Folgen Sie uns

Allgemein

Brexit: Die Exodus-Karawane nimmt Fahrt auf – was wird aus der Deutschen Börse?

Gestern dann machte die größte Schweizer Bank UBS eine Verkündung. Der ehemalige Bundesbankchef und amtierender Verwaltungsratschef der UBS Axel Weber ist auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos…

Avatar

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Seit dem Brexit-Vote aus Juni 2016 steht die Befürchtung im Raum, dass international tätige Banken massiv Stellen aus London abziehen. Gestern berichteten wir schon über die Großbank HSBC, die besonders in Asien aktiv ist, und dort wohl eh ihren zukünftigen Schwerpunkt sieht. 20% seines Londoner Personals wolle man nach Paris verlagern, also in die Eurozone. Daraus kann man schlussfolgern, dass dieser Anteil des Londoner Personals wohl notwendig ist um zukünftig HSBC-Produkte in der Eurozone anbieten zu können.

Gestern dann machte die größte Schweizer Bank UBS eine Verkündung. Der ehemalige Bundesbankchef und amtierender Verwaltungsratschef der UBS Axel Weber ist auch beim Weltwirtschaftsforum in Davos anwesend. In einer Plauderrunde vor laufender Kamera zum Thema Finanzmärkte machte er klar, dass man 20% seiner 5.000 Mitarbeiter in London an einen Standort in der Eurozone verlagern werde, wenn der Brexit abgeschlossen sei.

Goldman Sachs scheint noch massivere Umzugspläne zu haben. Von seinen 6.000 Mitarbeitern in London will man laut Handelsblatt die Hälfte verlagern, davon Teile nach New York und Frankfurt, wo um die 1.000 Londoner Arbeitsplätze landen könnten. Die jüngsten Aussagen von Theresa May aus dieser Woche lassen keinen Zweifel mehr zu, dass die Zugangsrechte in UK ansässiger Banken in die EU aufgehoben werden. Man will zwar rein optisch raus aus dem Binnenmarkt, gleichzeitig aber ein “richtiges Freihandelsabkommen” mit der EU vereinbaren.

Jedem Beobachter ist eigentlich klar, dass man mit diesem optischen Trick die Personenfreizügigkeit aufheben und dennoch freien Marktzugang zum EU-Binnenmarkt erlangen will. Das wird aber nicht funktionieren, und so nehmen die Umzugspläne Fahrt auf. In diesem Zusammenhang stellt sich um so mehr eine Frage, die seit Monaten im Raum steht. Wie soll eigentlich die Fusion der wichtigsten Börse in der Eurozone, nämlich der Deutschen Börse mit der Londoner Börse (LSE) funktionieren, die ja demnächst außerhalb der Eurozone liegt? Alle zentralen Entscheidungen würden außerhalb der Eurozone stattfinden für den wichtigsten Abwicklungsstandort auch von Derivaten in der Eurozone.

Wie man aus Finanzkreisen hört, hat das Bundesland Hessen gestern bei einem Treffen mit verantwortlichen Personen der Deutschen Börse klar gemacht, dass man einem Deal wohl kaum zustimmen wird, bei dem die Zentrale der fusionierten Börse in London angesiedelt wird. Von Seiten der Deutschen Börse soll es keinerlei Andeutungen für Zugeständnisse gegeben haben, wie zum Beispiel eine Art Kompromiss (Holdingsitz Amsterdam oder Dublin?). Die Frage, die sich die deutsche Politik, wie auch die Aktionäre und Offiziellen der Deutschen Börse stellen sollten, lautet: Warum überhaupt sollte der Holdingsitz in London sein?

UK wird nach dem Brexit der deutlich kleinere Finanzmarkt sein als die Eurozone, auch wenn London international der Finanzplatz schlechthin ist. Außerdem ist die LSE der kleinere Fusionspartner. Warum besteht man nicht auf dem Holdingsitz Frankfurt, zumal er innerhalb der Eurozone liegt? Der Drang nach der Abschaffung der eigenen Entscheidungsbefugnis am Standort Frankfurt ist mehr als verwunderlich. Es scheint einfach deutlich charmanter zu sein am aufregenden Londoner Lifestyle teilnehmen zu können als weiter in Frankfurt “gelangweilt sein Dasein zu fristen”. Dass der größere Fusionspartner mit seinem Standort in der Eurozone zurücktritt für den kleineren Standort außerhalb der Eurozone, ist und bleibt unverständlich.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    gerd

    19. Januar 2017 10:37 at 10:37

    “..Personenfreizügigkeit aufheben und dennoch freien Marktzugang zum EU-Binnenmarkt erlangen will.
    Das wird aber nicht funktionieren, …”

    Am Ende zählt Money, Money, Money – und dem wird die Personenfreizügkeit geopfert werden, auch mit irgendwelchen Tricks.
    Das habe ich ja noch nie erlebt, dass die Wirtschaftsinteressen hinter den Interessen der Menschen zurückstecken mussten.

  2. Avatar

    _Mitspieler

    19. Januar 2017 12:28 at 12:28

    Holdingsitz Amsterdam oder Dublin. Warum nicht Ouagadougou, die Hauptstadt Burkina Fasos, des ehemaligen Ober Volta? Was wäre denn, wenn auch die Holländer aus der EU austräten? Und was wäre, wenn die hessische Börsenaufsicht auch nur in Hesssen ihr Recht ausüben könnte. Dann könnte man die Börse doch zweckmäßigerweise innerhalb Hessens für teures Geld umziehen lassen, wo gerade in Eschborn Millionen-Immobilienwerte verfügbar sind und derzeit genutzt werden. Wie wäre es mit hessischen Alternativen wie Sterbfritz, dem idyllischen Etzen-Gesäß, Cyriaxweimar, Kleba oder Warzenbach? Drängen sich die nicht geradezu auf?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Allgemein

Jason Furman über die Krise und wie sie Trump die Wiederwahl ermöglicht

Avatar

Veröffentlicht

am

Jason Furman, ein Top-Ökonom und ehemaliges Mitglied der Obama-Regierung und jetzt Professor in Harvard, sprach Anfang April über die aktuelle Krise und über die Auswirkungen auf die kommende Präsidentschaftswahl: Furman geht davon aus, dass die Krise Trump die Chance bieten könnte, mit den explosivsten monatlichen Beschäftigungszahlen und dem explosivsten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts aller Zeiten zu prahlen. Die USA befand sich zu diesem Zeitpunkt am Beginn des desaströsen wirtschaftlichen Absturzes ungekannten Ausmaßes. Die Wirtschaft war gerade erst stillgelegt worden, die Arbeitslosigkeit schnellte in die Höhe und einige Ökonomen und Experten sagten eine Ära voraus, die schlimmer sei als die Große Depression. Das wirtschaftliche Desaster schien die Chancen von Präsident Donald Trump auf eine Wiederwahl wahrscheinlich zunichte zu machen.

Seine Rede begann der ehemalige hochrangige Wirtschaftsberater Obamas mit den folgenden Worten: “Wir stehen kurz davor, die besten Wirtschaftsdaten zu sehen, die wir in der Geschichte dieses Landes je gesehen haben”. Viele verblüffte und verwirrte Gesichter haben ihn über die zugeschalteten Online-Konferenz angeschaut.

Furman’s Argumente für eine Wirtschaftserholung und die Trump Wahl

Ein Argument ist, dass der wirtschaftliche Zusammenbruch durch die Pandemie, sich stark von der Großen Depression oder der Großen Rezession unterscheidet. Da beide eine langsame und zermürbende Erholung verzeichneten. Die Corona-Krise sei im Gegensatz dazu eine Turbokrise – also eine Krise die unerwartet und schnell aufgetreten ist, aber einen genauso schnellen Wiederaufschwung vollzieht. Denn die Menschen kehren zügig wieder an ihren ursprünglichen Arbeitsplatz zurück und die Unternehmen erhöhen ihre Tätigkeit.

Nach seiner Ansicht gibt es so viele Arbeitslose und geschlossene Unternehmen, die nach dem Lockdown rasch zurückkehren. „Es wird sprunghaft passieren und wie ein V aussehen“, so seine Einschätzung. Die Wirtschaftsberater des Weißen Hauses teilen diese Meinung und sagen bereits ein explosives drittes Quartal voraus. Auf das schwächste zweite Quartal, soll dann das stärkste Quartal der Geschichte folgen. Der Berater von Trump Larry Kudlow – der Leiter des National Economic Council im Weißen Haus – hat dazu gesagt: “Q3 könnte das beste BIP-Quartal seit den regulären Daten sein. Die zweite Hälfte des Jahres wird ein sehr großes Wachstum aufweisen, das 2021 auf 4% oder mehr ansteigen wird.“

Damit sein Szenario eintritt, setzt Furman aber voraus, dass es keine 2. Virus-Welle gibt. Sollte diese eintreten, dann hätte das schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft, ein zweiter Lockdown wäre kaum zu verkraften. Ausgenommen von der möglichen schnellen Erholung in Q3 und Q4, sieht er die langfristige Bewältigung der Lage weiterhin als große Aufgabe an. Auch in „absoluten Zahlen“ werden die November-Daten weiterhin schrecklich aussehen – aber eben relativ zu den Tiefen des April eine deutliche Erholung anzeigen.

Fazit:

Furman betont aber auch, dass ein kurzfristiger Rebound nicht bedeutet, dass Trump viele grundlegende Probleme gelöst hat. Seit Beginn der Krise sind viele Arbeitgeber bankrottgegangen. Andere haben die Pandemie zum Personalabbau genutzt. Konsum und Reisen werden wahrscheinlich niedriger bleiben. Millionen von Menschen in Branchen wie Gastgewerbe und Tourismus werden neue Arbeitsplätze in neuen Industrien finden müssen. Dieses Szenario bleibt ein großes langfristiges Problem. Doch vorher könnte Trump von der Erholung im dritten Quartal profitieren. Er kann sich als Krisenmanager darstellen und auf die „eventuelle positive“ Entwicklung der Wirtschaftsdaten verweisen. Man muss dabei aber bedenken, dass die zukünftigen Quartale mit den katastrophalen Daten aus der Coronakrise und des daraus entstandenen weltweiten Lockdowns verglichen werden. Es ist leicht, daraus positive Entwicklungen aufzuzeigen. Aber die Frage ob und wie schnell es möglich ist die vorherigen Niveaus wieder zu erreichen, bleibt weiter offen.

Hier geht es zum vollständigen Artikel.

Furman über die Krise und die Wiederwahl von Trump

weiterlesen

Allgemein

Aktuell: Trump mit Aussagen zu China – Märkte reagieren

Avatar

Veröffentlicht

am

Donald Trump hat sich heute richtig lange Zeit gelassen. Vor wenigen Minuten hat er nun endlich verkündet, wie die US-Regierung auf das neue chinesische Sicherheitsgesetz für Hongkong reagieren will. Pustekuchen, so kann man es ausdrücken! Trump spricht von einem Land und einem System. Er werde Maßnahmen ergreifen, um die Sonderbehandlung (den Sonderstatus) für Hongkong abzuschaffen. Also für Hongkong-Exporte Richtung USA nun die selben Zölle wie für Importe aus Festland-China?

Die “Phase 1” des Handelsdeals zwischen China und den USA bleibt wohl bestehen, denn kein Wort hat Trump über einen Ausstieg aus diesem Deal verloren. Auch sonst keine Sanktionen oder neue Zölle gegen China. Der große Knall ist ausgeblieben. Der WTI-Ölpreis reagiert mit einem Anstieg von mehr als 1 Dollar auf 35,20 Dollar. Der Goldpreis verliert 4 Dollar auf 1.730 Dollar. Deutlich reagiert der Aktienmarkt. Der Dow 30 auf CFD-Basis legt 250 Punkte zu. Auch Markus Koch meldet sich aktuell zu Wort zu den Aussagen von Donald Trump. Hier sein ganz aktuelles Video.

Donald Trump
Donald Trump

weiterlesen

Allgemein

EZB-Geldmenge wächst spürbar – und die Kreditvergabe? US-Sparquote explodiert!

Avatar

Veröffentlicht

am

Die EZB hat heute ihre Daten zum Wachstum der Geldmenge für den Monat April bekanntgegeben. Dies ist derzeit ja besonders interessant aufgrund der gigantischen Gelddruck-Orgien der Notenbanken, um die Coronakrise mit Geld zuzuschmeißen. Kurz vorab: Die Geldmenge “M3” ist laut offizieller Definition der Bundesbank das “weit gefasste Geldmengenaggregat” des Eurosystems, und umfasst neben der Geldmenge M2 auch Repogeschäfte, Geldmarktfondsanteile und Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von bis zu zwei Jahren. Die Geldmenge M3 ist ein wichtiger Indikator für die monetäre Analyse, die den geldpolitischen Entscheidungen des Eurosystems zugrunde liegt, so die Erläuterung der Bundesbank.

Die heutigen Daten der EZB zur Geldmenge M3 zeigen für die Eurozone ein Wachstum im Jahresvergleich um 8,3 Prozent auf 13,64 Billionen Euro. Die Geldmenge M1 steigt um 11,9 Prozent auf 9,51 Billionen Euro. Sie zeigt den Bargeldumlauf außerhalb des Bankensystems und täglich fällige Einlagen von Nichtbanken bei Monetären Finanzinstituten in der Eurozone. Und, kommt diese monströse Geldschwemme da an, wo sie hin soll? Im April stieg das Volumen der Kredite an Haushalte im Jahresvergleich um 3 Prozent. Kredite an Unternehmen (ohne Finanzbranche) stiegen um 6,6 Prozent. Hier sehen wir die Entwicklung der Geldmenge M3 als Chart im Verlauf der letzten 25 Jahre:


source: tradingeconomics.com

Hier das Datenblatt der EZB aus der heutigen Veröffentlichung:

Geldmenge M3 Daten der EZB von heute

Sparquote in den USA

Die Sparquote in den USA ist im April auf ein Rekordhoch explodiert! In der totalen Krise entdeckt der Amerikaner (derjenige, der überhaupt Geld übrig hat) den Europäer in sich? Nicht mehr konsumieren wie ein Wahnsinniger, sondern erstmal Geld auf die hohe Kante packen, für den Fall dass alles noch viel schlimmer kommt? Die staatlichen Statistiker der Behörde “Bureau of Economic Analysis” (BEA) haben vor wenigen Minuten bekanntgegeben, dass die Sparquote der Amerikaner (von 12,7 Prozent im März) im April auf sagenhafte 33 Prozent gestiegen ist. Das ist der höchste jemals gemessene Wert seit 1960, wo man mit der Erfassung dieses Parameters begonnen hatte. Mit der Sparquote wird angezeigt, welchen Prozentsatz des verfügbaren Einkommens die Bürger bei Seite legen.

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 30 Tage