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Brexit: Die „Jo Cox“-Pause ist vorbei

FMW-Redaktion

Die „Jo Cox“-Pause ist vorbei, und jetzt gibt es noch drei Tage intensiven Wahlkampf zum Brexit. Es ist für die Brexit-Befürworter schon fast irrwitzig, dass sich gerade durch das tödliche Attentat eines vermeintlichen Brexit-Befürworters die Umfragen am Wochenende leicht gegen den Brexit verändert haben. So klar ist es ja nicht, aber der Attentäter war wohl mehr geistig verwirrt oder rakikal, aber dennoch dem Brexit-Lager zuzurechnen.

„Tod den Verrätern, Freiheit für Großbritannien“, so rief es der Attentäter vor Gericht. Das war wohl das letzte, was die Brexit-Kampagne brauchen konnte – ein Symbol gegen Hass, gegen Gewalt, für ein vereintes Europa, was durch einen EU-Hasser, oder einfach nur Verrückten geschaffen wurde. YouGov prognostiziert aktuell für die Sunday Times einen Vorsprung für die Remain-Kampagne von 44% gegen 43% für den Brexit. Eine Comres-Umfrage für den Independent sieht auch Momentum für die Verbleib-Kampagne. Eine Survation-Umfrage für die Mail on Sunday sieht die Verbleiber bei 45%, den Brexit bei 42%.

Der Wahlkampf ist wieder zurück, wo aber jetzt jede Seite auf den bitte gemäßigteren Ton hinweist, als Rücksichtnahme auf das aufgeheizte Klima, dass evtl. zum Tod von Jo Cox führte. Ob der Attentäter sie auch ohne aufgeheiztes Klima ermordet hätte, ist völlig unklar. Premier David Cameron stellte sich zur Wiederaufnahme des Wahlkampfs gestern Abend in der BBC Fragen aus dem Publikum. Ein Mann verglich die vermeintlich passive Haltung Großbritanniens gegenüber der EU mit der nachgebenden Haltung damals gegenüber Hitler, in dem er Cameron mit dem damaligen Premier Neville Chamberlain verglich. Da reagierte Cameron verständlicherweise wütend, weil man Europa natürlich nicht mit einer Hitler-Diktatur vergleichen kann. Cameron erntete starken Beifall vom Publikum, was bei so einem schwachsinnigen Vergleich auch die einzig mögliche Reaktion war.

Cameron fuhr gestern sofort wieder die selbe Linie wie auch sein Finanzminister Osborne letzte Woche. Wie kann er die Briten vom Verbleib in der EU überzeugen? Die Brexit-Befürworter haben eine vermeintlich große tolle Story zu bieten: Unabhängigkeit, das Schicksal wieder selbst bestimmen! Cameron hat nur den aktuellen Status zu bieten, was keine tolle Zukunftsvision ist, die man verkünden kann. Aber er wie auch Osborne haben einen anderen Weg gefunden den Wähler anzuspornen: Denn beim Geld hört der Spaß immer auf. Rückläufige Wirtschaftsleistung, höhere Steuern, weniger Arbeitsplätze! Und so Cameron, das würden OECD, IWF und auch sonst alle Institutionen bestätigen – so würde es kommen.

Das Fazit für den Bürger, laut Camerons Aussagen: Stimme ich für den Brexit, habe ich am Ende weniger Geld in der Tasche, und ich verliere am Ende vielleicht sogar noch meinen Arbeitsplatz. Diese Angst könnte ziehen, denn sie ist ja auch durchaus berechtigt. Cameron machte auch klar: Einmal raus aus der EU, gibt es kein Zurück mehr! Die großen Zeitungen gaben jetzt nochmal ihre Empfehlung ab: Sunday Telegraph + Sunday Times sind für den Brexit. Die FT, der Observer und die Mail on Sunday werben für den Verbleib. Und was sagt eigentlich UKIP, die Anti-EU-Partei schlechthin? Ihr Chef Nigel Farage sagte bei ITV, dass die Brexit-Kampagne durch den Mord an Jo Cox „an Dynamik eingebüßt hat.“ Vor dieser furchtbaren Tragödie hatte man eine gute Dynamik entwickelt, so Farage. Also jetzt noch drei Tage Wahlkampf satt, und dann sind wir endlich alle schlauer.



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