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Broker in Deutschland: Wo CFD draufsteht, ist oft Commerzbank drin

Von Claudio Kummerfeld

Wenn Sie beim Broker XYZ ihre Aktien-CFDs handeln, dann stellt ihnen dieser Broker als „Market Maker“ auch die Kurse, stimmts? Falsch. Die kleinen CFD-Anbieter sind sogenannte Sekundär-Broker, hinter denen ein tatsächlicher Kursanbieter steht. Bei deutschen Anbietern stellt oft die Commerzbank den Kurs. Und das kommt so…

Commerzbank Tower Frankfurt Zentrale für CFD Broker
Die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt am Main.
Foto: Gizmo23 / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Primär-Broker

Die Commerzbank ist einer der sogenannten „Primär-Broker“. Das sind große Banken wie die Commerzbank, Deutsche Bank, UBS, Barclays, Royal Bank of Scotland usw, die im realen Aktienmarkt große Nummern sind und ein großes tägliches Handelsvolumen „schieben“ – dazu kommen noch große Volumen an verwahrten Aktien, die diese Banken auch gerne mal gegen Zinsen verleihen. Diese Primär-Broker stellen als Liquiditätsanbieter ständig handelbare An- und Verkaufskurse für Aktien, Anleihen, Indizes, Rohstoffe und Währungen.

Sekundär-Broker

Eine in Relation zu einer großen Bank finanzschwache kleine Firma besorgt sich eine Lizenz als Bank oder Wertpapierhandelsbank und offeriert als Sekundär-Broker (oder nennen wir es einfach Subunternehmer) ihren Kunden den Handel mit CFDs (Contracts for Difference), also abgekürzt gesagt die Wette auf steigende und fallende Kurse, als Ersatz zum realen Handel mit Aktien. Diese kleine Bank bzw. dieser kleine Broker hat aber nicht die Mittel oder den Hintergrund, um für tausende Werte fortlaufend handelbare Kurse zu stellen. I.d.R. übernimmt der Sekundär-Broker einfach nur die vom Primär-Broker zur Verfügung gestellte Liquidität sowie die Software-Anbindung – die Kunden sehen nur „XYZ CFD Broker“.

Deutsche CFD-Anbieter

Es gibt sehr wenige deutsche CFD-Anbieter. Einer der größten ist die comdirect Bank, die mehrheitlich der Commerzbank gehört. Daher fungiert sie hier verständlicherweise als Mutterkonzern auch gleichzeitig als Liquiditätsanbieter für die comdirect. Dann gibt es da noch die FinTech-Gruppe aus Kulmbach, zu der auch der Broker „flatex“ gehört. FinTech hat vor Kurzem ihren „Orderflow“, also die Bereitstellung der Liquidität für den CFD-Handel, an die Commerzbank abgegeben. Konkret merken wird der Kunde davon nichts. Er hat weiterhin sein Konto bei seinem Broker wie z.B. flatex. Drückt er auf den Orderbutton für einen CFD-Kontrakt, erfolgt die Ausführung durch die Commerzbank – Sekundäranbieter wie flatex bieten dem Kunden das sogenannte Frontend, also eine Webseite und eine Benutzeroberfläche. Im März 2015 kaufte die FinTech-Gruppe auch die Firma XCOM. Eine Tochter von XCOM ist die „Bank für Investments und Wertpapiere“ (biw). Da ist die Vermutung natürlich nahe, dass auch biw den CFD-Handel über die Commerzbank abwickeln wird.

Viele kleinere deutsche CFD-Anbieter vermitteln Kunden an große ausländische CFD-Broker, oder ausländische Anbieter betreiben in Deutschland Niederlassungen. Echte deutsche CFD-Broker, die auch eigene Kurse stellen, gibt es in dem Sinne nicht. Letztlich landet hierzulande ein Großteil der Privatkundenorders im Großrechner der Commerzbank – nur merken tut man es nicht.



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