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Bundeshaushalt spart dank EZB 180 Milliarden Euro – mit praktischem Rechenbeispiel

Claudio Kummerfeld

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am

Der Bundeshaushalt (also nicht der Bürger) hat von 2008 bis 2018 gut 180 Milliarden Euro an Zinskosten gespart. Denn die Bundesregierung war in ihren Haushaltsplanungen für diesen Zeitraum davon ausgegangen Zinskosten in Höhe von 484,8 Milliarden Euro zu haben. Aber es wurden letztlich „nur“ 304,5 Milliarden Euro. Dies hat laut Medienberichten eine Nachfrage des Grünen-Haushaltsexperten Sven-Christian Kindler bei der Bundesregierung hervorgebracht. Zum Vergleich der Größenordnung: Letztes Jahr betrugen die Gesamtausgaben des Bundes (Bundeshaushalt) 344 Milliarden Euro.

Bundeshaushalt spart nicht nur, sondern macht schöne Gewinne mit Anleihen

Es gab in der Vergangenheit von Ökonomen schon Berechnungen, wo ebenfalls gigantische Zinsersparnisse errechnet wurden. Aber diese Zahl stammt ja nun direkt von der Bundesregierung, und ist eine konkrete Hausnummer. Es ist nicht nur so, dass der Bund statt 5% Zinsen jetzt nur noch 2% oder 1% Zinsen für langlaufende Anleihen zahlt. Besonders lukrativ ist es seit mehreren Jahren für den Bundeshaushalt, dass der Finanzminister über die „Finanzagentur Deutschland GmbH“ vor allem Kurzläufer von 2 und 5 Jahren Laufzeit zu begibt.

Denn es ist wie bei allen Dingen im Leben. Je kürzer die Laufzeit, desto geringer die Kosten oder auch die Zinsen. Und Deutschland als „Sicherer Hafen“ der globalen Schuldnergemeinde gilt für Anleiheinvestoren als total-super-sicher. Und wer am besten da steht, kann auch als Schulden-Verkäufer die geringsten Zinsen aufrufen. Somit ist Deutschland seit Jahren im Stande bei 2 und 5 Jahren Laufzeit Negativrenditen zu „bezahlen“. Also kassiert man vom Anleger sogar Geld für neue Schulden.

Anleihen werden offiziell zu 100% Nennwert begeben. Der Anleger kauft eine gerade Summe von zum Beispiel 100.000 Euro. Diese gerade „volle“ Summe wird auch exakt zu 100.000 Euro Wert nach 2 oder 5 Jahren Laufzeit zurückgezahlt. Der Zins liegt bei 0,00% dank Deutschlands toller Bonität. Aber die Negativrendite entsteht, indem Deutschland am Verkaufstag der Anleihe nicht zum Nominalwert von 100,00% verkauft, sondern vielleicht zu 100,5% oder 101%. Somit muss der Anleger beispielsweise heute 101.000 Euro bezahlen, bekommt in ein paar Jahren am offiziellen Rückzahlungstag aber nur 100.000 Euro zurückbezahlt. Der Anleger macht effektiv Verlust, der Bundeshaushalt macht Gewinn. Und den streicht er ja nicht erst in ein paar Jahren ein, sondern schon heute, am Starttag der Emission.

Wo jemand gewinnt, muss auf jemand verlieren

Wir bei finanzmarktwelt.de begleiten regelmäßig diese bizarren Anleiheemissionen des Bundes mit Artikeln. Erst gestern berichteten wir über eine frische Emission fünf Jahre laufender Anleihen des Bundes. Der Verkaufspreis lag bei 101,84%, und in fünf Jahren erhält der Anleger 100,00% zurück. Der Zins liegt bei 0,00% (versteht sich von selbst). Alleine gestern machte der Bund mit dieser einen Transaktion (Verkaufsvolumen 3,16 Milliarden Euro) einen sofortigen Gewinn von 58 Millionen Euro. Das summiert sich im Lauf der Monate und Jahre! Hier nochmal im Zitat aus unserem gestrigen Artikel:

Ein Nominalwert von 3,162 Milliarden Euro wurde heute tatsächlich verkauft. Der tatsächliche Verkaufserlös lag dank einem Kurs von 101,84% aber bei 3,22 Milliarden Euro. Da man in fünf Jahren aber nur den Nominalwert von 3,162 Milliarden Euro zurückzahlen muss, streicht man heute per sofort einen Gewinn ein in Höhe von 58 Millionen Euro!

Jetzt fragt man sich vielleicht: Na und, was geht mich das an? Nun ja, Sie als Renteneinzahler, privater Einzahler in Betriebsrentenkassen, privater Einzahler in eine Lebensversicherung oder einen Investmentfonds, sie zahlen das, was der Bundeshaushalt hier verdient. Denn all diese Fonds und Kassen sind gigantische Kapitalsammelstellen, die in der Regel sehr viel Geld in Anleihen investieren, und natürlich vornehmlich auch in deutsche Staatsanleihen. Was der deutsche Staat jetzt gewinnt, fehlt Ihnen später ganz real. Das merken Sie abe rerst dann, wenn die Anbieter ihnen viel weniger ausschütten können, als ursprünglich prognostiziert.

Bundeshaushalt Bundeskanzleramt
Bundeskanzleramt in Berlin. Foto: Julian Mößle CC BY-SA 4.0

21 Kommentare

21 Comments

  1. Avatar

    asisi1

    21. Februar 2019 13:15 at 13:15

    In dem Bericht, haben sie einen großen Lapsus gebracht: Grüner und dazu ein „Haushaltexperte“!
    Das schlisst sich gegenseitig aus. Ein Grüner ist nie ein Experte, sondern ein Studienabbrecher der von nichts eine Ahnung hat. Außerdem wächst für die Grünen das Geld auf Bäumen!

    • Avatar

      tm

      21. Februar 2019 13:37 at 13:37

      Sie wissen aber schon, dass die Grünen die Wähler mit den durchschnittlich höchsten Bildungsabschlüssen und den höchsten Einkommen haben?

      https://www.dw.com/de/wer-w%C3%A4hlt-ist-schlau-wie-das-bildungsniveau-die-wahlbeteiligung-beeinflusst/a-44353361

      „Wir haben natürlich Parteien, die extrem viele hochgebildete Wähler haben. Da zählen vor allem die Grünen dazu. In der deutschen Wahlstudie hatten drei Viertel der Grünen-Wähler Abitur.“

      https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.562050.de/17-29.pdf

      • Avatar

        leftutti

        21. Februar 2019 15:11 at 15:11

        @tm, ich stimme Ihnen dieses Mal natürlich zu und bestreite gar nichts. Es ist ja nicht so, dass ich Ihnen immer und fast schon pathologisch widersprechen will.
        Aber: Eigentlich hat @asisi1 nicht von den Wählern, sondern von den Politikern gesprochen. Auch wenn sein Kommentar haltloser Unsinn und ein niveauloses Vorurteil ist, passt Ihre Antwort dennoch nicht wirklich zur Fragestellung. Aber das passiert schon ab und zu mal…

        • Avatar

          tm

          21. Februar 2019 15:22 at 15:22

          :-) Ich wusste, dass dieser Einwand kommt – und dass Sie der Besserweiser sein würden… Lassen Sie es mal gut sein, ich bin Ihre Provokationen heute leid, sachlich diskutieren wollen Sie ja ohnehin nicht.

          • Avatar

            leftutti

            21. Februar 2019 15:54 at 15:54

            Der Besserweiser ;) sagt dazu: Sachlich kann man nur diskutieren, wenn man auch auf das Thema eingeht. Wer das nicht macht, will auch nicht sachlich diskutieren.

          • Avatar

            Lars

            21. Februar 2019 16:11 at 16:11

            2 x 3 macht 4 –
            widdewiddewitt und 3 macht 9e !
            TM macht sich die Welt – widdewidde wie sie ihm gefällt …

      • Avatar

        asisi1

        21. Februar 2019 21:06 at 21:06

        Ich kenne , durch meinen Tennis-, Badminton -und Golfverein sehr viele Lehrer und Beamte. Die meisten davon wußten alles besser und konnten auch alles besser! Nur auf meine Frage , warum seit ihr denn nicht „Selbstständig“? Darauf kamen nur dumme Antworten!

  2. Avatar

    Moritz

    21. Februar 2019 14:33 at 14:33

    https://www.dw.com/de/wer-w%C3%A4hlt-ist-schlau-wie-das-bildungsniveau-die-wahlbeteiligung-beeinflusst/a-44353361

    praktisch keine richtige Aussagekraft. Viele Faktoren werden hier einfach nicht berücksichtigt oder genannt…

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      tm

      21. Februar 2019 14:50 at 14:50

      :-) wie immer….wenn die Zahlen nicht passen, sind sie eben falsch oder nicht aussagekräftig. Ist ja auch so viel einfacher, als die eigene Einschätzung zu korrigieren.

      Wieviele Untersuchungen wollen Sie haben? Oder woran zweifeln Sie? Es kommen doch letztlich alle Untersuchungen der Wählerschaft zu dem Ergebnis, dass die Grünenwähler im Schnitt eine sehr hohe Bildung und ein hohes Einkommen haben.

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        Moritz

        21. Februar 2019 15:57 at 15:57

        Habe ich behauptet das die Zahlen nicht passen oder falsch sind? NEIN! Und welche eigene Einschätzung korrigieren? Ich habe vorher keine abgegeben!
        Ich stelle nicht in Frage das alle Untersuchungen zu diesem Schluss kommen. Allerdings stellt sich dennoch die Frage, welche Faktoren berücksichtigt werden und welche nicht.

      • Avatar

        asisi1

        21. Februar 2019 21:13 at 21:13

        Hohe Bildung, also Schlau sein, hat mit Intelligenz nichts zu tun! Jemand der Intelligent ist, erkennt Zusammenhänge und die Folgen davon. Deshalb werden Grüne fast nie Selbstständig, da sie das nicht können. Sie müssen für ihren Blödsinn nie gerade stehen. Bestes Beispiel bei Lehrern das gern gesehene Burn Out Syndrom! Komischer Weise hatte ich so etwas nie, obwohl ich 40 Jahre lang Selbstständig war und immer Existenzangst hatte.

        • Avatar

          Moritz

          22. Februar 2019 11:17 at 11:17

          Dem kann ich nur Zustimmen!

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    Columbo

    21. Februar 2019 15:54 at 15:54

    Hoher Bildungsgrad=hohes Einkommen=viel freie Zeit in der Natur, und schon ist man grün.
    (Sorry für den blöden Scherz?, wollte nur die Spannung zwischen @leftutti und @tm etwas lockern).

    • Avatar

      leftutti

      21. Februar 2019 16:30 at 16:30

      @Columbo, herzlichen Dank, dass Sie sich um uns beide kümmern :)
      Sie haben recht, @tm wirkt heute wirklich etwas angespannt. Da stimme ich ihm schon mal zu, formuliere ganz sachlich und höflich, provoziere ihn noch nicht einmal, und dennoch geht er auf wie ein Hefeteig.
      Um mich brauchen Sie sich nicht zu sorgen, ich bin, wie fast immer, ganz locker und entspannt…

      • Avatar

        Columbo

        21. Februar 2019 17:50 at 17:50

        @leftutti und @tm,
        würden Sie beide mich eventuell als einen von FMW eingesetzten Paartherapeuten akzeptieren?

  4. Avatar

    md

    21. Februar 2019 16:28 at 16:28

    klar die grünen kamen in den 90 ern als partei des kleinen mannes und sind jetzt die partei der reichen. die fdp hat das nachsehen. die grüne umverteilung ( mit beteiligung von spd ) von unten nach oben ist nicht von der hand zuweisen. fürs volk steuern, agenda 2010 und die erschaffung von tafeln und die reichen wurden reicher. und das in einer phase von wirtschaftswachstum und exportüberschuß rekorden. bei so einer „grünen“ lobbypartei ( studienabgänger ) hat die fdp es sehr sehr schwer ihre wählerschaft (studierte reiche ) von den grünen zurück zu gewinnen.

  5. Avatar

    Psycho- Klempner

    22. Februar 2019 09:34 at 09:34

    @Columbo, Es braucht keinen Paartherapeuten, in diesem Fall muss nur Einer therapiert werden.
    Ich verrate aber nicht ,welcher es ist.

    • Avatar

      leftutti

      22. Februar 2019 11:27 at 11:27

      @Psycho-Klempner, den jüngsten Kommentaren nach zu urteilen, ganz klar @Roberto ;)

      Ansonsten melde ich mich gerne freiwillig,, so lerne ich @Columbo mal persönlich kennen, komme mal wieder in den warmen Süden und wirklich schaden kann’s ja nicht…

  6. Avatar

    Scheingrüner

    22. Februar 2019 09:41 at 09:41

    Grün ist man auch wenn man ein vom Staat subventioniertes Elektroauto kauft, das mit staatlich subventioniertem Kohlestrom betrieben wird. Der Mittelständler, der diesen Wahnsinn mit den Steuern bezahlt, muss pendeln u. kann sich nicht einmal einen neuen sauberen Diesel leisten.

  7. Pingback: Meldungen und Nachrichten vom 22.2.2019 | das-bewegt-die-welt.de

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Ernst Wolff über das globale Finanzsystem – Geld und Demokratie

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Spätestens die Wirtschaftskrise 2007/2008 ließ an der Seriosität des globalen Finanzsystems zweifeln. Wer seine Zweifel allerdings durch Sachkenntnis untermauern möchte, bekommt schnell ein Problem: Er trifft auf ein Dickicht aus komplizierten und oft widersprüchlichen Informationen, die noch dazu in einer für Laien unverständlichen Fachsprache gehalten sind. Kein Wunder also, dass der Versuch, das Finanzsystem zu verstehen, häufig schon in der Anfangsphase scheitert. Genau hier setzt Ernst Wolff an. Im Folgenden ein Ausschnitt auf der Einleitung meines neuen Buches (hier zu kaufen).

Die zwei großen Fehleinschätzungen unserer Zeit

Es gibt in unserer Gesellschaft zwei Ansichten, die von der überwiegenden Mehrheit der Menschen geteilt und von fast niemandem angezweifelt werden. Sie betreffen zum einen die politischen Strukturen, unter denen wir leben, und zum anderen die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität, auf der diese politischen Strukturen basieren. Zusammen bilden beide so etwas wie eine von der breiten Allgemeinheit stillschweigend akzeptierte Übereinkunft. Ansicht Nr. 1 lautet: Bei uns regiert das Volk. Ansicht Nr. 2 lautet: Das Finanzsystem ist nur ein Teilbereich unserer Gesellschaft, den man nicht unbedingt verstehen muss.

Geht man diesen Ansichten auf den Grund, dann stellt man allerdings fest, dass sie nicht etwa auf intellektueller Einsicht oder auf Erfahrungswerten basieren, sondern den Menschen zunächst von Elternhaus, Schulen, Ausbildungsbetrieben und Universitäten mit auf den Weg gegeben und später ein Leben lang von Medien, Politik, Wirtschaft und Wissenschaft eingetrichtert werden – mit dem Ergebnis, dass ihr Wahrheitsgehalt kaum jemals in Frage gestellt wird.

Schaut man genauer hin, stellt man fest, dass sich hinter diesen Ansichten ganz handfeste Interessen verbergen, deren Durchsetzung nur einem kleinen Teil der Bevölkerung nützt. Im Grunde handelt es sich also um zwei vorsätzlich herbeigeführte Fehleinschätzungen, die weitreichende Konsequenzen haben. Sie tragen nämlich entscheidend dazu bei, die bestehende Ordnung und ihre Machtstrukturen zu festigen und verhindern so, dass die Menschen diese Strukturen durchschauen – mit der Folge, dass sie dadurch unfähig werden, an den bestehenden Verhältnissen etwas zu ändern.

Sehen wir uns beide Fehleinschätzungen deshalb etwas genauer an:

Fehleinschätzung Nr. 1: „Bei uns regiert das Volk“. In einem Obergeschoss des Berliner Hauptbahnhofs hängt ein Schild mit der Aufschrift „400 Meter von hier regiert das Volk“. Der Hinweis gilt dem südlich vom Bahnhof gelegenen Reichstagsgebäude, Sitz des deutschen Parlaments, und soll dem Betrachter ganz offensichtlich eine uns allen bekannte Botschaft vermitteln:

Wir leben in einem Gesellschaftssystem, in dem wir als Volk das Sagen haben. Und da das Volk zu groß ist, um als Ganzes regieren zu können, übergeben wir diese Aufgabe an sogenannte Volksvertreter. Die bestimmen wir, indem wir sie alle vier Jahre wählen. Sollten sie nicht so handeln, wie wir das von ihnen erwarten, dann können wir sie nach dem Ablauf ihrer Amtszeit wieder abwählen und durch andere ersetzen.

Diese Grundsätze der parlamentarischen Demokratie werden uns von Kindesbeinen an mit auf den Weg gegeben und im Verlaufe unseres Lebens durch eine Reihe weiterer Informationen ergänzt und untermauert. So erfahren wir unter anderem: Unsere Wahlen sind frei, gleich, geheim, allgemein und unmittelbar und werden auf der Grundlage einer Verfassung abgehalten, die unsere Würde für unantastbar erklärt und uns körperliche Unversehrtheit garantiert. Wir sind vor dem Gesetz alle gleich und haben das Recht, unsere
Meinung zu äußern und uns mit anderen zum Zwecke gemeinsamer Meinungsäußerung zu versammeln.

Die Formulierungen erwecken in uns den Eindruck, dass es sich bei der parlamentarischen Demokratie um ein zu unser aller Gunsten entwickeltes System handelt, das den Einzelnen schützt, dem Gemeinwohl dient und dessen oberstes Ziel darin besteht, den Willen
der Mehrheit der Bevölkerung in die Tat umzusetzen. Doch ist das tatsächlich so? Wollen wir alle, dass immer weniger Menschen immer größere Vermögen anhäufen, während der Lebensstandard der Masse bestenfalls stagniert, in vielen Fällen sogar sinkt? Dass der Niedriglohnsektor explodiert, dass Arbeits- und Obdachlosigkeit um sich greifen? Dass von Jahr zu Jahr mehr Geld für Rüstung und den Ausbau von Sicherheitsapparaten ausgegeben wird, während am Bildungs- und Gesundheitswesen immer drastischer gespart wird? Sind wir dafür, dass die Umwelt zunehmend zerstört wird? Dass in unserem Namen Kriegseinsätze unterstützt werden? Dass Persönlichkeitsrechte abgebaut und wir alle immer stärker überwacht werden?

Wendet man sich direkt an die Menschen und fragt sie, was sie von dieser Entwicklung halten, dann fällt die Antwort eindeutig aus: Die meisten sind damit nicht einverstanden, viele lehnen sie sogar rundheraus ab. Wie aber kann das sein? Wie kommt es, dass zwischen dem, was die Menschen wollen, und dem, was in ihrem Namen und auf Grund ihrer offensichtlich frei getroffenen Wahlentscheidung umgesetzt wird, ein solch krasses Missverhältnis besteht – in einer Gesellschaft, deren Verfassung doch besagt, dass alle Macht vom Volk ausgeht?

Wir lassen uns täuschen

Die Antwort auf diese Frage lautet: Wir lassen uns täuschen. Wir akzeptieren die wohlklingenden Formulierungen unserer Verfassung, die auf dem Gleichheitsgrundsatz basieren, und schließen daraus, dass wir alle nicht nur gleiche Rechte genießen und gleich behandelt werden, sondern dass wir alle gleich sind. Das aber stimmt nicht. In einer vom Geld beherrschten Gesellschaft wie der unseren können die Menschen auf Grund ihrer Vermögensverhältnisse gar nicht gleich sein. Wer über viel Geld und großen Besitz verfügt, ist nämlich nicht nur wohlhabender, sondern kann sich auf Grund seiner wirtschaftlichen Überlegenheit über diejenigen, die weniger besitzen, erheben, sie von sich abhängig machen und sie im Extremfall sogar vollends beherrschen. Die Vermögensverhältnisse entscheiden also nicht nur darüber, wer reich und wer arm ist, sondern vor allem darüber, wer in welchem Ausmaß Macht ausüben kann und welche gesellschaftlichen Hierarchien sich im Lauf der Zeit bilden.

Diese Aufspaltung der Gesellschaft hat schon lange vor der Einführung des Parlamentarismus und sogar schon lange vor der Einführung des Geldes begonnen. Ihre Anfänge gehen auf die Tauschwirtschaft zurück. Sie ist die Grundlage, auf der sich ein Zustand entwickeln konnte, der die gesamte bisherige Geschichte der Menschheit prägt: die soziale Ungleichheit. Sie hat es den Menschen, die mehr Besitz angehäuft und damit mehr Macht erlangt haben als andere, ermöglicht, Strukturen zu schaffen, die ihren privilegierten Status festigen, die sie einmal erworbene Privilegien auf Dauer beibehalten und diese sogar auf nachfolgende Generationen übertragen lassen.

Im ausgehenden Mittelalter sind die Besitzer großer Vermögen noch einen Schritt weiter gegangen und haben sich das Geldsystem und damit den Blutkreislauf der Gesellschaft unterworfen, indem sie Banken gegründet und sich so das Recht der Geldschöpfung angeeignet haben. Später, nach der Gründung der Nationalstaaten, haben die von ihnen beherrschten Banken sich dieses Recht auf der Grundlage nationaler Währungen mit den Zentralbanken geteilt und damit als „Finanzwesen“ einen ganz eigenen Wirtschaftszweig geschaffen, der mit der Zeit immer einflussreicher wurde. Da dem Rest der Bevölkerung nicht entging, dass auf diese Weise einige Wenige zusehends reicher und mächtiger wurden, hat sich immer stärkerer Widerstand gegen diese Entwicklung gebildet. Als mit der Industrialisierung dann Schulen eingeführt, der Analphabetismus nach und nach überwunden und das allgemeine Bildungsniveau immer weiter angehoben wurde, nahm dieser Widerstand für die Privilegierten zunehmend bedrohlichere Formen an, sodass sie sich gezwungen sahen, Zugeständnisse zu machen.

Ein historisches Zugeständnis

Das historisch wichtigste Zugeständnis – und die zugleich geschickteste Täuschung der Öffentlichkeit – war die Einführung des Parlamentarismus. Indem die Gleichheit der Menschen in einer von Ungleichheit geprägten Welt zum Verfassungsgrundsatz erhoben wurde, entstand mit der parlamentarischen Demokratie eine Fassade, hinter der sich die tatsächlichen Machtstrukturen nicht nur hervorragend verbergen, sondern ungehindert weiter ausbauen ließen. Das Prinzip dieser Täuschung ist im Grunde recht einfach: Man unterschlägt einen fundamental bedeutsamen Mechanismus, der die gesellschaftliche Realität seit Jahrhunderten prägt, und übertüncht ihn mit hochtrabenden Worten. So gibt es bis heute weltweit keine einzige parlamentarische Demokratie, in deren Verfassung die Bedeutung des Geldes für die Entstehung von Machtstrukturen erwähnt oder in der das Prinzip der Geldschöpfung auch nur angesprochen wird. Dafür aber wird in den meisten Verfassungen, verbrämt mit blumigen Formulierungen über die soziale Verpflichtung von Eigentum, der Schutz desselben garantiert – und zwar ohne jede Begrenzung nach oben.

Auf diese Weise ist eine Herrschaftsform entstanden, die sich vordergründig auf den Willen der Mehrheit des Volkes stützt, die aber tatsächlich einer Minderheit nützt und die es darüber hinaus geschafft hat, die soziale Ungleichheit in krassem Widerspruch zum offiziell beteuerten Gleichheitsgrundsatz zu einem akzeptierten und gesetzlich geschützten Dauerzustand werden zu lassen.

Ernst Wolff über das Finanzsystem und die Politik
Der Buchautor Ernst Wolff

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Das sind die Informationsquellen der Profis – Werbung

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Lieber Börsianer,

gelegentlich werde ich als Börsenanalyst oder Vermögensberater gefragt, woher ich meine Informationen beziehe? Oder anders gefragt: Wie recherchiert ein Profi eine Aktie? Zunächst möchte ich mein Berufsbild etwas entmystifizieren. Auch Profis kochen nur mit Wasser und stützen ihre Entscheidungen wesentlich auf öffentlich zugängliche Informationen. Am Anfang steht also immer die Lektüre des Geschäftsberichts und die harte Analyse der Geschäftszahlen.

Dann beginnt die Arbeit des Analysten erst richtig. Aktienanalyse ist People´s Business. Zu Deutsch: Wir müssen mit den handelnden und verantwortlichen Personen des Unternehmens in Kontakt kommen. Als Vermögensverwalter lässt man durchblicken, dass man umfassende Investitionen im Unternehmen beabsichtigt. Damit haben Sie schon einmal das Ohr Ihres Gesprächspartners.

Zunächst werden Sie abgespeist mit professionellem Werbeversprechen. Etwa so: Wir setzen voll auf die Elektro-Mobilität und expandieren derzeit proaktiv im chinesischen Wachstumsmarkt.

Das ist eine absolute Null-Information. Als Analyst haken Sie jetzt konkret nach. Zum Beispiel: Mit welchen Produkten geht das Unternehmen nach China? Wer sind die Konkurrenten? Was ist der Wettbewerbsvorteil des Unternehmens? Warum soll der Kunde ausgerechnet ihre Zylinderdichtung (beispielhaft) kaufen? Wie funktioniert der Vertrieb?

Es gibt nun zwei Möglichkeiten: Ihr Gesprächspartner bleibt hartnäckig im Ungefähren. Dann sind die Expansionspläne wohl noch nicht weit gediehen. Die Aktie ist also eher kein Kauf. Oder aber: Ihr Gegenüber packt…..

Wollen Sie meine komplette Analyse lesen?

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US-Wahl egal für die US-Märkte? Experte Andre Stagge mit ausführlicher Erklärung

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Ande Stagge über die aktuelle Lage im S&P 500 und zur US-Wahl

Ist der Ausgang der US-Wahl letztlich egal für die US-Aktienmärkte? Das denken manche Beobachter. Der Börsenexperte Andre Stagge (hier mehr zu seiner Person) bespricht dieses Thema im folgenden aktuellen Video im Detail. Ausführlich geht er auf die einzelnen Standpunkte von Joe Biden und Donald Trump ein. Zum Beispiel seien die Steuerideen von Joe Biden eindeutig schlecht für die Wirtschaft. Natürlich muss man fair sein und erwähnen, dass die US-Unternehmen durch die große Steuersenkung von Donald Trump im Jahr 2017 massiv profitiert hatten. Andre Stagge glaubt an einen Wahlsieg von Joe Biden, und dass dies letztlich nicht gut für die Märkte wäre – auch wegen der Idee von Joe Biden den Mindestlohn in den USA drastisch anzuheben. Wichtig werde auch die Phase direkt nach der Wahl, und ob Donald Trump bei einer möglichen knappen Wahlniederlage Probleme machen wird.



Ist die US Wahl egal by Andre_Stagge on TradingView.com

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