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Bundesschatzanweisungen: Rendite für Neuemission sinkt auf -0,74% – Wolfgang Schäuble macht 61 Millionen Euro Gewinn

FMW-Redaktion

Jackson Hole verschiebt die globale Zinswende mutmaßlich erstmal weiter in die Zukunft. Die EZB macht mit ihren Aussagen beziehungsweise Nicht-Aussagen auch wenig Hoffnung. Und so stellen sich die Anleihemärkte darauf ein, dass sie länger mit weniger Rendite oder gar keiner Rendite leben müssen. Noch eindeutiger zeigt sich das bei den vom deutschen Staat ausgegebenen Bundesschatzanweisungen mit einer Laufzeit von zwei Jahren.

Die Verzinsung der heute frisch emittierten Bundesschatzanweisungen liegt am kurzen Ende natürlich bei 0,00%. Verkauft wurden die Schätze zu einem Kurs von 101,52% (Anleihekurse notieren immer in Prozentpunkten). Somit kauft der Anleiheinvestor heute etwas für 101,52%, wofür er in zwei Jahren nur 100,00% zurück erhält. Dank fehlender Verzinsung hat er somit effektiv eine Negativrendite. Die liegt heute bei -0,74%. Bei der vorigen Emissionsserie, wo zuletzt zweijährige Bundesschätze verkauft wurden, lag die Rendite am 1. August bei -0,69%.

Also sinkt die Negativrendite sogar noch weiter ins Minus – so hoffnungslos scheint die Lage für die Investoren zu sein, dass sie sogar freiwillig noch mehr Verlust machen als noch vor wenigen Wochen. Die Investoren hätten heute auch in einen Käuferstreik treten können. Aber bei einem Angebot von 5 Milliarden Euro wurden heute immerhin noch 4,66 Milliarden Euro Volumen nachgefragt. Davon war ein Volumen von 2,29 Milliarden Euro unlimitiert – also waren die Investoren bereit für dieses Volumen jeden Preis zu akzeptieren.

Letztlich verkauft hat man 4,03 Milliarden Euro Volumen. Die Differenz von 970 Millionen Euro wandert in die sogenannte Marktpflegequote. Falls nämlich alle Investoren diese Bundesschätze bis zum Laufzeitende in zwei Jahren im Depot belassen, gäbe es am freien Markt keine Handelbarkeit für diese Anleihe – dafür sorgt dann der Emittent „Finanzagentur Deutschland GmbH“ mit diesen 970 Millionen Euro Volumen.

Wolfgang Schäuble wird sich freuen. Da er für diese 4,03 Milliarden Euro keine Zinsen zahlen muss, macht er schon jetzt einen fetten schönen Gewinn mit dieser Schuldenaufnahme. Statt dem verkauften Nominalwert von 4,03 Milliarden Euro (100,00%) nimmt er ja 101,52% per sofort ein, also 4,091 Milliarden Euro. Da er in zwei Jahren nur 4,03 Milliarden Euro zurückzahlt (den Nominalwert von 100,00%), streicht er jetzt 61,2 Millionen Euro Gewinn ein. Gratulation.

Die Zeche zahlen wie immer die Kleinsparer, die davon nichts mitbekommen. Ihre Rendite schmälert sich oder geht vielleicht arg Richtung Null, wenn sie derzeit Monat für Monat brav ihre Sparbeitrage an ihre private Rentenversicherung oder Betriebsrentenkasse überweisen. Denn von dort aus wandert das Geld nach außen hin unbemerkt in dieses Verlustgeschäft! Die sinkende Rendite am kurzen Ende sieht man übrigens auch gut im Chart des Schatz-Future. Der Kurs steigt seit acht Wochen kontinuierlich, damit sinkt automatisch die Rendite.


Der Schatz-Future seit Februar.



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