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Bundesbank strikt gegen Bargeld-Abschaffung – Aussagen und Szenarien

Redaktion

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FMW-Redaktion

Die Bundesbank stemmt sich aktuell klipp und klar gegen den europäischen Trend Bargeld nach und nach abzuschaffen. Die klare Meinung eines Bundesbankers und was andernorts jetzt schon geschieht…

Bundesbank-Zentrale in Frankfurt gegen Bargeld-Abschaffung
Bundesbank-Zentrale in Frankfurt am Main
Foto: Wolfgang Pehlemann Wiesbaden Germany / Wikipedia (CC BY-SA 3.0 de)

Die Argumente für Bargeld-Abschaffung

Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, hat gestern in einer Rede bei der Oesophagus-Stiftung in Stuttgart der Abschaffung von Bargeld in Deutschland eine klare Abfuhr erteilt: „Ich möchte es hier ganz deutlich sagen: Die Deutsche Bundesbank lehnt die Forderung nach einer Abschaffung des Bargelds ebenso ab wie Restriktionen für die Bezahlung von Waren und Dienstleistungen mit Bargeld.“ In seiner Rede spricht er die Befürworter der Bargeld-Abschaffung und deren Argumente an, Zitat:

„Prominente Ökonomen wie Kenneth Rogoff oder Peter Bofinger als Mitglied des Sachverständigenrates befürworten eine Abschaffung von Banknoten und Münzen und begründen dies damit, dass es nur in einer Welt ohne Bargeld möglich sei, die Zinsen für die Bürgerinnen und Bürger unter null zu senken. Nur so könnten die geldpolitischen Maßnahmen Wirkung zeigen. Gegen Bargeld spräche auch, dass man im Supermarkt Zeit sparen würde, wenn Kunden an der Kasse nicht mehr nach Cent-Münzen kramen würden. Und zu guter Letzt argumentieren die Befürworter dieser Position, dadurch den Drogenhandel, Schwarzarbeit oder Steuerhinterziehung zurückzudrängen. Gerade letztere Argumente werden auch genannt, wenn man über eine Einschränkung der Barzahlung diskutiert. Im Gegensatz zur Bargeldabschaffung – die es bislang nirgendwo gibt – ist dies Realität. Zwar nicht in Deutschland, aber in anderen europäischen Ländern. Unter anderem in Frankreich, Italien oder Griechenland gelten Höchstgrenzen für Barzahlungen, – für größere Beträge muss auf Kartenzahlung, Überweisung oder Lastschrift zurückgegriffen werden.“

Das Argument mit der Minus-Verzinsung wird wohl das wichtigste und für staatliche Institutionen das verführerischste Argument sein, warum man Bargeld abschaffen sollte. Der Bürger wäre gezwungen sein ganzes Cash-Vermögen auf einem Bankkonto zu deponieren – somit hätte der Staat über EZB, Bundesbank und Finanzministerium regulatorisch immer Zugriff, wie dann z.B. über die Senkung des EZB-Leitzins in den Minus-Bereich. Dann würden die Banken diesen EZB-Leitzins an den Bürger weiterreichen. Die Folge: Hat der Bürger Geld z.B. auf seinem Sparbuch, muss er dann dafür Zinsen zahlen! Unglaublich, oder? Noch!!!

Die makroökonomische Überlegung von einigen „Besserwissern“ wie dem deutschen Wirtschaftsweisen Bofinger ist, dass die Bürger dann gezwungen wären ihr Erspartes zu verkonsumieren oder in Aktien oder sonstigen aktiven Geldanlagen arbeiten zu lassen. So soll die Volkswirtschaft kräftig stimuliert werden. Was hier komplett vergessen wird: Diese Herangehensweise beraubt dem Bürger seine Freiheitsrechte in einem unglaublichen Ausmaß!

Schwarzarbeit und Drogenhandel

Auf den ersten Blick gibt es die gewichtigen Argumente die Abschaffung von Bargeld würde Schwarzarbeit, Drogenhandel und Geldwäsche stark einschränken. Thiele geht hierauf ein und argumentiert dagegen:

„Lässt man sich darüber hinaus auf eine inhaltliche Diskussion über die angeblichen Nachteile des Bargelds ein, findet sich wenig Stichhaltiges. Das Argument, ohne Bargeld gäbe es keine Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung oder Drogengeschäfte mehr, greift nicht. Einerseits könnten die handelnden Personen auf Fremdwährungen ausweichen – sofern das Bargeld nicht weltweit abgeschafft wird – oder alternative Tauschmittel nutzen. Andererseits muss es sich bei Schwarzgeld nicht zwangsläufig um Bargeld handeln. Der französische Ökonom Gabriel Zucman schätzt, dass weltweit 5,8 Billionen Euro an privatem Vermögen als Buchgeld nicht deklariert sind und sich auf Konten in Steueroasen wie der Schweiz, Hongkong oder Singapur befinden. Auch das Argument, Bargeld erschwere den Zahlungsverkehr, weil an der Ladenkasse nach Kleingeld gekramt werde, kann entkräftet werden. Gemäß der ersten Zahlungsverhaltensstudie der Deutschen Bundesbank aus dem Jahr 2008 sehen fast 90 Prozent der Bevölkerung Bargeld als schnelles und bequemes Zahlungsmittel an. Sicherlich können Barzahlungen im Einzelfall länger dauern. Gleiches gilt aber auch für Kartenzahlungen, bei denen die PIN falsch eingegeben wird oder das Terminal die Karte nicht akzeptiert.“

Garantiert der Staat dann Bankeinlagen zu 100% ???

Auch muss man erwähnen: Wenn alle Bargeldbestände abgeschafft würden und es nur noch Bankguthaben gäbe, wäre der Sparer auf Gedeih und Verderb seiner Bank ausgeliefert. Auch in Deutschland gab es schon öfters kleinere Bankenpleiten. In Zypern wurden Sparer erst 2013 für die Rettung ihrer zwei größten Banken herangezogen und wurden de facto enteignet. Was wäre z.B. wenn jemand sein Leben lang hart gearbeitet hat und jetzt Geldbestände von 300.000 Euro angespart hat, und der Staat nimmt ihm alles über 100.000 Euro weg? Hätte er die Bankpleite vorhergesehen und hätte er die Möglichkeit gehabt das Geld in Cash zu halten, wäre er schon längst zum Bankschalter gegangen und hätte sich Bargeld auszahlen lassen. So ist er aber in einem zukünftigen Szenario des ausschließlich elektronischen Geldes völlig davon abhängig, dass die Banker die Kundengelder nicht wieder in den nächsten Börsenblasen verzocken. Würde die Bundesregierung dann ALLE Bankguthaben garantieren, wenn man kein Bargeld mehr besitzen dürfte? Auch dieses mehr als ernste Thema, das wie gesagt im EU-Land Zypern bereits Realität ist, spricht Thiele an:

„Dennoch haben viele Menschen gute Gründe, Geld bar aufzubewahren. So ist Bargeld das liquideste Zahlungsmittel; außerdem sind Banknoten Zentralbankgeld. Dies ist insbesondere in Zeiten erhöhter Unsicherheit von Bedeutung, in denen die Bevölkerung physisch greifbares Geld einer Notenbank halten möchte, anstatt Forderungen gegenüber einer Geschäftsbank zu haben. So war beispielsweise die Bargeldnachfrage während der Finanzkrise im Oktober 2008 stark gestiegen. Gleiches gilt in Ländern, in denen sich die Bürgerinnen und Bürger nicht sicher sein können, ob sie am nächsten Tag noch Bargeld von ihrer Bank abheben können, ob sie also aus dem Buchgeld in das Bargeld wechseln können.“

Die Einschläge kommen näher

Im EU-Land Dänemark hat die dortige Notenbank, die ja nicht dem Eurosystem angehört, beschlossen wahrscheinlich ab 2016 keine neuen Banknoten mehr zu drucken mangels Nachfrage. Auch sollen kleinere Läden vom Zwang befreit werden Bargeld annehmen zu müssen, weil die Menschen in Dänemark und Skandinavien generell schon zu großen Teilen bargeldlos bezahlen. In Ländern wie Frankreich geht man (angeblich nur wg. der Terror-Abwehr) dazu über Höchstgrenzen beim Bezahlen mit Bargeld einzuführen. Dies wird dort wohl immer mehr ausgeweitet, also die Höchstbeträge abgesenkt.

Jetzt braucht es nach unserer Meinung einen Schuss FPD-Politik nach der nächsten Bundestagswahl (die standen doch mal für Freiheit?), um Umdenken bei der Bundesbank, und dazu noch das Schulterklopfen von „Experten“ wie Herrn Bofinger, und fertig ist die Bargeldabschaffung in Deutschland. Jetzt in diesem Augenblick wirkt dieses Szenario unrealistisch und weit weit weg, aber das dachte man vorher auch bei anderen Ereignissen (Lehman etc). Aber noch positioniert sich die Bundesbank ja eindeutig dagegen.

Zum Schluss möchten wir noch diese gestrigen Zitate von Carl-Ludwig Thiele bringen:

„Zum einen schützen Barzahlungen die Privatsphäre der Bevölkerung. Dass davon auch weniger rechtschaffene Personen profitieren, ist kein Grund, die ehrlichen Bürgerinnen und Bürger immer gläserner werden zu lassen. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und Achtung des Privatlebens ist ein hohes Gut, welches nicht aufgeweicht oder preisgegeben werden sollte. „Bargeld ist geprägte Freiheit“ – dieses abgewandelte Dostojewski-Zitat hat nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt. Als Bundesbank vertreten wir die Auffassung, dass wir den Bürgerinnen und Bürgern keine Vorschriften bei der Wahl ihrer Zahlungsinstrumente machen möchten.“

Da meinen wir: Gut so Herr Thiele. Die Bundesbank sollte diese Meinung weiterhin standhaft vertreten!



Quelle: Deutsche Bundesbank

11 Kommentare

11 Comments

  1. Avatar

    joah

    14. Oktober 2015 15:08 at 15:08

    „Garantiert der Staat dann Bankeinlagen zu 100% ???
    Der Staat selbst hat kein Geld. Der Staat sind die Bürger selbst und es ist deren Geld. Garantieren kann und will man selbst mit Einlagensicherungen nichts, denn diese dienen nur den Banken, nicht dem Bürger wie so oft geglaubt – :
    „Die Entschädigung kann in Euro geleistet werden.“
    Damit wäre eine Auszahlung in „was auch immer“ ohnehin durch die Nutzung des Konjunktiv vollständig vorgebeugt. Können ist nicht müssen. Ende

  2. Avatar

    joah

    14. Oktober 2015 15:13 at 15:13

    Mal von ganz anderer Seite: was hat die (deutsche) Bundesbank in Sachen Euro-Währung überhaupt noch zu melden, wenn sie damit ihr Mandat vollständig an die EZB abgegeben hat? Es sind somit nur fromme Wünsche seitens der Bundesbank, ansonsten sollen die Verbrecher bitte still sein, denn verhindern oder ändern können die schon mal gar nichts (mehr).

  3. Avatar

    Pedro

    14. Oktober 2015 23:37 at 23:37

    Ja,nehmen Sie den Asiaten oder Arabern mal ihr Geld weg.
    Was meinen Sie,was dann los ist.
    Ausserdem würde man sofort Konten in anderen Ländern eröffnen.
    Das würde ich auch,damit die europäischen Banker nichts zu grinsen haben.
    Hier in Deutschland würde ich nur girales Notgeld oder den Lohn verwalten lassen.
    Alles darüber hinaus geht auf’s Auslandkonto.
    Wenn das auch verboten wird,wird alles in Rubine,Edelmetalle,Diamanten oder
    Gemälde investiert,im Ausland,und dann: Bäääähhhh…

  4. Avatar

    Pit

    15. Oktober 2015 10:47 at 10:47

    Niemand hat vor eine Mauer zu bauen……….

  5. Avatar

    Raoul

    15. Oktober 2015 11:04 at 11:04

    Ökonomen sind Architekten der Probleme, Schon die Gedanken über eine Bargeld abschaffung sollten bestraft werden ! Die letzten 20 Jahre zeigten, dass die wunderbare
    Geldvermehrung ohne Arbeit und Produkt in eine Sackgasse führen wird. Nun sucht man Mittel und Wege dieses Chaos weiterzutreiben, natürlich auf dem Buckel des Volkes !
    Besser wären ökologische Projekte und die Unsummen Geld in diese Richtung zu lenken!

  6. Avatar

    Patrick Ruthard

    22. Dezember 2015 21:46 at 21:46

    Ein Hoch auf die Deutsche Bundesbank. Es ist schön zu lesen, dass sich Widerstand formt während die Masse medial auf etwaige Gesetzesvorschläge vorbereitet wird.

    Und ich dachte wir Deutschen seien nicht mehr bei Sinnen hier im Land der Dichter und Denker. Auf dass der Deutsche sein Bargeld immer behalten wird.

    Wir Deutschen sind halt nicht so dumm und erkennen, was wirklich hinter dem Vorhaben der Bargeldabschaffung steckt und werden es unterbinden. Da bin ich zuversichtlich. Dennoch müssen wir uns wohl warm anziehen.

    Ich bin zwar totaler Technikfreund, aber ich lieb‘ mein Bargeld. Sogar den Fiat-Euro. Ich muss Scheinchen und Münzen in der Hand halten können. Von Giralgeld, das irgendwie nicht so richtig wahrhaftig existiert, bekomme ich kein gutes Gefühl.

  7. Avatar

    Gerd Brecht

    3. Februar 2016 13:57 at 13:57

    Wer glaubt mein Bargeld abschaffen zu dürfen, der wird von mir höchstpersönlich selbst abgeschafft, und zwar endgültig. Ich kack auf Terrorgefahr und anderem Panikgedöns, ich lebe in Frieden und noch hat sich keiner getraut ( außer meinem Staat ) mich zu verarschen und meine Freiheit zu bedrohen. Das macht mich sehr wütend, und endet irgendwann in herrlicher Gewalt, und dann bin ich zu dem Terroristen geworden, vor dem ihr euch alle gefürchtet habt.

    Es gibt Gesetze nur aus einem Grund: damit die Schwachen mit den Starken in Frieden zusammenleben können. Doch wenn die Schwachen den ganzen Tag lang nur gängeln und verarschen können, verliere ich irgendwann das Bedürfnis mit euch in Frieden zu leben. Und dann wird sich zeigen wer tatsächlich stark ist, und es wird keine Möglichkeit zum Dialog mehr geben, ihr habt alle eure Chancen vertan und werdet nun die Konsequenzen tragen, bis zum bitteren Ende.

    Ein freier Mensch, der frei bleiben wird, auch im Tod.

  8. Avatar

    Felix Winterstein

    25. März 2016 16:11 at 16:11

    Man darf sicherlich gespannt sein, wie es in diesem Theater weitergeht. Eine stets aktuelle Zusammenfassung findet man übrigens hier: http://www.asset-protection-management.com/die-schleichende-abschaffung-des-bargeldes-die-bargeldabschaffung-kommt/

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Donald Trump und die Deutsche Bank – hochinteressante Doku

Redaktion

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Von

Warum hat Donald Trump von der Deutschen Bank immer wieder Geld bekommen? Das ist vielleicht die interessanteste Frage, die in der folgenden Doku besprochen wird. US-Banken wollten Donald Trump offenbar kein Geld mehr leihen. Aber die Deutsche Bank tat es, und gab immer mehr Geld, für immer mehr Immobilienprojekte des heutigen US-Präsidenten. Und das, obwohl er vorher zahlreiche Projektpleiten hingelegt hatte. Gab es Sicherheiten aus Russland?

Die Doku beleuchtet im Detail die Beziehungen von Donald Trump nicht nur zur Deutschen Bank, sondern auch wie eng tatsächlich seine Verbindungen zu russischen Geschäftskreisen in New York und in Russland selbst waren. Bisher kam der Präsident selbst bei den Mueller-Ermittlungen in den USA ungeschoren davon. Der Schlüssel liegt wohl in den Geschäftsunterlagen der Deutschen Bank. Wer machte mit wem Geschäfte? Wer hat eventuell Geld gewaschen? Auffällig oft haben russische Käufer bei Trump-Projekten Wohnungen gekauft. Beispielhaft beleuchtet wird dieses Lizenz-System an einem Hochhaus in New York, für das er nur seinen Namen gab, und dafür 18 Prozent der Einnahmen kassierte.

Wusste Donald Trump, dass über seinen Namen und seine Projekte womöglich in gigantischem Umfang Geldwäsche zwielichtiger russischer Kreise abgewickelt wurde? Nachweisen lässt sich bis jetzt definitiv nichts, aber die Dokumentation der Geschäftsabläufe, wie es im folgenden Beitrag gezeigt wird, ist doch sehr aufschlussreich.

Donald Trump im Jahr 2020
Donald Trump

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Immobilienpreise steigen kräftig an – keine Spur von Corona!

Claudio Kummerfeld

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Hausbau

Bei Immobilien ist keinerlei Spur von der Coronakrise zu entdecken. Unfassbar. Die Immobilienpreise klettern weiter nach oben wie in den letzten Jahren auch. Im zweiten Quartal sind die Preise für Wohnimmobilien nämlich im Vergleich zum 2. Quartal 2019 um 6,6 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt heute meldet. Die folgende Grafik zeigt den Häuserpreisindex seit dem Jahr 2015. Es ist keinerlei Einbruch erkennbar in den letzten beiden Quartalen. Nochmal… unfassbar, dass bei 10 Millionen Kurzarbeitern im Höhepunkt der Krise kein Einbruch der Immobilienpreise erkennbar war. Die Statistiker melden aktuell auch, dass die Preise für Wohnungen sowie für Ein- und Zweifamilienhäuser gegenüber dem Vorquartal um 2 Prozent gestiegen sind. Damit verteuerten sich Wohnimmobilien trotz Corona-Krise weiterhin sowohl in der Stadt als auch auf dem Land.

Immobilienpreise klettern mitten in der Coronakrise immer weiter nach oben

Hier weitere Details von den Statistikern im Wortlaut:

Im 2. Quartal 2020 waren in den sieben größten Metropolen (Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf) Ein- und Zweifamilienhäuser 6,5 % und Eigentumswohnungen 6,1 % teurer als im Vorjahresquartal. Damit setzte sich der Anstieg der Preise für Wohnimmobilien in Metropolen zwar fort, jedoch weiterhin mit einer abnehmenden Dynamik bei Wohnungen. Für Eigentumswohnungen hatte die Veränderungsrate zum Vorjahresquartal im 2. Quartal 2019 noch 7,9 % betragen, im 2. Quartal 2018 lag sie bei 11 %. In den anderen Großstädten ab 100 000 Einwohnerinnen und Einwohnern stiegen im 2. Quartal 2020 die Häuserpreise um 7,3 % und die Preise für Eigentumswohnungen um 8,2 % im Vergleich zum Vorjahresquartal. Auch in ländlichen Kreisen wurden Wohnimmobilien im Durchschnitt teurer. So erhöhten sich die Preise für Häuser in dichter besiedelten ländlichen Kreisen um 8,9 % und für Eigentumswohnungen um 5,9 %. In dünn besiedelten ländlichen Kreisen stiegen die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser um 4,8 %, Wohnungen verteuerten sich um 6,6 %.

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US-Wirtschaft: Warum es ohne KMUs keine Erholung gibt

Hannes Zipfel

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US-Wirtschaft ist angewiesen auf Arbeiter bei den KMUs

Die kleinen und mittleren Unternehmen sind für die US-Wirtschaft von besonderer Bedeutung. Sie stellen einen Großteil der Arbeitsplätze, stehen aber vor enormen Herausforderungen und viele sogar vor dem Aus. Ohne die KMUs wird es keine nachhaltige Erholung und erst recht keinen Wirtschaftsboom in den USA geben.

US-Wirtschaft braucht dringend neue Finanzhilfen

Als Steven Terner Mnuchin (Rep.), seit Februar 2017 US Finanzminister, am Dienstagnachmittag vor dem US-Repräsentantenhaus vom kommenden Boom der US-Wirtschaft im vierten Quartal schwärmte, muss dem ehemaligen Chef der Investmentbank Goldman Sachs die zuvor veröffentlichte Umfrage zum Paycheck Protection Program (PPP) seines früheren Arbeitgebers entgangen sein. Das Ergebnis der Umfrage kontrastiert die Jubelstimmung, die auch von seinem Amtskollegen Olaf Scholz (SPD) in Deutschland immer häufiger zu vernehmen ist.

Nüchterner war da schon die dringende Empfehlung des US-Notenbankchefs Jerome Powell an die Abgeordneten im US-Kongress, die kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) des Landes mit zusätzlichen fiskalischen Maßnahmen zu unterstützen, da ansonsten eine nachhaltige Erholung der US-Wirtschaft nicht möglich sei.

Gemäß der jüngsten verfügbaren Daten gab es in den USA im Jahr 2019 gut 31 Millionen Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Diese sogenannten „Small Businesses“ repräsentieren 99,9 Prozent aller Unternehmen und sind größter Arbeitgeber im privaten Sektor der US-Wirtschaft. Die amerikanischen KMUs schufen im letzten Jahr mehr als 1,5 Millionen neue Arbeitsplätze. Daher ist das Schicksal der kleinen und mittleren Unternehmen bei der Wiederherstellung der wirtschaftlichen Erholung von so großer Relevanz.

Weil das so ist, hat die Trump-Administration Ende April im Rahmen des CARES Act (Coronavirus Aid, Relief and Economic Security Act) das Paycheck Protection Program (PPP) über 659 Milliarden US-Dollar verabschiedet. Das ermöglichte es vor allem kleinen und mittelgroßen Unternehmen, zinsgünstige Privatkredite zu beantragen, um ihren Gehaltsverpflichtungen trotz Coronakrise weiter nachzukommen.

Die Höhe eines PPP-Darlehens entsprach dabei ca. dem Zweieinhalbfachen der durchschnittlichen monatlichen Lohnkosten des Unternehmens. Die Darlehen können neben der Zahlung von Löhnen (Paychecks) auch für Mieten, Zinsen und Nebenkosten verwendet werden. Das Darlehen wurde aber nur dann gewährt, wenn das Unternehmen versprach, die Anzahl seiner Mitarbeiter und die Löhne stabil zu halten. Die ursprüngliche Frist für die Beantragung eines PPP-Darlehens war zunächst der 30. Juni dieses Jahres und wurde später bis zum 8. August 2020 verlängert.

Der PPP-Stimulus läuft aus

Nachdem das Gesetz seit fünf Monaten in Kraft ist, läuft die Hilfe nun aus und kann wegen der Blockade im US-Kongress für ein fünftes Konjunkturpaket nicht aufgestockt und verlängert werden. Das bringt viele KMUs an den Rand des Ruins – ein enormes Problem für die US-Wirtschaft!. Gemäß einer aktuellen Umfrage von Goldman Sachs unter US-KMUs haben 88 Prozent ihre PPP-Kredite bereits vollständig ausgeschöpft. Ein Drittel der befragten Unternehmen sah sich bereits gezwungen, die Löhne zu kürzen oder Entlassungen vorzunehmen. Weitere ca. 30 Prozent gaben an, dass ihnen ohne weitere Finanzhilfen bis zum Ende des Jahres das Geld ausgeht.

Anders als Großkonzerne können sich kleine Unternehmen nicht direkt über den Kapitalmarkt refinanzieren und kommen somit auch nicht in den Genuss der Unternehmensanleihekäufe durch die US-Notenbank (Fed), die in diesem Jahr ein neues Rekordvolumen erreicht haben.

Die auf Banken zur Refinanzierung angewiesenen KMUs haben ein weiteres, sich verschärfendes Problem: Wegen der anhaltend schlechten geschäftlichen Situation, aufgebrauchter Rücklagen und ausgeschöpfter Kreditlinien sind die Perspektiven für viele potenzielle Kreditnehmer so schlecht, dass die Banken sie als zu risikoreich einstufen und weitere Kredite verweigern. Schattenbanken, v. a. Hedgefonds, die in diese Lücke springen, verlangen dem Risiko angemessene hohe Zinsen, die für die in Not geratenen KMUs nicht zu stemmen sind.

Da gleichzeitig die im Sommer vom US-Finanzministerium an US-Bürger mit geringen und mittleren Einkommen verteilten Schecks in Höhe von 1.200 US-Dollar pro Person zunehmend eingelöst und aufgebraucht sind, haben viele Kleinunternehmer, Soloselbstständige und Freiberufler auch immer stärker eingeschränkte private Finanzspielräume.

US-Wirtschaft mit Entlassungswelle ab 1. Oktober

Ohne neue Fiskalstimuli droht der US-Wirtschaft im Abschlussquartal eine sich wieder verstärkende Entlassungswelle. Zumal ab 1. Oktober auch die US-Fluggesellschaften trotz vorheriger finanzieller Unterstützung aus dem PPP wieder Massenentlassungen vornehmen dürfen und dies auch bereits für Anfang Oktober angekündigt haben. Allein die größte US-Fluggesellschaft American Airlines will ab diesem Stichtag 20 Prozent ihrer Belegschaft abbauen – also jeden fünften Mitarbeiter. Ähnliche Ankündigungen gibt es von der zweitgrößten US-Fluggesellschaft Delta Airlines und kleineren Fluggesellschaften. Damit wird in den USA das nachgeholt, was bei deutschen und europäischen Airlines wie Lufthansa oder Ryanair bereits Realität ist.

Besonders betroffen von dem Auslaufen des PPP sind neben den Branchen Verkehr und Touristik vor allem Gastronomen, Konzert-Veranstalter, Kreuzfahrt Reedereien, stationäre Einzelhändler, Unterhaltungskünstler, Wedding Planner und andere Event-Manager. Besonders in der US-Gastronomie sind viele KMUs tätig. Generell wird der Dienstleistungssektor von KMUs dominiert. Für die US-Wirtschaft hat dieser Sektor eine besondere Bedeutung: 79,4 Prozent aller Erwerbstätigen ist hier angestellt, davon über 90 Prozent bei KMUs (Daten von 2019, Quelle: Statista).

Fazit

Die Indizien verdichten sich, dass es im vierten Quartal entgegen der Beschwichtigungsrhetorik mancher Politiker statt eines Booms einen Pleite-Tsunami und Massenentlassungen in der US-Wirtschaft geben könnte. Das Erschreckende dabei ist, dass diese Entwicklung noch keine zweite Pandemie-Welle berücksichtigt, die den Schaden in der US-Wirtschaft nochmals maximieren würde. Es bleibt für die KMUs Amerikas zu hoffen, wenn aus heutiger Sicht auch unwahrscheinlich, dass sich der US-Kongress nach dem Wahltermin Anfang November schnell auf ein neues, billionenschweres Hilfspaket einigen kann.

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