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Brexit – ein Alptraum für Nordeuropa

Jetzt haben wir die Bescherung. Erwartungsgemäß haben die Parlamentarier des tief gespaltenen Großbritanniens den von Theresa May ausgehandelten Deal mit der Europäischen Union (EU) mit großer Mehrheit abgeschmettert. Auch May’s sogenannter Plan B, wenn man diesen überhaupt als Plan bezeichnen kann, wird krachend scheitern. Wie von uns erwartet steigt damit die Wahrscheinlichkeit für einen harten und schmutzigen Brexit mit drastischen Konsequenzen für Großbritannien, die EU, aber auch für Deutschland.

Matthias Weik und Marc Friedrich über den Brexit
Matthias Weik und Marc Friedrich

Folgen eines harten Brexits für die Wirtschaft Großbritanniens?

GB ist nicht mehr Mitglied des Europäischen Binnenmarkts und das Ende des freien Warenverkehrs zwischen der GB und dem europäischen Festland ist besiegelt. Viele tausend Regelungen für Handel und Verkehr zwischen GB und der EU sind ungültig und werden durch die Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) abgelöst.

Die Wirtschaft des Landes wird erstmal in eine Rezession rutschen

Insbesondere eine der britischen Schlüsselindustrien, die Finanzindustrie wird sich warm anziehen müssen. Arbeitsplätze im Finanzzentrum London werden verloren gehen. Britische Banken benötigen zukünftig für ihre Dienstleistungen, wie beispielsweise Einlagen- und Kreditgeschäft, rechtlich selbstständige Einheiten in einem EU-Staat. Ob und wenn ja wie leicht jedoch Banker aus London die notwendige Arbeitserlaubnis innerhalb der EU-Länder erhalten ist noch vollkommen offen.

Der IWF geht von Wachstumsverlusten für die britische Wirtschaft im Falle auf vier Prozentpunkte in fünf Jahren aus. Kurzfristig wird der Außenhandel in die Bredouille kommen. Das Pfund wird abermals deutlich abwerten und die Inflation steigen. Die Renditen britischer Staatsanleihen werden ebenfalls steigen, mit Konsequenzen für den Staatshaushalt. Die Aktienmärkte werden deutlich nach unten korrigieren. Inwieweit das auf die Märkte innerhalb der EU überschwappt, ist nicht klar zu prognostizieren. Wir gehen jedoch von erheblichen Folgen aus. Von einem deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf der Insel ist auszugehen. Diese wird weitreichende Folgen auf den Immobilienmarkt, insbesondere im unteren und mittleren Preissegment, haben. Langfristig erwarten wir jedoch auf Grund der starken Abwertung der Währung und neu geschlossener Handelsdeals mit verschiedenen Ländern eine Erholung der Konjunktur. Ferner gehen wir im Falle eines harten Brexits davon aus, dass wir bald die größte Steueroase mitten in Europa haben werden – Großbritannien.

Welche menschliche Tragödie an der Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland auf uns zukommen wird möchten wir uns überhaupt nicht ausdenken.

Zumeist wird in den Medien nur über die gravierenden Folgen für Großbritannien – zweitgrößte Volkswirtschaft Europas – gesprochen, aber nicht über die Auswirkungen für Europa und insbesondere für Deutschland.

Chaotische Zustände in der Luftfahrt

Im Bereich der Luftfahrt werden chaotische Zustände herrschen, denn zahllose Verkehrsrechte und Betriebsgenehmigungen werden ungültig. Inwieweit die EU Flüge mit Sonderregeln aufrechterhalten kann, ist nicht klar. Der Airline-Verband IATA fordert bereits eine wechselseitige Anerkennung von Lizenzen, Sicherheits- und Industriestandards. Ansonsten müssen alle Gepäckstücke von Passagieren, die über Großbritannien nach Europa reisen, abermals durch die Sicherheitskontrolle.

Der Brexit wird für die deutsche Wirtschaft teuer

Mit einem bilateralen Außenhandelsvolumen von rund 122 Mrd. Euro pro Jahr (Exporte plus Importe) rangieren die Briten auf Platz fünf der wichtigsten Partnerländer. Der Handelsüberschuss Deutschland gegenüber GB betrug 2017 knapp 47 Milliarden Euro.

Allein in Deutschland hängen 750.000 Arbeitsplätze vom Handel mit Großbritannien (GB), einem der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, ab. GB ist ein extrem wichtiger Exportmarkt für Autos aus Deutschland. Ferner produzieren deutsche Automobilhersteller, wie beispielsweise BMW (Mini und Rolls-Royce) in GB. Großbritannien ist ebenfalls ein wichtiger Exportmarkt und Produktionsstandort für die Chemie- und Pharmaindustrie. Knapp 17.000 Mitarbeiter deutscher Firmen stellen in GB laut dem Branchenverband der Chemischen Industrie VCI Vorprodukte her. Diese werden überwiegend in Deutschland weiterverarbeitet. Die Branche geht von Problemen bei Zulieferungen aus GB auf Grund fehlender relevanter Zulassungen aus.

Niemand kann heute die enorm hohen volkswirtschaftlichen Kosten und Schäden auf Grund der immensen Komplexität bei einem Brexit ohne Vertrag seriös berechnen. Im Falle eines schmutzigen Brexits werden insbesondere die intensiven Lieferketten zwischen Industrieunternehmen in Deutschland und GB unterbrochen. Endlose Lastwagenkolonnen an den Grenzen zu GB werden zum Alltag gehören. Produktionsausfälle auf Grund nicht rechtzeitig gelieferter Teile werden die Folge sein. Von der Problematik von aufkommenden Zöllen und den damit verbundenen Kosten ganz zu schweigen. Laut Berechnungen des Industrie- und Handelskammertags (DIHK) müssten deutsche Unternehmen jährlich allein drei Milliarden Euro für den Zoll zahlen. Hinzu kommen knapp 200 Millionen Euro für Zollformalitäten. Folglich wird es in Zukunft bestimmt nicht billiger.

EU – wer bezahlt für Großbritannien?

Großbritannien ist nach Deutschland der größte Nettozahler in der EU. 16,5 Milliarden Euro fehlen im EU-Haushalt allein von April 2019 bis Ende 2020 bei einem britischen EU-Austritt ohne Abkommen.
Die Gelder, welche durch den Brexit entfallen, müssen auf die übrigen Mitgliedsstaaten verteilt werden. Demgemäß werden Mehrbelastungen auf den größten Nettozahler Deutschland zukommen. Die Rede ist von bis zu 4,2 Milliarden Euro zusätzlich bis Ende kommenden Jahres

Sperrminoritätsregel – der Super-Gau für Deutschland

Wesentlich teurer zu stehen kommen wird uns die „Sperrminoritätsregel“ im Ministerrat. Mit dem Verlassen Großbritanniens ist das Gleichgewicht innerhalb der EU unwiederbringlich gestört und die Südeuropäer haben ab dann die Mehrheit im Europäischen Rat und können folglich die Nordeuropäer überstimmen. Ein jeder kann sich ausmalen was da auf uns zukommen wird und wer die Rechnung begleichen darf. Wir gehen von erheblichen Mehrkosten für Deutschland in Zukunft aus.

Die Welt wird auch nach dem Brexit nicht untergehen und Deutschland und die restlichen EU-Länder werden auch in Zukunft mit den Briten Geschäfte treiben. Fakt ist: weder Deutschlands wichtigster Handelspartner USA noch unser drittwichtigster Handelspartner China sowie die meisten Länder der Erde sind nicht Mitglied der EU und dennoch treiben wir als Exportweltmeister offensichtlich äußerst fleißig und erfolgreich Handel mit ihnen.

Die beiden Ökonomen, Querdenker, Redner und Honorarberater Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben gemeinsam die vier Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, „Kapitalfehler – Wie unser Wohlstand vernichtet wird und warum wir ein neues Wirtschaftsdenken brauchen“ und „Sonst knallt´s!: Warum wir Wirtschaft und Politik radikal neu denken müssen“. Weitere Informationen über die Autoren finden Sie unter: www.friedrich-weik.de, bei Facebook unter www.facebook.com/friedrichundweik/, www.instagram.com/friedrich_weik/, bei YouTube und bei Twitter www.twitter.com/FRIEDRICH_WEIK.



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5 Kommentare

  1. Diesmal übertreiben es die beiden mit ihrem Gruselkabinett. Es kann und wird alles mögliche schiefgehen auf dieser Welt, aber nicht der Brexit. Daß es keinen harten („schmutzigen“!) Brexit geben wird, davon sind viel größere Lichter überzeugt.
    „Menschliche Tragödie an der Grenze zu Nordirland“. Bitte???
    Eine klitzekleine Frage stellt sich mir: Verbreitet man mitunter etwas mehr Angst und Schrecken, als notwendig, damit ein gewisser Fonds, der im Minus liegt, vermehrt gekauft wird?

    1. Aber bitte…Sie werden den beiden doch keine unlauteren Motive unterstellen wollen.

      Also dass deren Fonds schlecht läuft ist eine Sache, dass aber ein Fonds, der vorgibt, vor Vermögensverlusten zu schützen und der eine Cashquote von über 50% aufweist, ähnlich schlecht wie der DAX und deutlich schlechter als der S&P läuft, ist schon erstaunlich. Gerade in einer Situation wie jetzt mit fallenden Aktienkursen, sollte deren Fonds doch seine Stärke zeigen.

      Das muss m.E. nicht einmal automatisch bedeuten, dass deren politische/makroökonomische Prognosen falsch sind. Allerdings müssen sich die beiden – u.a. – vorwerfen lassen, diesen Link zwischen angeblich tollen Prognosen unnd Finanzmarkterfolg selbst hergestellt zu haben und daran müssen sie sich nun auch messen lassen.

  2. Moin, moin,

    der BRD-Michel ist dem Dexit nicht mehr ganz abgeneigt. Es fehlt noch der Zugriff auf sein Vermögen und weitere Erhöhung von Steuern und Abgaben. Leider läßt unser Wahlsystem auch Nicht-Steuerzahler zur Wahl zu. Dieses führt zur Verlängerung von Unvernunft.
    Somit stehen m.E. also zwei Alternativen im Raum für die BRD.
    Variante 1. Status Quo. Südeuropa plündert Nordeuropa. Einlagensicherung, Transferzahlungen, Grundeinkommen in den Südländern etc.
    Variante 2. Dexit. Die BRD war schon vor der EU in der Lage gut und zufrieden zu leben.
    Fortgang: Mit Hilfe der etablierten Realitätsverweiger ist Variante 1 der klare Favorit. Wir schaffen das (LOL). Es wird aber zu erkennen sein, dass wir es nicht schaffen können und werden, ergo Variante 2, nun ohne die etablierten Problem-Parteien.
    Fazit: Wo Probleme zu groß werden, da bieten sich (neue) Lösungen an.

    1. Finden Sie es eigentlich hilfreich, Menschen, die Ihre – durchaus kontroverse – Position nicht teilen, als Realitätsverweigerer zu bezeichnen? Es könnte ja zumindest theoretisch die Möglichkeit bestehen, dass Sie falsch liegen oder aber auch, dass es verschiedene Perspektiven auf die Realität gibt, verschiedene Interessen, unterschiedliche Gewichtungen etc.

      Und ich wüsste noch gerne, inwiefern Sie über „wir schaffen das“ lachen? Was wurde denn Ihrer Ansicht nicht (und dem Lachen nach offenbar nicht mal ansatzweise) geschafft?

  3. Es könnte ja zumindest theoretisch die Möglichkeit bestehen, dass Sie falsch liegen oder aber auch, dass es verschiedene Perspektiven auf die Realität gibt, verschiedene Interessen, unterschiedliche Gewichtungen etc.
    Sagt der, der immer allen anderen Blickwinkeln, Interessen und Gewichtungen so aufgeschlossen und tolerant gegenüber steht. Mich graust es langsam ob dieser Doppelmoral.

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