Europa

0,00 % und -0,10 % im ersten Quartal Bruttoinlandsprodukt: Stagnation bzw leichtes Minus – Expertenaussagen

Das Bruttoinlandsprodukt stagniert im ersten Quartal. Hier dazu die Detaildaten und Expertenaussagen von ifo und Commerzbank.

Industrieproduktion

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) für das erste Quartal 2023 ist mit -0,1 % überraschend (preis- und kalenderbereinigt) ins Minus gerutscht im Vergleich zum vierten Quartal 2022, so hat es das Statistische Bundesamt gemeldet. Die Erwartungen für heute lagen bei +0,3 %. Im Jahresvergleich steigt das BIP nur um 0,2 %, bei +0,8 % Erwartung. Aber zurück zur wichtigsten Zahl, der quartalsweisen Veränderung: Preis-, saison- und kalenderbereinigt war es eine Veränderung von 0,00 %. Je nach Sichtweise erlebt das Bruttoinlandsprodukt also eine Stagnation oder einen leichten Rückgang. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, nahmen zum Jahresbeginn 2023 sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben ab. Positive Impulse kamen dagegen von den Investitionen und den Exporten.


source: tradingeconomics.com

Entwicklung im Bruttoinlandsprodukt seit 2005

Commerzbank-Krämer zum Bruttoinlandsprodukt: Vorsicht vor zu viel Optimismus

Dr. Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, äußert sich aktuell zum Bruttoinlandsprodukt wie folgt (hier nur die Headline-Aussage seiner aktuellen Analyse): Nach dem deutlichen Minus im vierten Quartal hat die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal zumindest eine schwarze Null geschafft. Auch wenn die Erwartungen der Volkswirte (Konsens: 0,2%) nicht ganz erfüllt wurden, ist damit eine technische Rezession im Winterhalbjahr zunächst vom Tisch. Allerdings raten wir mit Blick auf das zweite Halbjahr zur Vorsicht. So haben viele Unternehmen bereits einen guten Teil der während Corona liegen gebliebenen Aufträge abgearbeitet. Außerdem hat die EZB ihre Zinsen kräftig angehoben. Solchen Zinserhöhungen folgten in der Vergangenheit in Deutschland stets Rezessionen. Die meisten Volkswirte sind wohl zu optimistisch, wenn sie für die zweite Jahreshälfte einen klassischen Aufschwung erwarten.

Hier weitere Detailaussagen der staatlichen Statistiker zum gemeldeten Bruttoinlandsprodukt, im Wortlaut

Bruttoinlandsprodukt im Vorjahresvergleich gestiegen

Im Vorjahresvergleich war das BIP im 1. Quartal 2023 preisbereinigt um 0,2 % höher als im 1. Quartal 2022. Preis- und kalenderbereinigt war es um 0,1 % niedriger, da ein Arbeitstag mehr zur Verfügung stand als im Vorjahreszeitraum.

Revision der bisherigen Ergebnisse

Neben der Erstberechnung des 1. Quartals 2023 hat das Statistische Bundesamt wie üblich auch die bisher veröffentlichten Ergebnisse überarbeitet und neu verfügbare statistische Informationen in die Berechnungen der Ergebnisse einbezogen. Dabei ergaben sich für das vierteljährliche preisbereinigte BIP Änderungen der bisherigen Ergebnisse von bis zu 0,2 Prozentpunkten. Detaillierte Angaben zu den Neuberechnungen enthält die Tabelle „Alt-Neu-Vergleich“ am Ende dieser Pressemitteilung.

ifo: Konsum und Industrie senden gegensätzliche Impulse für deutsche Konjunktur

Das ifo-Institut schreibt aktuell folgendes zum gemeldeten Bruttoinlandsprodukt: „Die deutsche Konjunktur ist zu Jahresbeginn gespalten.“ Mit dieser Einschätzung hat ifo Konjunkturchef Timo Wollmershäuser auf die Meldung des Statistischen Bundesamtes reagiert, dass die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2023 stagniert hat. „Auf der einen Seite profitiert die Industrie von nachlassenden Lieferengpässen sowie von gesunkenen Energiepreisen und ist auf einen Wachstumskurs eingeschwenkt. Auf der anderen Seite zehrt die hohe Inflation an der Kaufkraft der privaten Haushalte und lässt den Konsum schrumpfen“, fügt Wollmershäuser an.

In der Industrie dürfte der Aufwärtstrend auch im weiteren Verlauf des Jahres anhalten. Das Geschäftsklima hat sich bereits sechs Mal in Folge verbessert und ist mittlerweile positiv. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt, und die allmähliche Belebung der Weltkonjunktur wird die Neuaufträge weiter zunehmen lassen. Damit stehen die Zeichen für eine Ausweitung der Exporte und der Ausrüstungsinvestitionen gut.

Die Konsumkonjunktur wird sich nur langsam berappeln. Zwar beschleunigt sich der Anstieg der Einkommen der privaten Haushalte, weil Tariflöhne angehoben und Inflationsprämien ausgezahlt werden. Aber die Inflation dürfte in den kommenden Monaten hartnäckig hoch bleiben. Ein Reallohnplus dürfte es daher erst in der zweiten Jahreshälfte geben. Die Stimmung der konsumnahen Dienstleister und Einzelhändler hat sich zwar bis zuletzt verbessert, ist aber mehrheitlich noch negativ.

Die Bauwirtschaft erlebte zu Jahresbeginn durch die milde Witterung eine vorübergehende Sonderkonjunktur, nachdem der Dezember noch ausgesprochen kalt war. An dem Abwärtstrend, der vor allem durch den Wohnungsbau getrieben wird, dürfte sich im weiteren Verlauf des Jahres nichts ändern. Hohe Finanzierungs- und Baukosten haben die Neuaufträge einbrechen und die Stornierungen bestehender Aufträge zunehmen lassen. Das Geschäftsklima unter den Bauunternehmern ist so schlecht wie zuletzt nach der Weltfinanzkrise im Jahr 2010.



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3 Kommentare

  1. Hallo; Herr Kummerfeld Herr Dr. Habeck hat doch erst vor ZWEI Tagen die Wirtschaftsprognose der Bundesregierung um 100 % erhöht. Eben weil die Daten aus der Wirtschaft so gut sind!
    https://www.n-tv.de/wirtschaft/Habeck-korrigiert-Wachstumsprognose-nach-oben-article24081285.html
    (Siehe die Pappe, die der Min. hochhält.)

    Und jetzt kommen die „Statistiker“ daher und erklären, dass die Daten des Q1 23 eben nicht so gut sind.
    Wie ist das zu verstehen?

  2. Nein, nein, nein, die Statistiker müssen irren.
    Herr Habeck ist Philosoph und so betrachtet er es. Außerdem als Kinderbuchautor verbreitet er kindgemäßen Optimismus. Und dann, dann ist er Minister und Vizekanzler, also eine höchst respektable Stellung in der Nation. Und ein solcher Mensch muss doch wissen was er sagt, nur das Beste für seine Untertanen wollen und man muss ihm deswegen Glauben schenken zu seinen Äußerungen.
    Heißt also : Respekt und Achtung vor dem amt sind eingefordert.
    Was ist denn dagegen so ein popeliger Statistiker der Zahlen zusammenzählt und in eine Reihe oder Balken bringt, hm ?

  3. Lieber Ludger,
    bedenke dass das Minus ja wirklich extrem gering ist.

    Ich bin mir sicher, dass Habeck bald ein Schild hochhält mit einem wirklich rasanten Wachstum. Schon der „WP“-Wahn läßt alle wichtigen Kasse klingeln.

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