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Brexit: was für die Londoner City auf dem Spiel steht

FMW-Redaktion

Die „Leave“-Kampagne, also das Lager der Brexit-Befürworter, hat ein Mantra: selbst wenn wir aus der EU ausscheiden, bleibt im Grunde alles, wie es ist. Dass dem so ist, ist jedoch mehr als unwahrscheinlich. Das gilt inbesondere für den Finanzsektor, der in UK angesiedelt ist – und der 12% zum BIP der britischen Ökonomie beiträgt. Der Grund dafür ist einfach: der sogenannte EU-Pass, der es gemäß den Bestimmungen der European Economic Area (EEA) jeder in UK regulierten Finanz-Firma erlaubt, von UK aus den Marktzugang für die ganze EU zu bekommen. Daher haben etwa fast alle amerikanischen Banken ihre Europa-Zentrale in London, von wo aus das Geschäft in ganz Europa gesteuert wird.

Und die derzeitige Dominanz Londons im Finanzsektor Europas ist gewaltig: 40% des globalen Devisenhandels etwa läuft derzeit über London. Käme es zum Brexit, würde sich das ändern, weil die EZB kaum zulassen würde, dass London der Haupthandelsplatz für den Euro sein sollte, wenn die City dann außerhalb der EU läge. Was das für London bedeuten würde, ist kaum zu ermessen!

Auch andere Zahlen verdeutlichen, wie wichtig London derzeit ist: etwa die Hälfte aller Zinsderivate – vorwiegend der Handel etwa mit Staatsanleihen und deren Futures, läuft über die City. Und ca. 20% aller Hedgefonds-Assets haben ihren Sitz in London, viel mehr als etwa New York (von Frankfurt gar nicht zu reden). Gleiches gilt übrigens auch für die Clearing-Häuser, die Euro-Kontrakte abwickeln.

Wichtiger aber sind die Großbanken, vor allem die amerikanischen. Sie verlören mit dem Brexit, wenn sie in London ihren Sitz haben, den EU-Paß. Nun müßte UK mit der EU neue Modalitäten aushandeln, was Jahre dauern kann und so oder so zu schlechteren Bedingungen für Banken führen wird, die von London aus operieren. Würde die EU nämlich UK im Falle eines Brexit erlauben, einfach weiter in der European Economic Area (EEA) zu bleiben und den EU-Pass zu behalten, wäre das eine Steilvorlage für andere Länder, die Ähnliches wie die Briten verlangen würden. Und das kann und will die EU nicht zulassen. Also gibt es entweder keinen EU-Pass mehr – oder eben zu Konditionen, die auf andere tendentiell eher abschreckend wirken sollen. Die Kosten für amerikanische Banken, die sich entscheiden würde trotz eines Brexits ihren Hauptsitz in Lodon zu behalten, wären daher vermutlich immens.

Die Leiter der Brexit-Kampagne sollten daher so ehrlich sein, dies auch zuzugeben – statt einfach nur zu behaupten, dass irgendwie schon alles bleibt wie es ist. Das ist pure Augenwischerei, für die sie sich dann im Falle eines Brexits rechtfertigen müßten..



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2 Kommentare

  1. Alles Bangemachargumente, die keine Naturgesetze sind sondern mit einem Federstrich geändert werden könnten.
    „…weil die EZB kaum zulassen würde, dass London der Haupthandelsplatz für den Euro sein sollte, …“

    Aber Anleihen von amerikanischen Unternehmen aufkaufen, das geht.

    „…der sogenannte EU-Pass, der es gemäß den Bestimmungen der European Economic Area (EEA) jeder in UK regulierten Finanz-Firma erlaubt, von UK aus den Marktzugang für die ganze EU zu bekommen.“

    GB hat andererseits ja auch Pfründe, die es dagegen halten könnte, so dass zum beiderseitigen Wirtschaftswohl alles beim alten bleiben kann – wenn man denn wollte.
    Darf v o r der Abstimmung natürlich nicht gesagt werden.

    „… (sollte GB) den EU-Pass …behalten (dürfen), wäre das eine Steilvorlage für andere Länder, die Ähnliches wie die Briten verlangen würden.“

    Wieso? Immerhin ist GB ein europäisches Land. Das könnte Amerika oder Japan nicht verlangen.

  2. Ist da nicht der Zusammenschluss der City und Frankfurt?
    Haben sich nicht die beiden Börsen zusammen getan?
    Hat man so nicht den Zugang zur EU wie er ist?
    Was sich ändern wird ist dass die EU so oder so langsam aber sicher auseinander bröckeln wird.
    Wäre es nicht besser die EU fliegt auseinander (geordnet) als das ganze Länder verarmen für Banken
    die sich Jahrelang dicke Bonis für nichts eingesteckt haben? Das Ergebnis sehen wir doch jetzt,
    eine Bank nach der anderen muss gerettet werden, oder die Manager mit den Bonis wären im normalen Leben in den Knast gewandert. Diese EU so wie sie betrieben wird ist nicht für das Volk gemacht, die nächsten Banken warten schon auf frisches Geld. Der kleine Mann auf Steuererhöhungen und Rentenkürzung.
    Auf so eine EU kann ich verzichten, die Idee EU an sich war gut, die Umsetzung katastropfhl aber alternativlos!

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