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Britisches Pfund: Die Ruhe vor dem Sturm?

Redaktion

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Von Claudio Kummerfeld

Zwei Faktoren helfen derzeit dem britischen Pfund auf die Beine. Viel schneller als erhofft hat sich David Cameron verabschiedet, und als Nachfolgerin wurde eine Art „Angela Merkel reloaded“ installiert. Die britische Presse scheint sich einig zu sein. Theresa May verkörpert die selben Eigenschaften wie Merkel, und so mancher erkennt in ihr eine Art Margret Thatcher-Nachfolgerin. Naja, egal. Aber auf jeden Fall bringt ihre Ernennung Stabilität und Klarheit, so wirkt es zumindest. Die Menschen in Großbritannien scheinen glücklich zu sein, dass nicht erst im Oktober, sondern sofort jemand da ist, der seriös daher kommt und sofort die Zukunftsaufgaben anpackt. Das wirkt beruhigend auf das Pfund.

Hinzu kommt noch die gestrige Absage der Bank of England. Keine Leitzinssenkung, und auch keine quantitative Lockerung durch mehr Gelddrucken. Das half dem Pfund von gestern 13 Uhr bis heute um 200 Pips nach oben. Denn fast alle Marktbeobachter hatten mit einer Zinssenkung gerechnet, um der Wirtschaft vor dem Brexit „schon mal zu helfen“. Damit signalisiert die Bank of England (vermeintlich in Abstimmung mit der neuen Regierung): Schaut her, alles ist in Ordnung, wir sind sogar so entspannt, dass wir nicht mal die Zinsen senken müssen. Mit einem Verbleib bei 0,50% hat die BoE übrigens auch noch mehr Luft für später evtl. benötigte Senkungen – dieser Umstand ist nicht zu unterschätzen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Auch wir wissen nicht, ob das Pfund in den nächsten Monaten weiter kräftig abrutschen wird. Aber viele Gründe sprechen dafür. Die gestern ausgebliebene Zinssenkung ist der erste Ansatz für die Vermutung, dass der Sturm noch bevorstehen könnte. Bei einer Zinssenkung wäre das Pfund gestern wohl nochmal 100 Pips abgerutscht, oder vielleicht noch weiter? Diese Abwertung steht noch bevor, wenn die BoE vielleicht in 3 oder 6 Monaten die Zinssenkung vornimmt.

Denn die könnte notwendig werden, wenn sich die konjunkturellen Aussichten verfinstern. Es braucht in den nächsten Monaten gar keine Ansagen von Unternehmen, dass sie ihre Produktion aus Großbritannien abziehen. Was derzeit geschieht, reicht schon völlig aus um annehmen zu können, dass die BIP-Daten im laufenden 3. und im 4. Quartal absacken werden. Denn Investoren sind schon jetzt dabei ihre geplanten Investitionen zu stornieren oder zumindest auf Eis zu legen. Und für mehrere Quartale großflächig entfallende Investitionen sind für das BIP genau so schlimm wie die Verlagerung von bestehender Produktion. Jetzt fehlende Neuinvestitionen fehlen der Wirtschaft in den Folgejahren um das BIP zu stützen.

So rechnet z.B. die Bank of America Merrill Lynch (BoA ML) damit, dass Großbritannien 2017 in die Rezession rutschen wird. Es sei Wunschdenken, dass UK unbeschadet aus dem Brexit-Schock hervorgehe. Auch sagt die Bank Investoren sollten demnächst auf Erschütterungen gefasst sein – die Optimisten würden von der Realität eines Besseren belehrt werden. Das sieht man auch daran, dass in den letzten Tagen diverse in UK investierende Immobilienfonds geschlossen werden mussten, weil zu viele Anleger ihr Geld abziehen wollten. Da die Fonds nur einen kleinen Cash-Teil halten, konnten sie ja nicht über Nacht ihre Immobilien verkaufen – daher mussten sie erstmal einfrieren. Welcher Immobilienfonds wird in so einem Umfeld einen neuen Fonds für Londoner Büroimmobilien auflegen? Welcher Investor wird jetzt frisches Geld pumpen um in London Bürogebäude neu zu erreichten? Wohl kaum jemand. Alleine das ist schon ein klares Indiz für ausbleibende Investitionen. Sie wirken sich aus auf die Bauindustrie, Zulieferer, angeschlossene Dienstleister usw.

Während die großen internationalen Konzerne, die im FTSE100-Index enthalten sind, auch nach dem Brexit orentnlich notieren, sieht es bei kleineren eher inländisch orientierten Unternehmen anders aus, wo die Börsianer mit negativeren Folgen des Brexit rechnen. Die mittelständischen Unternehmen haben an der Börse seit dem Brexit-Vote durchschnittlich 8% verloren – das geht unter, wenn man nur auf den Leitindex FTSE100 schaut.

Das momentan nach dem Brexit-Vote stabilisierte Pfund (immerhin im GBPUSD von 1,48 auf jetzt 1,34) sagt: Hey, die EU wird sich in den Brexit-Verhandlungen schon weichkochen lassen. Sie wird uns Briten einen Status wie Norwegen geben, mit schön freiem zollfreiem Zugang zum EU-Binnenmarkt, und dann wird alles gut. Und auch scheint man davon auszugehen, dass die britischen Banken nach dem Brexit den „EU-Pass“ behalten können, womit sie auch zukünftig ihre Angebote auf dem Festland vermarkten können. Aber diese Hoffnung könnte völlig übertrieben sein. Denn wenn die EU den Briten diese Zugeständnisse gewährt, könnten Ungarn, Slowaken, und vielleicht auch die Dänen rasch folgen.

Warum noch in der EU bleiben, wenn man auch außerhalb der EU alle Vorzüge der EU behalten kann, wäre deren verständlicher Einwand. Und genau deshalb ist es recht wahrscheinlich, dass vor allem die EU-Offiziellen um Jean-Claude Juncker hart verhandeln werden, und eben nicht einen komplett freien Marktzugang gewähren werden. Bis diese Entscheidung aber gefallen ist, wird es natürlich noch dauern (2017 oder 2018?). Aber was jetzt aktuell im Pfund passiert, könnte man als Ruhe vor dem Sturm bezeichnen, weil jetzt viele in der Theresa May-Euphorie eine Stabilisierung der Gesamtsituation sehen wollen.

Ach ja, da wäre noch Etwas: Großbritannien produziert wie wir erst kürzlich in einem Artikel darlegten ein konstantes und strukturelles Leistungsbilanzdefizit von mehr als 5%. Also muss UK als Volkswirtschaft (Staat, Unternehmen und Konsumenten) konstant aus dem Ausland Geld ansaugen um das Loch zu stopfen. Senkt die BoE die Zinsen, könnte man damit tendenziell noch mehr Anlegergeld von der Insel vertreiben, was eine Rezession noch weiter befeuern würde. Und wenn jetzt schon die Investitionen in großem Umfang eingefroren bzw. storniert werden, ist wie die BoA ML sagt eine Rezession für 2017 ziemlich wahrscheinlich.

Britisches Pfund Dollar
Das britische Pfund gegen den US-Dollar (GBPUSD) seit Februar.

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    sabine

    15. Juli 2016 21:12 at 21:12

    Man spart sich in England aber viel Geld, daß Brüssel überall absaugt. Jetzt kommts halt drauf an, was mehr wiegt. Der Untergang durch die EU wie Italien, Portugal, Spanien, oder außerhalb. Der Schweiz und Norwegen geht es jedenfalls blendend.
    Bei der Ablehnung der Schweizer der EU-Diktatur kam es g e n a u s o . wie jetzt beim Brexit:
    a) Vorher das Riesengeschrei der Lügenpresse und Lügenpolitiker: Ihr werdet untergehen. Das ist sicher. Ihr könnt gar nicht anders, als untergehen. Schon vor der Wahl wackelte der Franken und alle zeigten mit dem Finger. (Er wackelt immer, aber diesmal war es wegen dem drohenden Untergang.)
    b) Nach der Wahl Gedrohe, ihr dürft jetzt gar nichts mehr. Ihr werdet schon sehen, wohin ihr mit eurem Hinterwäldertum hinsteuert. Und die Wirtschaft wird sowas von abkacken, daß es nur so kracht.
    c) Als das dann auch ausblieb, zeigte die Lügenpresse die Anzeichen, die anzeigen, daß es bald bergab geht. Und zwar so richtig. Wie sagt Francois-Marie Voltaire: Man muss wie der Teufel lügen, nicht zaghaft, nicht zu Zeiten, sondern mutig und immer, …“.

  2. Avatar

    Steven

    18. Juli 2016 17:27 at 17:27

    Weniger investitionen weniger neueinstellungen

    Is klar

    Investitionen in eine Industrie die es nicht gibt

    Und weniger Jobs die es jetzt schon nicht h gibt (Finanz und immowucherbranche ausgeklammert )

    Wo soll denn etwas schlimmer werden ?

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Autoindustrie: Zulieferer bauen massenweise Stellen ab

Claudio Kummerfeld

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Autos am Abstellplatz - Zulieferer der Autoindustrie mit Stellenabbau

Die deutsche Autoindustrie steht vor dem Doppelproblem der Coronakrise sowie des Strukturwandels, hin zu E-Autos und Brennstoffzelle. Die Krise hatte aber schon vor dem Ausbruch des Coronavirus begonnen. Seit Monaten läuft die Welle der Entlassungen in der Autoindustrie. Von der breiten Öffentlichkeit wenig beachtet, sind es vor allem die Zulieferer, die in großem Stil Stellen abbauen. Hier ein paar Beispiele von den ganz Großen der Branche.

Zulieferer der Autoindustrie mit massivem Stellenabbau

Einer der Giganten der Zulieferer für die deutsche Autoindustrie ist Continental. Erst Anfang September verkündete man den Abbau von 30.000 Stellen, 13.000 davon alleine in Deutschland (bislang 59.000 Mitarbeiter in Deutschland). Dazu hier nur ein ganz kurzer Auszug aus der Meldung von Continental:

Die gesamte Autoindustrie hat derzeit gewaltige Herausforderungen zu bewältigen. Keine ihrer Krisen der vergangenen 70 Jahre war größer und schärfer. Sie trifft die Zulieferer besonders hart. Sie verlangt uns kurzfristig schon sehr viel ab und fordert uns auf Jahre bis zum Äußersten. Nach etwa einem Jahrzehnt des schnellen, profitablen Wachstums und Beschäftigungsaufbaus entlang des bisherigen Wachstumsmodells der Autoindustrie richten wir uns jetzt auf eine neue Art des Wachstums mit Zukunftstechnologien aus.

ZF Friedrichshafen

Das Unternehmen ZF Friedrichshafen ist ebenfalls einer der ganz großen Zulieferer in der Autoindustrie. Auch hier werden laut Meldung des Unternehmens Stellen abgebaut. Aber das Anbieten von Abfindungen, Altersteilzeit etc klingt doch besser als Entlassung? Zitat vom Unternehmen:

In Deutschland hat das Unternehmen dazu den „Tarifvertrag Transformation“ mit der Arbeitnehmervertretung und den Gewerkschaften geschlossen. Er sieht vor, dass ZF bis Ende 2022 keine betriebsbedingten Kündigungen ausspricht und keine Standorte in Deutschland schließt. Im Gegenzug erhält das Unternehmen die Möglichkeit, die Arbeitszeiten von Tarifmitarbeitern um bis zu 20 Prozent zu reduzieren und gezielt Abfindungs- und Altersteilzeitpakete in Deutschland anzubieten. Seit Mitte des vergangenen Jahres hat ZF weltweit 5.300 Stellen abgebaut, davon allein 3.800 seit Jahresbeginn.

Mahle

Erst gestern hat der Autozulieferer Mahle verkündet 7.600 Stellen streichen zu wollen, 2.000 davon in Deutschland. Man habe seine Geschäftseinheiten, Regionen und Standorte eingehend bewertet und globale Überkapazitäten von 7.600 Stellen ermittelt, so drückt man es aus. Aus den folgenden Worten des Unternehmens kann man entnehmen, dass die Lage in der deutschen Autoindustrie wohl doch dramatischer ist, als man es annehmen möchte. Zitat Mahle:

Bereits im letzten Jahr hatte MAHLE vor dem Hintergrund des technologischen Wandels in der Automobilindustrie und eines anspruchsvollen Marktumfeldes umfassende Kostenspar- und Restrukturierungsprogramme eingeleitet. Durch die massiven Einbrüche der internationalen Märkte und die anhaltend niedrigen Kundenabrufe als Folge der Corona-Pandemie hat sich der Handlungsdruck nochmals deutlich verschärft. MAHLE prognostiziert eine Rückkehr der Fahrzeugmärkte zum Vorkrisen-Niveau erst in mehreren Jahren. Zugleich bleibt das Vorantreiben der technologischen Transformation unerlässlich.

Schaeffler

Auch Schaeffler ist ein Großer der Branche. Bis Ende 2020 will man weitere 4.400 Stellen in Deutschland und Europa abbauen. Betroffen sind der Stammsitz in Herzogenaurach, sowie elf weitere Standorte in Deutschland und zwei im Ausland. Für die Standorte Wuppertal und Clausthal-Zellerfeld wird eine Komplettschließung nicht mehr ausgeschlossen, so Schaeffler in seiner Mitteilung vom 9. September. Neben Mahle erkennt man auch in den Aussagen von Schaeffler klar, dass die Krise der Autoindustrie und ihrer Zulieferer schon lange vor der Coronakrise begann. Zitat:

Der weltweit tätige Automobil- und Industriezulieferer Schaeffler hatte bereits im Jahr 2018 angesichts der sich abzeichnenden technologischen und regulatorischen Veränderungen sowie geänderter Kundenanforderungen begonnen, seinen europäischen Werkeverbund anzupassen, die Organisation zu verschlanken und stärker auf die Bedürfnisse der Sparten auszurichten. Vor diesem Hintergrund wurde im November 2018 die Präsenz in Großbritannien um drei Standorte reduziert. Zudem wurde im Frühjahr 2019 in der Sparte Automotive OEM das Effizienzprogramm RACE etabliert, dem im Verlauf desselben Jahres die Spartenprogramme GRIP (Automotive Aftermarket) und FIT (Industrie) folgten. Im Rahmen von RACE wurden seitdem unter anderem die drei Automotive-Standorte Hamm, Unna und Kaltennordheim verkauft. Ferner wurde im September 2019 noch vor Ausbruch der Coronakrise ein zusätzliches Freiwilligenprogramm aufgelegt, das sich aktuell in der Umsetzung befindet. Die Zahl der Beschäftigten der Schaeffler Gruppe hat sich seit Ende 2018 um rund 8.250 Stellen von 92.478 auf 84.223 per Ende Juni 2020 verringert, was einem Rückgang um knapp 9 Prozent entspricht. Die genannten Maßnahmen sind dabei bisher nur teilweise in den Beschäftigtenzahlen reflektiert.

Bosch

Auch bei dem Giganten der Branche Bosch tut sich in Sachen Stellenabbau und Werksschließungen so einiges. Wir verweisen an dieser Stelle auf folgende Berichte der FAZ sowie auf regionale Berichte (hier und hier).

Transformation und neue Jobs in der Autoindustrie?

Es fallen also hunderttausende Stellen in der Autoindustrie weg, was offenbar die Zulieferer richtig hart trifft. Glaubt man den Unternehmen, dann ist es Teil der großen Transformation hin zu E-Mobilität etc, wo einfach weniger Beschäftigte in der Produktion benötigt werden (vereinfacht ausgedrückt). Dazu kommt derzeit noch die Auto-Krise, die offenbar schon 2018 begann, sich 2019 verschlimmerte, und in welcher die Coronakrise als Brandbeschleuniger fungierte. Da stehen nun Mengen an qualifizierten Facharbeitern. Wohin mit ihnen, wenn sie offenkundig auf Sicht von Jahren in der Autoindustrie keinen neuen Job mehr finden werden? Das ist wohl die wichtigste Frage. Da bei solchen Stellenstreichungen erstmal verhandelt wird, Sozialpläne erstellt werden etc, sehen wir die meisten dieser Entlassenen wohl jetzt noch nicht in den Arbeitslosenstatistiken. Werden sie in einer Nach-Corona-Welt neue Betätigungsfelder in neuen Industrien finden können? Wird die Industrie stark und innovativ genug sein, um neue Stellen zu schaffen? Denn trotz aller „Zukunftsprogramme“, sollte man sich nun wirklich nicht auf die Politik als Schaffer neuer Arbeitsplätze oder neuer Industrien verlassen!

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Zombieunternehmen: Steuergeld für ein Fass ohne Boden? Hier ein mögliches Beispiel

Claudio Kummerfeld

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Was sind Zombieunternehmen? Wir beschäftigen uns öfters mit diesem Themenkomplex, siehe beispielsweise hier oder hier. Nun, der eine sagt dies sind Unternehmen, die so wenig Gewinne machen, dass sie nicht mal ihre Zinskosten aus ihren Gewinnen begleichen können, und dass sie die letzten Jahre nur deswegen überlebt haben, weil die EZB die Zinsen abgeschafft hat, und so ziemlich jedes Unternehmen extrem günstig an Geld kommt. Der andere sagt, dass Zombieunternehmen so zu definieren sind, dass sie jahrelang konstant nur Verluste erwirtschaften, und dass auch keine Aussicht auf Besserung besteht – und dass diese Unternehmen sich gerade in Corona-Zeiten mit Kurzarbeitergeld, Aussetzung des Insolvenzantragspflicht und sonstigen Hilfsmaßnahmen noch mal weiter Zeit erkaufen, um nicht dicht machen zu müssen.

Nur Verluste

Ob das folgende Unternehmen tatsächlich ein Zombieunternehmen ist? Schon mal was von dem Unternehmen Outfittery gehört? Bei diesem reinen Internet-Anbieter können sich Männer nach einem kurzen Style-Check persönlich zusammengestellte Kleiderpakete nach Hause schicken lassen. Outfittery wählt aus zahlreichen Modemarken Stücke aus, die nach den Präferenzen der Kunden womöglich am besten zu ihnen passen. Die Preise sollen nicht dramatisch teurer als im Einzelhandel sein. Tja, nun kann man sich fragen, ob die Kundschaft von dem Konzept all zu begeistert ist, und ob die willigen Konsumenten sich nicht zu sehr eingeengt fühlen, wenn ein Anbieter ihnen komplette Outfits per Post schickt. Will man sich nicht lieber selbst einzelne Stücke aussuchen, anstatt quasi bevormundest zu werden von einem Anbieter, der versucht zu erahnen, was einem gefallen könnte? Aber gut, das ist der freie Markt, und niemand wird gezwungen dort Kunde zu werden.

Das „am Leben halten“ von Zombieunternehmen bewirkt letztlich, dass der normale Prozess der freien Marktwirtschaft nicht funktioniert. Das Erstellen und Versenden von Kleiderpaketen ist ein gutes Beispiel. Nehmen genug potenzielle Kunden dauerhaft diesen Service in Anspruch? Falls nicht, verschwindet diese Idee vom Markt, und andere Ideen können sich entfalten. Aber wie jüngste Berichte (zum Beispiel im Manager Magazin) zeigen, hat das vor acht Jahren gegründete Unternehmen Outfittery noch nie Gewinne erwirtschaftet, und seitdem 60 Millionen Euro Verlust angehäuft. Auch der jüngste Umsatzschub sei nur durch eine Fusion mit einem vergleichbaren Anbieter zustande gekommen – der aber ebenfalls defizitär ist. Laut MM kämpft Outfittery ums Überleben.

Outfittery braucht derzeit wohl dringend 10 Millionen Euro. Angeblich sollen wohl Bestandsinvestoren von Outfittery um „HV Holtzbrinck Ventures“ frisches Geld nachschießen. Und dann gebe es ein sogenanntes „Matching“ aus dem Corona-Rettungsfonds der Bundesregierung, welcher von der staatseigenen KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) verwaltet wird. Bis zur Hälfte der von Outfittery erhofften Finanzierung könnte dann vom Staat kommen. Schon die Info-Seite der Bundesregierung sagt es. 2 Milliarden Euro will der Bund „Startups“ und „jungenTechnologieunternehmen“ zukommen lassen.

Zombieunternehmen oder förderungswürdiges „Startup“?

Jetzt ist nur die Frage: Ist Outfittery, ein Unternehmen das acht Jahre am Markt ist und noch nie Gewinne gemacht hat, noch ein junges, dynamisches, hippes und förderungswürdiges „Startup“? Oder handelt es sich um eines von unzähligen Zombieunternehmen? Vielleicht entspricht es nicht der klassischen Definition, weil Gelder bisher von privaten Investoren kamen, die auch bei jahrelangem Verlust die Wachstumsphase pushen wollten? Und wer weiß, vielleicht wird daraus doch noch eine Erfolgsgeschichte? Schließlich produzierte Amazon ja auch eine Ewigkeit nur Verluste – aber dort stimmte die Wachstumsstory.

Aber in diesem speziellen Marktsegment von Outfittery, da darf zumindest die Frage erlaubt sein, ob hier wirklich der Staat mit Steuergeldern einspringen sollte. Für klassische Corona-Hilfen kommt so ein bereits vorher defizitäres Unternehmen nicht in Frage. Aber dann geht es halt um die Frage, ob die KfW dieses „Projekt“ in die Schublade „Startup“ packt, und es als förderungswürdig betrachtet im Sinne des Startup-Fonds.

Beispielfoto einer Outfittery Box - ein Zombieunternehmen?
Foto einer Outfittery Box. Foto: OUTFITTERY

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Fed: Tiefzins und Geldvermehrung ohne Ende – ein Kommentar

Die Fed steht mit ihrer inflationären Geldpolitik nicht allein da. Der „große Gorilla“, der weltweit im Raum steht, hat einen Namen: Geldentwertung!

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Auf seiner zweitägigen Sitzung hat der Rat der US-Zentralbank (Fed) beschlossen, den Leitzins unverändert bei 0,00–0,25 Prozentpunkten zu lassen; diese Entscheidung war im Vorfeld erwartet worden.

Die Fed signalisiert mit ihrer neuen Zinsprognose, dass sie den Leitzins bis Ende 2023auf dem aktuellen Niveau halten wird.

Die Wachstumsraten für das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) sieht die Fed nunmehr etwas optimistischer: Im laufenden Jahr wird es um 3,7% gegenüber dem Vorjahr fallen (Juni-Schätzung: -6,5% J/J); und für 2021 wird ein Wachstum von 4,0% J/J erwartet (Juni-Schätzung: 5,0% J/J).

Die jahresdurchschnittliche Konsumgüterpreisinflation wird auf 1,2% in 2020 und auf 1,7% in 2021 geschätzt (nach 0,8% beziehungsweise 1,6% in der Juni-Schätzung).

Das Aufkaufen von Schulden in großem Stil (also das Ausweiten der US-Dollar-Geldmenge) geht natürlich weiter, ließ die Fed wissen.

Soweit der „Fed-Sprech“.

 

LOCKDOWN-KATASTROPHE

Die US-Wirtschaft ist nach wie vor schwer angeschlagen – auch wenn sie sich aus dem tiefen Absturz herausarbeitet, den der politisch diktierte Lockdown verursacht hat.

So betrugen die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe bis zum 4. September 2020 immer noch 884.000 – und waren damit mehr als doppelt so hoch wie im Durchschnitt seit 1967.

Das US-Haushaltsdefizit wird vermutlich 3,3 Billionen US$ in 2020 betragen – das wären schwindelerregende 16 Prozent des US-Bruttoinlandsproduktes.

Um die Haushaltslöcher zu finanzieren, schafft die Fed neue Dollar „aus dem Nichts“. Das erklärt auch, warum die US-Geldmengen derzeit so stark wachsen:

Ende August 2020 betrug die Jahreswachstumsrate der Geldmenge M1 (Bargeld und Sichtguthaben bei Banken) 40,9%, die der Geldmenge M2 24,2%.

Die „Überschussgeldmenge“, die sich dadurch aufbaut, ist gewaltig – denn die US-Produktion ist massiv eingebrochen.

Die Äußerung von Fed-Chef Jerome H. Powell in der Pressekonferenz signalisierten: Eine Abkehr von der extremen Tiefzinspolitik ist nicht in Sicht – und dass wohl nicht nur wegen der Präsidentschaftswahl im November dieses Jahres.

Die Folge ist absehbar: Die Kaufkraft des US-Dollar wird leiden, weil die Konsumgüter- und/oder Vermögenspreisinflation anziehen wird.

Die Fed steht mit ihrer inflationären Geldpolitik nicht allein da. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank von Japan und Bank von England folgen ihr auf dem Fuße.

Der „große Gorilla“, der weltweit im Raum steht, hat einen Namen: Geldentwertung.

Genau darauf zielen die Zentralbanken ab: das Schuldgeldsystem mit neu geschaffenem Geld vor dem Zusammenbruch zu bewahren, es zu inflationieren.

AUF GOLD UND SILBER SETZEN

Nach der hitzigen Aufwärtsbewegung, die ab etwa Mitte Juli 2020 einsetzte, haben der Gold- und Silberpreis leicht korrigiert; der langfristige Aufwärtstrend ist aber weiter intakt.

Die Aussicht auf weiterhin extrem niedrige Zinsen, stark steigende Geldmengen und ein Anziehen der Teuerungsraten – und zwar für Konsumgüter- und/oder Vermögenspreise – geben den Preisen für Gold und Silber weiter Rückenwind.

Die Fed sorgt für eine Entwertung des Dollars

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