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Brexit Ja oder Nein: Dieser Chart erklärt das volkswirtschaftliche Hauptproblem für Großbritannien

Redaktion

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FMW-Redaktion

Ist der Brexit gut oder schlecht für Europa, gut oder schlecht für Großbritannien selbst? Wer gewinnt, wer verliert? Darum soll es an dieser Stelle nicht gehen, sondern um das harte realwirtschaftliche Hauptproblem, dass Großbritannien jetzt schon hat. Bei einem Brexit wird es aber noch deutlicher an die Oberfläche gespült. Margaret Thatcher schaffte die Industrieproduktion in UK und damit auch den Warenexport im Großen und Ganzen ab, seitdem lebt man von Dienstleistungen. Dieser Chart zeigt dieses strukturelle Dilemma eindrucksvoll.

Die Balken über der Null-Linie stellen die monatlichen Außenhandelsüberschüsse im Dienstleistugnssektor dar in Milliarden Pfund. Das heißt z.B. Banken in London „produzieren“ eine Dienstleistung, die von jemand außerhalb Großbritanniens bezahlt wird, folglich fließt Geld auf die Insel resultierend aus einer erbrachten Dienstleistung. In diesem Sektor nimmt UK mehr ein als es umgekehrt für Dienstleistungen von außerhalb ausgibt. So gut so schön. Nur insgesamt gesehen auf eine ganze Volkswirtschaft beinhalten Dienstleistugen auch sämtliche extrem schlecht bezahlten Jobs in der Gastronomie, dem Einzelhandel etc. Und dieser Sektor steigt wie auch in den USA immer weiter an, während das produzierende Gewerbe stetig zurückgeht.

Brexit Problem 1
Grafik: UK Statistics (aktuellste Daten).

Die Balken unter die Null-Linie (also im Minusbereich) stellen das monatliche Außenhandelsdefizit Großbritanniens für den Warenhandel dar in Milliarden Pfund. D.h. der Warenimport nach Großbritannien ist Monat für Monat, Jahr für Jahr konstant größer als der Warenexport – es fließen also unterm Strich immer konstant Gelder ins Ausland – genau der selbe Effekt wie in den USA. Staat, Unternehmen und Verbraucher können dies nur über Schulden, niedrigere Löhne und mehr Armut kompensieren, denn letztlich basiert der Wohlstand in entwickelten Industrienationen, die eine gewisse Größe überschreiten (mehr als Luxemburg etc), auf der Industrieproduktion, die das solide Ausgangsfundament für Wohlstand bildet. Fällt sie immer mehr weg, müssen in anderen Branchen schlechter bezahlte Arbeitsplätze entstehen.

Auch wenn der Dienstleistungsüberschuss das Warendefizit ausgleichen würde, so wäre Industrieproduktion und der hieraus resultierende Warenexport doch wichtiger als immer mehr auf Dienstleistungen zu setzen. Aber selbst dieser Ausgleich kommt nicht hin. Verrechnet man den Überschuss bei Dienstleistungen mit dem Warenhandelsdefizit, entsteht unterm Strich für 2015 ein Außenhandelsdefizit für Großbritannien in Höhe von 34,7 Milliarden Pfund, und somit um 300 Millionen Pfund größer als in 2014. Das heißt im Klartext: Staat, Unternehmen und Privatpersonen mussten insgesamt gesehen 34,7 Milliarden Pfund Cash aus dem Ausland ansaugen oder im Inland als Kredit aufnehmen um diesen Importüberschuss zu bezahlen.

Während die Dienstleistungen in 2015 für eine Außenhandelsüberschuss von 90,3 Milliarden Pfund sorgten, produzierte der Außenhandel mit Waren ein Defizit von atemberaubenden 125 Milliarden Pfund, 1,9 Milliarden mehr als 2014. Die Exporte in die EU fielen um 11,6 Milliarden Pfund ab. Das Erschreckende an dem Chart ist die Konstanz. Es gibt keine richtigen Ausschläge oder Aufwärts/Abwärtsentwicklungen. Das Defizit ist strukturell und verfestigt.

Durch einen Brexit würden diese Außenhandelsprobleme noch verschlimmert werden. Der kleinere Markt verliert tendenziell immer an Attraktivität gegenüber dem größeren Markt. Unternehmen orientieren sich immer am größeren Wirtschaftsraum. Durch neue Zölle, Auflagen, mehr Bürokratie etc wird es für Exporteure auf der Insel noch schwieriger aufs Festland zu exportieren. Man ist ja jetzt schon nicht Mitglied im Schengen-Raum, aber all das würde noch hinzukommen.

Aber abgesehen davon, dass das britische Pfund bei einem Brexit tendenziell weiter gegen den Euro abwerten dürfte und somit britische Produkte in der EU günstiger würden, ist die Exportindustrie kaum noch, besser gesagt gar nicht mehr vorhanden, wenn man es mal ganz allgemein ausdrückt. Egal wer in London regiert, jede Regierung setzt auf Dienstleistungen, genauer gesagt auf die Bankenindustrie in London. Alles andere zählt nicht, man will weiterhin weltweit Geld ansaugen, damit die Banken in der „City of London“ noch mehr Geschäft machen können. Davon profitiert aber letztlich nur eine sehr kleine Zahl von Menschen.

Warum wird das Warenhandels-Defizit noch mehr zum Problem beim Brexit? Die dann relativ zu EU gesehen kleine UK-Volkswirtschaft muss für die überschüssigen Warenimporte konstant Geld ansaugen wie ein Staubsauger. Die Schulden bei Staat, Unternehmen und Privathaushalten werden immer weiter steigen, und die relativ schwache Währung und der relativ schwache Wirtschaftsraum ist dann in Krisenzeiten viel anfälliger für einen Lehman 2.0-Crash als heute. Auch wenn das Pfund jetzt schon außerhalb der Eurozone existiert, wäre die ganze Wirtschaft dann auf sich gestellt. Die letzte Finanzkrise hat den britischen Steuerzahler bereits tief in den Abgrund gerissen. Bei der nächsten deftigen Krise im Finanzsektor, auch kräftig angeheizt durch die strukturelle Überschuldung (wie vorher beschrieben), steht das Land ohne nennenswerte reale Warenexport-Industrie dar. Wer soll dann die nächste Krise abfedern? Die Industrie gibt´s nicht, und die EU, die einen irgendwie evtl. auffangen könnte, aus der ist man ja ausgetreten. Der britische Staat müsste also bei der nächsten Finanzkrise seine Verschuldung in gigantischem Maße erhöhen, auf einen Schlag.

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    peter hoffmann

    23. Februar 2016 16:05 at 16:05

    hallo fmw redaktion,

    irgendwie ist das wie in der „premier-league“ : viel fremdes geld, damit werden viele waren(spieler) importiert und wenn man dann mal ein spiel sieht, ist das gekicke oft erbärmlicher als unsere 2. liga. (ironie aus)

    vg peter hoffmann

  2. Avatar

    Beate

    23. Februar 2016 20:19 at 20:19

    „es fließen also unterm Strich immer konstant Gelder ins Ausland“

    „Denn Nettokapitalexporte, die wegen des Prinzips der doppelten Buchführung gleich den Leistungsbilanzüberschüssen sind,
    zeigen keine Geldabflüsse an, sondern in Wahrheit eine erhöhte Ersparnis. “

    http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_pb_4_2011.pdf

    Die Verschuldung des privaten und öffentlichen Sektors in GB steigt und steigt.

    Welche Banken sind immer noch bereit das zu finanzieren?

    Es scheint keine Grenze nach oben zu geben.

    Dem britischen Immobiliensektor sei dank.

    Wer rettet bei einem Zusammenbruch des britischen Immobilienmarktes die deutschen Banken?

    Meine Frage : Ist durch die Handelsbilanzüberschüsse gegen GB zusätzliches Geldvermögen in D entstanden?

    Wie ist es auf deutsche Köpfe verteilt worden?

    Steht es dem Staat im Krisenfall zur Verfügung um das deutsche Bankensystem zu retten?

  3. Avatar

    Hugo

    26. Februar 2016 10:19 at 10:19

    „Ist der Brexit gut oder schlecht für Europa, gut oder schlecht für Großbritannien selbst? Wer gewinnt, wer verliert? Darum soll es an dieser Stelle nicht gehen“

    @ FMW-Redaktion: Ein solcher Artikel wäre aber richtig interessant: Deutschland liefert innerhalb der EU nur wenigen Ländern mehr als nach GB. Ferner: Wie stark sind die deutschen Banken betroffen, insb. wenn der Immobilienmarkt vollständig einbricht?

    Glaubt man den Umfragewerten, ist ein „Brexit“ ja nicht in Gänze unwahrscheinlich …

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Börse: Chancen und Risiken – welche Anlageklassen werden boomen?

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Die Börse hat den Corona-Crash scheinbar überwunden – die Aktienmärkte handeln an Allzeithochs, den Notenbanken sei Dank! Wie aber geht es nun weiter, mittel- bis langfristig?

„Die Börse ist gut drau und geht davon aus, dass alles gut wird“, sagt der ehemalige Hedgefundmanager Florian Homm. Dieses Mantra aber sei gefährlich und risikoreich, so Homm. Angesichts der Bewertungen an der Börse seien die Perspektiven eher mau: selbst wenn die Aktienmärkte im besten Fall 4% pro Jahr weiter steigen würden, bestünde die Gefahr, dass diese Zugewinne durch eine steigende Inflation zunehmend aufgefressen würden.

Homm analysiert in folgendem Video verschiedene Anlageklassen: Edelmetalle, Rohstoffe, Nahrungsmittel, Kryptowährungen, Anleihen und Aktien. Was dürfte in den nächsten Jahren am besten funktionieren? So oder so: „Wir befinden uns in einer spannenden, hochriskanten Dekade“, sagt Florian Homm. Aber angesichts der finanziellen Repression gehe aber eben kein Weg an der Börse vorbei, so Homm. Dabei zeigt er fünf Szenarien auf:

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Aktiensplit bei Tesla – folgen andere bald nach?

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Es ist Thema in vielen Wirtschaftsteilen der Medien – der Aktiensplit von Tesla und die extreme Kursreaktion eines Automobilherstellers, der schon zuvor fast so viel wert war wie alle Autoproduzenten Europas. Passt natürlich auch ins Schema von Elon Musk, der einen gigantischen Optionsvertrag besitzt, der ihm beim Erreichen hoher Werte in punkto Marktkapitalisierung Zuteilungsrechte eröffnet, die es so noch nicht gegeben hat. Zig-Millionen an Aktien in Stufen bis zu einem Unternehmenswert von 650 Milliarden Dollar, wie im Artikel vom 24. Juli dargelegt.

Der Aktiensplit zum Monatsende

Durch den exponentiellen Anstieg der Aktie von Tesla von 400 Dollar zu Jahresanfang bis auf fast 1800 Dollar, Mitte Juli und in sechseinhalb Monaten, war nicht nur ein Fahnenstangen-Chart entstanden, der nach Korrektur schreit, sondern auch ein psychologisches wie auch praktisches Problem entstanden. Für Millionen Kleinanleger, vor allem die vielen Neuen des Jahres 2020, war das Papier einfach zu teuer. Claudio Kummerfeld hat gestern die Wirkung der Fünftelung des Aktienpreises in einem Artikel beschrieben. Und es hat funktioniert. Am Tag nach der Ankündigung, einen Aktiensplit zu machen, erreichte die Aktie im New Yorker Handel 1585 Dollar und schloss bei 1554 Dollar, sagenhafte 13 Prozent im Plus, obwohl sich fundamental deshalb schon rein gar nichts geändert hat. Bei Beurteilung der Börsenreaktion von Tesla muss man aber die besondere Situation bei diesem Highflyer berücksichtigen. Einer der „meistgeshorteten“ großen Titel, bei dem die Leerverkaufsquote schon einmal 25 Prozent des Free Floats ausmachte. Zuletzt waren es immer noch über 10 Prozent oder 14 Millionen und da kann jede positive Meldung einen Pain Trade auslösen, in Form der berüchtigten Short Squeezes.

Nichtsdestotrotz gibt es Anleger, die keine Aktien mögen, weil sie optisch sehr teuer wirken. Als ob eine Deutsche Bank mit 8 Euro attraktiver wäre als eine Allianz mit 180 Euro.

So hatte kürzlich erst die Ankündigung von Apple, einen Aktiensplit von 4 zu 1 zu planen, Furore gemacht.

Ende August gibt es dann viermal so viele Papiere des wertvollsten Unternehmens der Welt. Statt etwa 455 Dollar wie am gestrigen Tag würde das Papier dann nur noch etwas mehr als 110 Dollar kosten. Die angekündigte Aktiensplit hatte selbst bei einem Wert mit einer Marktkapitalisierung von über 1,9 Billionen Dollar große Wirkung und ließ den Kurs nachbörslich um sechs Prozent in die Höhe schnellen. Diese Reaktion macht Anleger neugierig und man hält Ausschau nach Titeln, die optisch teuer sind und wo sich das Management zu so einem Schritt entscheiden könnte. Nach Ansicht von Experten sollten Aktien, die für einen Aktiensplit in Frage kommen, zwei Bedingungen erfüllen: Sie müssten in der letzten Zeit stark nach oben gegangen sein und die Aktien sollten über 400 Dollar kosten.

Welche Werte könnten dem Beispiel folgen?

Angesichts der „Anomalie“ einer folgenden Kurssteigerung infolge von optischen Psychotricks könnte es nicht verkehrt sein, nach Titeln Ausschau zu halten, die extrem gestiegen und extrem hohe Kurswerte aufweisen. Da fällt einem natürlich sofort Amazon ins Auge, die Online-Aktie, die es bereits zum Schnäppchenpreis von 3100 Dollar gibt. Wann wird sich Jeff Bezos zu diesem Schritt entscheiden, schließlich wurde die Aktie in diesem Jahrhundert auch noch nicht gesplittet? Immer wieder unglaublich anzusehen, die Entwicklung dieses Wertes, der im Crash des Jahres 2001 auf unter 10 Dollar gefallen war. Dann gibt es natürlich noch weitere FAANG-Aktien, die die großen Renner des Jahres waren: Alphabet mit über 1500 Dollar, Netflix mit über 450 Dollar, aber auch andere bekannte Titel wie BlackRock (580 Dollar), Adobe (450 Dollar), Nvidia (460 Dollar) oder der sehr teure und auch in Deutschland bekannte Online-Reisekonzern Booking.com mit über 1800 Dollar. An Auswahl mangelt es nicht.

Wie ist es in Deutschland?

Natürlich kennen wir hierzulande auch den Aktiensplit, vor einem Jahr war es der Sportartikelhersteller Puma, der seine Aktien gezehntelt hatte. Vor Kurzem war es die Medizintechnikfirma Eckert und Ziegler. Aber auch die großen Werte aus dem DAX wie BASF, Beiersdorf, Eon, Fresenius, SAP oder Siemens haben ihre Anteilsscheine schon geteilt, aber das ist schon viele Jahre her. Optisch richtig teure Werte gibt es derzeit nicht im Dax, aus dem MDax ragt der Küchenhersteller Rational mit seinem 600 Euro Kurswert hervor. Aber wer weiß, deutsche Unternehmen ahmen nicht selten angelsächsischen Gepfogenheiten nach und schließlich befindet sich unser Leitindex auch in seiner Mehrheit in ausländischen Händen.

Fazit

Tesla hat strategisch nachgemacht, was Apple bereits vor Monatsfrist erfolgreich vorgemacht hat: Die teuerste Firma der Welt hat bereits vier Mal einen Aktiensplit durchgeführt, der fünfte ist für Ende August angekündigt und hat zu den gewohnten (positiven) Kursreaktionen geführt. Ohne die Splits würde die Aktie des Börsengiganten Apple heute bereits 24.000 Dollar kosten. Für viele Kleinanleger unhandelbar. Dass es dennoch anders geht, zeigt die Aktie von Warren Buffett, Berkshire Hathaway.

Diese kostete bei seiner Übernahme der Firma im Jahre 1965 unter 20 Dollar und heute in der Ur-Form als A-Aktie ungesplittet etwa 318.000 Dollar, eine Performance von über 2 Millionen Prozent, allerdings in einem für Normalanleger unvorstellbar langem Zeitraum. Geschadet hat es der Performance der Aktie auf lange Sicht nicht, weil zu guter Letzt die Fundamentaldaten zählen.

Kurzfristig ist ein Aktiensplit immer ein kleiner Kursturbo, auch wenn sich fundamental nichts ändert. Und für Trader eine lohnende Angelegenheit, wenn es gelingt….?

Wie ein Aktiensplit die Kurse von Apple und Tesla treibt

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Handelskrieg, jetzt Internetkrieg zwischen USA und China?

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