Folgen Sie uns

Devisen

Britisches Pfund im Aufwind – die May-Strategie wird immer deutlicher

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Nur noch vier Wochen, und Großbritannien verlässt die EU. Merkwürdigerweise aber steigt das Pfund seit Tagen an. Aber dazu gleich noch mehr. EU-Ratspräsident Donald Tusk hat gestern eine Verschiebung des Brexit-Termins angeboten, oder besser gesagt ins Gespräch gebracht. Das halte er für eine vernünftige Lösung, da es offensichtlich sei, dass Theresa May im Parlament in London für den aktuellen Deal keine Mehrheit erhalte.

May mit ihrem „Trichter“

Und Theresa May? Sie wies diesen Vorschlag sofort zurück. Es bleibe beim 29. März als Austrittstermin! Warum macht sie das? Nach unserer Meinung erhöht sie damit den Druck auf das Parlament, dass die Deadline immer näher rückt. Die oppositionelle Labour Party verkündet nun, dass man für eine zweite Brexit-Befragung der Bevölkerung sei, wenn Labour seine eigene Vorstellung eines Brexit-Deals nicht durchbekomme.

Ach da ist die Meinung der May-Regierung glasklar. Es wird kein zweites Referendum geben. Fertig, aus. Theresa May versperrt auf allen Seiten den Weg, damit ein Trichter entsteht. Am Ende des Trichters steht der 29. März 2019 als Austrittstermin, und die große Drohkulisse ist der harte Brexit, ohne Vertrag mit der EU, mit vollen Zöllen. Je weiter die Parlamentarier diesen Trichter runter rutschen, also je näher der Termin rückt, desto größer wird der Druck auf sie, dem Deal von Theresa May bis zum 29. März doch noch zuzustimmen.

So möchten wir die aktuelle Gemengelage jedenfalls einschätzen. Mit May´s Deal gibt es zwar keine richtige Lösung, aber erst einmal bleibt das ausgetretene Großbritannien in der Zollunion. Man ist dann sozusagen für ein, zwei Jahre weiterhin de facto EU-Mitglied, und muss sich an alle Regeln halten – aber hat in Brüssel kein Stimmrecht mehr, und ist dort auch nicht mehr anwesend. Laut Theresa May soll ein Votum im Parlament über ihren Deal-Vorschlag bis zum 12. März stattfinden.

Das Problem im großen Bild ist, dass ein echter Brexit durch May´s Deal nicht stattgefunden hat. Man hat dann nur erneut Zeit gewonnen um einen echten Handelsvertrag auszuarbeiten. Aber erst einmal auf kurze Sicht, würde eine Beruhigung eintreten. Der Devisenmarkt scheint aktuell wohl einzupreisen, dass dieser Trichter immer mehr darauf hinausläuft, dass genug Parlamentarier aus Angst vor einem harten Brexit in letzter Sekunde doch noch May´s Deal zustimmen.

Das Pfund steigt

Pfund vs USD steigt seit 15. Februar von 1,28 auf jetzt 1,3149 gestiegen. Wir halten die Lage weiterhin sehr wacklig. Aber die Börse hat ja bekanntlich immer recht. Im Augenblick herrscht Aufwärts-Momentum im Pfund. Charttechnisch schaut man wohl zusätzlich zum politischen Geschehen, ob das Pfund die drei letzten Hochs zwischen 1,32 und 1,33 nach oben durchbrechen kann, damit mehr Platz für weitere Anstiege vorhanden ist. Aber wahrscheinlicher ist im Pfund wohl, dass das politische Tagesgeschehen rund um den Brexit in den nächsten Wochen deutlich stärker gewichtet wird als die Charttechnik!

Pfund vs USD
Pfund vs USD seit Juni 2018.

Ein Kommentar

Ein Kommentar

  1. Avatar

    Michael

    26. Februar 2019 11:52 at 11:52

    Auch wenn die Briten in den letzten zwei Jahren nichts, aber auch gar nichts außer einem unvorstellbaren Chaos zustande gebracht haben, bin ich felsenfest davon überzeugt, dass sie es dieses Mal schaffen. Und wenn nicht, verlängert man eben nochmal um zwei Jahre, und dann nochmal und nochmal…

    Und beide Seiten können zufrieden sein: Die Brexit-Gegner, weil sie einen Brexit bis dato erfolgreich verhindern konnten. Die Brexit-Hardliner, weil sie etwas Bemerkenswertes erreicht haben, was sie mit ihren teilweise perfiden Lügen vor dem Referendum nicht hatten vorhersehen können: Chaos, Zerwürfnis und destruktive Machtspielchen statt konstruktiver Verhandlungen und Beschäftigung mit dem Thema.

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Devisen

Aktuell: EZB-Entscheidung veröffentlicht

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

EZB-Tower in Frankfurt

Die EZB hat soeben ihre Entscheidung veröffentlicht.

Der EZB-Leitzins (Refinanzierungssatz) bleibt unverändert bei 0,00 Prozent. Der extrem wichtige Banken-Einlagenzins, auf den sich Banken bzgl. der Negativzinsen berufen, bleibt ebenfalls unverändert bei -0,50 Prozent. Die Marginal Lending Facility bleibt ebenfalls unverändert bei 0,25 Prozent.

Die Aufkauf- und Liquiditätsprogramme (PEPP, APP und TLTRO III) laufen wie bisher weiter.

Um 14:30 Uhr folgt die PK von Christine Lagarde. Wir berichten dann umgehend über alle interessanten Aussagen. Hier das offizielle Statement der EZB zur jetzigen Entscheidung:

(2) The Governing Council will continue its purchases under the pandemic emergency purchase programme (PEPP) with a total envelope of €1,350 billion. These purchases contribute to easing the overall monetary policy stance, thereby helping to offset the downward impact of the pandemic on the projected path of inflation. The purchases will continue to be conducted in a flexible manner over time, across asset classes and among jurisdictions. This allows the Governing Council to effectively stave off risks to the smooth transmission of monetary policy. The Governing Council will conduct net asset purchases under the PEPP until at least the end of June 2021 and, in any case, until it judges that the coronavirus crisis phase is over. The Governing Council will reinvest the principal payments from maturing securities purchased under the PEPP until at least the end of 2022. In any case, the future roll-off of the PEPP portfolio will be managed to avoid interference with the appropriate monetary policy stance.

(3) Net purchases under the asset purchase programme (APP) will continue at a monthly pace of €20 billion, together with the purchases under the additional €120 billion temporary envelope until the end of the year. The Governing Council continues to expect monthly net asset purchases under the APP to run for as long as necessary to reinforce the accommodative impact of its policy rates, and to end shortly before it starts raising the key ECB interest rates. The Governing Council intends to continue reinvesting, in full, the principal payments from maturing securities purchased under the APP for an extended period of time past the date when it starts raising the key ECB interest rates, and in any case for as long as necessary to maintain favourable liquidity conditions and an ample degree of monetary accommodation.

(4) The Governing Council will also continue to provide ample liquidity through its refinancing operations. In particular, the third series of targeted longer-term refinancing operations (TLTRO III) remains an attractive source of funding for banks, supporting bank lending to firms and households.

weiterlesen

Devisen

Aktuell: Goldpreis fällt spürbar auf 1.878 Dollar

Claudio Kummerfeld

Veröffentlicht

am

Jetzt wo immer konkreter wird, dass Deutschland in Kürze die Corona-Restriktionen stark anzieht, verschärfen sich international die Ängste. Die Aktienkurse fallen weiter, und der US-Dollar als zentraler Fluchthafen zieht weiter an (wir berichteten vorhin bereits). Der Dollar steigt, und der Goldpreis rauscht aktuell runter auf 1.878 Dollar. Gold fällt aktuell gemeinsam mit den Aktienmärkten. Dies ist ein Phänomen, das man bereits im März beobachtete – auch damals funktionierte der US-Dollar kurzzeitig als Fluchthafen.

Goldpreis gegen US-Dollar-Verlauf im Chart

weiterlesen

Devisen

Türkische Lira fällt erneut auf Rekordtief – die aktuelle Lage

Redaktion

Veröffentlicht

am

Von

Türkei Flagge

Die türkische Lira fällt immer weiter, heute früh auf ein neues Rekordtief. Die Lage ist dramatisch. Bereits letzte Woche Donnerstag rauschte die türkische Währung auf ein erneutes Rekordtief. US-Dollar vs Türkische Lira stieg von 7,80 auf 7,96. Heute früh springt der Wechselkurs erneut. Für einen US-Dollar muss man aktuell 8,03 Lira aufbringen. Der Chart zeigt den Kursverlauf des US-Dollar gegen die Lira in den letzten zwölf Monaten. Die Abwertung läuft immer weiter.

Türkische Lira immer noch enttäuscht nach Zinsentscheid

Erst letzten Donnerstag hatte die türkische Zentralbank bei ihrer Zinsentscheidung den Leitzins unverändert belassen, obwohl der Devisenmarkt eine deutliche Zinsanhebung erwartet hatte, um die Lira-Abwertung zu bekämpfen. Aber nein, der Leitzins bleibt bei 10,25 Prozent. Und so fiel die türkische Währung wie gesagt schlagartig auf ein Rekordtief. Und die Abwertung läuft in diesem dramatischen Tempo nicht nur gegenüber dem US-Dollar, sondern auch dem Euro. Für 1 Euro musste man Anfang letzter Woche noch 9,27 türkische Lira aufbringen – jetzt sind es 9,51 Lira.

Weitere Faktoren für Lira-Schwäche

Die Enttäuschung zum Leitzins wirkt heute noch nach. Zudem teilt Präsident Erdogan derzeit verbal aus gegen den französischen Präsidenten, der den Botschafter aus Ankara zurückrief (hier mehr Details dazu). Außerdem könnte der Raketenstreit der Türkei mit den USA erneut wieder aufflammen. Und da wäre noch der aktuelle Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan, und nicht zu vergessen der Gas-Streit der Türkei mit Zypern. Alles zusammengenommen ein geopolitischer Mix, der dem Devisenmarkt Angst macht, mal ganz abgesehen von der Coronakrise.

Und was letzte Woche noch dazu kam, waren Berichte über die Analysen einer unabhängigen Expertengruppe in der Türkei. Sie will ermittelt haben, dass die tatsächliche Inflation in der Türkei vier Mal so hoch sein soll wie offiziell angegeben. Aber das muss aktuell nicht zu viel Auswirkung auf die türkische Lira haben, sondern wohl eher der Mix der vorher genannten Faktoren. Aktuell scheint keine Besserung in Sicht zu sein.

Chart zeigt Kursverlauf von US-Dollar gegen türkische Lira

weiterlesen

Anmeldestatus

Meist gelesen 7 Tage

Wenn Sie diese Webseite weiter verwenden, stimmen Sie automatisch der Verwendung von Cookies zu. Zur Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um Ihnen das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website ohne Änderung Ihrer Cookie-Einstellungen verwenden oder auf "Akzeptieren" klicken, erklären Sie sich damit einverstanden.

Schließen