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Brexit: ein Lehman-Schock mit Ansage?

Warum der Glaube, dass die Notenbanken die Märkte retten könnten nach einem Brexit, in die Irre führt..

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Alle „Großkopferten“ (bayerisch für die Mächtigen und Einflußreichen) wie Merkel, Cameron, Draghi und Obama haben davor gewarnt: wenn die Briten die EU verlassen, droht schweres Ungemach! Donald Tusk, der Präsident des Europäischen Rates, warnt gar vor dem Ende der westlichen politischen Zivilisation! Harsche Worte, die die Briten vor den Konsequenzen eines „Leave“-Votums warnen sollen, aber wohl wenig Einfluß auf die Meinung der Briten haben dürften.

Was aber wird passieren im Falle eines Brexit? Viele Stimmen sagen: dazu wird es nicht kommen. Aber das Momentum ist derzeit klar auf Seiten der Brexit-Befürworter, daher sollte man sich Gedanken machen, was dann ab dem 24.Juni passieren könnte (das Ergebnis der Abstimmung steht erst am Morgen des 24. fest).

Nicht viel, sagen die einen: erstens wird es dann eben Verhandlungen geben zwischen der EU und UK, zweitens werden die Notenbanken in einer konzertierten Aktion die Märkte mit Liquidität fluten, alles halb so wild (vorhin hat Bank of Japan-Chef Kuroda gesagt, dass man seitens der Notenbanken natürlich über einen möglichen Brexit „diskutiert“ habe). Diese These unterstellt, dass die Notenbanken nach wie vor die völlige Kontrolle über die Märkte haben, was man zumindest leise bezweifeln kann – denn die bisherigen Maßnahmen und Liquiditätsflutungen haben es nur vorübergehend geschafft, die Aktienmärkte nach oben zu treiben. Es sind insbesondere die Heimat-Märkte der großen QE-Betreiber Eurozone und Japan, deren Aktienmärkte schlechter performen als etwa die US-Indizes und einer Fed, die zumindest daran denkt, die Zinsen anzuheben (ob das realistisch ist, sei einmal dahingestellt..).

Stellt sich dann weiterhin auch die Frage, was die Notenbanken denn ünerhaupt noch tun könnten: noch mehr QE betreiben? Schon jetzt fällt es etwa der EZB nicht leicht, zulässige Anleihen zu kaufen (die also mit mehr als -0,4%, dem Niveau des aktuellen Einlagesatzes, rentieren). Würde as, selbst wenn das gelingt, die Märkte wirklich mittelfristig beruhigen? Oder wenn die Notenabnken die Zinsen weiter absenken, was die Banken dann in noch größere Schwierigkeiten bringt? Und dazu führen würde, dass die Renditen für Staatsanleihen noch weiter sinken würden, was die Auswahl an kaufbaren Anleihen dann noch weiter verkleinert – es ist also ein Teufelskreis, in dem die EZB steckt. Draghi & Co. haben schon so viel Pulver verschossen, dass eine Ausweitung der bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen würde. Bliebe wohl nur die direkte Intervention an den Aktienmärkten selbst, etwa, indem die EZB ETFs kauft und damit direkt die Märkte stützt.

Erinnern wir uns: als Lehman pleite ging, fielen zwar die Aktienmärkte, aber bicht wirklich drastisch. Der Crash kam erst, als sich die Lehman-Pleite Stück für Stück mit einer Kettenreaktion durch das Finanzsystem fraß und dann zu Panik führte. Ähnliches könnte auch beim Brexit passieren: die Märkte werden zunächst beruhigt durch den Aktionismus der Notenbanken (was immer sie auch tun werden), aber dann kracht es.

Und die Kettenreaktion könnte so aussehen: der Brexit löst eine Flucht in den Dollar aus, das bringt China stark unter Druck wie auch die Emerging Markets. Und die Rohstoffpreise. Und dann kommt das Übergreifen auch auf die westlichen Finanzmärkte. All das passiert nicht an einem einzigen Tag, sondern als Kettenreaktion, die zwischenzeitliche Erholungen der Märkte schnell wieder verpuffen läßt. Gewissermaßen ein Crash in Zeitlupe, der auch dadurch Nahrung erhält, dass die Zukunft des Konstrukts EU immer ungewisser wird.

Bei aller Furcht vor dem Brexit: so richtig Panik haben die Märkte bislang nicht, das zeigen etwa die Positionierungen von Fondsmanagern, die nach wie vor klar übergewichtet sind in europäischen Aktien. Es droht ihnen und vielen anderen ein böses Erwachen..

3 Kommentare

3 Comments

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    Wolfgang Koch

    16. Juni 2016 11:33 at 11:33

    „Die Märkte“=Titel des nächsten James Bond 007,ob mit oder ohne des,nach Sean Connery besten Darstellers Daniel Craig!“Die Märkte“,dahinter stecken einige üble Notenbankschurken(auch ohne weisse Katzen!),welche natürlich vom Besten Geheimdienstagenten Ihrer Majestät schlussendlich erledigt werden.Im, finalen Brexit,wird 007,trotz aussichtsloser Situation den Oberschurken MD erledigen.Er wird,wie alle seine Vorgänger mit diesem typisch überheblichem Gesichtsausdruck ins Jenseits gleiten.Drehbeginn:23.06.2016 in London.Filmpremiere:Voraussichtlich:007 in Brüssel!

  2. Avatar

    Helmut Josef Weber

    16. Juni 2016 14:57 at 14:57

    Ach— wenn die Engländer den Austritt gewählt haben, dann muss das erst in neue Gesetze gegossen werden, dann finden Verhandlungen statt, die sich endlos ausdehnen werden und bis dahin bleibt alles wie es ist.
    Und nach vielen Jahren wird man dann die Engländer neu abstimmen lassen, weil der letzte Volksentscheid schon so lange her ist.
    Glaubt den wirklich Jemand hier, dass es eine demokratische Wahl gibt???
    Hallo- wir sind nicht in der Schweiz, sondern in der EUDSSR.
    Viele Grüße
    H. J. Weber

  3. Avatar

    Martin Ebner

    16. Juni 2016 22:55 at 22:55

    Alles halb so wild! UK kommt nur dann aus der EU, wenn die britischen „Eliten“ dies wünschen. Die wie auch immer geartete Meinung des ordinären Stimmviehs ist selbstverständlich irrelevant.
    Volksabstimmungen werden einfach so oft wiederholt, bis das Ergebnis passt (siehe z.B. Irland). Notfalls werden die Stimmen „auf österreichisch“ ausgezählt (50.5% pro EU – puh, das war aber knapp…Dramatik!…ein großer Sieg für unsere Demokratie…blablablabla….)
    Vermutlich soll dieses ganze Brexit-Gedöns lediglich den Börsen-Handel ein bisschen in Bewegung bringen. Wär‘ sonst ja fad…
    Viele Grüße
    http://martin-ebner.net/

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Markus Koch LIVE vor dem Handelsstart in New York – Impfstoff-Montag 3.0

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Markus Koch meldet sich im folgenden Video LIVE vor dem Handelsstart in New York. Den dritten Montag in Folge veröffentlicht ein Pharmahersteller einen konkrete Impfstoff-Meldung.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

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SAP nach Kurssturz antizyklisch kaufen? – Werbung

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Lieber Börsianer,

das war nicht das Gelbe vom Ei, liebe SAP! Während die US-Konkurrenz in den Coronazeiten mit Cloud und anderen digitalen Anwendungen punktet, tritt die europäische Branchengröße auf der Stelle. Unter dem Strich sank der Umsatz um 4 %, während der operative Gewinn sogar um 12 % schrumpfte.

Offensichtlich sind die schwachen Quartalszahlen keine Eintagsfliege. So hat man die Umsatz- und Gewinnprognosen auch für die Jahre 2021 und 2022 gleich nach unten korrigiert. In der Folge erlebte die Aktie einen mächtigen Ausverkauf und verlor zeitweise über 20 % ihres ursprünglichen Wertes. Das kommt einem mittelprächtigen Erdbeben gleich.

Wo hakt es bei der SAP, warum kann das Unternehmen aus Walldorf zunächst nicht an die starken Wachstumsraten der vergangenen Jahre anknüpfen? Ich sehe drei Faktoren:

1)
Negative Währungseffekte: Die Dollarschwäche bzw. Eurostärke hat die Gewinnentwicklung spürbar belastet. Die US-Konkurrenz hingegen profitiert vom weichen Dollar.

2)
Das Covid-Virus: Die Software-Palette des Unternehmens ist nur eingeschränkt Corona-fest. Ein Beispiel: Mit der SAP-Software Concur planen die Unternehmenskunden der SAP Dienst- und Geschäftsreisen ihrer Mitarbeiter. Es bedarf keiner besonderen Erklärung: Diese Anwendung war in diesem Jahr kein Verkaufsknüller, sondern schlichtweg überflüssig.

3)
Schwächen in der Cloud: Aus der Branche hört man, dass SAP derzeit Defizite im Cloud-Geschäft hat. Die Kunden streben in die Cloud, allein SAP konnte nicht immer liefern. Hier gilt also: US-Konkurrenten wie Oracle und Salesforce haben hier die Nase vorne. Deshalb schwächelt das Neugeschäft der SAP.

Gleichwohl haben die Investoren – wie so oft – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Der Kursrücksetzer war zwar notwendig, aber in seiner Dimension stark übertrieben. SAP verfügt über eine treue Kundenbasis. Rund 74 % des Umsatzes beruhen auf langfristigen Software-Verträgen. Mit anderen Worten: Das Unternehmen wird auch künftig gut verdienen und verfügt über die Mittel, um den technologischen Rückstand im Cloud-Geschäft wettzumachen.

Trotzdem: Kurzfristig ist die SAP-Aktie sicherlich noch kein Kauf. Wie gesagt es wurde schon Porzellan zerschlagen und Vertrauen verloren. Das deutsche Software-Unternehmen muss sich also nun…..

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Achtung Trader: Deutsche Börse führt „Xetra Trade-at-Close“ ein

Claudio Kummerfeld

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Achtung Trader! Ab 24. November bietet die Deutsche Börse für Trades über Xetra eine neue Handelsmöglichkeit an, die „Xetra Trade-at-Close“ Order. Sie bietet laut aktueller Aussage der Deutschen Börse eine zusätzliche Möglichkeit für Handelsteilnehmer zum offiziellen Schlusskurs zu handeln. Der Service steht dann für alle Wertpapiere im Xetra-Handel zur Verfügung. Hier die Details zu dem neuen Angebot im Wortlaut von der Deutschen Börse:

„Schlussauktionen gelten als Säule der Marktstabilität und des Anlegerschutzes. Sie bündeln die Liquidität pro Wertpapier zu einem Zeitpunkt und gewährleisten eine effiziente Preisbildung unter Berücksichtigung aller relevanten Informationen. Xetra Trade-at-Close adressiert die wachsende Nachfrage nach Orderausführungen am Ende des Handelstages“, sagt Michael Krogmann, Geschäftsführer der Frankfurter Wertpapierbörse.

Der neue Service bietet verschiedene Vorteile: Mit Xetra Trade-at-Close können Marktteilnehmer Aufträge auch nach Ende der Schlussauktion auf Xetra eingeben. Sie profitieren davon, zu einem festen Preis zu handeln, ohne an der Preisbildung in der Schlussauktion teilzunehmen. Außerdem erhalten sie eine zusätzliche Möglichkeit, Positionen vor Ende des Handelstages zu schließen und dabei mit zusätzlicher Liquidität im börslichen Handel zu interagieren.

Wird die Option Trade-at-Close für eine Order ausgewählt, werden Aufträge, die in der Schlussauktion nicht ausgeführt wurden, automatisch in die Trade-at-Close-Phase übertragen. Während der Trade-at-Close-Phase können auch neue Orders eingegeben werden. Der Schlusskurs wird vor allem von Buy-side-Kunden wie Pensionskassen oder Investmentfonds zur Berechnung von Portfoliorenditen, zur Bewertung von Investmentfonds und als Grundlage für viele Derivategeschäfte verwendet.

Xetra-Bildschirme der Deutschen Börse
Xetra-Bildschirme. Foto: Deutsche Börse AG

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