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Britische Finanzaufsicht will den LIBOR abschaffen

FMW-Redaktion

Der LIBOR (London Interbank Offered Rate) gilt als wichtigster Referenzzinssatz überhaupt, an dem sich letztlich Banken im Tagesgeschäft für ihre Zinsen orientieren. Der Chef der britischen Finanzaufsicht „FCA“ Andrew Bailey hat sich heute über die Zukunft des LIBOR geäußert. Der Zinssatz soll bis zum Jahr 2021 abgeschafft werden. Hier zwei Kernaussagen im Originalwortlaut:

While significant improvements have been made to LIBOR since April 2013, the absence of active underlying markets raises a serious question about the sustainability of the LIBOR benchmarks that are based upon these markets.

Work must begin in earnest on planning the transition to alternative reference rates that are based firmly on transactions.

Beim LIBOR ist das grundlegende Problem, dass große Banken Schätzungen abgeben. Aus diesen Schätzungen wird dann ein Durchschnittskurs gebildet. Diese Art der Zinssatz-Findung bot in der Vergangenheit jede Menge Platz zur Manipulation, der dann auch genutzt wurde. So kam es zu den bekannten LIBOR-Skandalen, in die zahlreiche Großbanken verwickelt waren. Die FCA betont heute, dass man seit 2013 den LIBOR (irgendwie?) reguliere. Es gäbe spürbare Fortschritte bei der Beaufsichtigung der Zinssatzermittlung. Dennoch stellt man mit seinen heutigen Aussagen die Zukunftsfähigkeit des LIBOR in Frage, so wie er aktuell existiere. Bis 2021 soll ein sanfter Übergang zu einer anderen Art eines Referenzzinssatzes gefunden werden.

Bisher wird der LIBOR als Referenz verwendet für die letztlich reale Kreditvergabe an Unternehmen und Privatkunden, zum Beispiel für Zinsen auf Immobiliendarlehen. Es sei laut FCA schwer diesen Kunden klar zu machen, dass ihre Zinslast gerade steige, nur weil die Kreditwürdigkeit einer Bank gerade sinke. Denn zur Erklärung: In der kurzfristigen unbesicherten Geldleihe zwischen Banken ist es für die Banken mit zu viel Liquidität immer wichtig Geld nur an die Banken zu verleihen, die sie auch als solvent erachten. Je weniger solvent, desto höher der Zins. Auch betont die FCA, dass hinter den LIBOR-Kursfestsetzungen aktuell kein realer zugrunde liegender Handel stehe. Mittlerweile gebe es zu wenig Geschäfte, die als Grundlage für die Kalkulation des LIBOR dienen würden – der Markt sei nicht mehr ausreichend liquide. Hierzu die FCA im Zitat:

It is because the underlying market that LIBOR seeks to measure – the market for unsecured wholesale term lending to banks – is no longer sufficiently active.

As the lack of underlying transactions in our data suggests – from this perspective too, LIBOR may be a less useful benchmark than it used to be.

In our view it is not only potentially unsustainable, but also undesirable, for market participants to rely indefinitely on reference rates that do not have active underlying markets to support them.

Auch sei die Möglichkeit von Manipulationen einfach grundsätzlich viel größer, wenn ein Kurs durch ein paar abgegebene Schätzungen festgelegt werde, als durch real gehandelte Marktpreise. Laut FCA würden sich auch die an den Schätzungen teilnehmenden Banken unwohl fühlen (!?). Laut FCA könne man zukünftig potenzielle Störungen der Märkte nicht tolerieren, die verursacht werden durch ein plötzliches Verschwinden des LIBOR. Damit ist wohl gemeint, dass sich eventuell mehr und mehr Banken aus den Schätzungsverfahren für den LIBOR zurückziehen könnten, wodurch die Kursfeststellung noch leichter beeinflussbar werden könnte.

Der LIBOR ist laut FCA ein öffentliches Gut. Daher müsse er kurzfristig aufrecht erhalten werden, bis eine Alternative eingeführt sei. Und das will man bis zum Jahr 2021 schaffen. Man habe bereits nach einem alternativen Referenzzinssatz Ausschau gehalten, mit Zentralbanken und bisher am LIBOR beteiligten Banken gesprochen. Man sucht nun eine Alternative. Um es in klaren Worten auszudrücken: Man sucht wohl nach etwas, das weniger manipuliert werden kann, und vor allem nach etwas, dass sich näher an den realen Kreditkunden orientiert als die reine ungesicherte Geldverleihe zwischen Banken auf Tagesbasis. Am Einfachsten wäre wohl als Referenzzinssatz ein liquide und am besten börslich gehandelter Index – der könnte schlechter manipuliert, und viel transparenter überwacht werden. Aber noch hat die FCA sich ja vier Jahre Zeit gegeben für die Umstellung.




Quelle: FCA



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