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Monatsbericht September Bundesbank: Rezession naht – Inflation bald zweistellig

Die Bundesbank rechnet mit einer Rezession. Die Industrieproduktion sei rückläufig, und die Inflation wird bald zweistellig sein.

Industrieproduktion und Fabrikschlote

Wir hatten heute bereits berichtet. Von Bloomberg befragte Ökonomen sehen die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaftskraft der Eurozone in den nächsten 12 Monaten zwei Quartale in Folge schrumpfen wird, inzwischen bei 80%. In einer früheren Umfrage war das Risiko noch mit 60% beziffert worden. Nun hat heute Mittag auch die Bundesbank in ihrem Monatsbericht für September verkündet, dass sich die Anzeichen für eine Rezession mehren. Hier dazu auszugsweise einige Aussagen auch über die Industrieproduktion und Inflation.

Bundesbank spricht über heraufziehende Rezession

Die Fachleute der Bundesbank sehen demnach immer mehr Anzeichen dafür, dass die deutsche Wirtschaft in eine Rezession rutscht. Darunter verstehen sie einen deutlichen, breit angelegten und länger anhaltenden Rückgang der Wirtschaftsleistung. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte laut Bundesbank im laufenden Quartal etwas zurückgehen und im Winterhalbjahr deutlich schrumpfen. Als Grund dafür führen die Bundesbank-Ökonomen vor allem die äußerst angespannte Lage bei der Energieversorgung aufgrund des russischen Krieges gegen die Ukraine an. Die hohe Inflation und die Unsicherheit in Bezug auf die Energieversorgung und ihre Kosten beeinträchtigen dabei nicht nur die gas- und stromintensive Industrie sowie deren Exportgeschäfte und Investitionen, sondern auch den privaten Konsum und die davon abhängigen Dienstleister, so die Bundesbank.

Industrieproduktion bereits gesunken

Es ist nur logisch: Wenn in den nächsten Wochen für einen großen Teil der Bevölkerung die Energiekosten-Nachzahlungen anstehen, und dann auch die höheren Abschlagszahlungen verkündet werden, denkt der normale Konsument nicht über Anschaffungen nach, die man nicht wirklich benötigt. Jetzt heißt es „Geld zusammenhalten“. Und eben diese Denkweise, die nur zu verständlich ist, ist aber auch verdammt schlecht für die Volkswirtschaft als ganzes. Dazu zitieren wir diese aktuelle Aussage der Bundesbank, aus der man die Auswirkung ablesen kann: „Die hohen Energiekosten hätten die energieintensiven Sektoren belastet, schreiben die Fachleute im Monatsbericht. So sei die Produktion der Chemischen Industrie stark zurückgegangen. Auch die Herstellung von Konsumgütern habe deutlich abgenommen, besonders betroffen seien die Produzenten von Möbeln sowie die Pharmaindustrie gewesen. Der industrielle Auftragseingang sei wegen der sinkenden Inlandsnachfrage im Juli weiter rückläufig gewesen.“

Inflation bald zweistellig – verschiedene Faktoren wirken verschärfend

Wenn 9-Euro-Ticket und Tankrabatt entlastend wirken, kommt die Belastung nach Auslaufen solcher zeitlich begrenzter Programme wie ein böser Boomerang zurück. Und gerade in Sachen Inflation dürfte dies der Fall sein. Dazu hier aktuelle Aussagen der Bundesbank: Die Inflationsrate, gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex, sei im August im Vergleich zum Vorjahr auf 8,8 Prozent gestiegen und habe damit um 0,3 Prozentpunkte über der Rate vom Juli gelegen. Vor allem Preissteigerungen bei unverarbeiteten Nahrungsmitteln hätten diese Entwicklung verursacht. Aber auch bei den verarbeiteten Nahrungsmitteln, sowie bei Industriegütern und Dienstleistungen habe sich die starke Preisdynamik fortgesetzt, so die Fachleute.

Mit dem Auslaufen des Neun-Euro-Tickets und des Tankrabatts zum 1. September 2022 sei es bei Benzin und Diesel zu Preissprüngen gekommen. Dies würde im laufenden Monat zu erneuten Preissteigerungen bei Energie und Dienstleistungen führen und die Inflationsrate entsprechend erhöhen, schreiben die Ökonominnen und Ökonomen. „Die angekündigten Maßnahmen des dritten Entlastungspakets, etwa zur Gasumlage oder Strompreisbremse, werden sich dagegen wohl erst Anfang des nächsten Jahres in den Verbraucherpreisen niederschlagen. Die Inflationsrate dürfte unter dem Strich in den nächsten Monaten in den zweistelligen Bereich vorrücken.“

FMW/Bloomberg/Bundesbank



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