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Britische Autoindustrie: Der Brexit bringt eine sehr gute, und eine sehr schlechte Nachricht

Heute früh veröffentlichte Daten des britischen Automobil-Verbands SMMT bringen für die Branche eine sehr gute und sehr schlechte Nachricht, die beide hauptsächlich dem angekündigten Brexit geschuldet sein dürften...

FMW-Redaktion

Heute früh veröffentlichte Daten des britischen Automobil-Verbands SMMT bringen für die Branche eine sehr gute und sehr schlechte Nachricht, die beide hauptsächlich dem angekündigten Brexit geschuldet sein dürften. Auf der einen Seite ist das Volumen der produzierten Autos in UK in 2016 mit 1,72 Millionen um 8,5% höher ausgefallen als noch 2015. Außerdem ist dies der höchste Wert seit 17 Jahren. SMMT betont dabei, dass der Export um 10,3% gestiegen sei im Jahresvergleich, während die Inlandsnachfrage nur um 2,4% zugelegt hat. 8 von 10 in UK hergestellten Autos gehen in den Export.

Die Logik dahinter ist klar. Ab Ende Juni, wo die Brexit-Abstimmung stattfand, stürzte das britische Pfund dramatisch ab gegen Dollar und Euro. Somit konnten von da an ausländische Käufer deutlich günstiger in UK hergestellte Autos kaufen. Das push natürlich die Nachfrage im Ausland. Laut SMMT würden derzeit mehr Autos exportiert als jemals zuvor. Welch Wunder beim dem Wechselkurs… nun zu den negativen Auswirkungen. Gleichzeitig verkündet man nämlich, dass die angedachten Investitionen der Autobranche in UK um 1/3 auf 1,66 Milliarden Pfund eingebrochen sind.

Das dürfte vor allem der völligen Unsicherheit geschuldet sein, mit welchen möglichen Zöllen UK gegenüber der EU künftig zu rechnen hat. Wahrscheinlich weiß noch nicht mal Theresa May, was am Ende der Verhandlungen herauskommen wird. Sie pokert hoch, und riskiert am Ende einen harten Ausstieg aus der EU, also die Einführung neuer Zölle. Die Tatsache, dass quasi die gesamte britische Autoindustrie in ausländischer Hand liegt, bringt einen Nachteil. Die patriotische Keule wie derzeit in den USA können japanische, deutsche und indische Eigentümer der britischen Werke kaum spielen. Es geht nur darum, ob in Zukunft in UK noch gewinnträchtig für den Export gefertigt werden kann.

Also freut man sich kurzfristig über die gut laufende Produktion mit dem billigen Pfund, und wartet bei den Investitionen erst mal ab, was auf einen zukommt. Der größte Brocken der 1,72 Millionen in UK produzierten Autos entfällt auf „Jaguar Land Rover“ (indischer Eigentümer) mit 544.401 produzierten Autos, dahinter kommt Nissan aus Japan mit 507.444. Nur die beiden machen schon deutlich mehr als die Hälfte der Gesamtproduktion aus. Dominieren tun mit Nissan, Toyota und Honda aber die Japaner die britische Autoproduktion mit insgesamt 47% Anteil. Ob die dem Standort so treu bleiben, wenn EU-Importzölle eingeführt werden? Da müsste das Pfund wohl weiter so schwach bleiben oder noch mehr abwerten.


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Quelle: SMMT



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