Der Yen steht plötzlich wieder im Mittelpunkt der Finanzmärkte. Während Goldman Sachs das attraktivste Umfeld für Carry Trades seit mehr als zwei Jahrzehnten sieht, sendet Japan überraschend gegenteilige Signale. Die Regierung will große Pensionsfonds zu stärkeren Investitionen im Inland bewegen – und könnte damit langfristig genau jene Strategie unter Druck setzen, die derzeit zu den beliebtesten am Devisenmarkt zählt. Steht der Yen-Carry-Trade damit vor seinem ersten echten Härtetest seit Jahren?
Goldman setzt auf Yen-Carry-Trade
Wie Bloomberg berichtet, sieht Goldman Sachs derzeit die besten Rahmenbedingungen für Carry Trades seit dem Jahr 2000. Beim Carry Trade leihen sich Investoren Geld in einer niedrig verzinsten Währung wie dem Yen und investieren es in höher verzinste Anlagen, um die Zinsdifferenz zu vereinnahmen. Stratege Stuart Jenkins bezeichnet insbesondere das Umfeld innerhalb der G10-Währungen als außergewöhnlich attraktiv.
Ausschlaggebend seien die großen Zinsunterschiede zwischen den Industrieländern bei gleichzeitig ungewöhnlich niedriger Volatilität am Devisenmarkt. So rentieren zweijährige US-Staatsanleihen derzeit mit mehr als vier Prozent, während vergleichbare Anleihen in Deutschland rund 2,6 Prozent, in Japan etwa 1,4 Prozent und in der Schweiz lediglich rund 0,1 Prozent abwerfen. Nach Bloomberg-Daten erzielten G10-Carry-Strategien in diesem Jahr bereits eine Rendite von rund acht Prozent und schnitten damit besser ab als globale Anleihen, Gold und Bitcoin – lediglich Aktien entwickelten sich noch stärker.
Goldman favorisiert dabei den Yen, den Schweizer Franken und den Euro als Finanzierungswährungen. Besonders der Yen bleibe langfristig ein „Top Funding Candidate“, da die japanische Währung trotz des Risikos staatlicher Eingriffe ohne eine grundlegende Veränderung des makroökonomischen Umfelds weiter zur Schwäche neige, schreibt Jenkins laut Bloomberg.

Japan sendet neues Signal
Genau an diesem Punkt setzt nun die japanische Regierung an. Finanzministerin Satsuki Katayama erklärte, es habe Priorität, Haushalte und Pensionsfonds zu stärkeren Investitionen in japanische Finanzanlagen zu bewegen. Sie verwies dabei ausdrücklich auf den Government Pension Investment Fund (GPIF), der mit Vermögenswerten von rund 294 Billionen Yen zu den größten Pensionsfonds der Welt zählt.
Die Aussagen überraschten die Märkte. Der Yen legte unmittelbar zu, während die Renditen japanischer Staatsanleihen fielen. Noch gibt es keine Entscheidung über eine neue Anlagestrategie des GPIF. Da der Fonds dem Arbeitsministerium untersteht, müsste jede Änderung zunächst ein formelles Verfahren durchlaufen. Dennoch zeigen die Marktreaktionen, wie aufmerksam Investoren selbst verbale Signale aus Tokio verfolgen.
Warum die Märkte genau hinschauen
Die Bedeutung reicht weit über Japan hinaus. Japanische Investoren haben rund fünf Billionen US-Dollar im Ausland angelegt und sind mit Beständen von etwa 1,2 Billionen US-Dollar der größte ausländische Halter von US-Staatsanleihen. Sollten künftig größere Kapitalbeträge zurück in den Heimatmarkt fließen, könnte das den Yen stärken und gleichzeitig Auswirkungen auf internationale Anleihe- und Devisenmärkte haben.
Genau darin liegt der potenzielle Zielkonflikt. Während Goldman den schwachen Yen als ideale Grundlage für den Carry Trade betrachtet, könnte eine stärkere Nachfrage nach japanischen Vermögenswerten diesen Vorteil langfristig schmälern. Noch ist dieses Szenario Zukunftsmusik – doch erstmals seit Jahren sendet Tokio politische Signale, die genau auf diesen Mechanismus abzielen.
Volatilität bleibt das Risiko
Trotz des positiven Umfelds warnen Marktbeobachter vor zu viel Selbstzufriedenheit. Barclays verweist darauf, dass die außergewöhnlich niedrige Volatilität kaum zur hohen geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheit passe. Gerade Carry Trades gelten als anfällig für abrupte Marktbewegungen: Die Zinserträge entstehen langsam, Währungsverluste können dagegen innerhalb weniger Stunden auftreten und zu einem schnellen Abbau von Positionen führen.
Einen Vorgeschmack auf die Risiken eines abrupten Carry-Trade-Unwinds lieferten bereits die Turbulenzen im August 2024. Nach der überraschenden Zinserhöhung der Bank of Japan und der kräftigen Aufwertung des Yen brach der Nikkei 225 zeitweise um 12,4 Prozent ein, während die Verwerfungen auf die US- und europäischen Aktienmärkte übergriffen.
Noch spricht vieles für den Yen-Carry. Doch die Aussagen aus Tokio zeigen, dass sich die politischen Rahmenbedingungen allmählich verändern könnten. Sollten Japans Pensionsfonds künftig tatsächlich mehr Kapital im Inland investieren, könnte aus einer verbalen Intervention eine strukturelle Veränderung werden – mit Folgen weit über den Devisenmarkt hinaus.
FMW/Bloomberg
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Im Jahre 89 erhöhte die Bank of Japan den Leitzins auf heute unvorstellbare 4,25 Prozent ….um die Inflation zu bekämpfen und die Währung zu schützen….
Davon sind wir jetzt weit entfernt….