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Brexit Ja oder Nein: Dieser Chart erklärt das volkswirtschaftliche Hauptproblem für Großbritannien

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FMW-Redaktion

Ist der Brexit gut oder schlecht für Europa, gut oder schlecht für Großbritannien selbst? Wer gewinnt, wer verliert? Darum soll es an dieser Stelle nicht gehen, sondern um das harte realwirtschaftliche Hauptproblem, dass Großbritannien jetzt schon hat. Bei einem Brexit wird es aber noch deutlicher an die Oberfläche gespült. Margaret Thatcher schaffte die Industrieproduktion in UK und damit auch den Warenexport im Großen und Ganzen ab, seitdem lebt man von Dienstleistungen. Dieser Chart zeigt dieses strukturelle Dilemma eindrucksvoll.

Die Balken über der Null-Linie stellen die monatlichen Außenhandelsüberschüsse im Dienstleistugnssektor dar in Milliarden Pfund. Das heißt z.B. Banken in London „produzieren“ eine Dienstleistung, die von jemand außerhalb Großbritanniens bezahlt wird, folglich fließt Geld auf die Insel resultierend aus einer erbrachten Dienstleistung. In diesem Sektor nimmt UK mehr ein als es umgekehrt für Dienstleistungen von außerhalb ausgibt. So gut so schön. Nur insgesamt gesehen auf eine ganze Volkswirtschaft beinhalten Dienstleistugen auch sämtliche extrem schlecht bezahlten Jobs in der Gastronomie, dem Einzelhandel etc. Und dieser Sektor steigt wie auch in den USA immer weiter an, während das produzierende Gewerbe stetig zurückgeht.

Brexit Problem 1
Grafik: UK Statistics (aktuellste Daten).

Die Balken unter die Null-Linie (also im Minusbereich) stellen das monatliche Außenhandelsdefizit Großbritanniens für den Warenhandel dar in Milliarden Pfund. D.h. der Warenimport nach Großbritannien ist Monat für Monat, Jahr für Jahr konstant größer als der Warenexport – es fließen also unterm Strich immer konstant Gelder ins Ausland – genau der selbe Effekt wie in den USA. Staat, Unternehmen und Verbraucher können dies nur über Schulden, niedrigere Löhne und mehr Armut kompensieren, denn letztlich basiert der Wohlstand in entwickelten Industrienationen, die eine gewisse Größe überschreiten (mehr als Luxemburg etc), auf der Industrieproduktion, die das solide Ausgangsfundament für Wohlstand bildet. Fällt sie immer mehr weg, müssen in anderen Branchen schlechter bezahlte Arbeitsplätze entstehen.

Auch wenn der Dienstleistungsüberschuss das Warendefizit ausgleichen würde, so wäre Industrieproduktion und der hieraus resultierende Warenexport doch wichtiger als immer mehr auf Dienstleistungen zu setzen. Aber selbst dieser Ausgleich kommt nicht hin. Verrechnet man den Überschuss bei Dienstleistungen mit dem Warenhandelsdefizit, entsteht unterm Strich für 2015 ein Außenhandelsdefizit für Großbritannien in Höhe von 34,7 Milliarden Pfund, und somit um 300 Millionen Pfund größer als in 2014. Das heißt im Klartext: Staat, Unternehmen und Privatpersonen mussten insgesamt gesehen 34,7 Milliarden Pfund Cash aus dem Ausland ansaugen oder im Inland als Kredit aufnehmen um diesen Importüberschuss zu bezahlen.

Während die Dienstleistungen in 2015 für eine Außenhandelsüberschuss von 90,3 Milliarden Pfund sorgten, produzierte der Außenhandel mit Waren ein Defizit von atemberaubenden 125 Milliarden Pfund, 1,9 Milliarden mehr als 2014. Die Exporte in die EU fielen um 11,6 Milliarden Pfund ab. Das Erschreckende an dem Chart ist die Konstanz. Es gibt keine richtigen Ausschläge oder Aufwärts/Abwärtsentwicklungen. Das Defizit ist strukturell und verfestigt.

Durch einen Brexit würden diese Außenhandelsprobleme noch verschlimmert werden. Der kleinere Markt verliert tendenziell immer an Attraktivität gegenüber dem größeren Markt. Unternehmen orientieren sich immer am größeren Wirtschaftsraum. Durch neue Zölle, Auflagen, mehr Bürokratie etc wird es für Exporteure auf der Insel noch schwieriger aufs Festland zu exportieren. Man ist ja jetzt schon nicht Mitglied im Schengen-Raum, aber all das würde noch hinzukommen.

Aber abgesehen davon, dass das britische Pfund bei einem Brexit tendenziell weiter gegen den Euro abwerten dürfte und somit britische Produkte in der EU günstiger würden, ist die Exportindustrie kaum noch, besser gesagt gar nicht mehr vorhanden, wenn man es mal ganz allgemein ausdrückt. Egal wer in London regiert, jede Regierung setzt auf Dienstleistungen, genauer gesagt auf die Bankenindustrie in London. Alles andere zählt nicht, man will weiterhin weltweit Geld ansaugen, damit die Banken in der „City of London“ noch mehr Geschäft machen können. Davon profitiert aber letztlich nur eine sehr kleine Zahl von Menschen.

Warum wird das Warenhandels-Defizit noch mehr zum Problem beim Brexit? Die dann relativ zu EU gesehen kleine UK-Volkswirtschaft muss für die überschüssigen Warenimporte konstant Geld ansaugen wie ein Staubsauger. Die Schulden bei Staat, Unternehmen und Privathaushalten werden immer weiter steigen, und die relativ schwache Währung und der relativ schwache Wirtschaftsraum ist dann in Krisenzeiten viel anfälliger für einen Lehman 2.0-Crash als heute. Auch wenn das Pfund jetzt schon außerhalb der Eurozone existiert, wäre die ganze Wirtschaft dann auf sich gestellt. Die letzte Finanzkrise hat den britischen Steuerzahler bereits tief in den Abgrund gerissen. Bei der nächsten deftigen Krise im Finanzsektor, auch kräftig angeheizt durch die strukturelle Überschuldung (wie vorher beschrieben), steht das Land ohne nennenswerte reale Warenexport-Industrie dar. Wer soll dann die nächste Krise abfedern? Die Industrie gibt´s nicht, und die EU, die einen irgendwie evtl. auffangen könnte, aus der ist man ja ausgetreten. Der britische Staat müsste also bei der nächsten Finanzkrise seine Verschuldung in gigantischem Maße erhöhen, auf einen Schlag.

3 Kommentare

3 Comments

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    peter hoffmann

    23. Februar 2016 16:05 at 16:05

    hallo fmw redaktion,

    irgendwie ist das wie in der „premier-league“ : viel fremdes geld, damit werden viele waren(spieler) importiert und wenn man dann mal ein spiel sieht, ist das gekicke oft erbärmlicher als unsere 2. liga. (ironie aus)

    vg peter hoffmann

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    Beate

    23. Februar 2016 20:19 at 20:19

    „es fließen also unterm Strich immer konstant Gelder ins Ausland“

    „Denn Nettokapitalexporte, die wegen des Prinzips der doppelten Buchführung gleich den Leistungsbilanzüberschüssen sind,
    zeigen keine Geldabflüsse an, sondern in Wahrheit eine erhöhte Ersparnis. “

    http://www.boeckler.de/pdf/p_imk_pb_4_2011.pdf

    Die Verschuldung des privaten und öffentlichen Sektors in GB steigt und steigt.

    Welche Banken sind immer noch bereit das zu finanzieren?

    Es scheint keine Grenze nach oben zu geben.

    Dem britischen Immobiliensektor sei dank.

    Wer rettet bei einem Zusammenbruch des britischen Immobilienmarktes die deutschen Banken?

    Meine Frage : Ist durch die Handelsbilanzüberschüsse gegen GB zusätzliches Geldvermögen in D entstanden?

    Wie ist es auf deutsche Köpfe verteilt worden?

    Steht es dem Staat im Krisenfall zur Verfügung um das deutsche Bankensystem zu retten?

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    Hugo

    26. Februar 2016 10:19 at 10:19

    „Ist der Brexit gut oder schlecht für Europa, gut oder schlecht für Großbritannien selbst? Wer gewinnt, wer verliert? Darum soll es an dieser Stelle nicht gehen“

    @ FMW-Redaktion: Ein solcher Artikel wäre aber richtig interessant: Deutschland liefert innerhalb der EU nur wenigen Ländern mehr als nach GB. Ferner: Wie stark sind die deutschen Banken betroffen, insb. wenn der Immobilienmarkt vollständig einbricht?

    Glaubt man den Umfragewerten, ist ein „Brexit“ ja nicht in Gänze unwahrscheinlich …

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Aktien

Hendrik Leber und der große Optimismus für die Zeit nach der Krise

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Hendrik Leber mit viel Optimismus für die Zeit nach der Coronakrise

Horror ohne Ende. Abseits der menschlichen Tragödien rund um das Coronavirus bricht die Wirtschaft ein. Die Börsen sind schon gecrasht. Rutschen Dax und Co noch weiter ab? Überall nur schlechte Nachrichten und Schreckensszenarien. Ist es an der Stelle mal gut einem Optimisten zuzuhören? Ganz aktuell äußert sich der Börsenexperte Hendrik Leber zur Frage, wie es denn nach der Coronakrise weitergehen wird. Die Menschheit erlebe immer wieder Epidemien. Und auch mit dem aktuellen Coronavirus werde man letztlich klar kommen, spätestens wenn die Impfstoffe vorhanden seien. Danach würde alles wieder normal seinen Gang gehen – so kann man seine Worte zusammenfassen.

Hendrik Leber, wird alles wieder gut?

Und der dramatische Wirtschaftseinbruch? Auch hier sieht Hendrik Leber die Aussicht so richtig optimistisch. Es gäbe einen Rückstau beim Konsum. Dadurch entstünden später Nachholeffekte. Die Leute wollten dann zum Beispiel wieder verreisen usw. Auch würde der derzeitige starke Einbruch in der Industrie durch andere Sektoren teilweise aufgefangen. Dafür nennt er zum Beispiel das Wachstum bei Lieferdiensten etc. Die Lage sei zwar aktuell dramatisch, aber die Wirtschaft werde sich wieder erholen.

Ein wichtiges Thema seien für ihn die Banken (das haben wir vorhin erst thematisiert). Es müsse Erleichterungen bei den Kapitalanforderungen für die Banken geben, so Leber. Nur dann könne die Kreditvergabe auch laufen. Die großen Ankaufprogramme der EZB würden seiner Meinung nach nichts bringen. Wichtig sei, dass die Menschen, die jetzt Einnahmeausfälle haben, direkt Geld bekommen würden.

Jetzt Aktien kaufen?

Und was meint Hendrik Leber zur Börse? Es gebe derzeit bei einigen Unternehmen sehr günstige Bewertungen. Für den Investor gäbe es derzeit wunderbare Kaufgelegenheiten, aber dafür selektiv! Man müsse jetzt die Firmen auswählen, die wenig Schulden haben, die nämlich die letzten Jahre nicht auf Kredit Aktien zurückgekauft hätten etc (wie wahr, möchten wir anmerken). Er sagt etwas sehr Intelligentes. Gehen nun Hotelketten und Airlines pleite, würden die Hotels und Flugzeuge ja bleiben. Welche solide da stehenden Konzerne würden dann nach den Insolvenzen die Hotels und Flugzeuge aufkaufen? Diese gut aufgestellten Firmen zu finden, darum soll es also gehen bei der Auswahl der Aktien.

Und als hätte Hendrik Leber an unserem Artikel mit geschrieben, den wir gerade erst veröffentlicht haben zum Thema Banken und Kredite… er erwähnt auch anstehende Pleiten im Immobiliensektor, aufgrund nun ausbleibender Mieteinnahmen! Das folgende Video ist sehenswert. Sein Fazit ist auch interessant beim Thema Aktien. Er glaube erst mal an einen zweiten Abrutsch am Aktienmarkt, bevor es besser werden könne. Auslöser seien die USA, wo das Coronavirus noch kräftig auf die Gesamtwirtschaft drücken werde. Aktien solle man jetzt über mehrere Wochen gestreckt immer in Tranchen kaufen, da man es nicht schaffen werde punktuell den Einstieg am exakten Tief zu finden.

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Banken vor Riesenproblem, das jetzt nicht wahrgenommen wird

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Banken vor Problemen

Wir Banken stehen vor immensen Problemen! Aber eigentlich ist doch alles bestens? Die EZB flutet alles mit Liquidität, und die Rettungsgelder kommen auch vom Staat? Irgendwie wird das doch alles gut gehen? Eben nicht. Wir zitieren hier erst einmal die Bundesregierung, damit das Grundproblem klar wird. Was für die Mieter ein Segen ist, ist auf der anderen Seite ein kleiner Albtraum. Zitat:

Das Recht der Vermieter, Miet- und Pachtverhältnisse wegen Zahlungsrückständen zu kündigen, wird für einen begrenzten Zeitraum eingeschränkt. Diese Einschränkung gilt für die Fälle, in denen die Rückstände auf den Auswirkungen der Corona-Pandemie beruhen. Die Regelung ist auf den Zeitraum vom 1. April bis zum 30. Juni 2020 begrenzt. Die Pflicht des Mieters oder Pächters zur fristgerechten Zahlung bleibt jedoch auch in dieser Zeit bestehen. Zahlungsrückstände aus dem Zeitraum 1. April bis 30. Juni 2020 berechtigen den Vermieter – für die Dauer von 24 Monaten – nicht zur Kündigung. Erst, wenn der Mieter oder Pächter die Zahlungsrückstände auch nach dem 30. Juni 2022 noch nicht beglichen hat, kann ihm wieder gekündigt werden. Mit den Regelungen wird verhindert, dass infolge vorübergehender Einnahmeausfälle durch die Corona-Pandemie Wohnraummieter ihr Zuhause und Mieter oder Pächter gewerblicher Räume und von Grundstücken die Grundlage ihrer Erwerbstätigkeit verlieren.

Banken vor Kreditausfällen

Natürlich wird es zahlreiche private und gewerbliche Vermieter geben, die auf gigantischen Vermögen sitzen, und für die es aus existenzieller Sicht in keinster Weise ein Problem darstellt, wenn mal für zwei, drei Monate keine Mieteinnahmen fließen. Aber dann gibt es da natürlich auch noch jede Menge private und gewerbliche Vermieter, die ihre Häuser, Eigentumswohnungen und Bürogebäude volle Pulle auf Kredit finanziert haben. Ihnen werden voraussichtlich in großem Umfang die Einnahmen wegbrechen, und damit auch die Möglichkeit in vollem Umfang die monatlichen Kreditraten an die Bank zu zahlen. Das bedeutet wiederum für die Banken? Richtig, einige Kreditkunden mit großen und kleinen Immobiliendarlehen könnten zu notleidenden Kreditnehmern werden, wo man sich als Bank überlegen muss: Stufen wir diesen Fall jetzt schon als Kreditausfall ein, also wird der Kredit demnächst zu einem Non Performing Loan werden, zum Schrottkredit?

Da hilft aktuell eine Verfügung der BaFin, die den Banken hier aktuell Flexibilität gewährt. Eigentlich wertlose Kredite können dann auf den Büchern gehalten werden als werthaltige Forderung, die folgerichtig nicht abgeschrieben werden muss als Verlust, der das Eigenkapital angreift. Aber so oder so – die Bankvorstände werden wissen: Auch wenn wir fürs Erste rein optisch diese gewisse Anzahl von Krediten nicht als Verlust abschreiben müssen, so sind die Kredite dennoch real wertlos oder zumindest am Wanken – und es drohen viele davon notleidend zu werden, je länger zahlreiche Mieter in den Objekten einfach keine Miete bezahlen. Hier entsteht eine echte Kettenreaktion von den Mietern, über die Vermieter die auf Kredit Objekte erstellt haben, bis hin zu den Banken, die letztendlich die Suppe auszulöffeln haben.

Aber wo ist dann das Problem? Tja, da sind wir dann beim Experten Markus Krall angekommen, und seinem großen lange gepredigten Crash-Szenario für die gesamte Volkswirtschaft. Der richtige systemische Crash beginne damit, dass die Banken schrumpfendes Eigenkapital haben, weshalb sie folgerichtig weniger Kredite vergeben können. Aber halt, aktuell flutet der Staat doch die ganze Volkswirtschaft mit Zuschüssen und Krediten – die Banken werden von der EZB überflutet, der Staat haftet für Kredite – also wo ist bitteschön das Problem?

Und was macht die Politik?

Nun ja, da wären wir bei Peter Altmaier und Olaf Scholz angekommen. Sie hatten unlängst gigantische Milliardenhilfen und Kredite verkündet. Aber gerade jetzt, wo die Banken vor allem über die Immobilienkredite einiges an Ausfällen zu erwarten haben, da gibt es mit einem kleinen technischen Detail umso mehr Probleme. Die Kreditinstitute sollen ja eigentlich nun volle Pulle die KfW-Kredite an die Selbständigen und Unternehmen herausreichen. So schnell und so viel wie nur irgend möglich, und das bitteschön unbürokratisch. Aber der Staat haftet für die potenziellen Kreditausfälle nur zu 90 Prozent! Wir hatten dieses Thema letzten Donnerstag schon besprochen, aber man kann es nicht oft genug erwähnen. Die Banken haften für die KfW-Kredite mit 10 Prozent der Kreditsumme. Und sie werden vielleicht in einem halben Jahr vor einer riesigen Masse an Pleite-Unternehmern stehen, wo dann reihenweise Abschreibungen gebucht werden müssen, weil die Kredite nicht zurückgezahlt werden. Und das, wo von den Immobilienkrediten wie vorhin beschrieben bereits diese Problemfront auf die Banken zurollt. Wie sollen sie dann bitte jetzt kleinen Unternehmern, die keine Sicherheiten haben, die KfW-Kredite geben? Das ist ein Problem! Der Staat müsste hier eigentlich sofort handeln und die Haftung auf 100 Prozent ausweiten. Nur dann könnten die Banken die KfW-Kredite jetzt wirklich an alle Unternehmer in Existenznot herausreichen.

Und da wären wir jetzt bei Peter Altmaier angekommen, der gestern bei Anne Will zu Gast war. Unternehmer wurden in Einspielern eingeblendet, und sprachen genau auf dieses 10 Prozent-Problem an. Die Staatshaftung müsse zügig auf 100 Prozent steigen, damit die Banken umfangreich und vor allem schnell die Kredite vergeben könnten. Antwort Altmaier: Das ginge deshalb nicht, weil die EU-Kommission die 90 Prozent-Haftung genehmigt hatte. Man sei sich in der Politik einig, dass die Banken mit in diesem Verfahren drin bleiben. Aber auch er sei zufrieden, wie diese Garantie umgesetzt werde. So würden von den Banken den Kreditnehmern beispielsweise Kredite verweigert, weil die Banken ja gar nicht wüssten, wann zum Beispiel ein Gastronom sein Geschäft denn wieder öffnen könne. Die Idee dieser Kredite sei gerade, dass die Unternehmer damit die Krise überstehen könnten. Einige (die Banken) hätten etwas falsch verstanden, so Peter Altmaier. Wir meinen: Ja Herr Altmaier, schön und gut. Aber das nützt alles nichts. Die ganz klammen Unternehmer, die kommen bei der Bank nur an die Kohle, wenn der Staat die Haftung auf 100 Prozent erhöht! Bitte handeln!

Also wäre das alles nicht schlimm genug, könnte auf die Banken die nächsten Jahre eine Welle von Kreditkündigungen zurollen, was immense Probleme mit sich bringt. Mehr dazu hier.

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Aktuelle Expertenschätzungen: So schlimm wird der Einbruch in der Wirtschaft

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Die deutsche Wirtschaft wird durch das Coronavirus massiv beeinträchtigt

Der Sachverständigenrat der Bundesregierung hat heute konkrete Schätzungen veröffentlicht, wie schlimm der Einbruch in der deutschen Wirtschaft als Folge des Coronavirus werden kann. Dabei sei die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung vor allem aufgrund der schwierigen Datenlage und der außergewöhnlichen Situation derzeit sehr hoch. Der Sachverständigenrat legt daher drei Szenarien für die wirtschaftliche Entwicklung in den Jahren 2020 und 2021 vor, die auf unterschiedlichen Annahmen über Ausmaß und Dauer der Beeinträchtigungen durch das Virus sowie über die darauffolgende Erholung basieren. Die Prognosen liegen zwischen 2,8 Prozent und 5,4 Prozent Einbruch des Bruttoinlandsprodukts für das aktuelle Jahr. Hier die drei Szenarien, im Wortlaut vom Sachverständigenrat:

Im Basisszenario, dem ausgehend von der aktuellen Informationslage wahrscheinlichsten Szenario, geht der Sachverständigenrat davon aus, dass sich die wirtschaftliche Lage über den Sommer, ähnlich dem sich abzeichnenden Verlauf in China, normalisiert. Für das Jahr 2020 käme es dann im Basisszenario zu einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in Höhe von -2,8 %. Im kommenden Jahr könnten Aufholeffekte sowie ein hoher statistischer Überhang das Wachstum auf 3,7 % ansteigen lassen.

Ein Risikoszenario (ausgeprägtes V) schätzt die wirtschaftlichen Folgen ab, die entstehen könnten, wenn es zu großflächigen Produktionsstillegungen kommen sollte oder die einschränkenden Maßnahmen länger als derzeit geplant aufrechterhalten werden. Im zweiten Quartal könnte die Wirtschaftsleistung dann um bis zu 10 % unterhalb des derzeitigen Niveaus liegen. Aufgrund des stärkeren Einbruchs im ersten Halbjahr 2020 würde sich ein jahresdurchschnittlicher Rückgang des BIP um –5,4 % einstellen. Wie im Basisszenario könnten jedoch Aufholeffekte dafür sorgen, dass sich die Wirtschaftsleistung wie im Basisszenario im weiteren Verlauf wieder dem Potenzialniveau annähert. Im Jahr 2021 würde die Wirtschaft dann um 4,9 % wachsen, wobei der hohe statistische Überhang von 1,1 Prozentpunkten zu berücksichtigen ist.

Sollten die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus über den Sommer hinaus andauern, könnte dies eine wirtschaftliche Erholung in das Jahr 2021 verzögern. In diesem Risikoszenario (langes U) könnten die getroffenen Politikmaßnahmen womöglich nicht ausreichen, tiefgreifende Beeinträchtigungen der Wirtschaftsstruktur durch Insolvenzen und Entlassungen zu verhindern. Verschlechterte Finanzierungsbedingungen sowie die gestiegene und verfestigte Unsicherheit könnten zudem Investitionen bremsen und zur Kaufzurückhaltung bei Haushalten führen. Schließlich drohen in einem solchen Szenario negative Rückkopplungen über die Finanzmärkte oder das Bankensystem. Das Wachstum im Jahr 2020 könnte in einem solchen Szenario –4,5 % betragen. Im kommenden Jahr würde die Wirtschaftsleistung mit einem Wachstum von 1,0 % nur sehr langsam wachsen.

Deutsche Wirtschaft mit BIP-Einbruch in diesem Jahr

Maschinenbau

Der deutsche Maschinenbau wird verständlicherweise mit voller Wucht von der Coronakrise getroffen. Wer bestellt in Italien oder den USA jetzt schon neue Maschinen in Deutschland? Der Verband der Maschinenbauer VDMA hat heute eine aktuell durchgeführte Umfrage unter 965 Betrieben veröffentlicht. Demnach ist der Anteil der Unternehmen, deren Betriebsablauf beeinträchtigt ist, innerhalb von zwei Wochen von 60 auf 84 Prozent gestiegen. Fast jeder zweite betroffene Betrieb leide unter „gravierenden“ oder „merklichen“ Störungen entlang der Lieferketten. Lediglich 5 Prozent der Unternehmen bisher verschont. „Mit der Ausbreitung des Virus nehmen logischerweise auch die Probleme in den Betrieben zu. Teile und Komponenten, die vor einigen Wochen in Asien bestellt wurden, sind nicht in den hiesigen Werken angekommen. Hinzu kommen Ausfälle europäischer, auch deutscher Lieferanten.

Das führt zu spürbaren Produktionsbelastungen und auch Produktionsausfällen“, so VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers. Deutlich skeptischer seien die Maschinenbauer inzwischen auch hinsichtlich der zu erwartenden Umsatzeinbußen. Knapp 96 Prozent der Unternehmen würden für 2020 mit Umsatzrückgängen rechnen, die sie im Verlauf des Jahres nicht mehr kompensieren können. Gut 60 Prozent hiervon würden diese Rückgänge auf 10 bis 30 Prozent beziffern. Um diese abzufangen, haben bereits drei Viertel der befragten Maschinenbauer Kapazitätsanpassungen vorgenommen, überwiegend über das Arbeitszeitkonto, aber auch in Form von Einstellungsstopps und Kurzarbeit. „Personalabbau – auch von Teilen der Stammbelegschaft – ist für 12 Prozent der Unternehmen bereits Thema“, so der VDMA.

DIW

Vor wenigen Minuten hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sein Konjunkturbarometer veröffentlicht. Es bricht im März auf 86 Punkte ein und deute damit auf einen deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2020 hin, so das DIW. Damit würden sich die massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen, die in den jetzt vorliegenden Indikatoren zu den Entwicklungen auf den Finanzmärkten und in Unternehmensbefragungen sichtbar werden. Andere Daten, etwa zur Auftragslage oder Produktionsleistung, würden die aktuelle Situation noch nicht widerspiegeln. Dass die Produktion in manchen Wirtschaftsbereichen faktisch vollständig zum Erliegen gekommen ist, werde im aktuellen Barometerwert noch nicht in Gänze erfasst. Auszugsweise aus der DIW-Veröffentlichung:

Die vorliegenden Daten zeichnen zum jetzigen Zeitpunkt ein äußerst unvollständiges Bild der Lage. Selbst wenn in den kommenden Wochen wieder mehr und mehr wirtschaftliche Aktivität möglich wird und eine Normalisierung in den nächsten Monaten folgt, dürfte am Jahresende ein Rückgang der Wirtschaftsleistung von rund sechs Prozent stehen. Dies ist in der Größenordnung vergleichbar mit dem Einbruch der Finanzkrise.

DIW Konjunkturbarometer

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