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Monatsbericht Dezember Bundesbank über Energiepreisanstieg, Euro und Wettbewerbsfähigkeit

Die Bundesbank hat in ihrem heutigen Monatsbericht den Energiepreisanstieg, den Euro und die Wettbewerbsfähigkeit analysiert.

Euro-Geldscheine

In ihrem heute veröffentlichten Monatsbericht Dezember widmet sich die Bundesbank unter anderem einem Themenkomplex mit der Überschrift „Energiepreisanstieg, Wechselkurs des Euro und preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands“. Dazu wollen wir hier zunächst das Haupt-Statement der Bundesbank abdrucken, Zitat:

Die Preise für Energie haben sich 2021 und im laufenden Jahr, vor allem aber seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, stark erhöht. Für Deutschland ist der diesbezügliche Preisanstieg im Vergleich zu vielen Handelspartnern besonders ausgeprägt. Gleichzeitig hat der Euro gegenüber dem US-Dollar im Verlauf dieses Jahres signifikant an Wert verloren. Dieser Aufsatz geht der Frage nach, wie sich 2022 der relative Kostenanstieg einerseits und die Euro-Abwertung andererseits auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ausgewirkt haben.

Schätzungen zeigen, dass die unsichere Versorgungslage mit Energie zur beobachteten EuroAbwertung gegenüber dem US-Dollar selbst beigetragen hat. Sie ist aber nur eine von vielen Ursachen der Abwertung. Eine wichtigere Rolle für die Abwertung hat wohl die im Vergleich zum Euroraum zügigere Straffung der US-amerikanischen Geldpolitik gespielt. Rein rechnerisch hat der relative Energiekostenanstieg in Deutschland von Jahresbeginn bis September 2022 – in diesem Zeitraum war er besonders ausgeprägt – die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands um 0,9 % verschlechtert. Die Kursverluste des Euro zum US-Dollar hingegen haben sie in diesem Zeitraum für sich genommen um etwa 1,9 % verbessert. Diese Überschlagsrechnung illustriert, warum gängige Indikatoren der preislichen Wettbewerbsfähigkeit diese für Deutschland nach wie vor eher als günstig und seit Ende 2021 als kaum verändert ausweisen.

Bei der Interpretation ist jedoch zu beachten, dass es sich bei der preislichen Wettbewerbsfähigkeit um ein gesamtwirtschaftliches Konzept handelt, das Heterogenitäten, Effekte auf einzelne Sektoren und Unternehmen oder Verteilungseffekte nicht abbildet. Unternehmen mit einem hohen Anteil von Energie an ihren Gesamtkosten werden beispielsweise zwangsläufig vom Energiepreisanstieg stärker betroffen sein, als dies im gesamtwirtschaftlichen Indikator der preislichen Wettbewerbsfähigkeit zum Ausdruck kommt.

Russland schränkte vor und nach Kriegsbeginn die Energielieferungen ein – Deutschland und Europa mussten sich zunehmend zu höheren Preisen Energie von anderen Lieferanten beschaffen. Dazu sagt die Bundesbank weiter ausführend, im Wortlaut: Deutschland musste damit wie andere europäische Staaten einen größeren Teil seiner Wirtschaftsleistung für Energieimporte aufwenden. Gleichzeitig nährte die unsichere Versorgungslage Befürchtungen einer merklichen konjunkturellen Abschwächung im Euroraum. Diese Entwicklungen sollten der ökonomischen Theorie zufolge den Außenwert des Euro belasten. Dies gilt insbesondere gegenüber dem US-Dollar, da die USA von den Auswirkungen des Krieges weniger stark betroffen und Nettoexporteur von Energie sind. Hinzu kommt, dass Anlagen in US-Dollar in unsicheren Zeiten oftmals stärker nachgefragt werden und die US-amerikanische Währung auch deshalb aufwertet. Die Euro-Abwertung könnte demnach also maßgeblich von der Energiepreisentwicklung verursacht worden sein.

Eigene Schätzungen der Bundesbank legen nahe, dass eine höhere Unsicherheit über die Versorgung mit Gas zu einer nominalen Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar führt. Für die beobachtete Abwertung seit Jahresbeginn 2022 – per saldo 6,8 % und zwischenzeitlich mehr als 15% – sei sie jedoch nicht hauptverantwortlich. Der überwiegende Teil der Abwertung zur US-Währung sei demnach auf andere Faktoren zurückzuführen. Dazu zählt insbesondere die geldpolitische Straffung der Federal Reserve.

Wettbewerbsfähigkeit

Beim Thema Wettbewerbsfähigkeit schaut die Bundesbank nicht nur auf den niedrigeren Euro, der für deutsche Exporteure positiv zu bewerten ist – denn dadurch werden deutsche Waren für ausländische Käufer mit US-Dollars günstiger. Auch schaut die Bundesbank gegenüber anderen wichtigen Handelspartnern Deutschlands auf die relative Entwicklung von Preisen und Kosten im In- und Ausland. Dazu sagt die Bundesbank folgendes, auszugsweise im Wortlaut:

Erstens ist die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im historischen Vergleich aktuell nach wie vor als eher günstig einzuschätzen. Zweitens hat sie sich verglichen mit dem letzten Quartal 2021 trotz des (relativen) Energiepreisanstiegs insgesamt betrachtet kaum verändert. Grund dafür, dass sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit auf Basis dieses Indikators trotz eines gesamtwirtschaftlichen Relativpreisanstiegs bislang nicht verschlechtert hat, ist die nominale Kursentwicklung des Euro, der seit dem letzten Quartal 2021 aus der Perspektive Deutschlands handelsgewichtet um etwa 1,6 % an Wert verloren hat.

Zweitens geht es um die Produktivität. Dazu hier auszugsweise Ausführungen der Bundesbank im Wortlaut: Wie schlagen sich nun der relative Energiepreisanstieg in Deutschland einerseits und die nominale Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar andererseits in den beschriebenen Indikatoren der preislichen Wettbewerbsfähigkeit nieder? Wendet man sich zunächst den Auswirkungen des Energiekostenanstiegs auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu, ist zu bestimmen, inwieweit dieser zu einem gesamtwirtschaftlichen Relativpreisanstieg gegenüber dem Ausland führt.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Energiekosten nur einen Teil der Produktionskosten ausmachen, sodass der betrachtete Deflator auch bei vollständiger Kostenweitergabe nur unterproportional reagieren wird. Je kleiner der Anteil der Energiekosten ist, desto geringer fällt der Effekt auf das gesamtwirtschaftliche Preisniveau aus. Anhand von Input-Output-Tabellen lässt sich der Energiekostenanteil an den Gesamtkosten für Deutschland grob auf etwas mehr als 2 % schätzen.

Wie stark die relativen Energiekosten tatsächlich angestiegen sind, lässt sich beispielsweise über einen energiespezifischen Erzeugerpreisindex abschätzen, der von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) für Industriestaaten veröffentlicht wird.

Dieser Index ist für Deutschland relativ zu einem handelsgewichteten Durchschnitt von 24 Partnerländern von Jahresbeginn bis September um knapp 30 % angestiegen. Legt man nun den oben ermittelten Energiekostenanteil von etwas mehr als 2 % zugrunde, dann schlägt sich der besagte relative Energiekostenanstieg in einer Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen preislichen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands von 0,9 % nieder.

Dem stand im Jahresverlauf eine Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar gegenüber, die für sich genommen die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands verbesserte. Betrachtet man in weitgehender Analogie zum oben verwendeten OECD-Indikator der Energiekosten eine Gruppe von 26 Handelspartnern Deutschlands, beträgt das Handelsgewicht der USA darin knapp 15%. Damit resultiert die von Januar bis September beobachtete nominale Abwertung des Euro gegenüber dem USDollar von 12,5% in einer Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands gegenüber der betrachteten Ländergruppe von 1,9 %.

Die Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands durch die nominale Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar war im betrachteten Zeitraum von Januar bis September also rein rechnerisch merklich größer als ihre Verschlechterung durch den relativen Energiepreisanstieg in Deutschland gemessen am energiespezifischen Erzeugerpreisindex der OECD. Ebenso ergibt sich rein rechnerisch bei Zugrundelegung des erwähnten Kreises von 26 Handelspartnern, dass eine einprozentige nominale Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar die preisliche Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in etwa so sehr verbessert, wie sie – rein hypothetisch – ein sechsprozentiger Anstieg der relativen Energiekosten gegenüber diesen Ländern verschlechterte.



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3 Kommentare

  1. Das Verhältnis Euro und US-Dollar wirkt sich auf die Importpreise für Öl aus.

    1. @Holger, messerscharf erkannt :)

      1. Markus, Quelle: FMW.

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