Allgemein

Bund gibt Terminhändlern Kredit für höhere Margins im Energiehandel

Was kurios klingt, ergibt in Sachen Energiesicherheit aber Sinn. Der Staat gibt Börsenhändlern Kredit für höhere Sicherheitsleistungen.

Charts auf Bildschirmen

Im Terminhandel ist es ein zwingender Teil des Konstrukts: Jeder Handelsteilnehmer muss auf seinem Börsenkonto eine Sicherheitsleistung (Margin) hinterlegen für möglicherweise anstehende Verluste. Und je höher die Schwankungsintensität (Volatilität) in einem auf Termin gehandelten Produkt ist, desto höher werden die Margins von der Börse festgesetzt. Und gerade jetzt, wo der Ukraine-Krieg die Volatilität bei Energieprodukten hochtreibt, erhöhen sich die Sicherheitsanforderungen der Börsen.

Damit Versorger am Terminmarkt reibungslos handeln und damit auch Planungssicherheit herstellen können, brauchen sie nun offenbar deutlich mehr Liquidität. Es geht nicht darum, dass sie derzeit viel Geld verlieren, sondern dass sie – wie gesagt – höhere Sicherheiten hinterlegen müssen. Damit die Energieversorgung in Deutschland reibungslos weiterläuft, hat sich der Bund dazu entschlossen hier einzugreifen, beziehungsweise die Unternehmen zu unterstützten. Und so gibt der Bund über die staatseigene Bank KfW betroffenen Unternehmen von nun an Kredit, damit die höheren Anforderungen an die Margins ohne Probleme geleistet werden können. Hier zitieren wir die wichtigsten Passagen aus der vor wenigen Minuten veröffentlichten Mitteilung des Bundesministeriums der Finanzen, des Bundesministeriums für Wirtschaft, und der KfW:

Weiteres Absicherungsinstrument (Margining) aus dem Schutz- schild der Bundesregierung für von Kriegsfolgen betroffene Unternehmen startet

Beim Margining-Finanzierungsinstrument geht es um ein Absicherungsinstrument, das Unternehmen, die an den Terminbörsen mit Strom, Erdgas und Emissionszertifikaten handeln, den Zugang zu ausreichender Liquidität sicherstellt – gerade für den Fall weiterer Preissteigerungen und Volatilität. Diese Maßnahme ist wichtig und notwendig, um Sicherheitsleistungen (sog. Margins) zu finanzieren, die beim Handel mit Energie verpflichtend zu leisten sind. Die finanziellen Mittel werden in Form von Kreditlinien der KfW bereitgestellt. Diese sind über eine Bundesgarantie abgesichert. Erste Beratungsgespräche sind ab sofort möglich.

Für spekulative Positionen will die Bundesregierung keine Kredite geben (welch Wunder…). Was wird finanziert? Hier die Details:

Sicherheitsleistungen aus Margining-Verpflichtungen für Strom, Erdgas und Emissionszertifikate aus Terminkontrakten an den Börsen EEX und ICE Endex sowie außerbörsliche Termingeschäfte mit diesen Produkten, die von den Clearinghäusern ECC und ICE Clear Europe abgewickelt werden. Finanziert werden nur Sicherheitsleistungen aus Margining-Verpflichtungen des Unternehmens oder seiner Konzerngesellschaften aus Kontrakten
– für Strom und Erdgas mit Bezug zum deutschen Spotmarkt oder für physische Lieferungen von Strom und Gas weitgehend in oder nach Deutschland; sowie
– für Strom, Erdgas und Emissionszertifikate: zur Risikoabsicherung von Beschaffung, Lieferungen, Produktion weitgehend in oder nach Deutschland oder für die Compliance mit dem EU ETS für Stromproduktion weitgehend in Deutschland.

Welche Zugangsvoraussetzungen gelten? Margining-Forderungen müssen aufgrund außerordentlich hoher Preisniveau- und Preisvolatilitätssteigerungen auf den Energiemärkten entstanden sein. Die Versorgungssicherheit der Bundesrepublik Deutschland muss ohne Kreditgewährung gefährdet sein. Dem Unternehmen ist eine anderweitige Finanzierung nicht möglich. Positives Ergebnis einer Bonitätsprüfung und Fortführungsprognose. Es darf sich nicht um ein Unternehmen in Schwierigkeiten im beihilferechtlichen Sinne handeln.

Lesen Sie auch

Zitat Robert Habeck:

Für die Versorgungssicherheit brauchen wir funktionierende und stabile Energiemärkte. Damit dies gewährleistet ist, müssen wir Energieunternehmen, bei der Sicherung ihrer Liquidität unterstützen. Sonst riskieren wir eine instabile Energieversorgung. Daher schaffen wir ein neues Instrument. Energieunternehmen, die Erdgas, Strom und Emissionszertifikaten an den Terminbörsen handeln, um ihre Produktion zu steuern und abzusichern, müssen Sicherheitsleistungen, also Marginings erbringen. Diese steigen, je höher die Preise sind. Das kann für Unternehmen zu einem Liquiditätsproblem werden – sie haben im Zweifel auch bei insgesamt guter Aufstellung nicht die Mittel parat, um diese Marginings zu leisten. Deshalb sichern wir die Unternehmen über KfW-Kredite ab, damit diese notwendigen Sicherheitsleistungen auch im aktuellen Preisumfeld erbracht werden können.“



Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung

Meist gelesen 7 Tage