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Indizes

Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche – stimmt das? Ein kleiner historischer Vergleich

Was für eine Wende: imDezember 2018 Rezessionsängste, nun heißt es in diesen Tagen „Buy the dip ist back in 2019“..

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Was für eine Wende. Wenn wir uns die Schlagzeilen vor allem in den USA vom Dezember 2018 verinnerlichen – Rezessionsängste das große Thema – so heißt es in diesen Tagen „Buy the dip ist back in 2019“, oder Rückschläge sind Kaufgelegenheiten, als ob ein neuer Bullenmärkte am Entstehen wäre. Das Ganze vollzieht sich im letzten Monat vor dem 10. Geburtstag des laufenden Zyklus.

Dabei lehrt uns die Historie, dass es seit 1900 in den USA in jedem Jahrzehnt eine Rezession gab – und die letzte stammt aus den Jahren 2008/09. Warum also soll dieser Aufschwung die Gesetzmäßigkeiten der letzten Dekaden ignorieren?

 

Warnzeichen

 

Man könnte argumentieren, dass die Zinsen für das Ende eines Aufschwungs außergewöhnlich niedrig seien (TINA is back), aber gleichzeitig sind die Unternehmen und Verbraucher bei Minizinsen stark verschuldet, Stichwort BBB-Anleihen.

Neben den wirtschaftlichen Vorzeichen, Frühindikatoren und Unternehmensausblicken, gibt es nach meiner Meinung zwei weitere deutliche Warnzeichen.

  • Buybacks: Die Höhe der Aktienrückkaufprogramme haben mit genehmigten 1 Bio.$ 2018 ein absolutes Hoch erreicht und bei den jüngsten Unternehmensberichten wurde sogar noch einiges angekündigt. Eine unternehmerische Spezifität am Ende eines Wirtschaftszyklus. Das Buybacks-Thema war schon im letzten Jahr Gegenstand einiger meiner Kommentare, es wird aktuell bereits politisch restriktiv diskutiert, so sind z.B. IBM und Texas Instruments wahre Rückkaufmonster, die ihre Resultate dadurch gewaltig geschönt haben.
  • IPOs 2019: Das laufende Jahr könnte rekordverdächtige „Going publics“ bringen, zu sehr hohen Preisen. Wobei sich die Frage stellt, woher das Geld für diese Börsengänge kommen soll? Hier ein paar Beispiele:(erwartete Volumina)
  • Uber 76 Mrd.$, GE Health Care 65 Mrd.$, WeWork 47Mrd.$, Palantir 41 Mrd.$, airbnb, Pinterest, Lyft u.w.

Auch ein Phänomen, vor dem Ende eines Booms noch auf den Zug aufzuspringen.

Die wundersame Rallye der Junk-Bonds

 

Verwunderlich ist auch die Rallye der High Yield Bonds, also der Anleihen mit minderer Qualität, die in den letzten Wochen einen lange nicht mehr gesehenen Kursaufschwung vollzogen haben. Vielleicht eine Verzweiflungstat derer, die sich mit der Minirendite der US-Treasuries in fast allen Laufzeiten nicht zufrieden geben.

Um nochmals die Historie zu bemühen. Die USA hatten seit 1945 – 13 Bärenmärkte mit über 20% Kursverlusten, dabei war 8-mal eine Rezession die Folge. Am Weihnachtstag war der S&P 500 haarscharf an einem solchen vorbeigeschrammt. Warum sollen sich die USA angesichts des weltwirtschaftlichen Umfelds den zyklischen Gegebenheiten entziehen können?

 

Wunderland Australien

 

Viele Optimisten verweisen auf das Beispiel Australien. Dieses Land mit gerade mal 24 Mio. Einwohnern bei einer Fläche von weit über 7 Mio. Quadratkilometern hatte seit 1991 keine Rezession mehr – unter anderem weil es der Rohstofflieferant des Riesenreiches China war. Damit ist der fünfte Kontinent als Vergleich nicht besonders geeignet.

Ergo: Diese Gedanken skizzieren das große Bild, kurzfristig schreit das „Überkauftstadium“ der US-Indizes sowieso nach einer Korrektur.

 

By Josemanuel. – Own work, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1284536

3 Kommentare

3 Comments

  1. Gixxer

    5. Februar 2019 13:14 at 13:14

    Wieder einmal wunderbar zusammengefasst.
    DANKE!

  2. Marko

    5. Februar 2019 13:33 at 13:33

    Bullenmärkte sterben an Altersschwäche, ja und was ist mit den unter Drogen stehenden Anleihemärkten ?

    Dort ist natürlich, aber höchst selbstverständlich alles ok ? Das ist natürlich hier einene „Bärenseite“ , ich weiß… – aber, ich habe mich an Euch „gewöhnt“, Ihr hoffentlich auch…:D

    Habt Ihr das immer noch nicht kapiert, aus dem „Luftballon“ Anleihemärkte muss, nach über einem Jahrzehnt (!!!), die „Luft“ raus !!

    Ja, und der Amiaktienmarkt ist zu teuer, wie „niedrig“ würdet Ihr dann den Bufu einschätzen, alles, ok… ?

    Der natürlich „gerechtfertigt“ da „oben“ steht… ? 😀

    Wie hoch soll der Bufu noch steigen, auf die 200 ? Ernsthaft … ?

    Aktien- wie Anleihemärkte müssen sich im Gleichgewicht bewegen. Punkt.

  3. Marko

    5. Februar 2019 13:50 at 13:50

    Und wenn wir das ganze Spiel „umdrehen“ würden, d.h. die Notenbanken hätten anstatt von Anleihen

    Aktien gekauft ?
    Was wäre dann hier auf der „Bärenseite“ los ?!?

    Das hier ist natürlich eine Marktmanipulation durch die Notenbanken, wegen ABS, Lehman usw.. ?

    Diese „Anleihekäufe“ der Notenbanken sind eine „Versicherung“, dass der Aktienmarkt gar nicht fallen kann !

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Anleihen

Marktüberblick zum Wochenende: Glaubt die Börse dem US-Militär nicht?

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am

Das aktuell beherrschende Thema an der Börse ist der Angriff auf zwei Öltanker im Golf von Oman. Wer war es, was ist da passiert? Die USA haben ziemlich schnell ein Video hervorgezaubert, auf dem angeblich zu sehen sei, wie iranische Soldaten auf einem Schnellboot eine Haftmine von einem Öltanker entfernen, weil sie nicht explodiert war. Aber den späteren erfolgreichen Angriff auf den Öltanker zeigt das Video nicht. Ob es der Iran war? Vielleicht ja, vielleicht nein. Oder vielleicht auch iranische Kommandeure, die auf eigene Faust handeln?

Wie auch immer. Wenn man sich heute die Marktreaktionen anschaut, dann darf die Frage erlaubt sein: Glaub die Börse dem US-Militär nicht? Glaubt man an ein Fake-Video? Oder ist den meisten einfach klar, dass dieses Video ja nun mal keinerlei Angriff auf den Öltanker zeigt, und dass es von daher keinen Beweis für einen Angriff durch den Iran gibt? Wir halten uns bei einer konkreten Bewertung raus, und können nur Fragen stellen. Das Problem für die USA ist wohl, dass ihre Seriosität in Sachen Beweislieferung seit den Fake-Beweisen für den Irak-Krieg im Jahr 2003 im Eimer ist.

Der Aktienmarkt jedenfalls reagierte von gestern bis heute überhaupt nicht ängstlich auf diese mögliche Krise. Der Dow ist seit gestern früh bis jetzt um 70 Punkte gestiegen, der Dax notiert exakt +-0 seit Bekanntwerden der „Tanker-Krise“. Im folgenden Chart haben wir Dax und Dow übereinander gelegt und das Bekanntwerden der Angriffe eingekreist.

Dax und Dow

Und der Devisenmarkt? Im folgenden Chart schauen wir mal auf Euro vs USD. Links eingekreist haben wir eine winzige, ganz kurze Reaktion zum Tanker-Angriff. Sie ist aber eigentlich nicht mal erwähnenswert. Denn danach lief EURUSD mehr als 24 Stunden fast seitwärts. Erst heute (Pfeile) kam durch die Konjunkturdaten in den USA ein klein wenig Bewegung in den Markt, und der Dollar wertete gegen den Euro ein wenig auf.

Euro vs USD

Und sonst? Die Zeichen für eine Konjunktureintrübung mehren sich. Russland hat heute seinen Leitzins gesenkt, und will wohl bald weiter senken. Der Grund: Die Wirtschaft laufe schwächer als bislang gedacht. Die Internationale Energie-Agentur spricht heute von nachlassender Öl-Nachfrage. Dass die Institutionellen Anleger auch eine weitere Verschlechterung der Konjunktur erwarten, sehen wir am Ehesten im Anleihemarkt. Die extrem wichtige und auch international stark beachtete deutsche Bundesanleihe (10 Jahre Laufzeit) weist heute eine weiter fallende Rendite auf. Sie fiel heute im Tief auf -0,269%. Einfach unglaublich. Zum Jahresanfang 2019 lag die Rendite noch mit 0,25% im Plus.

Rendite 10 Jahre Bund

Gold

Wohl die Kombination aus dem Konjunkturabschwung, Handelskrieg und den Tanker-Angriffen lässt Gold spürbar steigen. Viele Analysten sind der Meinung, dass mehr Potenzial auf der Aufwärtsseite vorhanden ist. Wie wir es heute früh schon sagten. Nach dem Überschreiten des Hochpunkts bei 1.346 Dollar aus Februar ist der Weg charttechnisch nach oben erstmal frei. Heute stieg Gold bis auf 1.358 Dollar. Bis jetzt kam es wieder zurück auf 1.348 Dollar. Also: Die Flucht in die Sicherheit ist im Gold erkennbar, aber aktuell hat die Angst auch wieder abgenommen. Aber Handelskrieg, Tanker und Co bieten wohl auch nächste Woche die Möglichkeit für einen steigenden Goldpreis.


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Gold

Öl

Und das liebe Öl? Wenigstens hier hat man den USA geglaubt, und jagt den Ölpreis gnadenlos nach oben, weil ein Krieg zwischen Saudis und USA gegen den Iran bevor steht? Offensichtlich glauben auch die Termintrader am Ölmarkt nicht so richtig an die große Kriegsangst für die Region. Zwar reagierte der Ölpreis gestern mit gut 2 Dollar nach oben. Im Chart haben wir den Anstieg eingezeichnet. Aber danach folgte bis jetzt erstmal eine Seitwärtsphase. Wie es weiter geht? Ganz schwer zu sagen. Natürlich kann die Lage weiter eskalieren, und Öl schießt weiter nach oben. Aber die Erfahrung der letzten Jahrzehnte zeigt eine kurze Halbwertzeit für solche Zwischenfälle. Möglich ist, dass sich der Ölmarkt in den nächsten Tagen wieder der globalen Konjunkturschwäche und der damit einhergehenden Nachfrageschwäche widmet. Das würde natürlich auf einen fallenden Ölpreis deuten.

Öl

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Gold/Silber

Rüdiger Born: Gold, Dax und Öl im Fokus

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Gold ist am höchsten Punkt des Jahres angekommen. Auch die aktuelle Lage im Dax möchte ich ansprechen. Öl ist heute der „Trade des Tages“. Haben Sie ihn noch nicht abonniert? Der Service ist völlig kostenfrei. Sie können ihn einfach beim Klick an dieser Stelle abonnieren, und können täglich eine Tradingidee im Detail lesen.

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Indizes

Was macht die EZB, wenn die Fed die Zinsen senkt?

Mario Draghi ist jetzt schon ein Rekord sicher: Er ist der erste EZB-Chef, der in seiner achtjährigen Amtszeit keine einzige Zinsanhebung vorgenommen hat

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An der Wall Street wird heftig darüber spekuliert, wann die Federal Reserve die Leitzinsen senken könnte, vielleicht bereits schon im Juni oder Juli? Für die Fed-Sitzung in der nächsten Woche besteht aber nur eine geringe Wahrscheinlichkeit (23 Prozent). Eine erste Leitzinssenkung seit 2008. Aber was macht dann der Kurs des US-Dollars und damit auch der des Euro?

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Ein Dilemma für die Eurozone

Derzeit läuft die Konjunktur in Europa schlechter als die in den USA. Die US-Notenbank hat im Falle eines Konjunktureinbruches nach vorherigen neun Zinsanhebungen Spielraum nach unten, aber was macht die Europäische Zentralbank? Ein möglicherweise steigender Eurokurs in einem Wirtschaftsraum, der sehr viel exportiert, mit einem taumelnden Italien.

 

Was tun EZB?

Weitere Senkungen des Leitzins (0%) oder des Einlagezinssatzes (-0,4%) mit fraglichen Auswirkungen auf Konjunktur und Inflation? Aber haben wir überhaupt einen Mangel an Liquidität?

Betrachtet man die Option Anleihekaufprogramm, so wird ein weiteres Problem deutlich. Deutschland fällt als Markt fast aus, wegen des Mangels an neuen Anleihen, des Verteilungsschlüssels (26,4% für Deutschland) und der Kriterien für das Kaufprogramm. Die EZB darf nur Anleihen kaufen, deren Zinssatz oberhalb des Einlagesatzes für Banken (-0,4%) liegt. Damit entfallen in Deutschland alle Anleihen bis zu acht Jahren Laufzeit. Außerdem darf die EZB nur maximal ein Drittel einer Anleihe kaufen. Also was tun? Die Regeln ändern, oder vielleicht sogar Aktien erwerben? Das würde ein Kampf um die Pötte in einem Euro-Wirtschaftsraum mit 19 Ländern und 19 Aktienmärkten.

Die Frage für mich ist, wie Mario Draghi letzte Woche behaupten konnte, die EZB habe noch großen geldpolitischen Spielraum, um auf Turbulenzen reagieren zu können?

 

Fazit

Mario Draghi ist jetzt schon ein Rekord sicher. Er ist der erste EZB-Chef, der in seiner achtjährigen Amtszeit keine einzige Zinsanhebung vorgenommen hat. Schlimmer noch, obwohl die Zinsen auf Null gesenkt wurden, könnte er bei einer Zinssenkung der US-Notenbank zu weiteren unkonventionellen Maßnahmen gezwungen sein, vielleicht sogar kurz vor dem Ende seiner Amtszeit.

Für mich sitzt die EZB total in der Klemme. Mario Draghi hat kürzlich erst wieder festgestellt, dass auch sein Nachfolger alles tun werde, um die Eurozone zusammen zu halten, sprich ein Ausscheiden Italiens zu verhindern. Dafür müssen die Zinsen niedrig bleiben, auch wenn es den europäischen Banken zusehends „ans Leder geht“ (Szenario von Dr. Krall 2020). Wenn aber das Bankensystem kollabiert, fliegt auch die Eurozone auseinander.

Ergo: Damit müsste die EZB eigentlich den Banken unter die Arme greifen (gestaffelte Einlagezinsen), Zinssenkungen wären für diese aber gerade die falsche Medizin. Was für eine Gemengelage!

 

Foto: EZB

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