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Bundesbank: „Risikotragfähigkeit des Finanzsystems könnte überschätzt werden“

Banken vergeben jetzt in dieser Nullzinsphase zu absoluten Mini-Zinsen langfristige Kredite. Der Anteil der Wohnungsbaukredite mit Zinsbindung von länger als 10 Jahren stieg in den letzten 14 Jahren von 23% auf jetzt 45%. Wie es zu erwarten war…

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Bundesbank hat heute ihren „Finanzstabilitätsbericht 2017“ vorgestellt. Die Lage an sich (ohhh Wunder) ist bestens. Aber die Bundesbank weist auch deutlich darauf hin, dass das Finanzsystem die bevorstehenden Risiken massiv unterschätzen könnte. Hier erst einmal wichtige Kernaussagen des Berichts im Wortlaut:

1. Niedrige Zinsen und ein hohes Wachstum bergen die Gefahr, dass Risiken unterschätzt werden.
– „Blick in den Rückspiegel“: Marktteilnehmer könnten die derzeit günstigen Bedingungen fortschreiben.
– Marktteilnehmer könnten Szenarien ausblenden, die zu hohen Verlusten führen.

2. Risiken können sich im Finanzsystem verstärken.
-Zinsänderungen, Neubewertungen und Kreditausfälle können gleichzeitig eintreten.
– Systemrisiken können entstehen, wenn viele Marktteilnehmer Risiken in ähnlicher Weise ausgesetzt sind.

3. Die Risikotragfähigkeit des Finanzsystems könnte überschätzt werden.
-Banken und Kreditnehmer sind besser kapitalisiert.
– Aber: Ausfallrisiken könnten unterschätzt, der Wert von Sicherheiten überschätzt werden.

In der folgenden Grafik sieht man ein sehr großes Risiko einfach und klar dargestellt. Banken vergeben jetzt in dieser Nullzinsphase zu absoluten Mini-Zinsen langfristige Kredite. Der Anteil der Wohnungsbaukredite mit Zinsbindung von länger als 10 Jahren stieg in den letzten 14 Jahren von 23% auf jetzt 45%. Wie es zu erwarten war, gab es den großen Schub nach oben ab dem Jahr 2014, wo die Nullzinspolitik der EZB so richtig Fahrt aufnahm! Das freut den Häuslebauer! Aber wenn die Zinsen in ein, zwei Jahren anfangen zu steigen, müssen die Banken ihren Geldgebern (Sparern) bald höhere Zinsen zahlen, als sie Zinsen langfristig gebunden von den Häuslebauern einnehmen. Ein immenses systemisches Risiko, weil es hier um ganz große Summen geht, verteilt vor allem auf Sparkassen und Volksbanken.

Die Bundesbank schafft es mit sehr klaren Grafiken die Risiken einfach darzustellen. Wie wir eben schon beschrieben haben, zeigt diese Grafik, dass bei diesen Zinsänderungen vor allem die Sparkassen und Volksbanken betroffen wären.

Die folgende Grafik zeigt: Die Insolvenzen gehen langfristig gesehen deutlich zurück, ebenso aber auch die Risikovorsorge der Banken für Kreditausfälle.

Die folgende Grafik (zum Vergrößern bitte anklicken) zeigt, warum laut Bundesbank von den Indikatoren zum Wohnimmobilienmarkt derzeit keine unmittelbaren Risiken für die Finanzstabilität ausgehen. Die Preise für Wohnimmobilien steigen zwar deutlich, auch die Kreditvergabe (Charts links und in der Mitte). Aber der Chart rechts zeigt, dass die Verschuldung der privaten Haushalte in Deutschland eher rückläufig ist, und zuletzt seitwärts verläuft. Anders also als in den USA, wo die Gesamtverschuldung der Privathaushalte zuletzt neue Rekordstände erreichte.

Risiko bei Banken

Die Bundesbank merkt an, dass auf der einen Seite die Kernkapitalquote deutscher Banken seit 2008 von 10% auf 15,4% gestiegen ist. Dem entgegen wirke aber eine historisch niedrige Risikovorsorge (0,64% der Bilanzsumme).

Weitere Aussagen der Bundesbank von heute:

Niedrige Zinsen und die günstige konjunkturelle Lage in Deutschland bergen aber die Gefahr, dass Marktteilnehmer Risiken unterschätzen. Diese haben sich nicht zuletzt in der lang anhaltenden Phase niedriger Zinsen aufgebaut: Die Bewertungen vieler Kapitalanlagen sind sehr hoch; der Anteil niedrig verzinster Anlagen in den Bilanzen der Banken und Versicherer ist stetig gestiegen. „In diesem vorteilhaften Umfeld sind die Marktteilnehmer anfällig gegenüber unerwarteten Entwicklungen“.

Unerwartete Entwicklungen, wie ein abrupter Zinsanstieg oder weiter anhaltend niedrige Zinsen, könnten das Finanzsystem empfindlich treffen. Von solchen negativen Entwicklungen wäre eine Reihe von Marktteilnehmern betroffen. „Risiken aus Neubewertungen, Zinsänderungen und Kreditausfällen können gleichzeitig eintreten und sich gegenseitig verstärken“.

„Die Banken müssen sich vor allem für den Fall eines Zinsanstiegs rechtzeitig wappnen“, unterstrich Andreas Dombret, im Vorstand der Deutschen Bundesbank zuständig für Bankenaufsicht, bei der Vorstellung des Berichts. „Wenn die Zinsen steigen, wird dies die Stabilität des deutschen Finanzsystems mittelfristig stärken; steigen sie jedoch unerwartet stark und schnell, könnte dies das deutsche Finanzsystem empfindlich treffen“, so Dombret. Insgesamt schätzt er die Risikotragfähigkeit der Banken in Deutschland zwar als gut ein: „Weiterhin im Blick haben wir aber die niedrige Ertragskraft vieler deutscher Banken und Sparkassen, die mit einer Eigenkapitalrentabilität von 2,1% im Jahr 2016 im europäischen Vergleich am unteren Ende rangieren. Diese geringe Ertragskraft könnte den Anreiz erhöhen, vermehrt Risiken einzugehen, um so höhere Erträge zu erwirtschaften.“

Würde die Niedrigzinsphase unerwartet lange andauern, kämen insbesondere kleine und mittelgroße Banken sowie Lebensversicherer unter Druck. Die Anreize erhöhen sich dann, vermehrt Risiken einzugehen.




Quelle: Deutsche Bundesbank

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    baeuerin

    29. November 2017 13:19 at 13:19

    Danke Hr.Fugmann,dass sie das Thema (fuer mich Zinsfalle) ausfuehrlich dargestellt haben!
    Habe gestern schon erwaehnt,dass viele Haeuslebauer mit zu geringem Eigenkapital,sich ins Verderben buckeln werden und nur noch am Fenstergummi lutschen duerfen…nat.im Eigenheim….

  2. Avatar

    baeuerin

    29. November 2017 13:31 at 13:31

    Man will die New Generation ins Verderben locken,so wie in den 90igern(Schrott kaufen und dann Abwaerts)
    Auch da wurden die sog.Akademiker ueber den Senkel gezogen,weil,“ist doch alles Sicher von der Regierung Kohl“lol
    Heute kurbelt man noch schnell das Schuldgeldsystem(Abhaengigkeit u.Mondpreise der Immos) an,damit man spaeter die saeumigen Zahler kurz u.schmerzlos enteignen kann!!
    Siehe Italien,Spanien ect.
    Die Germanen haben noch zu viel Kohle auf der Bank und das will man sich unter den Nagel reissen!

    Mal sehen,wie lange es dauert,bis die FMW das Wort „Zwangshypotheken“in den Mund nimmt?

    • Avatar

      baeuerin

      29. November 2017 13:43 at 13:43

      …ca.10Billionen Euros hat der DEUTSCHE an Immos und Cash!!!
      Der Staat geht nicht pleite,aber zum Grossteil das buckelnde gutglaeubige Volk!
      Wer jetzt auf Pump noch am Immomarkt zuschlaegt,hat die Lage nicht erkannt!
      Cash auf den Tisch od.bleiben lassen!
      Schulden bedeutet, immer im Hamsterrad zu verweilen!

  3. Avatar

    Steve

    29. November 2017 13:59 at 13:59

    Die Banken haben keine Probleme damit !!

    Die holen sich dann günstig die Grundstücke , wenn die Wirtschaft crasht, die leute die Jobs verlieren und Tilgung nicht mehr bedienen können

  4. Avatar

    Murat Dundar

    29. November 2017 19:55 at 19:55

    moment mal. wer jetzt ein haus baut der macht alles richtig. bei diesen niedrigen zinsen muss man ein haus bauen. frage ist nur ob man es von der bank genehmigt bekommt. beispiel: vor 10 jahren hat man baugeld verliehen mit 5 % zinsen und 1 bis 2 % tolgung. wer jetzt baut kann mit 1-2 % zinsen einen kredit bekommen und könnte bis zu 5-6% tilgung einbauen. nach 10 jahren können die zinsen meinetwegen wieder bei 5% sein und …egal. man hätte nur noch 40-50 % restschuld.
    das problem ist das viele keinen kredit bekommen das sind die potentiellen kunden wenn die zinsen wieder steigen. dann bekommen diese menschen wieder eine finanzierung. und das sind später die zu notleidende finanzierungen werden.

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Arbeitsmarkt nach Corona: Mehr Staatswirtschaft, weniger Industrie

Redaktion

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Büro-Arbeitsplatz

Verschwörungstheorie? Oder nur eine Vermutung? Das „übliche“ neo-liberale Gelaber, welches den Staat verteufelt, und vor noch mehr Staat warnt? Nein, offizielle staatliche Aussagen vom heutigen Tage zeigen, dass am deutschen Arbeitsmarkt in die Staatswirtschaft deutliche Stellenzuwächse erleben wird, während produzierende Betriebe nicht nur jetzt, sondern auch in 2021 weiter Stellen abbauen wird.

Staatswirtschaft im Aufwind, Industrie im Rückzug?

De facto heißt das: Die Angestellten in der Privatwirtschaft müssen (insgesamt gesehen) durch Steuern und Abgaben immer mehr, mehr und noch mehr erwirtschaften und abführen, damit die immer größere Zahl der Arbeitsstellen im Rahmen der Staatswirtschaft auch bezahlt werden kann! Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute ihre Prognose für den deutschen Arbeitsmarkt für die Jahre 2020 und 2021 veröffentlicht. Und genau aus diesen Aussagen geht folgendes hervor, auszugsweise im Wortlaut:

Die Zahl der Arbeitslosen steigt laut der IAB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 um 440.000, im Jahr 2021 könnte sie wieder um 100.000 zurückgehen.

Im Produzierenden Gewerbe gab es insbesondere im zweiten Quartal 2020 einen deutlichen Stellenabbau, der auch 2021 anhalten wird. Im Jahresdurchschnitt 2020 fallen hier 160.000 und 2021 nochmal 60.000 Stellen weg.

Beschäftigungszuwächse erwarten die IAB-Forscher dagegen vor allem im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ (jeweils +190.000 in beiden Jahren).

Wird man im Detail die Neueinstellungen bei Staat und öffentlichen Betrieben (zusammen nennen wir das mal die „Staatswirtschaft“) durchgehen, dann wird man im Einzelfall sicher sagen: Ja, diese neue Stelle ist sinnvoll, und die auch, und die auch, und die da… ja dieser neue Job bei dieser Behörde ist auch notwendig. Zum Beispiel mehr Polizisten, mehr Lehrer, mehr Personal für die Gesundheitsämter, mehr Personal für den Zoll für die Kontrollen bei Schwarzarbeit und Einhaltung der Vorschriften bei Fleischbetrieben, mehr Sozialarbeiter etc. Und so könnte man die Liste sicher endlos fortsetzen.

Nur irgendwer muss all das ja auch bezahlen, zusätzlich zu der immens steigenden Staatsverschuldung, die irgendwann ja auch irgendwer mal bezahlen soll. Unterm Strich, da darf man sich sicher sein, wird es heißen: Wir müssen leider, leider die Steuern erhöhen. Geht eben nicht anders? Oder wird man anstatt die Steuern raufzuschrauben, eher auf indirekte Steuern und Sozialabgaben setzen? Was der Bürger nicht so offensichtlich sieht, tut auch nicht so sehr weh?

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Baugewerbe mit Einbruch bei den Auftragseingängen – kein Grund zur Sorge!

Claudio Kummerfeld

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Baugewerbe mit Rückgang bei den Aufträgen

Das deutsche Baugewerbe verzeichnet einen Rückgang der Auftragseingänge. Krise? Weit gefehlt, so möchten wir meinen. Wie heute offiziell vermeldet wurde, sind die Auftragseingänge im Juli im Vergleich zu Juni um 5,6 Prozent gesunken, und im Vergleich zu Juli 2019 um 4,9 Prozent. In den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 sank der reale Auftragseingang im Baugewerbe gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent. Warum diese Rückgänge noch kein Problem sind? Nun, die Aussagen der Statistiker deuten dies an.

Denn der Auftragseingang im Juni 2020 war aufgrund von Großaufträgen ungewöhnlich hoch ausgefallen. Und der Auftragseingang im Juli 2019 war der höchste jemals in einem Juli gemessene Wert. Von daher war es für den Juli 2020 auch schwer, im Vergleich zu diesem Rekord-Ausgangswert noch mal eine Steigerung hinzulegen. Und aktuell darf man ja auch noch ergänzen, dass im Zuge der Coronakrise verständlicherweise einige wirtschaftliche Abläufe wie Bauaufträge oder Bauanträge bei Ämtern verschoben werden oder sich verzögern. Wenn man das bedenkt, dann sind diese Auftragsrückgänge im Baugewerbe noch eher mild ausgefallen. So schreiben die Statistiker vom Statistischen Bundesamt auch Zitat „Gründe für diese negative Entwicklung sind neben möglichen Einflüssen der Corona-Pandemie auch das sehr hohe Niveau des Vorjahres“.

Die am Anfang des Artikels genannten Prozentveränderungen waren real, saison- und kalenderbereinigt gerechnet. Die nominalen Veränderungen fielen noch viel kleiner aus. Der Auftragseingang im Baugewerbe betrug im Juli 2020 rund 7,5 Milliarden Euro. Das waren nominal (nicht preisbereinigt) 2,5 % weniger gegenüber dem Höchststand im Juli 2019. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sanken die Auftragseingänge in den ersten sieben Monaten 2020 nominal um 0,5 %.

Grafik zeigt Verlauf der Auftragseingänge im Baugewerbe

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Coronakrise und Insolvenzen: Ab 01.Oktober kommt die Pleite-Welle

Markus Fugmann

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Aufgrund der Coronakrise hat die Bundesregierung bekanntlich beschlossen, das Insolvenzrecht zeitlich begrenzt auszusetzen und damit die Pflicht zur Anmeldung einer Insolvenz ausser Kraft zu setzen – gleichwohl droht nun bereits in der nächsten Woche eine massive Pleite-Welle. Denn ab 01.Oktober müssen jene Unternehmen wieder Insolvenz anmelden, die zahlungsunfähig sind – während überschuldete Firmen erst ab 01.Januar 2021 die Pflicht zur Insolvenz-Anmeldung haben.

Wie viele der von der Coronakrise betroffenen Unternehmen in Deutschland müssen dann als ab nächster Woche Insolvenz anmelden? Volker Römermann, unter anderem Fachanwalt für Insolveznrecht, sagt: über 90% der betroffenen Firmen werden dann ab 01.Oktober Insolvenz anmelden müssen, denn so hoch sei die Zahlungsunfähigkeits-Quote bei allen Insolvenzen – Überschuldung und damit die Pflicht zur Insolvenzanmeldung erst ab 01.Januar 2021 sei dagegen bei weniger als 10% der Fall.

Coronakrise: Jetzt kommt der Schmerz!

Das bedeutet: hunderttausende Firmen in Deutschland werden wohl zeitnah Insolvenz anmelden! Das wird viele Arbeitsplätze kosten. Der durch die Coronakrise ausgelöste Schmerz wurde also lediglich in die Zukunft verschoben – und diese Zukunft und damit der große Schmerz kommt nun also im Oktober, „buchstäblich am 01.Oktober“, sagt Römermann im Interview mit Florian Homm. Zwischen Januar und August diesen Jahres war die Zahl der Insolvenzen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr sogar rückläufig – da hat sich nun viel aufgestaut, was sich nun in einer Pleite-Welle entladen dürfte!

Und der Schmerz geht dann ab 01.Januar 2021 weiter, denn viele Firmen haben in der Coronakrise noch einmal Kredite aufgenommen, seien aber nicht zuletzt dadurch aussichtslos überschuldet, sagt Volker Römermann:

Ab 01.Oktober schlägt die Coronakrise voll durch - es droht eine Welle von Insolvenzen

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