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Bringt Venezuela den Frackern in den USA den erhofften Ölpreis-Auftrieb?

Die USA scheinen durch diese Wahl einen großen Schritt Richtung Diktatur zu erkennen. Gut, eigentlich sollte das egal sein, denn man macht ja schließlich auch Geschäfte mit Saudi-Arabien...

FMW-Redaktion

In Venezuela hatte Präsident Maduro die Wahl zur sogenannten „Verfassungsgebenden Versammlung“ konstruiert. Diese Wahl hat er nach eigenen Angaben gestern gewonnen. Diese neu geschaffene Institution soll sozusagen als zusätzliche Institution deutlich höher angesiedelt sein als das Parlament. Maduro hatte selbst schon einmal gesagt, dass diese neue Einrichtung de facto für ihn alle Mittel zum Durchregieren biete, womit er seine politischen Gegner entmachten könne.

Die USA scheinen durch diese Wahl einen großen Schritt Richtung Diktatur zu erkennen. Gut, eigentlich sollte das egal sein, denn man macht ja schließlich auch Geschäfte mit Saudi-Arabien und Co, wo ein König alles alleine entscheidet, ohne Wahlen etc. Aber egal. Im Fall Venezuela geht es ja eher um den klassischen alten Klassenkampf. Auf beiden Seiten werden alte Feindbilder (Kommunisten / Kapitalisten) geschürt. Das bringt beiden Seiten natürlich auch ein gutes Renommee bei der eigenen Anhängerschaft, wenn man hart bleibt und stark auftritt.

Letzten Mittwoch hatten die USA gegen 13 hohe venezuelanische Offizielle Restriktionen erlassen aufgrund von angeblicher Korruption und Menschenrechtsverletzungen. Freitag dann verkündete US-Vizepräsident Mike Pence es werde weitere kräftige wirtschaftliche Aktionen geben, wenn diese Abstimmung durchkomme. Nun vermeldet das „WSJ“, dass US-Regierungsstellen kurzfristig (vielleicht schon heute) Sanktionsmaßnahmen gegen Öl aus Venezuela einführen könnten. Wahrscheinlich werde es nur Teilsanktionen geben, aber so genau ist das noch nicht klar.

Laut Barclays würde eine harte und lange Störung der Öleinfuhren aus Venezuela dazu führen, dass der WTI-Ölpreis (der wichtigste Ölpreis für den US-Markt) um 5-7 Dollar steigen könne. Und das würde stattfinden, während vermutlich die OPEC ihre Förderung ausbaue, die Fracking-Produktion robust sei, und die Nachfrage schwächelt. Wie gesagt, diese Öl-Sanktionen gegen Venezuela sind noch nicht beschlossen, aber könnten heute schon verkündet werden.

Wir meinen: Ob so ein Anstieg von möglichen 5-7 Dollar im WTI nachhaltig wäre aufgrund der möglichen Sanktionen gegen Öl aus Venezuela, ist mehr als fraglich. Denn Venezuela würde sein Öl einfach nach China verkaufen, wo man sich wahrscheinlich relativ wenig beeindrucken lässt durch US-Sanktionen gegen ein Drittland. Natürlich würde kurzfristig Öl auf dem US-Markt fehlen. So eine Lücke wird vom Markt aber rasch kompensiert. Es gibt zu viele mögliche Ersatz-Lieferanten wie die Fracker im Inland oder die OPEC-Staaten, wo sich ohnehin nicht jeder an die maximalen Fördermengen hält.

Der Ölpreis ist eh gerade im Aufwärtstrend. Die letzte Woche brachte im WTI-Öl einen Anstieg von 45,50 auf 49,70 Dollar. Heute Nacht sprang WTI dann kurz auf exakt 50 Dollar, wo der Preis aktuell auch gerade hängt mit 49,94 Dollar. Wir wir letzte Woche schon schrieben: Der Ölpreis ist in den letzten vier Wochen schon so kräftig gestiegen, dass es mal wieder Zeit für eine kräftige Korrektur wäre. Aber so ist es eben: Kommt kurzfristig dieses Embargo gegen Öl aus Venezuela, könnten die Öl-Bullen freudig den Preis hochziehen. Die Betonung liegt hier auf „könnten“.


Der WTI-Ölpreis seit 20. Juli.



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3 Kommentare

  1. Die Frage die ich mir stelle ob ich mir venezolanische Staatsanleihen kaufen soll? Diese notieren sehr niedrig, teilweise nur bei 30 bis 40 Cent je USD. Die Frage ist natürlich ob Kurse noch weiter fallen…? Andererseits ist die Frage nach dem Risiko? Die Staatsverschuldung Venezuelas liegt bei nur rund 40 Prozent. Dazu kommen die größten Erdölreserven der Welt. Ich verstehe gar nicht wieso hier ein Risiko besteht.

  2. Beim Ölpreis haben wir mal wieder eine allgemeine spekulative Rallye, also nichts nachhaltiges. Brent läuft meistens bis etwa 55 oder 56 Dollar und dann geht es wieder rückwärts. Spätestens jetzt fahren dir Fracker sowieso wieder ihre Geschäfte hoch.

  3. Interessant ist auch, dass ein niedriger Ölpreis schlecht für die Venezolanische Regierung ist. Ergo ist ein steigender Ölpreis gut für sie. Mit den Sanktionen könnte der Ölpreis steigen. Was gewinnt man dann also mit den Sanktionen?

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