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Broadcom-Earnings: Fragile Ausgangslage vor den Zahlen

Die Broadcom-Earnings stehen heute Abend an. In dieser Analyse schauen wir auf die Ausgangslage am Optionsmarkt.

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Grafik: acidj-Freepik.com

Broadcom (AVGO) steht vor den Earnings – und der Markt schaut genauer hin als sonst. Der Halbleiterriese gehört neben NVIDIA zu den zentralen Profiteuren des KI-Booms: Custom-ASICs und XPUs für Google, Anthropic, OpenAI und Meta sowie die Networking-Chips, die gigantische AI-Cluster erst verbinden, treiben das Wachstum. Für das laufende Quartal erwarten Analysten Umsätze von rund 29–30 Milliarden Dollar – ein Plus von über 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Doch parallel dazu steigen die Kreditrisiken spürbar. Die fünfjährigen Credit Default Swaps (CDS) von Broadcom haben sich im August um rund 28 Basispunkte ausgeweitet und zeitweise Rekordniveaus um 122 Basispunkte erreicht. Auslöser sind die milliardenschweren, teils außerbilanziellen Finanzierungsstrukturen, mit denen Broadcom den KI-Infrastruktur-Ausbau seiner Kunden absichert. Während die Aktie diese Belastungen bisher relativ gelassen verdaut, preist der Kreditmarkt ein höheres Risiko ein.

Genau hier wird der Blick in den Optionsmarkt interessant. Denn dort zeigt sich, wie das Smart Money die Kombination aus explosivem KI-Wachstum und gestiegenem Bilanzrisiko tatsächlich einordnet – und ob vor den Earnings heute Abend eher Absicherung oder spekulative Positionierung dominiert.

Broadcom: Das Narrativ der Überschuldung

Die aggressive Übernahmestrategie von CEO Hock Tan, gipfelnd in der 61-Milliarden-Dollar-Akquisition von VMware, hat die Bilanz massiv aufgebläht. Die fünfjährigen Credit Default Swaps (CDS) haben sich im August auf zeitweise 122 Basispunkte ausgeweitet und preisen damit eine spürbare Eintrübung der Kreditwürdigkeit ein. Diese Derivate spiegeln primär kurz- und mittelfristiges Event-Risiko wider – etwa die kapitalintensive Integration von VMware oder die Vorfinanzierung großer KI-Infrastrukturprojekte.

Die Realität der institutionellen Gläubiger zeigt sich in der bis 2056 laufenden Broadcom-Anleihe: Bei einem Kupon von 5,7 Prozent und einem Kurs von knapp 90 Prozent rentiert das Papier mit 6,47 Prozent. Gegenüber der 30-jährigen US-Staatsanleihe (5,27 Prozent) fordert der Markt aktuell eine Risikoprämie von rund 120 Basispunkten. Der Chart-Vergleich mit Microsoft und Johnson & Johnson macht deutlich: Broadcom und der AAA-geratete Branchenprimus Microsoft bewegen sich in einem fast synchronen Abwärtssog (Kursverlust von 9–10,5 Prozent).

Ein isoliertes, unternehmensspezifisches Missmanagement bei Broadcom ist damit unwahrscheinlich. Der Rentenmarkt straft hier nicht primär Broadcom ab, sondern bepreist den branchenweiten Kapitalhunger des KI-Booms. Die vermeintliche Schuldenkrise erweist sich eher als Risikoaufschlag für den gesamten technologischen Investitionszyklus.

Broadcom-Aktie

Ausgangslage am Optionsmarkt

Die Struktur des anstehenden Weekly-Verfalls (4. September) kurz nach den Earnings zeigt eine präzise Positionierung. Der aktuelle Kurs von rund 370 US-Dollar entspricht exakt dem Max-Pain-Level. Die erwartete Schwankungsbreite liegt bei 7,17 Prozent und entspricht einem Korridor von ca. 343 bis 396 USD.

Unterhalb der Oberfläche zeigt sich eine deutliche Divergenz im Orderbuch. Betrachtet man isoliert das Open Interest (OI), dominiert mit einem Put/Call-Ratio von 0,74 eine bullische Ausrichtung. Viele Marktteilnehmer positionieren sich über massive Call-Walls bei 375 und 400 US-Dollar für einen Ausbruch nach oben. Dieses stark positive Gamma (+6,7 Mio. bzw. +7,3 Mio. GEX) wirkt gegenwärtig als Widerstand, da die Market Maker bei Annäherung an diese Niveaus als große Verkäufer agieren, um Delta-neutral zu bleiben.

Das Premium-PCR zeigt ein anderes Bild: Es liegt bei 1,06. Für jeden Dollar in Calls fließt somit etwas mehr Kapital in Put-Absicherungen. Institutionelle Marktteilnehmer scheinen die ausgeweiteten CDS ernst zu nehmen. Im regulären Monatsverfall (18. September) herrscht mit einem Premium-PCR von 0,99 eine nahezu risikoneutrale Balance.

Aktuell notiert der Kurs unterhalb des Gamma-Flips bei 375 USD in negativem Terrain. Enttäuschen die Earnings, könnte ein Abrutschen unmittelbaren Hedging-Druck der Market Maker auslösen.

Broadcom-Earnings: Unterstützungs-Zonen am Optionsmarkt

Für dieses Szenario existieren zwei klar definierte Kursbereiche, in denen institutionelle Investoren über geschriebene Puts am Optionsmarkt bereits faktische Kauflimits im Markt platziert haben:

Die 340-Dollar-Marke (4. September): Im kurzfristigen Verfall fungiert dieser Strike mit über 7.000 Kontrakten und einem erheblichen negativen Gamma (-6,4 Mio. GEX) als erste massive Unterstützungslinie.

Die 320-Dollar-Marke (18. September): Im September-Verfall liegt hier das primäre Zentrum der Absicherung. Über 15.000 Put-Kontrakte und knapp -7,8 Mio. an negativem GEX bilden eine strategische Bodenbildung. Ein Rückgang in diese Region entspräche einem Kursabschlag von rund 13 Prozent – ein Bewertungsniveau, das für langfristig agierende Akteure eine hochattraktive Einstiegsbasis darstellt.

Das Orderbuch belegt eine funktionale Arbeitsteilung der Strikes vor den Quartalszahlen: Während bei 340 US-Dollar institutionelle Stillhalter den Markt durch kontinuierliches Put-Schreiben (Premium-Vereinnahmung) nach unten abdichten, weichen direktionale Käufer, die auf einen starken Kursrückgang spekulieren oder sich günstig absichern müssen, in die tieferen Regionen bei 330 und 320 US-Dollar aus, wo sie bereitwillig den Briefkurs (Ask) zahlen. Die 340-Dollar-Marke erweist sich vor diesem Hintergrund unverändert als das Smart Money Fundament für den bevorstehenden Verfall.

Squeeze-Potenzial und der 400-Dollar-Widerstand

Während die Unterseite durch massive Put-Positionen abgesichert ist, präsentiert sich das Aufwärtspotenzial strukturell stark limitiert. Im Falle positiv aufgenommener Earnings liegt die erste kritische Hürde am EMA 50 (385 bis 387 US-Dollar). Ein hohes Call-Kaufvolumen kurz vor dem Wochenende hat Market Maker hier in eine Short-Gamma-Position gezwungen. Ein anfänglicher Kursanstieg könnte durch deren prozyklische Deckungskäufe zwar einen kurzfristigen Squeeze in Richtung dieser Marke auslösen, doch die vom Optionsmarkt eingepreiste Schwankungsbreite von 7,17 Prozent begrenzt den realistischen Aufwärtskorridor ohnehin auf rund 396 US-Dollar.

Direkt darüber fungiert der 400-Dollar-Strike im laufenden September-Verfall als absoluter Widerstand. Mit über 7.700 offenen Kontrakten und einem extremen positiven Gamma von +7,3 Millionen GEX markiert dieses Niveau einen harten Deckel. Jeder Versuch, diese Marke zu durchbrechen, wird voraussichtlich durch Delta-neutrale Aktienverkäufe der Stillhalter blockiert, was einen nachhaltigen Ausbruch über 400 US-Dollar unter der aktuellen Orderbuch-Architektur erheblich erschwert.

Charttechnik für Aktie

Optionsmarkt-Ausblick: Oktober bis Dezember

Der strategische Ausblick auf das vierte Quartal offenbart eine strikte Deckelung des Aufwärtspotenzials bei gleichzeitig tief gestaffelten Put-Positionen. Im Oktober blockiert eine massive Call-Wall bei 440 US-Dollar (über 31.200 Kontrakte) weitreichende Ausbruchsphantasien, während das echte Kapital spürbar in die Absicherung fließt: Die hohen Premium-Put/Call-Ratios für Oktober (1,29) und November (1,39) belegen eine unmissverständlich defensive Grundhaltung.

Über alle drei Verfallsmonate bis zum Jahresende hinweg liegen große Put-Konzentrationen zwischen 300 und 350 US-Dollar im Orderbuch. Auch die statistische Anomalie im Dezember – ein abrupter Einbruch des Premium-PCR auf 0,29, getrieben durch Kapitalbindungen in tiefen In-the-Money-Calls – ändert nichts an dieser Statik. Der Optionsmarkt preist für die verbleibenden Monate des Jahres einen zähen Korridor ein, in dem Rücksetzer ab 350 US-Dollar abwärts auf ein strukturelles Kaufinteresse der Stillhalter stoßen.

Rechtlicher Hinweis & Haftungsausschluss: Die Optionsdaten wurden u. a. mit Unterstützung von KI-Tools (Gemini) ausgewertet. Diese Analyse dient nur der Information und ist keine Anlageberatung. Investitionen am Optionsmarkt sind mit Risiken bis zum Totalverlust verbunden. Eine Haftung für die Richtigkeit der Daten ist ausgeschlossen. Alle analysierten Daten stammen von www.barchart.com (Schlusskurs 01. September).



Thomas Hartz
Über den RedakteurThomas Hartz
Politik, Finanzmärkte, Geopolitik und greifbare Anlagestrategien
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