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Brexit: UK als Steuerparadies – eine Chance für Aktionäre?

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Was wurde in den letzten Jahren nicht alles verbunden mit dem Brexit? Ein „Hard Landing“ der britischen Wirtschaft, eine ausgewachsene Rezession und ein Sturz des Aktienmarktes. Doch Letzteres scheint nicht zu kommen, wie einige Indikatoren und Kapitalumschichtungen andeuten. Vor allem das Thema Steuern scheint eine Triebfeder zu sein – und da kennen wir doch schon so etwas vom großen Bruder in Übersee.

Brexit: Die Underperformance des britischen Aktienindex FTSE 100 (Footsie)

Über drei Jahre Unsicherheit über die Zukunft Großbritanniens haben Spuren im britischen Leitindex hinterlassen. Während der Weltindex MSCI World seit Anfang 2017 um über 30 Prozent zugelegt hat, steht der englische Index FTSE 100 (Footsie) noch auf diesem Niveau. Da die Gewinne der britischen Unternehmen nicht eingebrochen sind, liegt das Kurs/Gewinnverhältnis der Aktien um zwei Punkte unter dem der europäischen und um dreieinhalb unter dem des Weltindex. Das lockt internationale Investoren, zumal die Unsicherheit über das ewige Thema Brexit nach dem Dezembervotum erst einmal verschwunden ist.

Das ewige Gezerre um den Brexit hatte Unternehmen lange Zeit davon abgehalten zu investieren – aber das scheint sich geändert zu haben.

Es sind vorwiegend angelsächsische Investmenthäuser wie HSBC, Morgan Stanley sowie Goldman Sachs, die für einen Einstieg in britische Aktien trommeln – und manches Haus hat die Quote bereits angehoben. Untermauert wird die Zuversicht durch neue Konjunkturdaten, wie der Einkaufsmanagerindex Dienstleistungssektor für Großbritannien, der für Januar von 50 auf 53,9 Punkte emporgeschnellt ist. Auch im verarbeitenden Gewerbe ist das Barometer nach vielen Monaten Rezessionsniveau wieder an die Wachstumsschwelle von 50 Punkten herangerückt, wovon zum Beispiel Deutschland noch ein ganzes Stück entfernt ist.

Neue Hoffnung Steuersenkungen

Aber die größten Hoffnungen resultieren aus dem Steuer- und Wirtschaftsprogramm, welches Premierminister Boris Johnson ankurbeln möchte. Nach seiner Regierungsübernahme war die Aussicht auf höhere Steuern und Verstaatlichungsmaßnahmen durch eine Labour-Regierung erst einmal vom Tisch. Die Pläne des Regierungschefs lauten hingegen Senkung der Unternehmenssteuern (ab 1.April von 19 auf 18 Prozent) und zum Beispiel die Einrichtung von Freihöfen nach dem Vorbild Singapurs. Der Plan dahinter ist natürlich eine Steigerung des Wachstums, um Investitionen anzukurbeln, Arbeitsplätze zu schaffen und eine Anhebung der Gewinne der Unternehmen. Ob hier die EU in den kommenden Verhandlungen mitspielt? Großbritannien nach dem Brexit als Steueroase?

Fazit

In den letzten Monaten oder Jahren wurde mit dem Brexit ein totaler Niedergang der britischen Wirtschaft, ein Abstieg der so dominanten Finanzindustrie und ein Einbruch der Finanzmärkte assoziiert. Die letzten Daten lassen nicht darauf schließen, auch wenn die Verhandlungen mit der EU noch viel neues Ungemach erzeugen können. Man gehört nicht mehr zur EU, will aber die früheren Handelsvorteile behalten, um die eingesparten EU-Zahlungen für andere Zwecke zu verwenden.

Boris Johnson will sich anscheinend ein wenig die USA zum Vorbild nehmen in puncto Steuerreform und das könnte wiederum einem Personenkreis zugute kommen, egal ob er aus dem In- oder Ausland kommt – den Aktionären. Der Footsie jedenfalls hat Nachholbedarf . Wenn sich die Engländer nach dem Brexit tatsächlich am international zu beobachtenden Steuersenkungswettbewerb beteiligen werden, könnte hier ein Push für die Aktienmärkte entstehen. Auch in Deutschland, einem Hochsteuerland, wird dieser Ruf immer lauter. Noch verschließt Olaf Scholz seine Ohren.

Trotz Brexit könnte der englische Leitindex FTSE 100 bald zulegen

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    BrettonWood

    6. Februar 2020 12:48 at 12:48

    Hab mal eine kleine Position Imperial Brands gekauft…

  2. Avatar

    Zimmermann

    6. Februar 2020 14:01 at 14:01

    Wenn Dumm-Olaf und insgesamt Dumm- Deutschland sich einer dringenden Steuerreform verweigert, wird dies Land definitiv der Verlierer sein. Der FTSE100 wird in den nächsten Jahren der Highflyer. Definitiv!!!

  3. Avatar

    sabine

    6. Februar 2020 14:53 at 14:53

    „In den letzten Monaten oder Jahren wurde mit dem Brexit ein totaler Niedergang der britischen Wirtschaft, ein Abstieg der so dominanten Finanzindustrie und ein Einbruch der Finanzmärkte assoziiert.“ Ich glaub, „gepredigt“ trifft es besser.
    Mein engl.Kollege und Labour-Wähler ist seit 3 Monaten auf Johnsons Seite und nur noch genervt, wenn die Oberlehrer-Deutschen ihn vor dem wirtschaftl.Untergang Englands warnen.
    Viele haben eben gar nicht auf dem Schirm, wie und wo die engl. Wirtschaft läuft. Den Großteil handelt England weltweit und nicht fokusiert auf die EU. Das hängt natürlich auch mit dem Commonwealth zusammen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_des_Vereinigten_K%C3%B6nigreichs
    London ist laut wiki der größte Finanzplatz der Welt. … Über 500 ausländische Banken besitzen in London Niederlassungen, die größte Konzentration weltweit.
    https://www.gdv.de/de/themen/positionen-magazin/dann-eben-ohne-london-39326
    Der Schweiz wurde auch der Untergang ohne EU prophezeit und gepredigt. War ebenso Schwachsinn.

    • Avatar

      sabine

      6. Februar 2020 15:04 at 15:04

      Achja, und die europ.Versicherungen pochen auf gleich Bedingungen im Versicherungsgeschäft in England wie in dem Verwaltungsparadies EU. Sonst würden alle ins Versicherungs-Paradies England abwandern.
      Leider vergessen die Pharisäer unter ihnen, daß die Bauern und Arbeiter in Deutschland dies Problem seit der Einführung der offenen Wirtschafts-Grenzen haben. Im östlichen und südlichen Ausland udn im hohen Norden sind die Sozialsysteme und damit Personalkosten sehr viel geringer. Deswegen ist auch die Autoindustrie usw. dorthin gewandert. Auch alle Premiumhersteller wie Porsche, Jaguar, Mercedes und BMW! (Sogar AUDI werkelt schon überall. https://www.audi.com/de/company/profile/locations.html)
      Unsere Sozialsystem brechen zusammen, weil wir woanders wirtschaften und großteils aus dem Ausland Produktionen einkaufen.

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