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Bundesbank macht der EZB richtig Druck – 4 Prozent Inflation – Handeln erforderlich

EZB-Zentrale in Frankfurt

Unter ihrem frisch ins Amt gestarteten Präsidenten Joachim Nagel geht die Bundesbank voll in die Offensive gegen die EZB – noch viel offensiver und aggressiver als beim seinem Vorgänger Jens Weidmann. Hatte EZB-Chefin Christine Lagarde letzte Woche Donnerstag in der Pressekonferenz der Notenbank zumindest passiv angedeutet, dass Zinsanhebungen für einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr möglich sein könnten, so äußert sich Joachim Nagel doch viel offensiver, und treibt damit die EZB quasi vor sich her.

Heute gab Bundesbank-Chef Joachim Nagel der ZEIT ein Interview. Die Bundesbank selbst hat aus diesem Interview drei Kernaussagen in Form einzelner Tweets selbst hervorgehoben. So sei es wahrscheinlich, dass die Inflation in Deutschland im Durchschnitt des Jahres 2022 „deutlich über 4 Prozent“ liegen wird. Also keine langsame Erholung von kurzzeitig höheren Preisen, wie man es von einigen Ökonomen und der EZB lange Zeit gehört hat? Auch warnt Joachim Nagel vor den Auswirkungen, wenn man zu lange mit der Normalisierung der Geldpolitik wartet. Denn warte man jetzt zu lange, müsste man später um so kräftiger die Zinsen anheben. Wenn sich das Bild (Inflation und Inflationsaussichten) bis März nicht ändert, werde er darauf drängen die Geldpolitik zu normalisieren. Als ersten Schritt solle man die Nettokäufe von Anleihen im Laufe des Jahres beenden. Und dann könnten auch die Zinsen noch in diesem Jahr steigen.

Damit formuliert Joachim Nagel die Position der Bundesbank deutlich offensiver, als es die EZB tut. Ein Blick auf die Renditen von Staatsanleihen aus der Eurozone zeigt aktuell: Seitdem heute Mittag das Interview bekannt wurde, steigen die Renditen nicht an. Bleibt man am Anleihemarkt entspannt, weil man weiß, dass die hawkische Sicht der Bundesbank im EZB-Rat keine wirkliche Mehrheit hat? Vielleicht wird die EZB später in diesem Jahr die Zinsen anheben. Aber ob das Drängen der Bundesbank dafür wirklich so viel Druck darstellt, dass die Zinswende mehrere Monate oder Quartale vorverlegt wird?



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1 Kommentar

  1. Scheiss auf die Südländer, die müssen halt sehen wo sie bleiben. Oder bleiben die Anleihekaufprogramme etwa bestehen, wenn die Zinsen erhöht werden?

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