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Rückschlag für Orban BYD plant Türkei-Offensive – Ungarn muss warten

Strategischer Schachzug für EU-Markt

BYD verschiebt den Produktionsstart in Ungarn und setzt auf die Türkei. Dort entsteht ein neues Werk samt Forschung – ein strategischer Schachzug für den EU-Markt.

BYD plant Türkei-Offensive – Ungarn muss warten

BYD, Chinas größter Elektroautoproduzent, hat seine europäischen Pläne geändert. Die Massenproduktion in der neuen Fabrik in Szeged, Ungarn, startet erst 2026. Zunächst läuft die Anlage weit unter der Auslastungsgrenze, mit nur wenigen zehntausend Fahrzeugen im ersten Jahr. Gleichzeitig beschleunigt BYD die Produktion in der Türkei. Die Fabrik in Manisa soll Ende 2026 in Betrieb gehen, mit einem Ausstoß von etwa 150.000 Einheiten. Diese Wende dürfte für Ungarn einigermaßen überraschend kommen.

Ungarns E-Auto-Träume geraten ins Stocken – Rückschlag für Orban

Ungarn hat sich in den letzten Jahren als Produktionsstandort für chinesische Unternehmen in der Elektromobilität etabliert. Laut MERICS flossen 2024 chinesische Direktinvestitionen im Wert von 3,1 Milliarden Euro nach Ungarn. Besonders die Elektrofahrzeugbranche profitierte, mit Projekten wie der CATL-Batteriefabrik in Debrecen.

BYD selbst investiert vier Milliarden Euro in Szeged und erweitert seine Präsenz mit einem weiteren Werk in Komárom für elektrische Busse und Lastwagen. Zudem betreibt BYD eine Batteriemontage in Fót sowie eine Fabrik für Smart Devices in Páty.

Im Mai verkündete BYD, sein europäisches Hauptquartier von den Niederlanden nach Budapest verlegen zu wollen. Diese Entscheidung schafft mindestens 2.000 neue Arbeitsplätze. Zusätzlich plant BYD Investitionen von 250 Millionen Euro in Forschung, darunter Projekte für künstliche Intelligenz und Antriebstechnologie.

Entsprechend irritiert gab sich István Joó, ungarischer Staatssekretär für Innovation und Technologie, und ließ verlauten, dass BYD die Pläne für die ungarische Fabrik planmäßig vorantreibe und keine Verzögerungen vorliegen.

An sich sollte die Fabrik in Ungarn bis Ende September mit Produktionsanlagen aus China ausgestattet werden, um zum Jahresende mit der Produktion zu beginnen. Der neue Zeitplan deutet auf Probleme bei der Fertigstellung hin, etwa Verzögerungen bei Lieferungen oder Bauphasen.

Gleichzeitig wurden die Pläne für die neue Fabrik in Manisa vorgezogen. Der ursprüngliche Zeitplan sah vor, das Werk bis Mitte nächsten Jahres auszustatten und Ende 2026 in Betrieb zu nehmen. Nun startet die Produktion bereits Ende diesen Jahres, zunächst mit einer Kapazität von 150.000 Einheiten, die später auf über 200.000 Einheiten steigen soll.

In Ungarn verschiebt sich der Produktionsstart dagegen auf das kommende Jahr und die geplante Produktion wurde auf wenige zehntausend Einheiten im ersten Jahr gekürzt.

BYD stärkt Türkei mit Werk und Forschungszentrum

Beide Standorte ermöglichen BYD die zollfreie Exporte in die EU. Das spart BYD die 27 Prozent Zölle, die auf aus China importierte Elektrofahrzeuge anfallen. Die 4-Milliarden-Euro-Investition in Ungarn bleibt bestehen, doch die Türkei übernimmt eine größere Rolle. In Manisa entsteht zudem ein Forschungs- und Entwicklungszentrum, das Mobilitätstechnologien vorantreibt.

Im letzten Jahr verkaufte BYD in der EU plus Großbritannien rund 83.000 Einheiten. Für 2025 plant BYD eine Verdopplung auf 166.000 Fahrzeuge. Die Türkei-Produktion unterstützt dieses Ziel. Modelle wie der Seal U SUV oder der Sealion 5 sollen den Markt erobern. In Ungarn stehen derweil der Atto 3 und der Dolphin auf dem Plan. Die Verzögerung in Szeged wirkt zunächst wie ein Rückschlag, doch die parallele Expansion in der Türkei gleicht das aus.

Dies dürfte auch ein Erfolg für Erdoğan und die Türkei sein, die ebenfalls schärfere Importbeschränkungen für chinesische Autobauer erlassen hat, um sie dadurch zu zwingen, in der Türkei zu produzieren.

Seit Oktober des vergangenen Jahres verschärfte die Türkei die Regeln für den Import von chinesischen Autos, schafft aber auch gleichzeitig Anreize, damit Autohersteller Produktionsstätte im Land am Bosporus aufbauen. Die Investitionen von BYD in Manisa mit einer Milliarde US-Dollar folgen diesen Zwängen direkt.

Mit der Errichtung der Fabrik in der Türkei, nutzt BYD die politischen Vorgaben, um Importbeschränkungen zu umgehen und gleichzeitig den EU-Markt über zollfreie Exporte zu bedienen. Die Türkei gewinnt so Arbeitsplätze und steigert ihre industrielle Basis, während BYD von Steuererleichterungen profitiert.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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3 Kommentare

  1. Schätze, die Chinesen haben mitbekommen dass Orban die nächste Wahl mit hoher Wahrscheinlichkeit verlieren wird. Bei Erdogan ist das anders, der wird bis zum Lebensende an der Macht bleiben.

    Bei Diktaturen geht eben nicht ein bißchen, sondern nur ganz oder gar nicht. Das war die Lehre von Gorbatschow.

    1. Im Gegensatz zu Deutschland wird der türkische Präsident tatsächlich vom Volk gewählt und nicht im Hinterzimmer von 2-3 Personen hingemauschelt.

      1. Ein Deutscher in der Türkei

        @Enes
        Ich liebe diese feine Satire.
        Jetzt muss ich los, einen ehemaligen Bürgermeister einer Oppositionspartei im Gefängnis besuchen….

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