Die wichtigsten Eckpunkte
- Mit 57 % sind die Gasspeicher-Füllstände in Deutschland 19 Prozentpunkte niedriger als zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Im Winter droht Mangel.
- Der Bund weist jetzt SEFE an Gas zu kaufen um die Speicher aufzufüllen.
- Die geplanten Ankäufe entsprechen nur 3 % der gesamten deutschen Speicherkapazität.
Mit aktuell 57,74 % sind die deutschen Gasspeicher derzeit im Schnitt 19 Prozentpunkte weniger gefüllt als genau zum selben Zeitpunkt des Vorjahres. Und die Heizperiode steht unmittelbar bevor. Erst gestern hatten wir zuletzt diese dramatische Lage besprochen. Im Sommer hielten hohe Gaspreise aufgrund des Iran-Kriegs Speicher-Betreiber davon ab viel Gas zu kaufen, das man zu höheren Preisen im Winter an die Verbraucher weiterreichen könnte. Heute nun, nachdem es monatelang bei der Bundesregierung Desinteresse an dem Thema zu geben schien, wird man aktiv.
Sefe soll Gas einkaufen um Gasspeicher aufzufüllen
Die Bundesregierung hat den staatlichen Energiekonzern Sefe Securing Energy for Europe (Sefe) angewiesen, in den kommenden Wochen Erdgas zu beschaffen und einzuspeichern. Zuvor hatte sie monatelang darauf beharrt, dass die ungewöhnlich niedrigen Speicherstände keine Gefahr für die Energiesicherheit darstellten, und Forderungen nach einem Eingreifen zurückgewiesen.
Sefe soll bis zum 15. Dezember 8 Terawattstunden Gas in die Speicher einspeisen, wie das Unternehmen laut Bloomberg per E-Mail mitgeteilt hat. Das Bundeswirtschaftsministerium bezeichnete den Schritt als eine wichtige zusätzliche Maßnahme zur Erhöhung der Resilienz der deutschen Gasversorgung. Das Handelsblatt hatte zuerst über die Anweisung des Wirtschaftsministeriums berichtet.
Die Gaspreise sind derzeit mehr als doppelt so hoch wie zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr. Auch die Kosten für Diesel und andere Kraftstoffe sind gestiegen. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen warnte die Regierungen am Wochenende vor zunehmenden Versorgungs- und Preisrisiken. Zugleich scheinen die Feindseligkeiten im Nahen Osten weit von einer Lösung entfernt zu sein.
Käufe entsprechen nur 3 % der Speicherkapazität
Die geplanten Ankäufe durch Sefe sind im Vergleich zu den Notfallmaßnahmen während der Energiekrise 2022 relativ gering, zeigen aber, dass die Sorgen in Berlin zunehmen. Sie entsprechen rund 3 % der gesamten deutschen Speicherkapazität.
Der Krieg zwischen den USA und dem Iran hat durch die Beeinträchtigung des Verkehrs durch die Straße von Hormus rund ein Fünftel der weltweiten Flüssiggasströme zum Erliegen gebracht. Europa und andere Käufer sind dadurch gezwungen, nach alternativen Liefermöglichkeiten zu suchen. Die Füllstände der deutschen Gasspeicher, die größten Europas, sind für diese Jahreszeit ungewöhnlich niedrig. Das schürt Sorgen, dass Verbraucher mit heftigen Preissprüngen rechnen müssen, falls die Verknappung anhält.
Berlin hatte sich bislang gegen Forderungen nach einem direkten Eingreifen des Staates bei der Befüllung der Speicher gestellt. Die Regierung argumentierte, private Marktteilnehmer sollten diese Aufgabe übernehmen. Zudem machten die ausgebauten LNG-Importkapazitäten Deutschland weniger anfällig als während der Energiekrise 2022, als Russland seine Pipeline-Lieferungen drosselte. Die Preise stiegen im Sommer jedoch weiter, als deutlich wurde, dass die Versorgung wahrscheinlich weiter beeinträchtigt bleiben würde.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche habe die Entwicklungen am Gasmarkt eng verfolgt und für unterschiedliche Szenarien Instrumente vorbereitet, die bei Bedarf eingesetzt werden könnten, teilte das Ministerium mit. Dieser Bedarf sei nun eingetreten, sagte eine Sprecherin und fügte hinzu, der Schritt sei mit Bundeskanzler Friedrich Merz abgestimmt worden. Die europäischen Referenz-Gasfutures für November legten nach Bekanntgabe der Anweisung an Sefe zu. Damit machten sie einen starken Rückgang vom Vortag teilweise wett und wurden bei mehr als 70 Euro je Megawattstunde gehandelt.
FMW/Bloomberg
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Soll dadurch das LNG aus Russland über Belgien ersetzt werden, wenn im Januar die EU kein LNG mehr aus Russland möchte?
Russland macht zeitweise bis zu 100 % der gesamten LNG-Importe Belgiens aus.
Etwa die Hälfte des russischen Gases, das in Zeebrugge angeliefert wird, speist Belgien direkt in das europäische Pipeline-Netz ein.
Da Belgien kaum Gas für den Eigenbedarf speichert, fließt ein Großteil dieses Gases direkt weiter nach Deutschland, da Belgien nach Norwegen und den Niederlanden der drittwichtigste Gaslieferant für Deutschland ist (ca. 21 % der deutschen Gasimporte kommen aus Belgien)
Es wird spannend werden.
Wer noch einen Holzofen hat, sollte mal vorsichtshalber den Schuppen nachfüllen.
Der Ofen heizt auch ohne Strom.
Viele Grüße aus Andalusien
Helmut
Kleine Anmerkung:
auch letztes Jahr sind die Gaspreise im Sommer weniger stark zurückgegangen als in früheren Jahren. Deswegen ist auch in 2025 unterdurchschnittlich viel eingelagert worden.
Im Jahresdurchschnitt 2017-2021 waren wir Ende September bei etwa 85%, das sind satte 28% mehr als aktuell!