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Bundesbank + Deutsche Börse arbeiten an der völlig rationalisierbaren Zukunft

Wie die Bundesbank gemeinsam mit der Deutschen Börse verkündet hat, arbeitet man derzeit zusammen in einer Konzeptstudie an dem, was wir mal als "völlig rationalisierbare Zukunft" bezeichnen...

FMW-Redaktion

Wie die Bundesbank gemeinsam mit der Deutschen Börse verkündet hat, arbeitet man derzeit zusammen in einer Konzeptstudie an dem, was wir mal als „völlig rationalisierbare Zukunft“ bezeichnen möchten. Dabei geht es um die Bereiche Wertpapiertransaktionen, Wertpapierabwicklung und Zahlungsverkehr. Schon mal was von dem neuen Modewort „Blockchain“ gehört? Hier erst einmal der Originaltext der beiden, danach unser Kommentar:


Die Deutsche Bundesbank und die Deutsche Börse haben heute gemeinsam einen funktionalen Prototyp für die Wertpapierabwicklung auf Basis der Blockchain-Technologie vorgestellt. Der innovative Prototyp ist so konzipiert, dass er technisch die Zug-um-Zug-Abwicklung von Wertpapieren gegen zentral ausgegebene digitale Werteinheiten sowie reine Werteinheiten- und Wertpapiertransfers ermöglicht. Zudem kann er einfache Kapitalmaßnahmen abwickeln, zum Beispiel die Zinszahlung für Wertpapiere und die Rückzahlung bei Fälligkeit eines Wertpapieres. In den kommenden Monaten planen Deutsche Bundesbank und Deutsche Börse, den Prototyp weiterzuentwickeln, mit dessen Hilfe die technische Leistungsfähigkeit und die
Skalierbarkeit einer solchen Blockchain-basierten Anwendung analysiert werden soll.

„Mit dem Blockchain-Prototyp wollen die Deutsche Bundesbank und die Deutsche Börse gemeinsam herausfinden, ob und wenn ja, wie man diese Technologie für Finanztransaktionen nutzen kann. Die Deutsche Bundesbank hat das Interesse, mit diesem Prototyp die Blockchain-Technologie in der Praxis besser zu verstehen, um ihr Potenzial einschätzen zu können“, sagte Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank.

„Zusammen mit der Deutschen Bundesbank adressieren wir innovativ und kreativ die potenziellen technologischen Chancen für den Finanzsektor. Wir arbeiten mit Hochdruck weiter, um mögliche Effizienzgewinne der Blockchain-Technologie heben zu können und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken zu verstehen und zu minimieren“, fügte Carsten Kengeter, CEO der Deutsche Börse AG, hinzu. Der Blockchain-basierte Prototyp ist das erste Zwischenergebnis eines gemeinsamen Forschungsprojekts von Deutscher Börse und Deutscher Bundesbank. Der Prototyp ist als reine Konzeptstudie zu verstehen. Er ist von einer Marktreife weit entfernt. Deutsche Börse und Deutsche Bundesbank setzen ihre Arbeiten am Ausbau des Prototyps und an einem Testkonzept fort.

Der Prototyp hat folgende Eigenschaften:

• Blockchain-basierte Zahlungen und Wertpapiertransfers sowie die Abwicklung von Wertpapiertransaktionen sowohl gegen sofortigen als auch zeitverzögerten Wertausgleich,
• Wahrung der Vertraulichkeit/Zugriffsrechte im Rahmen von Blockchainbasierten Konzepten auf Basis eines frei anpassbaren Rechtekonzepts,
• grundsätzliche Berücksichtigung der bestehenden regulatorischen Vorgaben,
• Identifizierung von Potenzial für Vereinfachungen bei der Geschäftsabstimmung sowie im regulatorischen Berichtswesen und
• Umsetzung des Konzeptes basierend auf einer Blockchain des HyperledgerProjekts.


Alles klar? Alles verstanden? Nein? Was kann das in Zukunft in der Praxis bedeuten? Nun, mal eine Frage: Wozu braucht der private Trader eigentlich einen Broker oder eine Direktbank? Wieso kann er nicht direkt über die Börse handeln, wie ein Börsenmakler auch? Die Frage wird angehenden Börsenmaklern und Bankern von Ausbildern gerne gestellt. Gute Frage, oder? Wozu gibt es diese Zwischenstation eigentlich? Ganz einfach: Der Kontrahent, also der Verkäufer einer Aktie, die Sie kaufen wollen, muss sicher sein, dass Sie als Käufer auch zahlen und umgekehrt. Ihre Direktbank oder Ihr Broker garantiert als Depotstelle die Zahlung, wie er sieht, dass in Ihrem Depot das Geld für den Kauf vorhanden ist. Nur deswegen lässt Ihr Broker die Kauforder in entsprechender Größe auch technisch zu. Es geht um die Verlässlichkeit der letztlichen Abwicklung – die Handelspartner müssen wissen, dass sie vom Gegenüber auch wirklich das erhalten, was vereinbart ist. Bisher übernehmen Broker und Banken diese „Garantiefunktion“. Hätte jede Privatperson direkt Zugriff auf die Börse ohne zwischengeschalteten Makler, könnte die Gegenpartei sich nicht wirklich auf die letztliche Abwicklung eines Trades verlassen. Bisher zumindest.

Aber mit der neuen Blockchain-Technologie soll in einer Art unabänderlicher Aneinanderkettung von Datensätzen, die auf dezentralen Rechnern gleichzeitig gespeichert werden, für jedermann Daten transparent und sicher dargestellt werden. Das könnte bedeuten (theoretisch): Trader könnten zukünftig vielleicht auf Broker verzichten und selbst Kontrahent werden. So könnte die ganze Brokerindustrie in gewisser Weise überflüssig werden, und nur noch Technologie-Anbieter für das Trading übrig bleiben. Wie gesagt, bisher nur ein Gedankenspiel, nur eine Konzeptstudie. Auch beim Zahlungsverkehr könnte es enorme Vereinfachungen geben. Ein Knopfdruck, und das Geld ist beim Empfänger sichtbar, keine 2 oder 3 Tage mehr warten, bis bei einer Auslandsüberweisung Geld irgendwo irgendwann mal ankommt.

Die Lieferung von Aktien mit dem dazu gehörenden Geldfluss, die je nach Land und Rechtssystem bisher zwei oder drei Tage nach dem Trade erfolgt, könnte mit einer international in Echtzeit aktualisierten und abrufbaren „Datenreihe“, die im Nachhinein nicht mehr verändert werden kann, sofort über die Bühne gehen. Die Daten würden sofort auf vielleicht hunderten Rechnern weltweit aktualisiert, ohne Möglichkeit der nachträglichen Manipulation oder Löschung. So würden alle Seiten viel Zeit und Geld sparen. Der Bundesbank geht es hierbei vor allem um die Sicherheit (vor allem wohl Rechtssicherheit).

Die Möglichkeiten der Effizienzsteigerung und Rationalisierung scheinen schier endlos zu sein im Bereich von Dienstleistungen, wenn es um Zahlungsverkehr und Börse geht. Das wäre gut für Trader, Unternehmen und Konsumenten. Weniger Kosten, keine Wartezeiten mehr. Negative Auswirkungen: Verdammt viele Menschen würden ihren Job verlieren, oft wohl auch ihren gut bezahlten Job bei Abwicklungsinstitutionen. Natürlich werden hier auch zwangsläufig viele einfache Jobs verloren gehen. Wird es auch hier wieder heißen wie bei anderen Industrien (halb Satire/halb ernst gemeint): „Die Leute, die durch diese Innovation ihren Job verlieren, können zukünftig ja alle Blockchain-Technologie-Programmierer werden.“



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5 Kommentare

  1. Das ist wie mit Whatsapp, es ist kostenlos, unkompliziert, schneller usw. – bietet nur Vorteile und man fühlt sich im Gegensatz zur SMS nicht abgezockt. Die Transaktionsgebühren der Depotbanken sind auch horrend, wieso soll ich 5 Euro und mehr für einen Trade bezahlen? Ich hätte nichts dagegen, Mitleid hab ich nicht.

    1. Whatsapp ist kostenlos, aber nicht umsonst. Umsonst ist wenig im Leben, selbst der Tod kostet eine ganze Menge Geld. Und längerfristig kann das Bezahlen mit den persönlichen Daten sehr sehr teuer werden. Leider ist es dann zu spät.

    2. Der Vergleich hinkt etwas. Whatsapp ist kein dezentrales, verteiltes Netzwerk. Es gibt zentrale Server, die die Textnachrichten und Multimediadaten zwischenspeichern, bis sie vom Empfänger abgerufen werden. Werden diese abgeschaltet, ist der Ofen aus.

  2. Ganz unproblematisch ist die Sache nicht. Einerseits muß jeder Teilnehmer einen Teil der Blockchain auf seinenen Rechner laden. Dieser kann sehr groß sein, was jedoch in Anbetracht immer höherer Bandbreiten immerhin machbar ist. Andererseits nimmt die Dauer der Validierung einer Transaktion mit zunehmender Teilnehmerzahl stark zu, gerade eben weil die Blockchain auf zahllosen Rechner „zerstückelt“ abgespeichert liegt. Im Bitcoin Netzwerk kann so eine Validierung bis 20 Minuten und länger dauern und das bei verhältnismäßig wenigen Teilnehmern (wer kennt jemanden, der Bitcoins zur Zahlung nutzt bzw. akzeptiert? das sind ganz wenige). Ein gern genutzter Lösungsansatz ist der einer „zwischengeschalteten Bank“ (speichert die Blockchain ihrer Teilnehmer oder Kunden auf ihren Rechnern). Das funktioniert zwar ganz gut, ist jedoch allenfalls eine Krücke, um die inhärenten Probleme zu umschiffen.

  3. »Bisher übernehmen Broker und Banken diese „Garantiefunktion“. Hätte jede Privatperson direkt Zugriff auf die Börse ohne zwischengeschalteten Makler, könnte die Gegenpartei sich nicht wirklich auf die letztliche Abwicklung eines Trades verlassen.«

    Konkret hieße das zukünftig, mit Blockchain-Technologie bräuchte man (fast) keine Banken mehr.

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