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Brexit – diese Wahrheit wird Ihnen verschwiegen

Sind die Briten vielleicht doch nicht so dumm – sondern haben die existenziellen Konstruktionsfehler der Eurozone frühzeitig erkannt?

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Beim Brexit handelt es sich nicht um einen Unfall der Geschichte. Neben der knappen Mehrheit des britischen Wahlvolks will auch diese, weit über Großbritannien hinaus sehr einflussreiche Persönlichkeit die Unabhängigkeit vom Euro und von Brüssel – aus einem sehr guten Grund.

Dieser Fakt zum Brexit ist vielen Deutschen unbekannt

Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich aufgeklärte deutsche Medien, Wirtschaftsverbände und  Politiker über britische Bürger und Politiker, die den Brexit befürworten, lustig machen. Doch wie sagt die Redensart so schön: Wer zuletzt lacht, lacht am besten.

Ja, der Wegfall der Freihandelsprivilegien mit der EU wird ein äußerst harter Schlag für die britische Wirtschaft. Besonders die für den Großraum London bedeutende Finanzindustrie wird ihren Zugang zum wichtigen EU-Markt völlig neu aufbauen müssen – Massenabwanderungen von Finanzinstituten inklusive. Wahr ist auch, dass die britische Automobilindustrie bereits jetzt dem Tode geweiht ist und durch einen harten Brexit endgültig in der Bedeutungslosigkeit verschwinden würde.

Versorgungsengpässe, Preisanstiege, Arbeitsplatzverluste, ein explodierendes Staatsdefizit sowie die weitere Abwertung des britischen Pfunds wären ebenfalls zu erwarten. Genauso wie viele noch nicht prognostizierbare Folgeeffekte auf Wirtschaft, Politik und Gesellschaft – bis hin zu extremen Separationsbestrebungen Schottlands.

Diese gravierenden Folgen eines harten Brexit wären aus Sicht Brüssels sogar ein nicht ganz unwillkommenes Warnsignal an alle anderen Mitgliedsstaaten, sich tunlichst nicht mit Austrittsgedanken zu beschäftigen. Doch nehmen die Briten diese unvermeidlichen Entbehrungen auf sich, nur um in Empire-Nostalgie zu schwelgen, Migration selbst zu kontrollieren, sich dem Diktat Brüssels zu entziehen und vordergründig etwas Geld zu sparen? All das spielt mit Sicherheit eine Rolle und viele Briten sind diesbezüglich mit Sicherheit auch naiv und desinformiert. Dazu kommt die Tatsache, dass die Briten innerhalb der EU Ausnahme- und Sonderregeln genießen, z. B. bei den Mitgliedsbeiträgen oder der Mitbestimmung.

Oberflächlich betrachtet macht der Drang des Königreichs raus aus der EU also keinen Sinn.

Nachdenklich machen sollte in diesem Zusammenhang aber folgende, hierzulande weitgehend unbekannte Tatsache: niemand geringeres als Queen Elisabeth II., Staatsoberhaupt Großbritanniens und 16 weiteren Staaten des Commonwealth, Oberhaupt der 53 Mitgliedsstaaten des Commonwealth of Nations sowie Oberhaupt der Staatskirche Englands, hat sich gewollt oder ungewollt in die Entscheidungsfindung zum Brexit eingemischt.

Öffentlich und massenwirksam teilte die Zeitschrift The Sun aus dem Medienimperium von Rupert Murdoch am 9. März 2016 dem britischen Wahlvolk die Präferenz ihrer Königin mit: Die Schlagzeile lautete: „QEEN BACKS BREXIT – EU going in wrong direction, she says“. The Sun zitiert in der Ausgabe ein Gespräch zwischen dem stellvertretenden Premierminister Nick Clegg und der Queen, in dem sie bereits im Jahr 2011 die Notwendigkeit eines Ausstiegs aus der EU deutlich machte. Die Verbreitung dieses Gesprächsinhaltes verstieß zwar gegen britische Presseregeln und gilt als manipulative Indiskretion, am Wahrheitsgehalt hielt der Herausgeber der einflussreichsten britischen Tageszeitung aber gegen alle Kritik fest.

Wiederholt hatte die Queen sogar bis einen Tag vor der Brexit-Abstimmung gegenüber Teilen der Wirtschaftselite Großbritanniens ihren persönlichen Standpunkt klar gemacht und mehrfach die Frage in den Raum gestellt: „Nennen Sie mir drei gute Gründe für den Verbleib in der EU“. Sie machte auch in Gesprächen mit ihrem Biografen klar, dass das Vereinigte Königreich sich von der EU weitestgehend unabhängig machen muss. Am 23. Juni 2016 sprachen sich 51,89 Prozent der Wahlberechtigten Briten für den Brexit aus.

Brexit – die Flucht nach vorn

Machtpolitisch steht hinter dem Brexit-Wunsch des britischen Königshauses ein ganz klares Szenario: Für Großbritanniens Zukunft ist es entscheidend, so schnell wie möglich und so viel wie möglich ökonomischen und politischen Abstand zum Ground Zero des unvermeidlichen Zusammenbruchs der EU zu gewinnen.

Dass dieser Plan mittelfristig funktionieren kann, hat man empirisch bereits während des Höhepunktes der Eurokrise nachweisen können, als im Juni 2015 Griechenland nach dem „Oxi“ der Griechen zu Europa in dem von Alexis Tsipras initiierten Plebiszit das Land kurz vor dem Grexit stand: Das mit Abstand meiste griechische Fluchtgeld floss nach Großbritannien und in das Pfund – noch weit vor der Schweiz und Deutschland. Mit der weltweit höchsten Eigentumssicherheit, basierend auf der Magna Carta, könnte Großbritannien in nicht allzu ferner Zukunft zum sicheren Hafen Nummer eins für Vermögende in ganz Europa werden.

Fazit

In der heutigen Moderne ist kurzfristiges Denken und sofortiger Nutzen der propagierte Mehrwert. Nachhaltigkeit wird oft nur als Buzzword eingesetzt und nur in den Bereichen, in denen es gerade opportun erscheint. Meine Annahme kann völlig falsch sein, aber ich traue es den britischen Eliten zu, die existenziellen Konstruktionsfehler der Eurozone frühzeitig erkannt zu haben, wie viele Bürger dieses Landes und selbst ein Teil unserer Politiker. Würde man Mario Draghi, unseren obersten Geldpolitiker, fragen, ob er an die Überlebensfähigkeit des Euro glaubt, würde er vermutlich antworten: Ja, aber nur mit einer ständig höheren Dosis Notfallmedizin. In diesem Lichte gesehen sind die Briten vielleicht doch nicht so dumm, wie sie aktuell gern und oft dargestellt werden – mittelfristig betrachtet.

Der Brexit könnte sich für Großbritannien mittelfristig als gute Idee erweisen

8 Kommentare

8 Comments

  1. Avatar

    Kritisch on fire

    27. August 2019 18:42 at 18:42

    Hervorragende Analyse und liegt in vielen Teilbereichen exakt auf meiner Linie und Meinung, wie ich schon mehrmals hier kundgetan habe. Die These über das GBP als „sicheren Hafen“, eventuell als Pendent zum JPY, kann ich ebenfalls etwas abgewinnen.
    Der Brexit wird kommen und die Briten wesentlich weniger schädigen als den Rest der EU, vorallem dem EURO-Raum denn diese „Fehlkonstruktion“ wird einbrechen wie die Morandi Brücke in Genua.

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    franko33

    27. August 2019 19:03 at 19:03

    Einer der ersten guten Kommentare zu GB.
    Schon vor Monaten hatte ich diese Ahnung,die die meisten „Entscheider“zu denen ich
    mich leider nicht zählen kann,die Vermutung der meisten long term Trader zu bestätigen,
    daß „on the long run“ GB sich richtig entschieden hat.
    Also sich rechtzeitig vor der „Implosion“des EUR aus dem Wirtschaftsraum zu verabschieden.
    Besser man hält die Verluste vor einer Megakrise klein,um nachher wieder überproportinal
    davon zu profitieren ? (Vielleicht als „safe haven ? Die Bevölkerung in GB mußte in den letzten 100-150 Jahren öfters extrem leiden,der Unterschied von Arm/Reich ist sehr extrem.
    Doch die Briten augrund Ihrere Erfahrungen im Commenwealth,sowie als Finanzzentrum
    der Welt (City of London) sind bestimmt nicht blöd.

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      Lars

      27. August 2019 22:06 at 22:06

      Jedes Kleinkind in der Schweiz lacht sich vermutlich scheckig, wenn es von der Umsetzung eines Referendums im Königreich hört oder liest. Spätestens nach Ablauf der ersten Frist nach zwei Jahren völliger Untätigkeit und Hilflosigkeit Ende März 2019 war diese sog. Volksabstimmung hinfällig, weil sich keine parlamentarischen Vertreter für eine Umsetzung finden konnten und wollten. Zudem hat sich in und nach dem mehr als ausreichenden Zeitraum eine Mehrheit der Bevölkerung gegen einen Brexit entschieden.

      Das Vereinte Königreich hat der Welt seinen einzigartigen Status als globaler Geisterfahrer auf der falschen Fahrbahnseite beeindruckend dargelegt. Respekt auch vor der Meinung einer fast 100 Jahre alten Queen. Nachdem aber Könige und Parlamentarier völlig versagt und bindende Fristen versäumt haben, würde ein wahrer Demokrat die alte Volksabstimmung als gescheitert betrachten und einfach nochmals nachfragen.

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    Leviathan

    27. August 2019 19:22 at 19:22

    Chapeau Herr Zipfel… das Königshaus und die City spielen eine große Rolle.
    Und die Konstrukteure der Eutanic wissen wo die Schwachstellen sind.

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    Michael

    27. August 2019 19:59 at 19:59

    All diese Artikel und Kommentare haben einen fast schon amüsanten und suggestiven Unterton, der vor allem eines zu kommunizieren versucht: Europa ist aufgrund existenzieller Konstruktionsfehler dem Untergang geweiht. Probleme existieren ausschließlich in Europa, während die Restwelt unbeschadet in Reichtum, Wirtschaftswachstum und fern jeder humanitären, politischen, ökonomischen und ökologischen Krise schwelgt.

    In Nordamerika läuft alles rund, in Südamerika sowieso. Afrika gedeiht, Russland prosperiert. Es gibt kaum Probleme im nahen und mittleren Osten, in Indien und seinen Nachbarstaaten ist alles in bester Butter. Südostasien und China lächeln freundlich weiter.

    Wer glaubt, dass die Schere zwischen Reich und Arm und eine zunehmende Amerikanisierung in GB nach dem Brexit nicht noch weiter eskalieren wird, ist ein beneidenswerter Träumer. Wer in Artikeln über die mittelfristige Entwicklung spekuliert, muss auch die Möglichkeit einer mittelfristige Änderung in der EU-Politik und -Konstruktion in seine Erwägungen einbeziehen, die durch Nachahmereffekte im Falle eines „erfolgreichen“ Brexits losgetreten werden könnten.

    Bis dahin kümmern wir uns um unsere wirklichen Probleme: 20 Millionen unkontrollierter Flüchtlinge aus dem Osten, 40 Millionen aus dem Süden, noch viel schlimmer, eine einzelne Greta aus dem Norden, und jetzt auch noch der Wolf. Was bleibt da noch als Ausweg? Der goldene Gelb-Westen.

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    Columbo

    27. August 2019 20:06 at 20:06

    Bitte beim so in Mode gekommenen EU Bashing nicht vergessen, daß die ganz großen Player besonderes Interesse am Auseinanderbrechen der EU und des Euro haben. Die arbeiten gezielt darauf hin und wir, man verzeihe mir den Ausdruck, wir Blöden fallen auch noch darauf herein und zerstören in vorauseilendem Gehorsam alles, was die Großen zerstört haben wollen. Praktisch für sie, sie brauchen es nicht mehr selber tun. Brave Briten, Trumps Lob ist ihnen gewiß.
    Und die bösen Anderen wollen und wollen einfach nicht austreten.
    Das erinnert mich irgendwie an was. Was war es nur? Ah ja, damals wars umgekehrt, die Bösen wollten und wollten nicht beitreten.

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    Torsten

    27. August 2019 22:38 at 22:38

    Nicht China, Indien oder Amerika werden das 21. Jahrhundert dominieren, es wird meiner Meinung nach Europa sein.
    Nach dem Brexit wird United Kingdom zerfallen, Schottland wird sich lösen und langfristig der EU beitreten.
    Nordirland wird sich langfristig mit Irland wieder vereinigen.

    Ich liebe Europa und den Euro. Und den Euro gibt es noch in 100 Jahren nur mit noch mehr Ländern. Alles wird gut.

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      leftutti

      27. August 2019 23:12 at 23:12

      @Torsten, niemand kann wissen, wer ein Jahrhundert politisch oder wirtschaftlich dominieren wird. Nehmen wir doch einfach das 20. Jahrhundert, wer hatte da zu Beginn schon die Nazis, die Amis, die Atombombe, die Teilung der Welt, den kalten Krieg, die Gleichberechtigung von Sklaven und Frauen oder die globale Vernetzung auf dem Schirm?

      Aber eines kann ich Ihnen garantieren: Umwelt- und Klimaprobleme mit einer massiven Verstärkung der heute schon bekannten Auswüchse werden das Jahrhundert dominieren, wenn die Menschheit nicht ganz schnell in globaler Zusammenarbeit reagiert und umdenkt: Stürme, Starkregen, Hagel, Überschwemmungen, Anstieg der Meeresspiegel, Hitze, Dürren, Erdrutsche, Feuersbrünste, Artensterben, Seuchen, Pandemien und unvorstellbare wirtschaftliche und gesellschaftliche Schäden.

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Coronakrise: Warum stehen die Aktienmärkte noch so hoch?

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Die Coronakrise errreicht einen Hochpunkt nach dem anderen – und viele reiben sich derzeit verwundert die Augen: Warum stehen die Aktienmärkte so hoch, angesichts der schlechtesten Konjunkturaussichten in den vergangenen 100 Jahren? Gerade mal 20 bis 25 Prozent im Minus und nur leicht im Bärenmarkt. Spinnen die Börsianer – oder sehen Sie etwas anderes, was man aus den gegenwärtigen Daten nicht entnehmen kann? Hierzu ein paar Argumente aus der bullishen Sicht der Märkte.

Coronakrise: Was bringt uns das zweite Halbjahr?

Aus der Sicht der Börsen geht es fast nie um die Gegenwart oder die nahe Zukunft. Aktienmärkte fragen, wie sieht es in einigen Monaten aus? Also haben wir im Spätsommer 2020 noch Millionen von Coronainfizierten in den USA und ein Vielfaches davon an Arbeitslosen im Gefolge der Coronakrise? Das scheint sich in den Kursen derzeit niederzuschlagen.

Viele könnten von einer falschen Grundprämisse ausgehen.:Was nicht beachtet wird beim Vergleich mit früheren Rezessionen, selbst mit der von 1929 ist, dass es noch nie ein Situation gab, in der die Wirtschaft staatlich verordnet in Teilbereichen so auf null heruntergefahren wurde (und auch absehbar wieder hochgefahren wird).

Nicht einmal im Zweiten Weltkrieg wurde in den USA einem Friseur, einem Bäcker, einem Hot-Dog-Verkäufer u.a. die Arbeit untersagt. Das heißt aber auch, dass die kommenden Tage des Lockdowns alles überbieten werden, was es an kurzfristigen (!) Wirtschaftsindizes wie Arbeitslosenanträge, Verbrauchervertrauen etc. je gebeben hat. Klar, vermutlich erleben wird bald,  dass es wegen der Coronakrise in den USA 25 Millionen Arbeitslose geben wird –  in einem Land mit einer Hire-and-Fire-Mentalität. Aber Covid-19 hat ein natürliches Ende. Und dann wird es kurzfristig Anstiegsdaten aus tiefem Niveau geben, wie es sonst nur in Aufbauphasen nach einen Bombenkrieg möglich ist – einen kleinen Vorgeschmack darauf gibt bereits China mit seinen Einkaufsmanagerindizes.

Beispiel Deutschland

Wir haben bereits in dieser Woche R-0 erreicht (Feststellung Robert-Koch-Institut): das heißt, ein Infizierter steckt nur noch einen Menschen an. Vor drei Wochen lag dieser Wert bei 3-7 und damit noch deutlich höher. Bereits in wenigen Tagen/Wochen wird sehr wahrscheinlich die Zahl der „active cases“ sinken und dann die ersten Maßnahmen der Integration ins Arbeitsleben erfolgen. Die Epidemiologen dürfen nur nicht zu früh Entwarnung geben, sonst würde durch Leichtsinn der ganze Effekt zunichte gemacht werden und sich der Schaden der Coronakrise noch  potenzieren. Nach dem 20. April wird es in Deutschland ziemlich wahrscheinlich mit einer leichten Exitstrategie losgehen.

Coronakrise: Wird die Arbeitslosigkeit Bestand haben?

Die US-Börsen sehen nicht mehr auf den Mai, in dem die schlechtesten Arbeitslosenzahlen seit 1930 kommen werden, sondern sie blicken vermutlich auf den Sommer und später. Deshalb fallen sie auch zur Zeit nicht so stark, trotz der schlechtesten Arbeitslosenzahlen, die man sich ausmalen kann. Man erwartet bereits das Schlimmste und wenn Goldman Sachs von 25 Millionen im Mai spricht, so ist das weitgehend schon eskomptiert. Sonst müssten die Börsen schon weit über 50 Prozent ihres Wertes verloren haben. Das ist ein Grund, warum die Aktienmärkte derzeit nicht in die Tiefen fallen, die dem aktuellen Wirtschaftseinbruch durch die Coronakrise entsprächen. Der Zukunftsaspekt der Börse und als zweiter Grund das 10 Billionen-Dollar-Rettungspaket weltweit, was den Konsum vor einem totalen Kollaps bewahrt.

Was einige Investoren immer noch unterschätzen, ist die absolute Hemmungslosigkeit, Schmerzfreiheit oder Radikalität der US-Regierung, um den US-Konsum zu retten. Wenn das 4 Billionen-Dollarpaket für die Coronakrise nicht ausreicht, wird man eben noch weitere Billionen hinterherschieben: es ist ein Wahljahr und Donald Trump wird ohne Rücksicht auf Verluste alle fiskalpolitischen Mittel einsetzen.

Dass er damit die Verschuldung der USA in gefährlichste Dimensionen anheben wird, das kümmert ihn bisher noch wenig. Schließlich hat er wohl den stärksten Glauben Aller in die Einzigartigkeit der US-Wirtschaft und deren Leitwährung. Spricht er nicht schon dauernd davon, wie gestärkt Amerika aus der Coronakrise hervorgehen wird? Noch glauben ihm die Weltmärkte: der Dollar ist nach wie vor die Leitwährung und die Federal Reserve kann als eine der wenigen Notenbanken in unvorstellbarem Ausmaß Geld drucken. Dass das nicht ewig gut gehen kann und auch in einem Desaster enden könnte (muss?) – das steht auf einem anderen Blatt. Bisher sind die USA eine der wenigen Länder, die noch niemals einen Staatsbankrott erleben mussten. Deutschland hingegen schon derer sieben, in den letzten 200 Jahren. God bless America..

Noch ein Wort zu China: Warum sind dort im Januar/Februar wegen der Coronakrise die Aktienmärkte nicht in die Tiefe gestürzt, als eine Schlüsselindustrie, die Automobilbranche, mit 92 und 80 Prozent Rückgang die schlechtest denkbaren Daten geliefert hat? Weil man erwartet hat, dass sich die Wirtschaft ab April/Mai von der Coronakrise wieder erholen wird. Was gerade auch geschieht.

Das ist nämlich auch für die USA der springende Punkt: Man kann doch nicht erwarten, dass die Masse der Friseure, Bäcker, Souvenirhändler (um nur ein paar einfache Beispiele zu nennen) auch in drei oder sechs Monaten noch arbeitslos sein werden. Von einem langsamen Wiedereinstieg im Flug- und Touristikgeschäft gar nicht zu reden. Die Touristikbranche steht für acht Prozent des weltweiten BIPs. Menschen werden wieder den Friseur (und viele Dienstleister, vom Masseur bis zum Fitnessstudio) brauchen.

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ETF: Wie funktionieren sie – und sind sie auch in der Krise ungefährlich?

Sind ETFs auch in einer Krise geeignet? Über die Funktion eines ETF – und was in der Corona-Krise passierte

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ETF war das Zauberwort unter den Anlageprodukten: während Vermögensverwalter stetig Rückgänge bei den Zuflüssen an Kundengeldern verkraften mußten, traten die ETFs einen jahrelangen Siegeszug an. Wird das so bleiben? Ist ein ETF für jedermann geeignet? Und ist es vor allem auch ein „Krisen-sicheres“ Instrument? Hier ein kurzer Überblick über die relevanten Fakten!

Was ist ein ETF?

Der Begriff ETF stammt aus dem englischen und bedeutet „Exchange Traded Fund“. Vereinfacht gesagt, handelt es sich dabei um einen börsengehandelten Indexfonds der die Weiterentwicklung eines Portfolios aus Wertpapieren darstellt. ETFs sind also Fonds, die wie Aktien über die Börse gehandelt werden. Ein ETF kann unterschiedlichste Arten eines Index abbilden, z.B. einen bestehenden Index wie den DAX, aber auch eine Zusammenstellung einer Branche.

Die Anteile daran werden dann an der Börse gehandelt, genauso wie die Aktien eines einzelnen Unternehmens. Für die meisten Investoren ist es schwierig alle Aktien aus einem Index zu kaufen oder zu verkaufen, zudem würde es einen hohen Kapitaleinsatz erfordern. Es ist daher für viele Investoren viel einfacher und günstiger, einen ETF zu handeln, der eine definierte Auswahl an Aktien oder Anleihen enthält.

Der Kurs bestimmt sich wie bei einer Aktie durch den Markt, also durch Angebot und Nachfrage. Weil ein ETF nichts anderes als ein Paket aus Wertpapieren ist, entspricht der Kurs in der Regel dem Gesamtwert der zugrundeliegenden Aktien. Der wohl bekannteste ETF ist der MSCI World, es handelt sich um einen internationalen Aktienindex bestehend aus über 1600 Unternehmen weltweit. Eine große Anzahl an Anlegern nutzen diese Anlageform auch als Sparplan, es werden z.B. monatliche Sparbeträge eingezahlt, um über einen längeren Zeitraum durch den Zinseszins zu profitieren.

Wie entsteht ein ETF?

ETF-Anteile werden durch autorisierte Marktteilnehmer, auch Market Maker genannt, kreiert. Diese arbeiten mit bekannten Anbietern wie z.B. der DWS (Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen) zusammen, die Fondsparte der Deutschen Bank. Professionelle Finanzinstitutionen wickeln die Ausgabe und Rückgabe von ETF-Anteilen gemeinsam im Hintergrund ab. Das Ergebnis ist eine einfache und reibungslose Investmentform. Genau das macht es für Anleger auch so leicht, ein ETF wie eine Aktie an der Börse zu handeln.

ETF: Welche Unterschiede gibt es?

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von ETFs: Zunächst gibt es die physisch replizierenden Fonds. Wie das Wort physisch schon aussagt, handelt es sich hierbei um eine 100-prozentige Nachbildung eines Aktienindex wie z.B. dem DAX oder Dow Jones. Diese bestehen konstant aus 30 Unternehmen, dadurch kann eine sogenannte Vollreplikation angewendet werden. Jedes Unternehmen im DAX hat eine bestimmte Gewichtung, die von der Marktkapitalisierung abhängig ist. In einem physischen ETF-Index werden die Aktien gemäß ihrer Gewichtung gekauft. Das ist für Indizes möglich, die sich nur aus einer übersichtlichen Zahl liquider Aktien zusammensetzen. Ist der Index allerdings sehr groß – wie der MSCI World mit mehr als 1.600 verschiedenen Unternehmen – dann werden nur bestimmte Unternehmensanteile gekauft. Man spricht hierbei von der Teilreplikation.

Bei der synthetisch replizierenden Methode werden nicht die physischen Werte eines Index zugrunde gelegt, sondern es erfolgt eine Nachbildung über Derivate, zu Ihnen zählen Optionen, Termingeschäfte und Tauschgeschäfte (englisch: “Swaps”). Dabei schließt der Fonds einen Vertrag mit einem Swap-Partner ab, wie Finanzinstitute und Investmentbanken, die sich dazu verpflichten, im Tausch gegen eine Gebühr die Indexrendite zu „liefern“. Ein synthetisches ETF ist in erster Linie dafür geeignet, kostengünstig in Nischenmärkte oder Anlageklassen wie Rohstoffe zu investieren, die sonst für die meisten Investoren nur schwer zugänglich sind.

Was ist das Ziel und für wen eignen sich?

Das Ziel eines ETF ist es, genau die Rendite zu erzielen, die der entsprechende Index erzielt. Ein ETF versucht damit gerade nicht, durch gezielte Auswahl einzelner Aktien klüger und besser zu sein als die breite Masse der Investoren. Auf diese Weise können Sie einfach und günstig am Marktgeschehen teilhaben, Sie folgen einfach der Mehrheit. Die Zusammensetzung eines ETF-Index wird mehrmals jährlich überprüft und gegebenenfalls angepasst. Sie müssen sich also um nichts kümmern und können sich getrost zurücklehnen und sich im Erfolgsfall über ihre stetige Rendite freuen. Diese Anlageform eignet sich nicht nur für Profis, sondern insbesondere auch für Privatanleger, die ihr Portfolio nicht aktiv managen möchten und ihr Risiko über eine breite Auswahl an Aktien oder Anleihen streuen wollen.

Kritik an ETF

Im Wesentlichen gibt es zwei Kritikpunkte an ETFs: erstens führe ihr „Siegszug“ zu einer Monopolisierung der Märkte: Aktien wie Apple würden immer Markt-schwerer und daher in unzähligen ETFs immer stärker gewichtet. Dazu komme, dass immer mehr Indizes geschaffen werden (es gibt inzwischen mehr Indizes als Aktien), damit dann auf einen neu geschaffenen Index ein Index-ETF aufgelegt werden kann.

Die Folge: es gibt immer mehr ETFs, die auf eine vorhandene Liquidität der Marktteilnehmer trifft – insofern gaukelten die ETFs eine Liquidität vor, die faktisch gar nicht gegeben sei. Komme es zu crashartigen Situationen an den Märkten, könne der Siegeszug dieses Anlagevehikels  die Dynamik noch verstärken, so die Kritiker. Bei dem jüngsten heftigen Abverkauf im Gefolge der Corona-Krise kam es bislang vor allem in illiquiden Sektoren zu Problemen, etwa bei Junk Bonds – hier gab es deutliche Abweichungen zwischen dem Fondspreis und dem Preis der im Fonds enthaltenen Wertpapiere. Bei einem „großen“ ETF wie etwa dem SPY, der den Leitindex S&P 500 abbildet, kam es dagegen nicht zu derartigen Problemen.

Wie gut ist ein ETF auch in schwierigen Marktlagen geeignet?

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Finanznews

Aktienmärkte: Katastrophen-Zahlen – warum (noch) kein Abverkauf? Marktgeflüster (Video)

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Heute absolut katastrophale Arbeitsmarktdaten aus den USA und regelrechte Abstürze auch bei europäischen Konjunkturdaten – warum aber halten sich die Aktienmärkte angesichts solcher Horro-Meldungen noch recht passabel? Ist das alles wirklich schon eingepreist? Blicken die Aktienmärkte schon „hinter die Kurve“ und erwarten eine Besserung der Lage? Das Gegenteil ist der Fall: erst bei den anstehenden Daten, die den März volll erfassen, wird die ganze Dimension der Coronavirus-Krise sichtbar werden. So liegen die ersten Prognosen für die US-Arbeitsmarktdaten bei 20 Millionen (!) verlorenen Jobs. Aber neben der Erholung beim Ölpreis gibt es einen Grund, warum sich der Abverkauf de Aktienmärkte (noch) in Grenzen hält..

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