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Brexit: Es herrscht Krieg in den Reihen der Konservativen – und das Pfund vor großer Bewegung

Innerhalb der britischen Administration ist man alles andere als einig in Sachen Brexit. Ähnlich wie bei den Konservativen in den USA herrscht eine Art Bürgerkrieg, der nun offen ausgebrochen ist.

FMW-Redaktion

Wer im Urlaub britische Touristen sieht (etwa auf Mallorca), sieht meist in betrübte Gesichter. Zwar fanden und finden viele Briten den Brexit ja eigentlich ganz gut, weil man ist ja gegen die massenhafte Immigration – aber für die persönliche Geldbörse haben sich die Dinge nicht so wirklich gut entwickelt: mit der Abwertung des Pfund ist der Urlaub im Ausland deutlich teurer geworden, an Flughäfen wechselt man das Pfund inzwischen 1:1 zum Euro. Aber zuhause ist es ja auch schön..

Unterdessen überschlagen sich die Entwicklungen in der britischen Politik: Theresa May will nun doch im Parlament über den Abgang aus der EU diskutieren lassen. Nicht ob, sondern wie. Aber einen wirklichen Plan hat man ja nicht, bislang übt man sich in Traumwelten nach dem Motto: voller Zugang zum EU-Binnenmarkt, und gleichzeitig Ende der Freizügigkeit – was inbesondere in Mittel-Osteuropa für wenig Begeisterung sorgt.

Eines ist klar: die britische Regierung sieht den Crash des Pfunds mit gemischten Gefühlen: einerseits gut, andererseits aber doch ein bißchen zu schnell. Manche sehen im Pfund die wirklich Opposition zur May-Regierung, und es dürfte eben diese Oppostion des Pfunds gewesen sein, die May von ihrer bisherigen harten Linie etwas abweichen läßt.

Aber innerhalb der britischen Administration ist man alles andere als einig. Ähnlich wie bei den Konservativen in den USA herrscht eine Art Bürgerkrieg, der nun offen ausgebrochen ist. So war kürzlich ja ein aus dem britischen Finanzministerium stammendes Papier bekannt geworden, das eine Schrumpfung der britischen Wirtschaft um 9,5% sowie den Verlust von jährlichen Steuereinnnahmen von 66 Milliarden Pfund im Falle eines harten Brexits prognostiziert. Und diese Prognose, genauer gesagt, dass dieses Papier an die Öffentlichkeit „geleaked“ wurde, ist der Auslöser eines heftigen Grabenkampfes zwischen den Befürwortern eines harten Brexit und den Anhängen eines „weichen“ Brexits.

So ließ der „Brexit-Zar“ David Davis, dessen offizieller Titel „Secretary of State for Exiting the European Union“ lautet, verlauten: das Durchstecken des Papiers an die Öffentlichkeit „unterminiere“ die Verhandlungsposition der Regierung, es sei der verzweifelte Versuch des Finanzministeriums, UK in der EU zu halten. Intern, so berichten Insider, sei David Davis weniger zurückhaltend in der Wortwahl gewesen, vorsichtig formuliert.

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Der „Brexit-Zar“ David Davis – seine rötliche Nase deutet laut Kennern auf geübtes Trink-Verhalten..
Foto: Government of UK, https://www.gov.uk/government/people/david-davis

Andere Minister stimmten Davis zu: das Papier des Finanzminsteriums unter Philip Hammond schade der britischen Wirtschaft, riskiere deren Stabilität. Und so hat sich eine harte Front gebildet zwischen Hammond und seinem Finanzministerium einerseits, und den Befürwortern eines harten Brexit wie David Davis, Boris Johnson und Handelsminister Liam Fox andererseits. Und da schreckt man auch vor persönlichen Attacken nicht zurück, etwa gegen Liam Fox, der den harten Brexit doch nur deshalb wolle, weil er seine Karriere befördere etc.

Wie auch immer: das britische Pfund könnte nun – zumindest gegen den Euro – noch einmal zu einer Erholung ansetzen. Theresa May weiß, dass eine zu schnelle Abwertung das Vertrauen in die Währung und damit auch in die Regierung weiter zerstören würde. Also hat sie ihre harte Haltung abgemildert. Eine Trendwende ist all das aber nicht – die Wahrscheinlichkeit eines harten Brexit ist unvermindert extrem hoch..



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3 Kommentare

  1. Hallo,

    wenn man sich mal die gesamte Verhaltensweise der britschen Regierung vergegenwärtigt, dann könnte man schon den Eindruck haben, dass man keinen „Plan“ hat. Wir müssen uns das reiflich überlgen mit Brexit, Austrittsvotum im Frühjahr 2017, stellen irgendwelche hahnebüchenen Forderungen, die trotz GBs tollem Diplomatie/Verhandungsgeschick, niemals zu Stande kommen werden.
    Jetzt sagt man übrigens schon, man wäre bereit ca. 50 %, der derzeitigen Zahlungen an die EU zu leisten, aber dann immer noch voller Marktzugriff, und die Flüchtlinge sind das Problem der EU.

    Der Brexit ist Unsinn für GB, tolle Währungsabwertung, FTSE auf Rekordständen, alles klasse. Und der Witz ist, die lassen das Pfund natürlich schon vor den eigentlichen Verhandlungen fallen, die ja erst im März 2017 anfangen werden, erst dann kann man sehen, obharter/weicher Brexit.
    Aber an der Börse wird natürlich die Zukunft gehandelt… Ist doch klasse der FTSE steigt… Da hat gestern ein großer Investor richtig viel Kohle in einen FTSE-ETF reingebuttert…

    VG

    Marko

  2. „Wer im Urlaub britische Touristen sieht (etwa auf Mallorca), sieht meist in betrübte Gesichter.“ Mein Kollege war von letzter Woche bis diesen Mittwoch für 1 Woche in Malle. Er hat genau das Gegenteil erzählt. Alle waren gut drauf, auch die Briten. Hat er da was übersehen oder steht hier nur primitive Polemik?

  3. „seine rötliche Nase deutet laut Kennern auf geübtes Trink-Verhalten..“
    a) Ebenfalls Indiz für primitiven Bild-Journalismus. Hat mir Fakten, Entscheidungen oder Meinungen nichts zu tun. Einfach nur primitiv. Weíl ohnmächtig bei Argumenten? Wahrscheinlich.
    b) Schauen Sie, werter Journalist, doch mal auf die Webseite von ihrem gehaßten Mann:
    http://www.daviddavismp.com/david-davis-writes-about-our-binge-drinking-culture-and-minimum-alcohol-pricing/
    Er versucht gegen die Saufkultur vorzugehen. Da wird er wohl kaum eine Knollennase wegen Saufen haben.
    c) Sogar die t-online-Seite schreibt:
    „Guck mal, der hat eine Säufernase“ – diesen Satz müssen Betroffene mit einem entstellenden Rhinophym oft hören. Doch mit Alkohol hat die krankhafte Vergrößerung der Talgdrüsen auf der Nase nichts zu tun!
    http://www.t-online.de/lifestyle/gesundheit/id_62128376/nase-das-steckt-hinter-der-knollennase.html

    Bitte Brimitiv-Journalismus entfernen. Danke.

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