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Bundesbank: Bilanz über 1 Billion, QE-Anteil 104 Mrd, Warnung vor 500er-Abschaffung

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Bundesbank hat, wie heute verkündet wurde, in 2015 einen Jahresgewinn von 3,2 Milliarden Euro gemacht, der wie üblich direkt an den Bund abgeführt wurde. Interessant wird es da schon eher bei der Bilanzsumme der Bundesbank. Sie stand Ende 2014 noch bei 771 Milliarden Euro – Ende 2015 ist sie auf 1,01 Billionen Euro angewachsen.

Weidmann Bundesbank
Bundesbank-Chef Jens Weidmann sitzt automatisch auch im EZB-Rat. Foto: Deutsche Bundesbank

Zwei Effekte spielen dabei eine entscheidende Rolle. Einerseits hat die Bundesbank als sozusagen untergeordnetes ausführendes Organ ihren Anteil am 60 Milliarden Euro-Anleihekaufprogramm der EZB (QE) ausgeführt von März bis Dezember 2015, und zwar im Volumen von 104,2 Milliarden Euro. Ebenfalls mit dem QE zu tun haben enorme Netto-Mittelzuflüsse aus dem Ausland nach Deutschland. Deutsche Banken hielten viele Eurostaaten-Anleihen, die sie im Rahmen des QE auf dem freien Anleihemarkt an Notenbanken des Eurosystems verkauften – dadurch floss netto viel Cash in ihre Kassen. Hierdurch stieg die TARGET2-Forderung der Bundesbank gegenüber der EZB um 123,4 Milliarden Euro an. Beide vorher genannten Zahlen sind die Hauptverursacher für den Anstieg der Bundesbank-Bilanz über 1 Billion Euro.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann weist im offiziellen Statement im Schlusssatz nochmal auf seine grundsätzliche Kritik an der „expansiven Geldpolitik“ der EZB hin, womit die Null/Negativzinsen und die Anleihekaufprogramme gemeint sind. Diese Politik könne längerfristige Risiken und Nebenwirkungen haben, die nicht einfach ausgeblendet werden dürften. So sagte er u.a. bei den aktuellen Käufen der EZB (60 Milliarden pro Monat) solle man darauf achten keine Papiere zu kaufen, deren Rendite niedriger liegen als der EZB-Einlagenzins (aktuell -0,3%). Er hätte nicht die Absicht diese Einschränkung des Programms zu diskutieren. Dieser Hinweis ist wichtig, denn würden EZB und die nationalen Notenbanken solche Anleihen kaufen, wäre es für sie ein sicheres Verlustgeschäft. Für die Euro-Staaten wäre das toll – sie emittieren Anleihen mit Minuszinsen, und tatsächlich ist ein Abnehmermarkt am Sekundärmakrt vorhanden (die Notenbanken). Da muss man die Geschäftsbanken nur noch nett bitten am Primärmarkt (Erstauktion) zu zeichnen – keine Angst, am freien Markt kaufen wir euch das Zeug wieder ab, oder wie könnte die Botschaft lauten?

Jens Weidmann steht relativ machtlos dar. Einerseits ist er klar gegen die weitere quantitative Lockerung der EZB und sitzt im EZB-Rat als Vertreter der größten Eurozonen-Volkswirtschaft. Andererseits ist die klare Mehrheit der Ratsmitglieder auf der Seite von Mario Draghi, und außerdem ist Weidmann wg. eines EZB-Rotationsprinzips für Abstimmungen bei der nächsten EZB-Sitzung im März gar nicht stimmberechtigt.

Abschaffung 500 Euro-Schein

Die EZB könnte autonom (denn sie ist ja unabhängig) als Hüter und Verwalter des Euros beschließen den 500 Euro-Schein abzuschaffen. Wie gesagt, dazu ist sie befugt, und wirklich begründen muss sie das auch nicht. Jens Weidmann als Bundesbank-Chef und somit automatisch Mitglied im EZB-Rat warnte heute sogar vor der Abschaffung des 500 Euro-Scheins. Dies würde das Vertrauen in den Euro ganz real erschüttern. Durch die Abschaffung des 500ers würde 1/3 des wertmäßigen Bargeldumlaufs in Euro verschwinden. Natürlich wird Bargeld auch für kriminelle Aktivitäten genutzt (unglaublich diese Erkenntnis), aber Tatsache ist auch, dass der US-Dollar und seit seiner Einführung zunehmend auch der Euro in vielen unsicheren Ländern weltweit als reale Straßenwährung verwendet werden, denn sie gelten dort als verlässliches Zahlungsmittel entgegen den heimischen Währungen. Schränkt man das Bargeldvolumen durch die Abschaffung des größten Nennwerts so massiv ein, verliert die Währung damit auch schlagartig weltweit ganz real an Bedeutung.

Laut Weidmann hätte die große Stückelung im Euro auch logistische Vorteile, wie sich auch in der Griechenland-Krise gezeigt hätte. Nach unserer Meinung hat sich auch da gezeigt, wie wichtig Bargeld ist, wenn die Banken vor einer Pleite stehen – der Kunde kann immer noch versuchen sein Buchgeld in reales Geld zu retten, am Geldautomaten. Und neben Weidmann hatte auch Hans-Werner Sinn bereits darauf hingewiesen: Die Opportunitätskosten für kleinere Scheine wären deutlich höher für die Geschäftsbanken – als Folge einer 500er-Abschaffung würden sie deutlich weniger Bargeld vorhalten, dafür also folglich mehr Buchgeld in elektronischer Form, was die Durchsetzung von Negativzinsen seitens die EZB noch erfolgreicher werden ließe (für die EZB).

Weidmann sagte auch eine Abschaffung der 500 Euro-Note sei weder beschlossen, noch sei sie mal eben so zu bewerkstelligen. Auch eine Absichtserklärung im EZB-Rat gebe es nicht – doch sei eine Diskussion darüber in vollem Gange mit klaren Präferenzen von einzelnen Ratsmitgliedern. Auf deutsch gesagt: Im EZB-Rat ist man sich längst einig – vielleicht sucht man nur noch nach einer guten offiziellen Begründung für die Öffentlichkeit, gerade für das Bargeld-sensitive Deutschland? Da die EZB für Terrorismusbekämpfung kein Mandat hat und stattdessen „nur“ für die Geldpolitik zuständig ist, muss sie sich anders als die Politik auch einen „geldpolitischen“ Grund ausdenken, warum der 500er ganz plötzlich nicht mehr notwendig ist.



Quelle: Deutsche Bundesbank

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    leser

    24. Februar 2016 15:52 at 15:52

    Weidmann ist der Seehofer der Bundesbank.

  2. Avatar

    oscar

    24. Februar 2016 17:54 at 17:54

    spätestens jetz weiß doch jeder einigermaßen denkfähige, durchschnittebürger, welchen hintergrund diese von den amis inszenierte „schutzbefohlenen“ invasion trägt. eine kritiklose, und einfältige, durch dauermanipulation und dreiste lügenverbreitung polemisiert, gesellschaftliche sippenhaft. ziel ist den bürger totalitär zu entmündigen und zum staatssklaven zu degradieren. vollkontolle bis in die unterhose. alles was ihn souverän und autark im positiv, wirtschafts demokratisch, sozialem sinne macht, wird arglistig zertrümmert, verboten per gesetzlicher legitimation. was hat deutschland für eine regierung?! warum eigentlich? das werden die übrig gebliebenen „deutschen“ kinder später mit garantie fragen. ja ja die naiven (oder doch eher zynischen) gutmensch eltern… es lebe der neoliberale, militante schmutzkapitalismus ala usa . ….ich bins mir wert, bin ja nicht blöd, du darfst..gib mir die app sonst bin ich nen depp….lol.
    militanter polizeistaat wird kommen damit der bürger auch devot akzeptiert ! ja nee klar, zum eigenen schutz. das kann der bürger in seiner einfachheit nicht begreifen. da brauchts schon ausgewiesene fachleute. bin ich aber auch froh die zu haben. zuviel freiheitliches bargeld, ist ne sau reelle gefahr fürs eigene brieftaschenleben. …auch hier hilft probat der flüchtling…soll ja ein bis zwei bösewichter geben….naja

    • Avatar

      Sabine

      25. Februar 2016 18:51 at 18:51

      Was nützt das Gemecker? Nix. Kein Buchgeld, keine Lebensversicherung, kein Betong-Gold am Bein, sparsam sein (Es ist leichter Geld zu sparen als zu verdienen), bescheiden leben, das sind die Hausnummern, die helfen.

      Was nützt das Wissen über 9/11-Fallgeschwindigkeit – nun bereits seit 14 Jahren? Alles ist offensichtlich. Nützen tut es fast nix.
      Es darf gemunckelt werden.
      https://www.youtube.com/watch?v=cgkQXJ3mugY

  3. Avatar

    andrej

    24. Februar 2016 20:30 at 20:30

    Oscar trifft irgendwie immer den nagel auf den Kopf. Sarkastisch unterfüttert, aber leider sehr realitätsnah und pragmatisch. Ich sehe das ganze ähnlich. Wir werden echt vorgeführt und manipuliert ohne es merken zu wollen !
    Das sind meiner meinung nach, aber erst die Anfänge. Ja warum macht eine Regierung so etwas? Um Verbrechern das Handwerk zu legen? Mit ein paar 500 Euro Scheinen? Auf der anderen bitter bösen Seite, finanzieren unsere Regierungen Kriege und verdienen marzialisch daran. Wie Oscar sagte, wer regiert uns eigentlich und auch wie und warum wohl ?!

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Nullzinsphase in der Realität: BaFin entzieht zwei Pensionskassen die Betriebserlaubnis

Claudio Kummerfeld

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Nullzinsphase

Die Nullzinsphase erfreut zwar private Kreditnehmer und Staaten, die sich zum Traumkonditionen verschulden können. Aber wo Kredite für die einen nur Schulden sind, da sind sie auf der anderen Seite für Fondsgesellschaften, Rentenversicherungen und Pensionskassen nichts anderes als eine Geldanlage, die Zinsen abwerfen muss. Tut sie das nicht, geraten die Zusagen gegenüber den Kunden und die gesamten Kalkulationen der Kassen ins Wanken. Neben 20 Lebensversicherungsgesellschaften hat die BaFin derzeit auch 36 Pensionskassen unter sogenannter „verschärfter Beobachtung“.

Zwei Pensionskassen endgültig ohne Betriebserlaubnis

Schon im Jahr 2018 hatte die BaFin den Pensionskassen „Kölner Pensionskasse“ und „Pensionskasse der Caritas“ die Anordnung erteilt, dass sie nicht weiter ihrer Arbeit nachgehen dürfen (wir berichteten damals). Die beiden legten aber Widerspruch ein. Nun hat die BaFin offiziell mitgeteilt, dass die Entziehung der Betriebserlaubnis für die beiden Pensionskassen rechtskräftig ist, rückwirkend zum 31.12.2020 (hier und hier die offiziellen Mitteilungen). Beide Meldungen sind im Wortlaut identisch, daher drucken wir hier nur eine ab. Zitat:

Die BaFin hat gemäß § 304 Absatz 1 Nr. 2 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) die Erlaubnis zum Betrieb des Versicherungsgeschäfts der Pensionskasse der Caritas VVaG mit Bescheid vom 24. Oktober 2018 widerrufen. Das Unternehmen konnte die Mindestkapitalanforderung nicht erfüllen und hat einen Finanzierungsplan zur Beseitigung dieser Unterdeckung vorgelegt, der aus Sicht der BaFin unzureichend war. Der Bescheid ist mit Ablauf des 31. Dezember 2020 bestandskräftig geworden. Der Betrieb des Versicherungsgeschäfts ohne die erforderliche Erlaubnis stellt eine Straftat dar. Gemäß § 304 Absatz 5 VAG darf die Pensionskasse der Caritas VVaG keine neuen Versicherungsverträge abschließen und bestehende Versicherungsverträge weder verlängern noch erhöhen.

In der Realität bedeutet dies, dass diese beiden Pensionskassen nur noch ihr vorhandenes Bestandsgeschäft abwickeln dürfen. Den insgesamt 55.000 betroffenen Anspruchsinhabern auf Pensionen dürften womöglich nach und nach Kürzungen ihrer Ansprüche und Auszahlungen bevorstehen. Die beiden Pensionskassen sind nun sozusagen in Liquidation. Sie werden noch solange bestehen, bis die letzten der jetzt noch eher jungen Mitglieder irgendwann sterben. Also werden diese Pensionskassen also auf Jahrzehnte hinweg Abwicklungsanstalten mit Restbeständen sein.

Man kann es sich kaum vorstellen, aber es ist, wie es ist. Das Finanzsystem und in diesem Fall das System der Pensionskassen beruht vor allem darauf, dass die eingezahlten Beiträge auch am Kapitalmarkt Zinsen abwerfen, damit die vorhandenen Vermögensbestände sich vermehren. Seit Jahren knabbert nun die Nullzinsphase an den Reserven. Womöglich sind diese beiden Kassen nur der Anfang einer Entwicklung? Denn man sieht es ja, die Zinsen in Euroland werden noch sehr lange auf der Null-Linie verharren.

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Aktuell: Citigroup und Wells Fargo melden Quartalszahlen

Claudio Kummerfeld

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Die Quartalszahlen von Citigroup und Wells Fargo wurden soeben veröffentlicht. Zunächst Citi. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 16,50 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 18,38/erwartet 16,50).

Der Gewinn liegt bei 2,08 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 2,11/erwartet 1,35).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -1,7 Prozent.

Die Kreditausfälle sinken von 1,84 vor einem Jahr auf 1,27 Milliarden Dollar im letzten Quartal. Von den Rücklagen für möglicherweise noch ausfallende Kredite wurden 197 Millionen Dollar abgebaut, was also den Gewinn erhöht.

Citigroup-Quartalszahlen

Wells Fargo

Die große Konsumentenbank Wells Fargo hat soeben auch ihre Zahlen veröffentlicht. Hier die wichtigsten Kennzahlen.

Der Umsatz liegt bei 17,93 Milliarden Dollar (Vorjahresquartal 19,86/Erwartungen 18,1).

Der Gewinn liegt bei 0,64 Dollar pro Aktie (Vorjahresquartal 0,60/Erwartungen 0,59).

Die Aktie notiert vorbörslich mit -5 Prozent.

Risikovorsorge für Kreditausfälle reduziert um 179 Millionen Dollar.

Wells Fargo Quartalszahlen

Wells Fargo Schriftzug
Foto: Gabriel Vanslette CC BY 3.0

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Autonomes Fahren: Jetzt kommt Apple – Werbung

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Lieber Börsianer,

die Kinder haben jetzt genug gespielt und gestümpert. Nun will es Apple machen, nachdem die Resultate bislang nicht befriedigend sind. Worum geht es?

Sicherlich haben Sie der Berichterstattung der letzten Tage entnommen, dass das US-Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino sich nun dem Autonomen Fahren annimmt. Offenbar plant man gemeinsam mit dem koreanischen Autobauer Hyundai den Bau eines bzw. mehrerer autonom fahrender Roboterautos. Während die konventionellen Autobauer unverändert an ihren semi-autonomen Fahrassistenten basteln, geht Apple nun aufs Ganze.

Am Markt sorgte diese Perspektive für positive Unruhe. Denn man weiß, was Apple macht hat normalerweise Hand und Fuß und wird sehr oft zur großartigen Erfolgsgeschichte. So krachte zuletzt schon einmal die Aktie der Hyundai durch die Decke. Obwohl die Korea-Aktie zuletzt wieder korrigierte, steht hier für die Aktionäre immer noch ein starker Wochengewinn von 30 % zu Buche.

Aber lassen wir Hyundai einmal Hyundai sein und untersuchen, warum dem autonomen Fahren bislang noch nicht der Durchbruch beschieden war. Das Stichwort ist hier LiDAR oder Light Detection and Ranging. Vereinfacht gesprochen misst ein LiDAR-Sensor mit einem gepulsten Laser in seinem Sichtfeld die Entfernung zwischen sich und einem Gegenstand.

Damit steht und fällt die Idee des Autonomen Fahrens mit diesen Sensoren. Die gute Nachricht: Die Technologie ist gut erforscht und funktioniert. Die schlechte Nachricht: Ein halbwegs leistungsfähiger LiDAR-Sensor kann schon einmal rund 20.000 USD pro Stück kosten. Außerdem sind die Geräte sperrig. ZU Deutsch: Mit den derzeit verfügbaren LiDAR-Sensoren wird Autonomes Fahren in diesem Jahrhundert keine Realität mehr. Folglich ist das Marktvolumen dieser…..

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