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Burry schlägt Alarm: „Mr. Big Short“ stellt Tech-Gewinne infrage

Burry schlägt Alarm: „Mr. Big Short“ stellt Tech-Gewinne infrage
Grafik: ChatGPT

Wenn Michael Burry Alarm schlägt, horcht die Finanzwelt auf. Mit seiner Kritik an den Praktiken der Abschreibungen der Tech-Giganten rückt der Starinvestor die strahlenden Gewinne der Magnificent Seven in ein neues Licht – und stellt die Frage, ob Tech-Aktien wie Alphabet, Meta und Microsoft tatsächlich so unerschütterlich sind, wie ihre Rekordbewertungen suggerieren. Inmitten eines milliardenschweren KI-Investitionsbooms könnte Burrys Warnung zum Wendepunkt einer ganzen Branche werden.

Burry stellt Big-Tech-Gewinne infrage

Die anhaltende Begeisterung der Anleger für Tech-Aktien basiert seit Jahren auf der enormen Fähigkeit der großen US-Technologiekonzerne, immer höhere Gewinne zu erwirtschaften. Doch genau diese Gewinnkraft könnte überzeichnet sein – zumindest nach Ansicht von Michael Burry. Der legendäre Investor, berühmt durch „The Big Short“ und Gründer von Scion Asset Management, stellte in einem viel diskutierten Social-Media-Beitrag infrage, ob Big Tech seine Ergebnisse künstlich verbessert, indem es die Abschreibungszeiträume für Server und Rechenzentrums-Hardware immer weiter verlängert. Wie Bloomberg aktuell berichtet, trifft Burrys Kritik damit einen wunden Punkt der Branche. Bereits Anfang des Monats hatte er mit ähnlich scharfen Tönen die aufkommende KI-Blase angestochen und die Diskussion um realistische Bewertungen angefacht. Zudem wurde bekannt, dass Burry zuletzt kräftig gegen die KI-Highflyer Nvidia und Palantir gewettet hat

Im Fokus stehen Konzerne wie Meta Platforms, Microsoft und Alphabet, die ihre sogenannten Nutzungsdauerschätzungen für Rechenzentrumsgeräte in den vergangenen Jahren systematisch ausgeweitet haben. Je länger diese Zeiträume, desto geringer die nicht zahlungswirksamen Abschreibungen – und desto höher das ausgewiesene Nettoergebnis. Obwohl diese Bilanzierungsentscheidungen nicht neu sind, sorgt die Beteiligung von Burry dafür, dass der Markt das Thema erneut kritisch bewertet.

Dabei vertrauen viele Investoren weiterhin darauf, dass die massiven Ausgaben von Meta, Alphabet, Amazon und Microsoft für Chips und KI-Infrastruktur langfristig enorme Renditen bringen. Doch die Kursentwicklungen zeigen ein gemischtes Bild: Meta legte 2025 nur um 4,2 % zu und verlor im zweiten Halbjahr 17 %, womit der Titel zu den 25 schwächsten im Nasdaq 100 zählt. Alphabet hingegen gewann 47 %, Microsoft rund 20 %. Seit Donnerstag geben die Kurse der Magnificent Seven jedoch wieder nach, da die Anleger in den Risk Off-Modus schalten.

„Wir befinden uns in einer Phase, in der wir uns vom KI-Hype zu KI-Beweisen bewegen müssen“, erklärte Anthony Saglimbene, Chefmarktstratege bei Ameriprise Financial Services.

Die „Magnificent Seven“-Rally verliert an Schwung

Abschreibungen als Gewinnbooster?

Kernpunkt der Debatte ist die Frage, wie schnell Hardware wie GPUs und Server tatsächlich an Wert verliert. Viele große Technologiekonzerne haben die Nutzungsdauer ihrer Anlagen verlängert und damit die Abschreibungen reduziert. Meta etwa erhöhte 2025 die Nutzungsdauer seiner Hardware von vier auf fünfeinhalb Jahre – eine Änderung, die den Abschreibungsaufwand allein in diesem Jahr um 2,9 Milliarden US-Dollar senken soll.

Microsoft und Alphabet nahmen ähnliche Anpassungen vor und argumentieren, dass sich die Geräte aufgrund technischer Verbesserungen länger nutzen ließen. Skeptiker dagegen verweisen darauf, dass Chip-Hersteller wie Nvidia inzwischen in immer schnelleren Innovationszyklen arbeiten, was eigentlich kürzere Nutzungszeiten nahelegt. Amazon reduzierte daher im Februar die Nutzungsdauer seiner Server von sechs auf fünf Jahre.

Auch Microsoft-CEO Satya Nadella betonte zuletzt die Notwendigkeit kontinuierlicher Modernisierung: „Man modernisiert und schreibt kontinuierlich ab. Und das bedeutet auch, dass man Software nutzt, um die Effizienz zu steigern.“

Die Diskussion erhält zusätzliche Relevanz, weil die Investitionen der Tech-Konzerne explodieren. Laut Bloomberg dürften Meta, Alphabet, Amazon und Microsoft ihre kombinierten Investitionen in den kommenden zwölf Monaten um rund 40 % auf 460 Milliarden US-Dollar erhöhen – ein Großteil davon fließt in Rechenzentrums-Hardware. Gleichzeitig steigen die Abschreibungen trotz der Bilanzoptimierungen massiv: Zusammengenommen erhöhten sich die Abschreibungen von Alphabet, Microsoft und Meta von 10 Milliarden US-Dollar im Schlussquartal 2023 auf 22 Milliarden im Septemberquartal 2024. Analysten rechnen bis nächstes Jahr mit 30 Milliarden.

Große Tech-Aktien verzeichnen Anstieg der Abschreibungskosten

Gewinne trotzen steigenden Kosten

Trotz dieser Kostenlawine übertrafen viele Tech-Giganten im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich – ein Punkt den Michael Burry kritisch sieht. Besonders die Magnificent Seven, zu denen neben Meta, Alphabet und Microsoft auch Apple, Tesla und Nvidia gehören, glänzen mit beeindruckenden Ergebnissen. Laut Bloomberg Intelligence sollen ihre Gewinne im Jahresvergleich um 27 % steigen – fast doppelt so viel wie zu Beginn der Berichtssaison prognostiziert.

Für viele Marktstrategen überwiegen daher die langfristigen Chancen der Tech-Aktien die kurzfristigen Bilanzierungsdebatten, die durch Burry nochmal in den Fokus rücken. Phil Blancato, Chefmarktstratege bei Osaic, formulierte es deutlich: „Das Geld, das sie ausgeben, stimuliert zukünftige Gewinne in hohem Maße, und genau dieser Punkt wird übersehen.“ Er ergänzte: „Es gibt bislang keinen Grund, an ihrer Fähigkeit zu zweifeln, weiter zu wachsen.“

Damit bleibt der Markt trotz der Bedenken von Burry vorerst überzeugt: Die enormen KI-Investitionen der großen Technologieunternehmen sowie die Stärke der Tech-Aktien und der Magnificent Seven prägen weiterhin die positiven Gewinnerwartungen – auch wenn die Frage nach der tatsächlichen Werthaltigkeit der ausgewiesenen Gewinne aktueller ist denn je.

Der „Big Short“-Investor Michael Burry unternimmt indessen einen weiteren mutigen Schritt. Sein Hedgefonds Scion hat seine Registrierung bei der SEC gekündigt. Burry kündigte an, er habe „viel Besseres vor” im Laufe dieses Monats.

FMW/Bloomberg



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1 Kommentar

  1. „Burry stellt Big-Tech-Gewinne infrage“. Dann müsste M. Burry eigentlich aggressiv short gehen. Das tut er nicht, sondern löst im Gegenteil Scion auf. Glaubt er selbst nicht dran?

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