Folgen Sie uns

FMW

Brexit: Londons Banken planen den Exit

Nach aussen Gelassenheit verbreiten, aber intern den Exit vorbereiten – das ist die Strategie der Banken mit Hauptsitz in London nach dem Brexit..

Redaktion

Veröffentlicht

am

FMW-Redaktion

Das eine ist, was man nach aussen sagt – das andere, was man tut. Das gilt vor allem derzeit für jene Banken, die in London ihr europäisches Hauptquartier haben. Nun berichten Insider aus Firmen, die diese Banken beraten und die Einblicke in die Diskussionen haben, dass die Banken zunehmend nervös werden angesichts der offenkundigen Planlosigkeit, wann und wie der Brexit vonstatten gehen soll.

Demnach wollen viele große Banken sehr zeitnah innnerhalb der EU Niederlassungen eröffnen, weil sie davon ausgehen, dass sie mit dem Brexit den EU-Paß verlieren werden. Man hält in diesen Kreisen die Haltung der britischen Regierung, wonach die Banken den EU-Paß behalten könnten, ohne in den Verhandlungen der EU bei der Freizügigkeit weitgehend entgegenzukommen, für eine reine Illusion. Sieben Wochen nach dem Brexit-Votum fehle bislang jeder klare Linie, die Banken wollten sich daher nicht durch Entwicklungen überraschen lassen, auf die sie keinen Einfluß haben.

London-600x823
Nicht mehr lange der Blick aus dem Bankturm auf die „Gurke“?
Foto: Aurelien Guichard
https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/

Die Sorgen der Banken scheinen angebracht. Denn wenn sie ihren Sitz in andere Länder innerhalb der EU verlegen, ist das keine Sache von wenigen Tagen. Vielmehr dauert es in der Regel Jahre, bis die Banken die dafür nötigen Lizenzen der jeweiligen Aufsichtsbehörden erhalten – etwa eine Banklizenz, Anforderungen an Eigenkapitalrichtlinien etc. Also muß man jetzt aktiv werden, auch wenn der Brexit faktisch sich noch länger hinziehen dürfte. Man wird also zunächst kleine Einheiten, zum Beispiel Rechtsabteilungen, in die EU verlegen, die dort dann die notwendigen Lizenzen beantragen.

Manche Banken gehen offenkundig davon aus, dass die in London ansässigen Banken ihren EU-Paß verlieren werden – wofür andere Branchen in Großbritannien als Kompromißlösung weiterhin unbegrenzten Zugang zum EU-Binnenmarkt behalten würden. Auf eine solche Lösung scheint vor allem Frankreich zu drängen, das Paris zur neuen europäischen Finanzmetropole ausbauen will. A propos Paris: inzwischen geht das Gerücht die Runde, dass die britische Regierung erst einmal die Präsidentschaftswahlen in Frankreich (April 2017), aber auch die Bundestagswahl in Deutschland (September 2017) abwarten wolle, bevor man den Artikel 50 des Lissabonner Vertrags offiziell aktiviert. Das würden den Brexit-Prozeß noch viel weiter nach hinten schieben.

Aber auch die Unsicherheit vergrößern. So seien die Banken mit Hauptsitz in London nur dann bereit, alles beim alten zu lassen, wenn die britische Regierung vor der Aktivierung des Artikel 50 einen Deal mit der EU für die Banken verinbare. Doch scheint das derzeit eher unwahrscheinlich.

In London sitzen derzeit 78% aller Mitarbeiter amerikanischer Banken in Europa. Ebenfalls 78% aller Aktivitäten an den Kapitalmärkten finden in Lodnon statt – eine gigantische Dominanz, die, falls die britische Regierung sich nicht auf einen Deal mit der EU in Sachen Banken einigen kann, absehbar enden wird.

Um keine Unruhe aufkommen zu lassen, wird nach aussen durch die Banken weiterhin kommuniziert: wir warten ab, was passiert. Aber das kann sich faktisch keine Bank wirklich leisten..

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    joah

    17. August 2016 14:28 at 14:28

    Wie war das doch gleich mit den Ratten auf dem sinkenden Kahn… ?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Bitcoin

Goldpreis: Gestern Bitcoin-Absturz, heute Gold! Marktgeflüster (Video)

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar. Was ist da los?

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Gestern stürzte Bitcoin ab, heute fällt der Goldpreis mit einer schnellen Bewegung unter die Unterstützung bei 1800 Dollar (und das im buchstäblich selben Moment, als auch der VIX deutlich fiel). Was ist da los? Wiederholt sich das Geschehen aus dem März, als ein heftiger Abverkauf von Bitcoin das Vorspiel für den Absturz der Aktienmärkte im März-Crash war? Auffallend ist die Schwäche im Goldpreis und gestern die Schwäche bei Bitcoin) vor allem deshalb, weil der Dollar alles andere als Stärke zeigt – normalerweise unterstützt ein schwacher Dollar das gelbe Edelmetall. Die heute in den USA verkürzt handelnden US-Aktienmärkte nun immer mehr im „Gier-Modus“ – wie lange geht das noch?

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Der Chart, der die Welt erklärt! Videoausblick

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte gestern am US-Feiertag erwartungsgemäß uninspiriert – auch heute ist durch den verkürzten Handel in den USA am Black Friday nicht viel zu erwarten. Aber übergeordnet gilt: es gibt einen Chart, der die ganze (Wirtschafts-)Welt erklärt: dieser Chart zeigt, dass seit den 1980er-Jahren die Schulden schneller wachsen als die Wirtschaft! Und dieser Trend explodiert seit der Finanzkrise geradezu, die Coronakrise wiederum bringt dann die nächste Eskalationsstufe in Sachen Schulden und Geld drucken. Die Notenbanken versuchen mit ihrem Liquiditäts-Exzess diese Verschuldungs-Spirale und damit die Wohlstandsillusion am laufen zu halten – die Aktienmärkte und die Anleihemärkte spiegeln diesen Exzess geradezu beispielhaft wider!

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Finanznews

Aktienmärkte: Wichtige Botschaften! Videoausblick

Die Aktienmärkte heute aufgrund des US-Feiertags wohl eher ruhig. Aber es gibt heute dennoch sehr wichtige Botschaften für die Zukunft!

Markus Fugmann

Veröffentlicht

am

Die Aktienmärkte dürften heute aufgrund des US-Feiertags Thanksgiving einen ruhigen Handelstag vor sich haben. Aber es gibt dennoch sehr wichtige Botschaften, die das größere Bild in den nächsten Tagen und Wochen prägen sollten: so dürfte die Fed Änderungen bei Anleihekäufen vornehmen (operation twist) und denkt bereits über Tapering (Reduzierung des Kaufvolumens) nach. China dagegen will bereits die Stimulus-Maßnahmen zurück fahren. Und Italien will von der EZB einen Schuldenerlass – das ist der Beginn von Forderungen, die ausufernden Schulden einfach zu streichen (aber wer hat dann den Schaden?). Kann der Dax ohne die US-Indizes heute Dynamik entwickeln? Ohne die Aktienmärkte der USA ist Europa aber wohl allein zu Haus – und langweilt sich..

Werbung: Traden Sie smart mit Capital.com: https://bit.ly/316AkWq

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage