Anleihen

Bundesanleihen: Flut durch Neuverschuldung deutlich größer als gedacht

Der heute gemeldete Plan der Finanzagentur zeigt: Die Neuausgabe von deutschen Bundesanleihen ist umfangreicher als bisher erwartet.

Reichstag in Berlin. Foto: Krisztian Bocsi/Bloomberg

Die Aufnahme von deutlich mehr Schulden in Deutschland für Verteidigung und Infrastruktur nimmt langsam Fahrt auf. Der Bund gibt mehr Bundesanleihen aus, fragt also mehr Geld am Markt nach, was tendenziell die Renditen für Bundesanleihen nach oben drücken könnte/sollte (ein Problem für Firmenkredite, Bauzinsen für Häuslebauer etc). Deutschland wird im vierten Quartal etwa ein Fünftel mehr als geplant aufnehmen, um die steigenden Ausgaben für Infrastruktur und Streitkräfte zu finanzieren!


Werbung

Bundesanleihen: Deutlich mehr Emissionen als bislang gedacht

Die in Frankfurt ansässige Finanzagentur, die die Schulden der Bundesregierung verwaltet, will nach einem heute veröffentlichten aktualisierten Plan im Zeitraum Oktober bis Dezember 90,5 Milliarden Euro über die Ausgabe von Bundesanleihen aufnehmen, exklusive grüne Anleihen. Dazu erläutert Bloomberg News: Das sind 15 Milliarden Euro mehr als im ursprünglichen Programm vorgesehen, und folgt auf einen Anstieg von 19 Milliarden Euro im dritten Quartal.

Deutsche Bundesanleihen gaben leicht nach, wodurch die Rendite 10-jähriger Anleihen um einen Basispunkt auf 2,69 % stieg, was dem Durchschnittsniveau der letzten drei Monate entspricht. Seit ihrem Amtsantritt Anfang Mai hat die Regierung von Bundeskanzler Friedrich Merz die jahrelange deutsche Haushaltsdisziplin aufgegeben, um eine massive Aufstockung der Mittel für das lange vernachlässigte Militär und eine Modernisierung der maroden Infrastruktur zu finanzieren (Sondervermögen etc).

Einschließlich des Kernhaushalts und der Sonderfonds für Verteidigung und Infrastruktur wird die Nettoneuverschuldung in diesem Jahr nach Angaben der Regierung in Berlin voraussichtlich auf rund 143 Milliarden Euro steigen und bis 2026 auf fast 175 Milliarden Euro anwachsen. Der aktualisierte Plan der Finanzagentur sieht für das vierte Quartal zusätzliche Emissionen von Bundesanleihen im Wert von 10,5 Milliarden Euro vor – darunter 3 Milliarden Euro in Form eines siebenjährigen Instruments Ende nächsten Monats – sowie weitere 4,5 Milliarden Euro in Form von Schatzwechseln.

Grafik zeigt langfristige Ausgabe neuer Bundesanleihen

Die Gesamtverschuldung für das Jahr wird sich auf etwa 425 Milliarden Euro belaufen, verglichen mit den ursprünglich im Dezember angekündigten 380 Milliarden Euro. Die endgültige Abstimmung im Bundestag über den Haushalt von Finanzminister Lars Klingbeil für dieses Jahr ist für heute Abend geplant, bevor er voraussichtlich am 26. September im Bundesrat seine letzte legislative Hürde nehmen wird.

Normalerweise wäre er Ende letzten Jahres verabschiedet worden, aber die Bundestagswahl im Februar, die Merz‘ Konservative mit den Sozialdemokraten als Junior-Koalitionspartner an die Macht brachte, verzögerte den Prozess. Bei der Vorstellung seines Ausgabenplans vor dem Parlament am Dienstag sagte Klingbeil, dieser habe eine „klare Ausrichtung” mit drei Schwerpunkten.

„Wir investieren, wir reformieren und wir konsolidieren”, sagte er vor den Abgeordneten des Bundestages. „Das beginnt mit diesem Haushalt und wird in den kommenden Haushalten noch deutlicher werden, dass wir Prioritäten setzen, dass wir sparen und dass wir das uns zur Verfügung stehende Geld sinnvoll einsetzen.” Die Abgeordneten sollen im Dezember den Finanzplan für das nächste Jahr verabschieden, der Rekordinvestitionen in Höhe von rund 130 Milliarden Euro vorsieht.

Kommentar

FMW: Die Eskalation bei den Staatsschulden birgt tatsächlich die Gefahr, dass die Renditen für Bundesanleihen dadurch hochgedrückt werden. Wenn nicht andere Faktoren dazwischen funken, ist das ein realistisches Szenario. Dies würde bedeuten: Kredite für Unternehmen, für Privatkunden (vor allem Immobilienkredite) könnten sich verteuern, da die Banken sich für ihre Kreditzinsen stark an den Anleiherenditen orientieren. Auch werden dauerhaft höhere Renditen für den deutschen Staat langfristig ein Problem, weil man dann für seine neu auszugebenden Bundesanleihen die nominale Verzinsung raufsetzen muss. Dadurch steigt auf lange Sicht die Zinslast für die Bundesregierung – ein immer größerer Teil vom Bundeshaushalt müsste dann für den Zinsdienst des Schuldenbergs aufgewendet werden, statt für tatsächliche Ausgaben im Haushalt!

FMW/Bloomberg



Über den RedakteurClaudio Kummerfeld
Claudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen.
Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Lesen Sie auch

3 Kommentare

  1. Moin, moin,

    da sitzt Berlin in der Falle.

    Ausgaben kürzen geht aus politischen Gründen nicht, ergo bleibt nur die nächste Neuverschuldung, sorry Sondervermögen. Wozu macht Berlin das? Berlin kauft sich Zeit, um weiter zu regieren. Diese zusätzliche Zeit wird teuer erkauft.

    Dass das nicht funktionieren kann, ist die Physik der (Volks-)Wirtschaft. Gelder die verausgabt werden müssen vorab verdient werden und zwar von den Unternehmen. Wenn dort nicht genug Geld verdient werden kann, dann müssen im Umkehrschluss die Ausgaben runter.

  2. Klingt nach steigenden Kosten sowohl für Investitionen der deutschen Wirtschaft, als auch für den Bereich des Konsumklimas.

  3. Dr. Sebastian Schaarschmidt

    Die deutsche Umlaufrendite kommt von über 11 Prozent in 1981.

    Also bitte immer realistisch bleiben…

    Zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung wurden noch über 9 Prozent erzielt..zum Zeitpunkt der frischen Jahrtausendwende über 5 Prozent .
    Und zum Zeitpunkt des Hochpunktes der US Hauspreisblase waren über 4,5 Prozent fällig..
    Es gab zum Beispiel im MDR immer eine Sendung, MDR..“Ein Fall für Escher“, Donnerstag Abend..da kam immer ein Professor Scherenberger zu Wort, der riet zum Beispiel noch 1995 von einem Einstieg in die deutschen Langläufer ab.. weil er bald wieder die 9 Prozent in nur Umlaufrendite erwartete…
    Man solle sein Geld lieber kurzfristig anlegen…die Zinsen würden ja bald wieder steigen…
    7,63 Prozent wurden damals..95..in der Umlaufrendite erzielt…und heute…?

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert




ACHTUNG: Wenn Sie den Kommentar abschicken stimmen Sie der Speicherung Ihrer Daten zur Verwendung der Kommentarfunktion zu.
Weitere Information finden Sie in unserer Zur Datenschutzerklärung


Meist gelesen 7 Tage

Die mobile Version verlassen
Place this code at the end of your tag:
Place this code at the end of your tag:
Capital.com CFD Handels App
Kostenfrei
Jetzt handeln Jetzt handeln

76% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld.