls.

Es war offenkundig dieser Mechanismus, der die Aktienmärkte zuletzt stark beeinflußt hatte – und die extreme Rally der US-Tech-Werte vor Anfang September mit erklären kann.

Aktienmärkte und Call-Optionen bei US-Techaktien

Der Bestand von Call-Optionen auf Amazon war vor Anfang September regelrecht explodiert und betrug 48% der Marktkapitalisierung von Amazon:

Aktienmärkte und Amazon Call-Optionen

Noch krasser die Call-Bestände bei Tesla (380% der Marktkapitalisierung) – was den unter Bewertungsgesichtspunkten absurden Anstieg der Tesla-Aktie erklären hilft:

Tesla Call-OptionenCharts: @MacroCharts

Folgende Grafik zeigt, wie extrem die Call-Bestände auf die großen US-Tech-Aktien zuletzt angestiegen waren:

Aktienmärkte: Call-Optionen auf US-Tech-Aktien und großer Verfall

So weit so extrem. Aber was passiert, um das oben aufgeführte Beispiel der Amazon-Aktie zurück zu kommen, wenn die Optionen auf die einzelnen Aktien verfallen? (zu den Uhrzeiten des Verfalls auf einzelne Aktien siehe hier – Optionen auf die US-Indizes dagegen verfallen heute um 15.30Uhr deutscher Zeit)

Dann nämlich werden die Absicherungen des Brokers, der die Amazon-Aktie gekauft hatte um sein Risiko zu hedgen, im Grunde überflüssig (siehe die Grafik oben). Es könnte also eine große Verkaufswelle für die Aktienmärkte drohen – aber wir wissen eben nicht wirklich, wieviel der nun heute auslaufenden Call-Optionen bereits vor dem Verfall verkauft wurden! Möglich ist also, dass die Schwäche der großen US-Techaktien wie Amazon in den letzten Tagen bereits ein Zeichen dafür ist, dass die Broker die underlyings verkauft hatten!

So oder so: heute, vielleicht aber noch mehr Anfang nächster Woche könnte es für die Aktienmärkte richtig turbulent werden! Oder eben auch nicht – vielleicht nämlich ist der größte Teil schon abgewickelt, Schieflagen inzwischen weitgehend bereinigt. Daher zitieren wir hier den Kaiser Beckenbauer: „Schaun mer mal, dann sehn mer scho“!

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