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BYD überholt Ford: Elektroauto-Riese aus China dominiert den Markt

BYD verkauft inzwischen global mehr Autos als der US-Riese Ford. Die Chinesen preschen mit großem Tempo voran. Eine Analyse.

BYD-Elektroauto
BYD-Elektroauto. Foto: Jason Alden/Bloomberg

BYD setzt neue Maßstäbe auf dem Automarkt, während der chinesische Pkw-Absatz im Januar spürbar zurückgeht und Exporte an Bedeutung gewinnen.
BYD hat Ford beim weltweiten Absatz überholt und unterstreicht damit die Dynamik des chinesischen Automarkts, der im Januar trotz hoher Produktionszahlen und starker Exporte spürbare Einbußen im Einzelhandel verzeichnet. Während Elektroautos vorübergehend an Schwung verlieren, profitieren innovative Hersteller wie BYD von vertikaler Integration und breiter Modellpalette, private Unternehmen gewinnen an Einfluss, und der Export stabilisiert den Markt.

BYD verdrängt Taditionsmarke Ford

BYD hat Ford im vergangenen Jahr beim weltweiten Absatz überholt und zählt nun zu den sechs größten Automobilherstellern der Welt. Während Traditionsmarken wie Ford derzeit fast 20 Milliarden Dollar abschreiben, um den Rückzug in die vermeintliche Sicherheit der Verbrennerwelt zu finanzieren, beweist das chinesische Unternehmen die Kraft technologischer Konsequenz. BYD profitiert von seiner vertikalen Integration und konnte bereits im Vorjahr Tesla als weltweit größten Hersteller rein batteriegetriebener Fahrzeuge ablösen.

Während mancherorts die industrielle Zukunft kurzfristigen politischen Stimmungen in den USA geopfert, wird festigt BYD seine Position als neuer Taktgeber der globalen Industrie. Diese Verschiebung ist das Ende der Ära der amerikanischen Giganten, die die Richtung der Mobilität bestimmten. Zugleich ist dies ein unüberhörbarer Warnschuss an die europäische Automobilindustrie und die Politik. Wer in diesem Moment den Anschluss an die neue Welt verliert, wird in Zukunft nur noch auf den Beifahrersitzen chinesischer Technologie Platz nehmen.

BYD schiebt sich vor Ford in der Rangliste der weltweit größten Autohersteller

Zugleich rückten weitere private Konzerne stärker in den Vordergrund. Geely lag im Januar zeitweise auf Augenhöhe mit BYD. Chery überzeugte durch starke Inlandszahlen und eine führende Rolle im Export. Im Gegenzug gerieten staatliche Konzerne wie SAIC-Motor, FAW Group und BAIC Group weiter unter Druck. Marktanteile wanderten zunehmend zu privaten Anbietern mit höherer Reaktionsgeschwindigkeit und besserer Softwareintegration.

Auch neue Akteure gewannen an Gewicht. Xiaomi etablierte sich mit seinen Fahrzeugmodellen als ernstzunehmender Player im Segment der Autos mit alternativen Antrieben. Der von Huawei unterstützte Verbund rund um Aito baute seinen Marktanteil ebenfalls deutlich aus. Diese neuen Kräfte erreichten zusammen inzwischen mehr als 30 Prozent des Marktes mit alternativen Antrieben.

Schwacher Start ins Jahr 2026: Einzelhandel kämpft mit sinkenden Absätzen

Der chinesische Automarkt ist mit spürbarer Schwäche in das neue Jahr gestartet. Besonders im Einzelhandel zeigte sich im Januar ein deutlicher Einbruch. Nach Angaben der China Passenger Car Association (CPCA) wurden rund 1,54 Millionen Pkw an Endkunden verkauft – ein Rückgang von fast 14 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Noch stärker fielen die reinen Inlandsverkäufe, die um rund 19,5 Prozent auf etwa 1,4 Millionen Fahrzeuge sanken. Damit verzeichnete der Einzelhandel den stärksten Rückgang seit Anfang 2024.

Die Hersteller reagierten auf die schwachen Verkäufe erst verzögert und drosselten die Produktion im Laufe des Monats, was das Überangebot im Januar verschärfte. Den Händlern blieb als Ausweg nur der Abverkauf älterer Bestände durch deutliche Preisnachlässe, was die Margen im Einzelhandel weiter belastete.

Elektroautoabsatz in China nach Marke

Sondereffekte und schwache Konsumstimmung

Der schwache Januarabsatz ist zunächst von der Terminierung des Neujahrsfests geprägt, das im Vorjahr auf Ende Januar fiel. Wie der Generalsekretär der CPCA, Cui Dongshu, mehrfach betonte, verzerren diese Verschiebungen regelmäßig die ersten beiden Monate eines Jahres.

Dieser Kalendereffekt wird jedoch durch eine grundlegend schwache Konsumstimmung überlagert: Das Wachstum hat an Dynamik verloren, die Korrektur am Immobilienmarkt belastet Vermögen und Vertrauen, und unsichere Jobs im Dienstleistungssektor erhöhen den Sparzwang vieler Haushalte. Autos gelten dadurch immer häufiger als verzichtbare Anschaffung, insbesondere in großen Städten mit hohen Kosten, Auflagen und alternativen Mobilitätsangeboten. Der schwache Januar war daher nicht nur ein Kalendereffekt, sondern auch Ausdruck einer dauerhaft gedämpften Kaufbereitschaft.

Elektroautos verlieren im Januar an Schwung

Selbst das lange dominante Segment der Autos mit alternativen Antrieben, wo BYD führend ist, verlor im Januar an Schwung. Die Verkäufe von Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeugen sanken um rund 23 Prozent auf etwa 600.000 Einheiten. Damit verlor der wichtigste Wachstumstreiber der vergangenen Jahre vorübergehend an Stabilität.

Autozulassungen in China

Ein zentraler Grund ist das Ende der vollständigen Steuerbefreiung: Seit Januar gilt eine halbierte Kaufsteuer, was für viele Modelle mehrere tausend Yuan an Zusatzkosten bedeutet. Zahlreiche Käufer hatten ihre Anschaffung bereits auf Ende des Vorjahres vorgezogen, während andere auf neue Preisanpassungen warteten. Viele Hersteller reagierten mit einer Senkung der offiziellen Listenpreise, um die Steuerlast für Kunden abzufedern.

Innerhalb des Marktes zeigte sich im Januar zudem eine klare strukturelle Verschiebung: 22,5 Prozent der Verkäufe entfielen auf reine Elektrofahrzeuge, 16,1 Prozent auf Plug-in-Hybride (davon 4,9 Prozentpunkte auf Range-Extender-Modelle), während klassische Verbrenner weiterhin 61,4 Prozent des Marktes ausmachten. Trotz der hohen Bedeutung alternativer Antriebe blieb die Mehrheit der Käufer beim konventionellen Antrieb. Besonders stark brach das günstige Kleinwagensegment ein, während höher positionierte Modelle weiter Zuwächse erzielten.

Exporte erreichen neuen Höchstwert

Während der Binnenmarkt schwächelte, entwickelte sich der Export zum wichtigsten Stabilisator. Im Januar erreichten die Ausfuhren rund 576.000 Einheiten – ein historisches Hoch mit über 50 Prozent Zuwachs (BYD-Autozulassungen in Deutschland jüngst +1.018 % in zwölf Monaten). Besonders auffällig war der hohe Anteil elektrifizierter Fahrzeuge. Fast die Hälfte der Exporte entfiel auf Autos mit alternativen Antrieben, darunter Plug-in-Hybride für Schwellenländer sowie neue Pickup-Modelle. Hersteller verlagerten zudem einen größeren Teil der Endmontage direkt in die Zielmärkte und nutzten CKD-Sätze sowie lokale Lieferketten, um ihre Marktposition nachhaltig zu sichern.

Der anhaltende Preiskampf vollzog im Januar einen strategischen Wandel: Statt ungeordneter Rabatte blieb die Quote bei Fahrzeugen mit alternativen Antrieben über fünf Monate bei etwa 10 Prozent stabil. Cui Dongshu wertet dies als Erfolg gegen zerstörerischen Wettbewerb. Hersteller korrigierten eher ihre Listenpreise als kurzfristige Nachlässe zu gewähren, um die Marktdynamik zu beruhigen.



Dói Ennoson
Über den RedakteurDói Ennoson
Dói Ennoson schreibt unter einem Pseudonym. Er ist China-Experte und vermittelt tiefgreifende Einblicke in das Reich der Mitte.
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