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Broadcom-Quartalszahlen: Zweijahres-Ausblick bei KI überzeugt

Mit den Finanzdaten und dem kurzfristigen Ausblick kann Broadcom nicht glänzen, dafür aber beim langfristigen Ausblick.

Broadcom-Firmenschild. Foto: David Paul Morris/Bloomberg

Die Aktie von Broadcom fiel gestern Abend kurz nach 22 Uhr nachbörslich um bis zu 6,2 %. Die Quartalszahlen waren zunächst keine Sensation. Der Umsatzausblick für das laufende Quartal mit 34,8 Milliarden Dollar enttäuschte die Anleger, da die Erwartungen bei 35 bis 36 Milliarden Dollar lagen. Dann aber kam die Wende nach 23 Uhr. Die Aktie endete letztlich nachbörslich mit nur noch -1,89 %. Was ist passiert?


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Broadcom: Umsätze und Gewinn knapp über Erwartung

Der Quartalsumsatz bei Broadcom stieg im Jahresvergleich von 15,95 auf 29,59 Milliarden Dollar (erwartet 29,5). Der Gewinn pro Aktie stieg im Jahresvergleich von 1,69 auf 3,32 Dollar (erwartet 3,23). Also konnte man die Erwartungen an die beiden wichtigsten Kennzahlen nur leicht übertreffen. Man bedenke: Bei KI-Unternehmen wie Chipherstellern erwartet man inzwischen, dass die Markterwartungen spürbar übertroffen werden, damit die KI-Euphorie aufrechterhalten werden kann. Dell und Nvidia schafften dies jüngst. Immerhin: Der Umsatz mit KI-Chips belief sich bei Broadcom laut Bloomberg auf 16,7 Milliarden US-Dollar, bei Erwartungen von 15,9 Milliarden US-Dollar.

Langfristige Ausblicke überzeugen

Wie gesagt, der Quartalsausblick enttäuschte. Aber in der Telefonkonferenz gab es Aussagen, die den Aktienkurs nachbörslich wieder nach oben brachten. So prognostizierte Broadcom einen Umsatz mit KI-Chips im Geschäftsjahr 2027 von etwa 115 Milliarden US-Dollar (Verdoppelung). Und im darauffolgenden Jahr soll er auf 230 Milliarden US-Dollar steigen, so sagte es der Vorstandsvorsitzende Hock Tan während einer Telefonkonferenz. Das Unternehmen sei zudem auf dem besten Weg, im Geschäftsjahr 2028 einen Gewinn von 30 US-Dollar pro Aktie zu erzielen und damit die Schätzungen der Wall Street zu übertreffen.

Geschäft mit einer Hand voll Großkunden boomt


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Das Geschäft mit maßgeschneiderten KI-Halbleitern von Broadcom floriert, da Unternehmen wie Google, OpenAI und Meta Platforms nach Möglichkeiten suchen, ihre von Nvidia hergestellten KI-Chips durch zusätzliche Lieferungen und Varianten zu ergänzen. Die Chatbot-Hersteller Anthropic und OpenAI, die im Wettlauf um den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur stehen, haben sich als besonders wichtige Kunden für Broadcom herausgestellt. Es wird erwartet, dass Anthropic im Jahr 2027 Google als größten Abnehmer für Broadcoms maßgeschneiderte Chips ablösen wird. Tan geht davon aus, dass OpenAI zum zweitgrößten Kunden in diesem Geschäftsbereich werden wird.

Nachfrage nach KI-Chips höher als das Angebot

„Wir haben sechs Kunden – vier davon werden einfach riesig sein“, sagte Tan. Die Nachfrage nach Chips sei höher als das, was Broadcom liefern könne, insbesondere aufgrund von Lieferengpässen, erklärte er. Auch der rasante Ausbau von Rechenzentren hat dazu beigetragen, den Umsatz mit Broadcoms Netzwerkprodukten anzukurbeln. Die Investitionsbudgets der fünf größten Hyperscaler – eine Gruppe, zu der die größten Betreiber von Rechenzentren gehören – sind um etwa 40 % auf über 700 Milliarden US-Dollar gestiegen, „was die Nachfragetransparenz für kundenspezifische Chips und Netzwerkprodukte stärkt“, so die Analysten Kunjan Sobhani und Oscar Hernandez Tejada von Bloomberg Intelligence in einer Mitteilung.

Zusammenarbeit mit KI-Giganten

Allein der Umsatz mit KI-Chips wird im vierten Quartal 21,7 Milliarden US-Dollar betragen, so Broadcom. Damit wurde die durchschnittliche Schätzung knapp übertroffen, wobei einige Prognosen deutlich über 22 Milliarden US-Dollar lagen. Während der Telefonkonferenz erklärte Tan, das Unternehmen treibe die Zusammenarbeit mit Google, Anthropic und OpenAI voran. Broadcom werde in den nächsten Jahren jährlich maßgeschneiderte Prozessoren im Wert von „mehreren zehn Milliarden Dollar“ an Google ausliefern, so Tan. Gemessen am Energieverbrauch – einem Maßstab für die Kapazität von Rechenzentren – wird Broadcom im nächsten Jahr Chips im Umfang von 5 Gigawatt an Anthropic liefern und im darauffolgenden Jahr weitere 10 Gigawatt.

Broadcom habe zudem die „Aussicht“, OpenAI im Jahr 2028 mit mehr als 5 Gigawatt an maßgeschneiderten Chips zu beliefern, so Tan. Bis Ende 2027 wird Broadcom drei Chip-Generationen an Meta, seinen vierten Großkunden, liefern.

Das in Palo Alto, Kalifornien, ansässige Unternehmen hat zudem gemeinsam mit einem Partner in einem Werk in Singapur die Substratfertigung – einen wichtigen Schritt in der Chip-Produktion – aufgebaut, so Tan. Broadcom investiere umfassend in seine Fabriken, erklärte Charlie Kawwas, Präsident der Halbleitersparte des Unternehmens, um einige Lieferengpässe zu mildern.

Tan hat sein Unternehmen als wichtige Alternative zu den bewährten Nvidia-Chips positioniert, die den KI-Markt dominieren. Bei der Telefonkonferenz stichelte er gegen seinen Rivalen und erklärte, dass eine neue Version des gemeinsam mit Google entwickelten Chips bei der Ausführung von KI-Modellen genauso gut, wenn nicht sogar besser sei als Nvidias neue „Vera Rubin“-Reihe.

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
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