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Europa

Bundesbank: Deutschland rutscht in „ausgeprägte Rezession“

Claudio Kummerfeld

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Die Bundesbank hat vor wenigen Minuten ihren Monatsbericht für März veröffentlicht (hier der Bericht auf 168 Seiten). Darin heißt es, dass das Abgleiten in eine ausgeprägte Rezession (wegen dem Coronavirus) nicht zu verhindern sei. Eine wirtschaftliche Erholung werde erst dann einsetzen, wenn die Pandemiegefahr wirksam eingedämmt sei. Vor diesem Hintergrund sei die konjunkturelle Entwicklung und damit auch die Entwicklung am Arbeitsmarkt von beispielloser Unsicherheit gekennzeichnet, so die Bundesbank. Hier zitieren wir aus dem Haupt-Statement der Bundesbank auszugsweise:

„Voraussichtlich werden die Auswirkungen der Pandemie die Wirtschaftsleistung mindestens in der ersten Jahreshälfte massiv beeinträchtigen“, so die Expertinnen und Experten. Die wirtschaftliche Aktivität werde wohl in vielen Sektoren erheblich zurückgehen, dies habe wahrscheinlich eine empfindliche gesamtwirtschaftliche Unterauslastung zur Folge.

Vielschichtige Beeinträchtigungen der deutschen Wirtschaft
Die Pandemie und die zu ihrer Eindämmung ergriffenen Maßnahmen würden die deutsche Wirtschaft über verschiedene Kanäle treffen, so die Fachleute. Zunächst zeigten sich direkte wirtschaftliche Folgen in Deutschland selbst. Hier seien voraussichtlich eher binnenwirtschaftlich orientierte, konsumnahe Dienstleistungsbranchen am stärksten betroffen. Das Gastgewerbe, die Unterhaltungsbranche aber auch Messebetriebe und Luftfahrtunternehmen dürften besonders stark unter der sinkenden Nachfrage und vorsorglichen Schließungen leiden, schätzt die Bundesbank.

Daneben wären auch andere Unternehmen von potenziellem Arbeits- und Umsatzausfall infolge von Schutz- und Vorsichtsmaßnahmen, wie etwa den Schul- und Kindergartenschließungen, beeinträchtigt. Hinzu kämen Ausstrahleffekte aus dem Ausland, welche vor allem die Exportwirtschaft und damit die Industrie träfen. Außerdem drohten aufgrund der gedrosselten Produktion in besonders betroffenen Ländern Lieferengpässe bei wichtigen Vorprodukten. Dies könne auch in Deutschland zu Produktionsengpässen führen, selbst wenn die Nachfrage nach den zu produzierenden Gütern noch vorhanden sein sollte. „All diese aufgeführten Beeinträchtigungen können negative Vertrauens- und Zweitrundeneffekte im Inland auslösen“, so die Bundesbank.

Ergriffene geld- und finanzpolitische Maßnahmen und ausgebautes Sozialsystem schaffen Vertrauen

Diesen Folgewirkungen stünden jedoch zu einem gewissen Grad das ausgebaute Sozialsystem in Deutschland, die vom Eurosystem beschlossenen geldpolitischen Stützungsmaßnahmen sowie die von der Bundesregierung ergriffenen fiskalischen Maßnahmen entgegen. Sie stützten die verfügbaren Einkommen von Beschäftigten und die Zahlungsfähigkeit betroffener Unternehmen. Zudem schafften sie Vertrauen, dass die wirtschaftlichen Folgen der Krise für die Gesellschaft, die Gesamtwirtschaft und jeden Einzelnen beherrscht werden könnten. Darüber hinaus habe die Bundesregierung weitere konjunkturstimulierende Maßnahmen angekündigt, sollte sich die Konjunkturschwäche verfestigen. „Die deutschen Staatsfinanzen sind hierfür gut aufgestellt“, schreibt die Bundesbank.

Laut Bundesbank ist die Rezession unausweichlich
Bundesbank in Frankfurt. Foto: Bundesbank / Walter Vorjohann

3 Kommentare

3 Comments

  1. Avatar

    Koch

    23. März 2020 15:51 at 15:51

    Ergriffene Geld und finanzpolitische Massnahmen und ausgebautes Sozialsystem,schaffen Vertrauen!Ich möchte mich schon vorab für Nachfolgendes aus der deutschen Wochenschau(nur denjenigen geläufig,welche jetzt besser die Grätsche machen) entschuldigen,das da analog lautet:Unsere Truppen stürmen auf breiter Front vor und fügen dem (Corona)-Feind schwerste Verluste zu!Wenn wir Normalsterblichen dann wieder die Trümmerfrauen und Männer geben,wo emigrieren die „grosskopfeten Finanzgeneralfeldmarschälle“diesmal hin?Eigentlich bliebe,infektiös gesehen,nur die Antarktis!Kalt genug wären sie ja dafür,die Bonieskimos!

  2. Avatar

    asisi1

    23. März 2020 17:02 at 17:02

    FDie haben doch von Nichts eine Ahnung! Sie bekommen dicke Kohle und sind von jeder Strafverfolgung ausgenommen!
    Wenn die unsere Sozialsysteme anführen, in denen sie selbst nicht versichert sind, dann ist schon alles zu spät. Jeder der einmal in Not geraten ist, weis was es für einen Kampf gibt um auch nur etwas zu bekommen. Bestes Beispiel Rente auf 50% und demnächst noch weiter runter. Hier sollte sich jeder Fragen, warum arbeite ich noch und zahle da noch ein??? Ein klassisches Beispiel hier ist auch die „Zwangskasse“ Berufsgenossenschaft. Hier leben nur die Angestellten und Chefs gut. Hat man einen Unfall oder eine Berufserkrankung, geht es jahrelang um eine Mini Rente! Und so ist es mit allen unseren „Zwangs Sozialkassen“!

    • Avatar

      Jan

      23. März 2020 18:21 at 18:21

      DIE und WIR… Warum wollen Sie der Deutschen Bundesbank die Strafverfolgung auf den Hals hetzen? Ich denke, DIE haben zumindest genau so viel Ahnung von ihrer Materie wie SIE vom Großen und Ganzen. In den nächsten Wochen und Monaten wird sich zeigen, ob unser Gesundheits- und Sozialsystem tatsächlich so viel schlechter ist, als das vom hochgelobten „Sozialismus-verschonten“ Rest der der ach so freien Welt.

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Europa

Bruttoinlandsprodukt für 2020: Statistisches Bundesamt präsentiert erste Daten

Claudio Kummerfeld

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Deutschland Flagge

Laut vor wenigen Minuten vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Daten ist das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (anhand vorläufiger Berechnungen) im Gesamtjahr 2020 um 5,0 Prozent gesunken. Die deutsche Wirtschaft sei somit nach einer zehnjährigen Wachstumsphase im Corona-Krisenjahr 2020 in eine tiefe Rezession geraten, ähnlich wie zuletzt während der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Der konjunkturelle Einbruch fiel aber im Jahr 2020 den vorläufigen Berechnungen zufolge insgesamt weniger stark aus als 2009 mit -5,7 Prozent.

Grafik zeigt Bruttoinlandsprodukt im Verlauf seit dem Jahr 2005

BIP-Zahlrenreihen

Hier einige aktuelle Aussagen der Statistiker im Wortlaut:

Corona-Krise traf Industrie und Dienstleistungsbereiche hart – nur das Baugewerbe legte zu

Die Corona-Pandemie hinterließ im Jahr 2020 deutliche Spuren in nahezu allen Wirtschaftsbereichen. Die Produktion wurde sowohl in den Dienstleistungsbereichen als auch im Produzierenden Gewerbe teilweise massiv eingeschränkt.

Im Produzierenden Gewerbe ohne Bau, das gut ein Viertel der Gesamtwirtschaft ausmacht, ging die preisbereinigte Wirtschaftsleistung gegenüber 2019 um 9,7 % zurück, im Verarbeitenden Gewerbe sogar um 10,4 %. Die Industrie war vor allem in der ersten Jahreshälfte von den Folgen der Corona-Pandemie betroffen, unter anderem durch die zeitweise gestörten globalen Lieferketten.

Besonders deutlich zeigte sich der konjunkturelle Einbruch in den Dienstleistungsbereichen, die zum Teil so starke Rückgänge wie noch nie verzeichneten. Exemplarisch hierfür steht der zusammengefasste Wirtschaftsbereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe, dessen Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 6,3 % niedriger war als 2019. Dabei gab es durchaus gegenläufige Entwicklungen: Der Onlinehandel nahm deutlich zu, während der stationäre Handel zum Teil tief im Minus war. Die starken Einschränkungen in der Beherbergung und Gastronomie führten zu einem historischen Rückgang im Gastgewerbe.

Ein Bereich, der sich in der Krise behaupten konnte, war das Baugewerbe: Die preisbereinigte Bruttowertschöpfung nahm hier im Vorjahresvergleich sogar um 1,4 % zu.

Massiver Rückgang der in- und ausländischen Nachfrage

Auch auf der Nachfrageseite waren die Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich sichtbar. Anders als während der Finanz- und Wirtschaftskrise, als der gesamte Konsum die Wirtschaft stützte, gingen die privaten Konsumausgaben im Jahr 2020 im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 6,0 % zurück und damit so stark wie noch nie. Die Konsumausgaben des Staates wirkten dagegen mit einem preisbereinigten Anstieg von 3,4 % auch in der Corona-Krise stabilisierend, wozu unter anderem die Beschaffung von Schutzausrüstungen und Krankenhausleistungen beitrug.

Die Bruttoanlageinvestitionen verzeichneten preisbereinigt mit -3,5 % den deutlichsten Rückgang seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009. Dabei legten die Bauinvestitionen entgegen diesem Trend um 1,5 % zu. In Ausrüstungen – das sind vor allem Investitionen in Maschinen und Geräte sowie Fahrzeuge – wurden im Jahr 2020 dagegen preisbereinigt 12,5 % weniger investiert als im Vorjahr. Die Investitionen in sonstige Anlagen – darunter fallen vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung – fielen ersten Schätzungen zufolge preisbereinigt um 1,1 %.

Die Corona-Pandemie wirkte sich auch auf den Außenhandel massiv aus: Die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen gingen im Jahr 2020 erstmals seit 2009 zurück, die Exporte preisbereinigt um 9,9 %, die Importe um 8,6 %. Besonders groß war der Rückgang der Dienstleistungsimporte, was vor allem am hohen Anteil des stark rückläufigen Reiseverkehrs lag.

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Europa

Industrieproduktion hat Corona-Lücke fast aufgeholt

Claudio Kummerfeld

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Zahnräder

Die Industrieproduktion in Deutschland (Produktion im Produzierenden Gewerbe) hat die Corona-Lücke fast aufgeholt. Sie ist im November im Vergleich zu Oktober um 0,9 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute veröffentlicht hat. Im Jahresvergleich ist es ein Minus von 2,6 Prozent. Im Vergleich zum Februar 2020, dem Monat vor dem Beginn der Einschränkungen infolge der Corona-Pandemie, war die Produktion im November 2020 saison- und kalenderbereinigt noch 3,8 Prozent niedriger. Der Chart, der bis 2012 zurückreicht, zeigt die Industrieproduktion als blaue Linie. Hier sieht man für Februar 2020 einen Indexwert von 102,9 Punkten, und im November von 99.

Chart zeigt Verlauf der Industrieproduktion seit 2012

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Verbraucherpreise Eurozone Dezember: Fünfter Monat in Folge Deflation

Claudio Kummerfeld

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Geldmünzen mit Taschenrechner

Die Verbraucherpreise in der Eurozone wurden soeben für den Monat Dezember als Erstmeldung von Eurostat veröffentlicht. Sie sind um 0,3 Prozent rückläufig. Damit sehen wir auf europäischer Ebene nun den fünften Monat in Folge deflationäre Preise! Wie gestern auch in Deutschland, so sehen wir im Eurozonen-Gesamtschnitt heute auch eine kleinere Preissteigerung bei Lebensmitteln als in den Vormonaten. Jetzt sind es nur noch +1,4 Prozent, nach vorher +1,9 Prozent, 2,0 Prozent usw. Dies sorgt zusammen mit -6,9 Prozent bei den Energiepreisen für einen negativen Gesamtschnitt.

Details der Verbraucherpreise im Dezember

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