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Bundesbank-Weidmann erhöht Druck auf die EZB für ein Ende von Negativzinsen und Geldschwemme

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat schon öfters Klartext gesprochen als Gegner der ultra-lockeren Geldpolitik der EZB. Aber mit seinen aktuellsten Äußerungen erhöht er den Druck auf die...

FMW-Redaktion

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hat schon öfters Klartext gesprochen als Gegner der ultra-lockeren Geldpolitik der EZB. Aber mit seinen aktuellsten Äußerungen erhöht er den Druck auf die EZB immens, dass man nun endlich zu einem Ende der derzeitigen Maßnahmen kommen sollte – so kann man seine Äußerungen eindeutig verstehen! Beim jährlichen Treffen der „Foreign Bankers Association“ in Amsterdam sprach Weidmann gestern vor allem zum Thema Geldpolitik. Dabei lag sein Schwerpunkt unzweideutig auf den aktuellen Maßnahmen seiner EZB-Kollegen.

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Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank. Foto: Chatham House / Wikipedia (CC BY 2.0)

Ein Notenbanker redet von Natur aus schon immer sehr allgemein und neutral in seinen Formulierungen. Aber dafür kann man Jens Weidmann auch als „normaler Mensch“ gut und deutlich verstehen. Zwei wichtige Redeausschnitte zeigen wir an dieser Stelle im Original, und markieren darin die wichtigsten Zitate. Da wäre zum Beispiel Weidmann´s Erwähnung, dass sich beim jüngsten IWF-Treffen doch alle Teilnehmer einig gewesen seien, dass Geldpolitik kein Allheilmittel sei. Mit der Formulierung, dass doch alle dieser Meinung waren, will er wohl Druck auf Mario Draghi ausüben, nicht länger den Weg des Gelddruckens zu gehen.

Auch gebe es einen breiten Konsens, dass die Geldpolitik (also die Politik der Notenbanken) kein langfristiges Wirtschaftswachstum generieren könne, und dass Regierungen sich selbst anstrengen müssen um das Wachstum in Gang zu bringen. Auch sagte Weidmann je länger so eine extrem expansive Geldpolitik laufe, desto weniger effektiv sei sie, und desto größer würden die Risiken. Ein klarer Angriff auf Mario Draghi. Auch eine negative Folge der EZB-Geldpolitik sei es, dass die nationalen Notenbanken in Europa zu den größten Kreditgebern der Regierungen würden (durch die Anleiheaufkäufe im Auftrag der EZB). Das ermögliche eine umfassende Schuldenaufnahme der Staaten. Auch ermögliche das Nullzinsumfeld es den Regierungen in Europa, sich nicht um die Konsolidierung ihrer Finanzen zu kümmern, so Weidmann.


For me, it is key that concerns over financial stability or the sustainability of public finances do not lead to a postponement of the exit from the ultra-loose monetary policy. This decision should be based solely on expected price developments.

All in all, the risks of ultra-loose monetary policy are becoming increasingly clear. It’s no surprise, then, that the tone on monetary policy matters has changed significantly. For example, there was a general consensus at the annual meeting of the International Monetary Fund in Washington four weeks ago that monetary policy is no panacea. The IMF, too, has now joined the chorus of these warning against overburdening monetary policy and pointing to its limits.

There was a broad consensus that monetary policy cannot create long-term growth and that governments need to step up their efforts to strengthen the growth prospects.

While it is clear that each country has its own economic situation and preferences – meaning there’s no such thing as a „one size fits all“ approach – I am quite confident that sound public finances as well as competition-based economic systems with flexible labour and product markets foster growth.

Taking the euro-area countries as an example, for some of them, this would mean reducing the existing labour market duality; for others, it would mean lowering the administrative costs of setting up a new business, or readying the economy to better cope with looming demographic challenges.

Zweiter Ausschnitt aus Weidmann´s Rede:

There is one more thing that shouldn’t be forgotten when monetary policy is in highly expansionary mode – and I never tire of emphasising this: the longer it persists, the less effect it will have and the more the risks will increase.

This is not just about the Eurosystem’s government bond purchases, which are blurring the boundaries between monetary and fiscal policy. Central banks are becoming the largest creditors of the member states. This could lead to a situation where monetary policy becomes harnessed to fiscal policy and is pressured to make high levels of debt sustainable through low interest rates.

All the more so given that the low-interest-rate environment offers no incentive for governments to consolidate their public finances. Fiscal policy in the euro area has been loosened again noticeably over the past few years. What governments are saving in interest payments isn’t being put towards the urgent goal of reducing debt, but spent for the most part. Germany is no exception here, by the way.



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11 Kommentare

  1. Ein guter Mann der Weidmann, leider hat er zu wenig Einfluss aber man kann wenigstens nicht sagen, dass er nur tatenlos bei diesem fahrlässigen Experiment zusieht.

  2. Starke wußte schon damals,was die Gelddruckerei für die dt.bedeutet!
    Weidmann wird gar nichts bei Draghi erreichen,aüsser BRÜLLEN ala Seehofer!
    Adolfo riß sich Länder unter den Nagel mit Bomben… und Draghi nimmt den Deutschen das Geld stück für stück wieder ab.
    Wenn Draghi am Ziel ist,dann hat DE bereits den Finanzkrieg verloren.
    Das wird die nächsten 2000jahre in den Geschichtsbüchern stehen!!!
    Deutschland hat sich von einem Italiener ausrauben lassen,sowie Adolfo den grössten Goldraub der Geschichte durchgeführt hat!!!
    Wer anderer Meinung ist,dem ist nicht mehr zu helfen….the bill is coming soon!

  3. Jemand hat hier kürzlich gemeint:
    „Staatsschulden sind keine Schulden, wenn sie in der
    eigenen Währung gemacht werden“.
    Also warum sich Sorgen machen?

    1. @Marc, ja diese These wird die Volkswirtschaftslehre von Grund auf revolutionieren! Dass auf diesen genialen Gedanken noch niemand vorher gekommen war! :)

  4. Weidmann ist der Seehofer der EZB.

  5. Der Skandal ist doch dieser:
    DIE EZB HAT SICH MIT IHREM HANDELN VON JEDER WISSENSCHAFTLICHKEIT ENTFERNT!

    Wie würde wohl Draghi Stellung nehmen, wenn man ihm die Worte von Mises vorhielte?
    Der österreichische Nationalökonom Ludwig von Mises schrieb 1912 in seiner „Theorie des Geldes und der Umlaufmittel“: „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur, ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems.

    Auch wenn ich durchaus kein Freund von v. Mises und seiner liberalistischen „Österreichische Schule“ bin, so hat v. Mises hier doch recht. Und wenn die EZB schon genau dasjenige tut, vor dem v. Mises doch ausdrücklich gewarnt hat, dann sind die Entscheider bei der EZB doch uns – und erst recht allen echten Ökonomen – eine Erklärung schuldig, warum man bei der EZB meint, daß v. Mises mit seiner oben zitierten Aussage völlig falsch läge.

    1. Gibt es außer diesen etwas seltsamen goldseiten.de auch noch andere Quellen, bei denen Sie sich informieren?

      1. Ja logisch,siehe hier:
        https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/us-finanzprofi-ist-ueberzeugt-bei-gold-und-goldaktien-hat-sich-ein-perfekter-sturm-gebildet_H1356286877_342006/
        wollte ich eigentlich im Abendgeflüster reinstellen..
        Kennt ihr nur die vom „Dr.Kaiser der Hamb.Mannh.LV als Altersvorsorge,oder seid ihr wirklich so ungebildet,was Gold betrifft??

      2. @Michael,
        was willst du denn gerne lesen…?
        Mit welchen themen kann man dich denn herausfordern?
        Bin gespannt..

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