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Brexit: Verhandlungsposition der britischen Regierung wird immer aussichtsloser

Die Visegrád-Staaten drohen London – ohne Freizügigkeit keine Zustimmung zu freiem Zugang zum EU-Binnenmarkt!

Redaktion

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am

FMW-Redaktion

Die Lage der britischen Regierung in Sachen Brexit wird immer aussichtsloser. Bislang war man in London davon ausgegangen, dass die in der EU verbleibenden Nationen der EU schon aus Eigeninteresse zustimmen würden, dass UK den vollen Zugang zum EU-Markt behalten würde. Das war immer das Mantra des damaligen UKIP-Chef Neil Farage: die Deutschen würden nicht so dumm sein, den Briten den Zugang zu verwehren, weil sie ihre Autos nach wie vor zollfrei nach Großbritannien exportieren wollten. Was aber, wenn es gar nicht auf Deutschland ankommt?

Die EU-Kommission hatte stets betont, dass die Freizügigkeit – also der nicht beschränkte Zuzug von EU-Bürgern – die „rote Linie“ sei, hinter die man nicht zurück gehen werde. In London scheint man das nicht zu glauben. Nun aber kommt der Druck aus den sogenannten Visegrád-Staaten, also von Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn.

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Theresa May
Foto: UK Home Office, https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/

Die Visegrád-Staaten haben eine gemeinsame Linie in der Flüchtlingspolitik, neuerdings jedoch auch in der Brexit-Frage. Und diese Haltung ist eindeutig: wenn unsere Bürger keinen freien Zugang nach Großbritannien auch nach dem Brexit bekommen, werden wir unser Veto einlegen in der Frage, ob Großbritannien wiederum Zugang zum EU-Markt bekommen soll. Das hat zuletzt der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Polens, Konrad Szymanski, gestern noch einmal klar gemacht. Und das liegt genau auf der Linie, die der slowakische Ministerpräsident Robert Fico kurz zuvor vertreten hatte. Ähnlich sehen das auch die anderen Visegrád-Staaten Tschechei und Ungarn.

Am Wichtgisten – schon aufgrund der Bevölkerungszahl – ist dabei aber Polen. Zwar sind die Auswanderungen von Polen nach UK zuletzt rückläufig – Deutschland hat als Einwanderungsziel Großbritannien überholt – aber für die Polen ist der Status ihrer Bürger, die bereits im Vereinigten Königreich leben, naturgemäß sehr wichtig. Und wenn Polen in UK, trotzdem sie jahrelang schon dort leben, keine Bleibe-Perspektive hätten, wären die Polen sich nicht sehr „amused“.

In London perlt das ab. Alle Staaten wollten doch einen guten Deal mit UK machen, so meint auch Tehresa May bar jeden Zweifels. Skeptischer zeigt sich da jedoch der von May ernannte „Brexit-Zar“ David Davis: ja, es sei durchaus möglich, dass UK die EU verlasse ohne ein Folgeabkommen zu erzielen, so Davis letzte Woche – und damit bevor sich die Visegrád-Staaten auf eine harte Linie gegenüber Großbritannien verständigt hatten.

Einem Deal mit Großbritannien in Sachen Brexit muß in der EU eine qualifizierte Mehrheit von 72% der EU-Staaten zustimmen, also mindestens 20 der 27 Staaten (dazu auch eine Mehrheit im EU-Parlament in Straßburg). Mit dem vehementen Widerstand der Visegrád-Staaten aber – die ausnahmsweise einmal voll auf der Linie Brüssels liegen – wird die Sache für London immer schwieriger. Daher ist es wohl kein Zufall, dass das britische Pfund am letzten Freitag abgestürzt war, nachdem der neue Aussenminister Boris Johnson angekündigt hatte, im Januar oder Februar den Artikel 50 des Lissabonner Vertrags zu aktivieren..

9 Kommentare

9 Comments

  1. Avatar

    LookOut

    20. September 2016 10:26 at 10:26

    Nicht UK ist verkehrt, sondern die Flüchtlingspolitik ist verkehrt.
    In Deutschland werden Rechte Parteien(alternative Parteien) schon sehr bald stark zulegen und herkömmliche Parteien wie die SPD und CDU werden verluste hinnehmen.

    Ein Europa das sich gegenseitig zerstört bringt nur den (US) Investoren was die auf fallende Kurse innerhalb der EU/Europa abzielen.

    • Avatar

      Tomgala

      20. September 2016 10:39 at 10:39

      Na, denn geh doch auch short. Was hat es mit US Investoren zu tun?

  2. Avatar

    LookOut

    20. September 2016 11:04 at 11:04

    US Investoren wie Soros haben sich doch stark gemacht das die ganzen Flüchtlinge in die EU kommen um dann an fallenden Kursen sich zu bereichern.

    Nachzulesen unter:
    http://www.zerohedge.com/news/2016-07-08/how-george-soros-singlehandedly-created-european-refugee-crisis-and-why

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    gerd

    20. September 2016 11:50 at 11:50

    Ist ja schon merkwürdig und bedenklich, dass diese Staaten, z.B. Polen, ihre Bürger unbedingt in anderen Ländern „unterbringen“ wollen.
    Warum schaffen sie es nicht, im eignen Land für Arbeit zu sorgen. Das Lohnniveau ist ja niedrig genug, daran kann es nicht liegen.

    Und die Visegrader machen sicherlich einen großen Denkfehler.

    Wenn Deutschland leiden muss, weil es weniger Produkte, z.B. die erwähnten Autos, nach GB exportiern kann, werden auch hierzulande weniger Arbeitnehmer gebraucht.
    Ja, und was ist dann? Wo schickt die polnische Regierung ihre Leute dann hin?

    Ja nee, is schon klar, bei uns gibt es ja im Zweifel dann
    eine großzügige Sozialstütze vom Amt, die noch besser ist, als das Leben (finanziell betrachtet) dort.

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      Taš

      27. März 2017 09:51 at 09:51

      Gerd, es geht nicht darum, welches Land ’seine Bürger […] in anderen Ländern unterbringen‘ will, sondern es geht darum, dass jeder einzelne EU Bürger selber wählen kann, in welchem EU Land er/sie arbeiten und leben möchte und mehrere Millionen EU Bürger haben, aus unterschiedlichen Gründen, von diesem Recht Gebrauch gemacht, die wollte keiner ‚in anderen Ländern unterbringen‘.

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      Petkov

      27. März 2017 11:43 at 11:43

      Gerd, hier sind Sie komplett auf dem falschen Dampfer. Eines der ganz großen Probleme von Osteuropa ist, dass dramatisch viele gut ausgebildete Menschen die Länder verlassen, was zu einer demographischen Katastrophe dort führt. Die Länder wollen ihre Elite nicht irgendwo „unterbringen“, aber sie können sie nicht halten. Deutschland dagegen bekommt „fertige“ Arbeitnehmer, ohne auch einen Cent in die extrem teure Gymnasial- oder Berufsausbildung investiert zu haben.

      Zwar beobachtet man in den letzten Jahren natürlich auch viel Sozialhilfemissbrauch, wobei auffällig viele Zigeuner diesen Wirtschaftzweig für sich entdeckt haben. Es ist übrigens unbedingt notwendig, dass man eine differenzierte Betrachtung macht. Genauso wie die deutsche Presse bei „unerfreulichen“ Anlässen wie z.B. Terror konsequent betont von „Deutsch-Afghanen, Deutsch-Libanesen etc.“ spricht, muss man das auch bei den Zigeunern machen, sonst ist es eine rassistische Heuchlerei. Und die Nationalität komplett wegzulassen, verschärft das Problem noch mehr. Dann werden die Menschen trotzdem automatisch ihre Assoziationen mit einer bestimmten „Klientel“ machen und gleichzeitig der Überzeugung sein, dass die Regierung bewusst Informationen unterschlägt, die sie sich aber selber dazudichten.

      Das Problem mit dem Sozialhilfemissbrauch kann man jedoch völlig unproblematisch und EU-rechtskonvorm lösen. Warum das die Politiker trotzdem nicht machen, müssen Sie selber herausfinden. Fragen Sie Ihre lokalen Abgeordneten. Ich weiß allerdings, dass am Sozialhilfemissbrauch primär die überholte, blinde, ignorante, abgehobene (also zusammengefasst dämliche) deutsche Politik schuld ist. Und erst denn (wenn überhaupt) die Nutznießer dieser Schlüpflöcher.

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        Petkov

        27. März 2017 11:47 at 11:47

        *konform

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    Gerd

    27. März 2017 12:26 at 12:26

    Ich gratuliere mir, dass ich 6 Monate später doch noch mal eine heiß ersehnte Reaktion bekomme.

    Ich weiß nicht mehr worum es ging. Ich glaube aber nicht darum, dass die polnische Regierung besorgt darüber war, dass Deutschland keine gut ausgebildeten Polen mehr gratis zur Verfügung gestellt bekommt.
    Eben so wenig ging es der PolReg darum, dass die Briten aufgrund des polnischen Fachkräftemangels künftig die Leidtragenden sein würden.

    Ich glaube die Sorge der PolReg sah anders aus.
    Es ging ihr eher darum, dass ihre Bürger fortan nicht mehr dort arbeiten können dürfen, wie diese das wollen.

    „Sie wollen ihre Elite nicht irgendwo „unterbringen“, aber sie können sie nicht halten“
    Petkov, ausnahmsweise halte ich mal eine Aussage von Ihnen für ausgesprochenen Blödsinn. Die PolReg bräuchte dann ja über den Brexit nicht meckern sondern müsste sich GB gegenüber vielmehr äußerst dankbar zeigen. Denn die polnischen Fachkräfte, die nach England wollten oder schon dort sind, müssen ab dann ja zwangsweise in Polen bleiben oder zurückkehren.
    Alle diejenigen, welche die Regierung selber nicht in der Lage war „zu halten“.

    Aber evtl mag sie ihrer Freude darüber nicht Ausdruck verleihen und versteckt es deshalb hinter Kritik. Haha

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      Petkov

      27. März 2017 17:13 at 17:13

      Ich bleibe dabei, Gerd. Sie verstehen die Zusammenhänge schlichtweg nicht. Die Osteuropäer haben lange vor der Liberalisierung der Arbeitsmärkte in Westeuropa gearbeitet und werden es auch nach dem EU-Zerfall weiterhin tun, wenn’s denen passt. Der Brexit ändert ganz wenig an der Gesamtsituation. Sie glauben, man kann sie einfach ausweisen? So ein Blödsinn, das geht weder rechtlich noch praktisch. Nicht nur EU-Bürger dürfen in GB leben und arbeiten, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Und Letztere sind ein Klacks für die meisten Europäer. Übrigens arbeiten in England auch enorm viele Deutsche, die übrigens leider oft unbeliebter als die Osteuropäer sind, die Gründe will ich aber jetzt nicht erläutern.

      Unterm Strich müssen Sie sich merken, dass der Brexit so gut wie vom Tisch war, die Befürworter waren aussichtslos in der Unterzahl. Aber dann kam die merkel mit ihrer selbst verschuldet verschärften Flüchtlings“Krise“, mit ihrem kranken Starrsinn, mit ihrer Orientierungslosigkeit und Unzurechnungsfähigkeit. Die Britten wie auch die allermeisten anderen Europäer waren schockiert und dann kam das Referendum: zum unpassendsten Zeitpunkt.

      Sobald die neokommunistische, politische Missgeburt „merkel, Schulz, Juncker & Co.“ krepiert, werden wir einen neuen und diesmal nachhaltigen europäischen Integrationsprozess erleben. Da wird keiner mehr vom Brexit reden oder vor irgendwelchen Osteuropäern Angst haben. Das ist ja dieselbe Kultur, dasselbe Wertesystem… Der europäische Gedanke wird sich früher oder später Durchsetzen. Schade, dass er aktuell von politischen Maden in Brüssel zerfressen wird.

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Goldpreis fällt weiter – Experte bringt das Problem auf den Punkt

Claudio Kummerfeld

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am

Gold Barren mit Adler und US-Dollar

Der Goldpreis fällt weiter. Dank immer neuer hoffnungsfroher Meldungen wegen den Corona-Impfstoffen nimmt die Euphorie der Anleger immer mehr zu, und sie schalten um in den Risk On-Modus (hier die Begriffserklärung). Man schaltet um, weg von sicheren Häfen wie Gold, und kauft wieder risikoreichere Anlageklassen wie Aktien. Vor genau einer Woche notierte der Goldpreis noch bei 1.868 Dollar. Letzten Freitag Abend waren es dann nur noch 1.786 Dollar, und jetzt aktuell 1.774 Dollar.

US-Dollar kann Goldpreis nicht helfen

Seit Wochen und Monaten war es wie eine Automatismus. Bewegte sich der US-Dollar etwas, zack, bewegte sich der Goldpreis sofort entgegengesetzt. Denn alles was in US-Dollar gehandelt wird (wie auch Gold), tendiert im Preis oft in der Tendenz gegensätzlich. Diese negative Korrelation war bei Gold die letzten Monate extrem stark vorhanden. Seit einigen Tagen aber ist davon gar nichts mehr zu spüren. Wir wiesen bereits letzte Woche darauf hin. Und nicht nur letze Woche fiel der US-Dollar deutlich. Auch diese Woche fällt er weiter. Der Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Währungen) fällt weiter, seit genau einer Woche von 92,60 auf jetzt 91,62 Indexpunkte. Aber der Goldpreis will einfach überhaupt nicht reagieren und ansteigen.

Experte bringt es auf den Punkt

Der Experte Carsten Fritsch von der Commerzbank bringt es mit seiner erst vor wenigen Minuten veröffentlichten Gold-Analyse auf den Punkt. „Nicht mal ein schwacher Dollar kann Gold helfen“, so lautet der Titel seiner Analyse. Der angesprungene Risk On-Modus (Sog hin zu Aktien) scheint derart stark zu sein, dass wie gesagt selbst der immer weiter fallende US-Dollar dem Goldpreis derzeit keine Kehrtwende beschert. Durch den Bruch der wichtigen Unterstützung bei 1.800 Dollar am Freitag habe sich das charttechnische Bild für Gold nochmals eingetrübt, was weitere kurzfristig orientierte Anleger zum Ausstieg veranlasst haben dürfte, so seine Worte. Die letzte Woche verlor Gold 4,5 Prozent an Wert, womit es nur knapp am stärksten Wochenverlust seit März vorbeischrammte. Den heute zu Ende gehenden Monat November dürfte der Goldpreis mit dem stärksten Verlust seit vier Jahren abschließen. Die aktuelle Schwäche von Gold sei umso bemerkenswerter, weil der US-Dollar ebenfalls zur Schwäche neigt, so Carsten Fritsch.

Der EUR-USD-Wechselkurs nähere sich laut seinen Aussagen der Marke von 1,20, die zuletzt Anfang September erreicht wurde. Die Mischung aus Goldpreis-Schwäche und Dollarschwäche lasse den Goldpreis in Euro abstürzen. Dieser verzeichnete am Morgen mit 1.475 Euro je Feinunze den niedrigsten Stand seit Anfang April. Angesichts der seither durch die Anleihekäufe verursachten Ausweitung der EZB-Bilanzsumme um 1,7 Billionen Euro sei dies geradezu grotesk. Auch dass derzeit Anleihen mit einem Rekordvolumen von knapp 17,5 Billionen US-Dollar mit einer negativen Rendite handeln, verhindere den Preisverfall nicht. Somit falle es schwer, diesen Ausverkauf noch mit fundamentalen Argumenten zu erklären.

ETF-Abflüsse

Das Vertrauen in Gold habe laut Carsten Fritsch dadurch stark gelitten, was sich in anhaltenden Abflüssen aus den Gold-ETFs widerspiegelt. Mit dem für Freitag gemeldeten Abfluss hätten sich diese in der letzten Woche auf rund 40 Tonnen und in den letzten drei Wochen auf gut 90 Tonnen summiert. Also, bleibt es erstmal bei der Schwäche im Goldpreis? Unerwartet für viele Beobachter! Geht es weiter bergab, wenn die ersten Bilder von Corona-Impfungen im Dezember über die Schirme flimmern?

Beim Klick an dieser Stelle finden Sie die gestrige sehr interessante Gold-Analyse des Experten Mario Steinrücken.

Chart zeigt Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai
Im Chart sehen wir den Goldpreis-Verlauf in US-Dollar seit Mai.

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Türkische Lira: Abwertung nach Zinsanhebung – warum ist das passiert?

Redaktion

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Von

Lira-Geldscheine

Die türkische Lira verliert diese Woche wieder deutlich an Boden. Es ist ein Desaster für alle die hofften, dass eine drastische Zinsanhebung durch die türkische Zentralbank auch eine Wende für die türkische Lira einleiten würde. Denn die wertet seit Jahren dramatisch ab. Aber wie gesagt, letzte Woche Donnerstag erhöhte die Zentralbank den Leitzins drastisch, um 4,75 Prozentpunkte auf volle 15 Prozent, um die Inflation in der Türkei einzudämmen.

Türkische Lira reagierte auf drastische Zinsanhebung

Genau dieser Schritt auf 15 Prozent war am Devisenmarkt erwartet worden. Entsprechend war die türkische Lira in den Tagen vorher schon gestiegen, und auch kurz nach der Zinsanhebung stieg die Lira weiter an gegen US-Dollar und Euro. USDTRY fiel von 7,67 auf 7,51. Also, alles lief nach Plan? Nein, die Lira begann wieder abzuwerten, und zwar deutlich – jetzt notiert USDTRY bei 7,91. Diese Woche Montag berichteten wir bereits darüber, dass vermutlich Inländer in der Türkei zwischenzeitlich die gestiegene türkische Lira dafür genutzt hatten, um zu besseren Kursen weiter US-Dollar und Euro zu kaufen. Dass die türkische Lira die letzten Tage ein echtes Eigenleben führte, erkannte man an einer fallenden Lira bei gleichzeitig fallendem Dollar-Index (Währungskorb des US-Dollar gegen andere Hauptwährungen). Wenn der US-Dollar fällt, hat eigentlich alles was gegen ihn gehandelt wird, eine gute Chance zu steigen – aber nicht so die Lira in den letzten Tagen!

Warum die Zinsanhebung dennoch verpuffte

Denn die große Unsicherheit gegenüber der türkischen Politik und der Beeinflussung der Zentralbankpolitik ist wohl weiterhin vorhanden, und drückt gegen die türkische Lira. Ein Aspekt kommt aber hinzu, der nicht so direkt ins Auge fällt. Zwar hatte die Zentralbank den Leitzins letzte Woche wie gesagt drastisch angehoben von 10,25 Prozent auf 15 Prozent. Aber wie es zum Beispiel ein türkischer Kolumnist gestern erwähnte, so war es doch keine richtige, eindeutige Zinsanhebung. Denn andere Zinssätze der Zentralbank seien bereits vorher deutlich höher gewesen, bei beinahe 15 Prozent. Mit dieser Zinsanhebung hat die Zentralbank also sozusagen nur für eine Glättung und Vereinheitlichung ihrer Zinsen gesorgt. Vorher versuchte die Zentralbank zum Beispiel bereits die Abwertung der Lira zu stoppen, in dem man bei Derivaten mit höheren Zinskosten versuchte Spekulanten aus dem Ausland die Liquidität zu beschneiden.

Was kann man tun?

Müsste die türkische Zentralbank nun also den Leitzins erneut kräftig anheben, um ihrem Willen zur Inflationseindämmung Nachdruck zu verleihen? Könnte dies die türkische Lira zum Aufwerten bringen? Wichtig wäre wohl ein längeres Festhalten an hohen Zinsniveaus. Und eine klare Sprachregelung von Zentralbank und Präsident Erdogan wären wichtig, in der nicht mehr von Zinsen die Rede ist, die möglichst stark sinken sollen. Hat man am Devisenmarkt den Verdacht, dass die Zinsen nur für einen relativ kurzen Zeitraum oben bleiben? Dann könnte dies die Annahme bestärken, dass die Inflation in der Türkei nicht gebremst wird, was wiederum die türkische Lira schwächt. Es geht um Verlässlichkeit. Der Devisenmarkt will eine konstante und klare Linie sehen – so darf man es annehmen.

Die jetzige Vereinheitlichung des Zinsniveaus durch die Anhebung des Leitzinses sorgt für mehr Transparenz – aber es fehlt womöglich noch eine zweite kräftige Zinsanhebung. Auch hat die türkische Bankenaufsicht angekündigt Mindestausleihungen an türkische Banken nicht mehr vorzugeben. Diese galten unter anderem als ein Grund für die umfangreiche Kreditvergabe in der Türkei. Es wirkt derzeit so, als tue sich einiges in Sachen Transparenz und Normalisierung. Es ist ein Anfang. Es braucht viel Verlässlichkeit, Konstanz, Vertrauen, und wohl auch ein Unterlassen von Äußerungen von Präsident Erdogan über niedrigere Zinsen. Dazu vielleicht noch ein erneuter kräftiger Zinsschritt nach oben, und dann ein Durchhalten auf diesem Niveau. Dann könnte die türkische Lira auch anfangen nachhaltig wieder aufzuwerten? Im Chart sehen wir den Verlauf von US-Dollar vs Türkische Lira seit dem 13. November.

Chart zeigt US-Dollar gegen türkische Lira in den letzten Tagen

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Allgemein

Janet Yellen – wird sie den Dollar weiter abstürzen lassen?

Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Sind die USA auf den Spuren Japans?

Wolfgang Müller

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Was bedeutet die faktische Ernennung von Janet Yellen zur zukünftigen US-Finanzminsterin für den Dollar? Mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden kehrt wieder etwas Berechenbarkeit in die amerikanische Politik zurück. Auch erkennbar an den ersten Postenbesetzungen im neuen Kabinett. Der Vorschlag für die Nachfolge Steven Mnuchins schlug in den letzten Tagen wie eine kleine Bombe in der Finanzszene ein, schließlich möchte der neue Präsident eine „altbewährte“ Ökonomin mit dieser Schlüsselposition besetzen: die ehemalige Präsidentin der Federal Reserve, Janet Yellen. Was heißt das für die künftige Geld- und Fiskalpolitik  – und amit für den Dollar?

Die Karriere der Janet Yellen

Mit der ehemaligen Wirtschaftsprofessorin wird eine Person vom Fach den Posten des obersten Geldverwalters oder korrekter der Geldverwalterin in den USA antreten, was in anderen Ländern nicht generell der Fall ist. Janet Yellen kam neben ihrer Lehrtätigkeit schon früh in Kontakt mit der US-Notenbank, wo sie bereits ab 1975 Mitarbeiterin beim Board of Governors im System der Federal Reserve gewesen ist. Von 1994 bis 1997 war sie Mitglied im Vorstand der Federal Reserve, anschließend wurde sie Vorsitzende des Rates der Wirtschaftsberater von US-Präsident Bill Clinton. Also eine Funktion, wie sie jüngst Larry Kudlow in besonderer Art und Weise ausgefüllt hat.

Von 2004 bis 2010 war sie Präsidentin der Fed von San Francisco, ab dem Jahr 2009 stimmberechtigtes Mitglied im Federal Open Market Committee. Im Jahr 2010 wurde sie zur Stellvertreterin von Fed-Chef Ben Bernanke ernannt und ab 2013 gelangte sie als erste Frau an die Spitze der bedeutendsten Zentralbank der Welt. Diese Position verlor sie als Demokratin nach der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten, der mit diesem Schritt einmal mehr von der bisherigen Tradition abwich. Ihr Nachfolger Jerome Powell ist bereits seit 2012 im Direktorium der Federal Reserve, somit dürften sich die neue Finanzministerin und der Fedchef sehr gut kennen. Janet Yellen ist mit dem Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften George A. Akerlof verheiratet – sie ist also privat und beruflich immer im Umfeld der Ökonomie.

Die „dovishe“ Janet Yellen

Für die Benennung der Wirtschaftsprofessorin als neue Finanzministerin hat der neue US-Präsident sicherlich mehrere Gründe: Zum einen gilt die Demokratin als sehr ausgleichend zwischen den Parteien, was nach Donald Trump sicherlich äußerst bedeutsam wird, und zum anderen wird sie eine Konnexion zwischen Politik und Notenbank gewährleisten, was in der jetzigen Verschuldungssituation sehr vonnöten ist. Die Regierung braucht den kurzen Draht zur Geldpolitik, eine Sonderstellung der Notenbank wäre in der kommenden Zeit sehr hinderlich. Die Märkte gehen von einer guten Weichenstellung aus, deshalb auch die erste positive Börsenreaktion. Die Tauben sind demnächst in den USA am Drücker – daher tendiert auch der Dollar wieder schwächer.

Des einen Freud, des anderen Leid

Was wird diese neue Konstellation Janet Yellen – Powell für geldpolitische Konsequenzen haben? Zunächst freut man sich an den Märkten, dass „der Kelch“ in Gestalt der linken Demokratin Elisabeth Warren an ihnen vorübergegangen ist. Deren während ihrer Kandidatur vorgetragenes Programm hätte die Wirtschaft und die Finanzmärkte eine Zeit in Wallung gebracht, denn ob Warren ihre Vorstellungen in die Tat hätte umsetzen können, steht auf einem anderen Blatt. Nach einer Corona-Schonfrist würden bald schon die Midterm Elections anstehen, die rasche Veränderungen im Kongress bringen können.

Wer sind die Profititeure, wer die Leittragenden?

Zunächst dürften die Finanzmärkte sich über eine weiterhin lockere Geldpolitik freuen, denn es sind zwei Tauben an den Schaltstellen, die über alles sinnieren werden, jedoch nicht über künftige Zinserhöhungen.

Bevor eine Massenimpfung eine echte Erleichterung am Arbeitsmarkt bringt – Stichwort: Maximum Employment – wird man vonseiten der Federal Reserve das Anleihekaufprogramm fortsetzen und retten, wo es zu retten gilt. Hinzu kommen wird der unbedingte Wille der Durchsetzung von Konjunkturprogrammen, speziell im Umweltbereich, einem zentralen Thema von Joe Biden, in dem er ganz besonders den neuen Wind nach Trump symbolisieren könnte. Was nichts anderes bedeutet, als weiter die Verschuldung nach oben zu treiben, auch unter Inkaufnahme einer ansteigenden Inflation. Sowohl Fed-Chef Powell als auch die mögliche neue Finanzministerin haben eine gewisse Flexibilität mit einer höheren Inflationsrate bekundet. Niedrige Zinsen, bei steigender Teuerungsrate – damit wird deutlich, wer dabei besonders leiden könnte: der Dollar!

Aber in der jetzigen Situation kommen einige frühere Bemerkungen von Janet Yellen ins Gedächtnis, wenn es um die Bewältigung einer Rezession geht. Bereits auf einer Konferenz im September 2016 brachte die damalige Notenbankchefin den Gedanke von neuen Instrumenten ins Spiel, die die Fed zur Bewältigung einer Wirtschaftsschrumpfung benötigen könnte: Ankauf von Firmenbonds und Aktien. Letzteres wiederholte sie in diesem Jahr bei einem Interview im April. Die USA auf den Spuren Japans, was für ein Gedanke! Diesen Gedanken hatte unser Autor bei FMW, Hannes Zipfel, in seinem bemerkenswerten Artikel vom 30.6.2020 schon ins Spiel gebracht („Aktienmarkt: Verlassen Sie sich auf die Fed“!)

Fazit

Noch ist es zu früh irgendwelche Schlussfolgerungen über ungelegte Eier anzustellen. Aber eines dürfte klar sein: Bei zwei Verfechtern einer lockeren Geldpolitik wird es von innen heraus keine große Änderung in der Fiskal- und Geldpolitik geben. Das Zusammenspiel zweier Vertreter einer taubenhaften Geldpolitik wird in der jetzigen Lage den monetären Impuls nicht ohne Not verringern.

Und von woher könnte eine solche Notsituation kommen? Eher nicht von einer opulent anspringenden Wirtschaft, die ohne Stütze auskommt, sondern eher von der Inflation, die nun schon ein Jahrzehnt wie tot erscheint. Aber in diesem Zeitraum haben die Notenbanken weltweit auch nicht sieben Billionen Dollar binnen eines Dreivierteljahres ins System geschleust.

Wird die dovishe Janet Yellen den Dollar weiter schwächen?

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