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Brexit: Verbauchervertrauen kollabiert, EU wird UK nicht „ausbailen“

Größter Fall des Verbauchervertrauens seit 1994 – und eine starke Warnung der EU..

Redaktion

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FMW-Redaktion

Gestern hatte Andrea Leadsom, einzige Kandidatin auf den Posten des Premierministers, die Reaktionen der Märkte in den höchsten Tönen gelobt: das Pfund zwar tiefer, aber das sei gut für die Wirtschaft, der Leitindex FTSE höher – was zeige, dass der Brexit gut sei für Großbritannien. Immerhin: sollle Leadsom das Rennen nmachen, würde sich UK möglichts zügig aus der EU verabschieden, während Teresa May den Prozeß in die Länge ziehen will – was für die Märkte eine verlängerte Periode der Unsicherheit bedeuten würde.

Die geneigten britischen Konsumenten jedoch sind weniger optimistisch wie Leadsom: heute Nacht veröffentlichte Daten von GfK zeigen den größten Fall des Verbauchervertrauens seit dem Jahr 1994 – der Index fiel von -1 (vor Brexit) auf nun -9. Die Umfrage von GfK ist zwischen dem 30.Juni und dem 05.Juli durchgeführt worden. Als das Verbrauchervertrauen zuletzt im Jahr 1994 so stark abrutschte, hatte die Regierung kruz zuvor die Steuern erhöht, die Zinsen waren gestiegen, der Arbeitsmarkt war in einem schlechten Zustand. Nun fürchten die Briten also, dass ähnliche Dinge wie Steuererhebungen und Job-Verluste auf sie zukommen. Am gestrigen Donnerstag hatte eine Umfrage unter Unternehmen gezeigt, dass sich die Stimmung stark eingetrübt hat.

Ob dieser Pessimismus der Verbraucher und Unternehmen in UK berechtigt ist, hängt nun vor allem an der Frage, wie die Beziehung zwischen Großbritannien und der EU sich entwickelt. Die EU verweigert bislang Vorgespräche, solange Artikel 50 des Lissabonner Vertrags nicht durch die britische Regierung aktiviert wird. Offenkundig aber versuchen die derzeit verantwortlichen Torie-Politiker wie Teresa May, hinter den Kulissen mit einzelnen EU-Staaten zu verhandeln, die für solche Vorgespräche offen sind.

Nun aber hat Belgiens Premier Carles Michel in einem Interview mit der „Financial Times“ vor einem solchen Vorgehen gewarnt – wer so agiere, riskiere, einen hohen politischen Preis („political bill“) zahlen zu müssen.

Charles_Michel
Belgiens Premier Charles Michel
Foto: Belgian Fedral Government

Es mache keinen Sinn, so Michel, mit einzelnen, wenigen Ländern zu verhandeln:

“In order to have an agreement for the future between the UK and EU, you have to find an agreement with 27 countries. And not only with two, three, four countries who would accept to start informal talks”.

Und weiter: Europa sei nicht bereit, den Preis für die Entscheidung der Briten zahlen zu müssen:

“The truth is it’s a very negative situation for the UK, there is no doubt.I regret this situation (..) even with a friend like the UK, I will not accept having to pay the bill. That’s not my intention. Now there is a new relationship.”

Genau das dürfte auch die Linie Deutschlands und Frankreichs sein – es kann aus Sicht der beiden „Großmächte“ der EU nur Verhandlungen mit der EU, nicht mit einzelnen Ländern geben.

Die Lage derzeit, so Michel, sei eine Art „Schwarzes Loch“, man wisse einfach nicht, wie es weiter gehen werde. Aber eines sei klar: ein möglicher Deal werde für die Briten schon deshalb hart werden, weil:

“.other European countries can hope, can think, that it is possible to have the advantages but not the disadvantages (of the single market). It’s not possible.”

Britische Politiker, die das anders sähen, würden „träumen“ („they are dreaming”).

Und so sieht vieles danach aus, dass die Briten derzeit zurecht überschaubar optimistisch gestimmt sind. Wir stehen erst ganz am Anfang einer Kette von Reaktionen, die verheerende Auswirkungen für die britische Wirtschaft haben können (und abgemildert auch für die Wirtschaften der EU)..

Ein Kommentar

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  1. Avatar

    gerd

    8. Juli 2016 11:04 at 11:04

    Ich höre immer, die Briten werden leiden, die EU zwar auch, aber in milder Form.

    Ich frag mich bloß, warum dann nicht die britischen Unternehmen, sondern eines was seinen Sitz in der EU hat, nach der Brexit-Entscheidung rund 15% Kurswert eingebüßt hat.
    Z.B. Daimler. Und die waren bestimmt vorher nicht überbewertet.
    Es heißt doch landläufig, die Börse würde die Zukunft vorwegnehmen.

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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am

Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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