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Case Shiller Hauspreisindex: Erkenntnisse vom Tanz auf dem Vulkan

Claudio Kummerfeld

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am

Haus in den USA Beispielfoto - Case Shiller Hauspreisindex steigt immer weiter an

Der böseste Bube aller bösen Buben an der Wall Street Carl Icahn (wohl das reale Vorbild für Gordon Gekko aus dem Film Wall Street) sagte vor gar nicht mal so langer Zeit, dass der Markt in einem Bus sitze und eine tolle Party feiert. Der Bus fahre direkt auf eine Klippe zu, und hinter dem Bus würden die Notenbank und Blackrock stehen und den Bus noch anschieben Richtung Kante. Tja, was für ein Vergleich. Ob er Sinn macht? Aber schauen wir doch mal auf eine andere Party. 2007 platzte die Immobilienblase in den USA. Die große Party war zu Ende, und die Immobilienkrise zog alles andere mit in den Abgrund. Und seitdem? Schauen wir doch mal auf den in den USA sehr stark beachteten Case Shiller Hauspreisindex.

Case Shiller Hauspreisindex zeigt ständig weiter steigende Preise

Er zeigt die Entwicklung der Hauspreise an. Der Indexwert steigt immer weiter an, und das seit Jahren. Steht die Fed hinter dem Partybus, und schiebt die Hauspreise immer weiter an mit ihren niedrigen Zinsen? Nun, schauen wir mal auf den folgenden Chart. Er zeigt den Case Shiller Hauspreisindex in blau im Vergleich zu dem Leitzins in den USA in schwarz seit dem Jahr 2009. Die Hauspreise steigen, und steigen, und steigen. Die Fed hielt jahrelang die Zinsen im Keller. Ab 2016 stieg der Zins von 0,25% auf 2,50%. Das sind Welten! Und Immobilienkredite verteuern sich dadurch deutlich. Aber der Chart zeigt es. Der Case Shiller Hauspreisindex stieg immer weiter an, parallel zu den steigenden Zinsen. Eigentlich müsste die Party am Immobilienmarkt durch diese gut zweijährige Zinsanhebungsphase zu Ende sein. Aber nein. Wie gesagt, die Hauspreise stiegen einfach immer weiter.


source: tradingeconomics.com

Läuft doch alles total super

Im folgenden größeren Bild sieht man den Case Shiller Hauspreisindex im Vergleich zu den US-Zinsen seit den 70er-Jahren. Die Zinsen fielen immer weiter, und bis 2007 stiegen die Hauspreise enorm stark an. Dann der große Crash. Aber vom Tief um die 140 Indexpunkte hat sich der Index ab dem Jahr 2012 auf jetzt 218 Punkte erholt. Erholt? Was sagen wir da? Es ist ein Höchstwert, weit über dem Hoch vor dem Platzen der Immobilienblase 2007. Dank jahrelang abgeschaffter Zinsen konnte der US-Immobilienmarkt erneut zu einer phantastischen Rally ansetzten. Und die steigenden Zinsen von 2016-2018 ignorierte man einfach. Was lernen wir aus all dem? Die Hauspreise in den USA machen keine Pause auf dem Weg nach oben. Man feiert die Party also weiter, egal was drum herum geschieht.

Die US-Konjunktur läuft ja super, im Notfall rettet die Fed und senkt auch wieder die Zinsen. Und Trump macht nochmal was in Sachen Steuersenkung? Also kann doch alles immer so weiter laufen? Genau so dachte man grundsätzlich wohl auch 2005, 2006 und 2007, als der Tanz auf dem Vulkan voll in Gange war. Alles lief doch perfekt… und heute? Der Staat ist so hoch verschuldet wie noch nie, und die US-Konsumenten ebenso, wenn man alle Schulden zusammen rechnet. Alles höher als auf dem Höhepunkt vor der Finanzkrise 2008. Aber ja, angeblich hat man ja so viel dazu gelernt, so viele neue Sicherungsmechanismen eigezogen, die Banken halten mehr Eigenkapital vor usw. Aber die Realität heißt nun mal: Die Schulden sind höher als je zuvor, die Hauspreise auch, die Aktien in den USA haussieren auch kräftig. Probleme? Ach, nein, davon wollen wir nichts hören, die Party muss weiter gehen. Und Donald Trump twittert zur aktuellen Lage. Dann kann ja gar nichts mehr schief gehen, und die Amerikaner können zu immer höheren Preisen Häuser kaufen!??


source: tradingeconomics.com

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Neofiskalismus – die Zeit für größere Regierungsaktivitäten ist gekommen

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Eine neue Ära vermehrter Regierungsaktivitäten hat begonnen und wird sich wahrscheinlich noch über Jahrzehnte fortsetzen, so die Analyse des Global Macro Research Teams von Insight Investment. Das Insight’s Global Macro Research Team hat für dieses Phänomen einen neuen Begriff eingeführt: „Neofiskalismus“. Damit soll eine sich abzeichnende Ära beschrieben werden, in der Regierungen durch ihre Finanzpolitik eine noch direktere und offensivere Rolle in der Wirtschaftspolitik und -steuerung ausüben. Dies steht in starkem Kontrast zu dem gegenwärtigen Modell, unter dem Zentralbanken weitestgehend in der Lage waren, geldpolitische Entscheidungen ohne politische Intervention zu treffen.

Das neoliberale Paradigma reduzierter Regierungsinterventionen in der Wirtschaft ist in Gefahr. Längerfristige Trends gingen bereits in diese Richtung, aber die Notfallpolitik, die zur Bewältigung der COVID-19-Krise angewandt wurde, hat einen möglichen Wendepunkt geschaffen. Das Global Macro Research Team hat fünf Folgen für die Märkte identifiziert:

1)
Die Anleihenmärkte könnten für einen langen Zeitraum ähnlich wie in Japan werden. Eine im historischen Vergleich relativ geringe Volatilität könnte dazu führen, dass die Suche nach Renditen die Spreads verringert und die Zinskurven abflacht.

2)
Ein Anstieg der Inflation könnte Anleiherenditen kurzfristig nach oben treiben, wenn sie eine Abschwächung der quantitativen Lockerung bewirkt. Solche Gelegenheiten dürften attraktive Einstiegspunkte sein, solange längerfristig erwartet wird, dass die Inflation nach den Finanzierungsengpässen in der Wirtschaft wieder auf den Zielwert zurückkehrt.

3)
Für Staaten ohne vollständige Kontrolle über die Währung, in der sie ihre Emissionen tätigen, sollte die Wirksamkeit der Regierung von entscheidender Bedeutung sein. Effektiv handelnde Regierungen, die in der Lage sind, die Produktivität und das Trendwachstum zu steigern, könnten das Verhältnis Schulden/BIP rascher reduzieren.

4)
Das Identifizieren von Regierungen, die in der Lage sind, das Trendwachstum zu maximieren, dürfte für die Aktienmärkte wichtig werden, da dies zu einem wichtigen Ertragsmotor wird.

5)
Unternehmen mit staatlicher Unterstützung dürften in Perioden mit Finanzierungsengpässen einen Vorteil haben.

Experte erklärt neues Phänomen des Neofiskalismus
Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research bei Insight Investment

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Glas halb voll oder halb leer? 21 statt 33 Prozent der Betriebe stark von Corona betroffen

Claudio Kummerfeld

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Zahl von Corona stark beeinträchtigter Betriebe sinkt

Der eine sagt das Glas ist halb voll, der andere sagt es ist halb leer. Ansichtssache! So wohl auch in diesem Fall. Denn ab wann kann man sagen, dass sich die gesamtwirtschaftliche Lage so weit gebessert hat, dass die Coronakrise im großen Bild überstanden ist? Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), eine Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, hat heute aktuelle Umfrageergebnisse veröffentlicht. Regelmäßig befragt man 1.500 Betriebe.

Demnach berichteten für den Monat Mai 33 Prozent der Betriebe von starken negativen Corona-Auswirkungen auf das eigene Geschäft. Heute meldet das IAB, dass noch 21 Prozent der Betriebe von starken negativen Auswirkungen sprechen. Also ein Fünftel der Unternehmen ist immer noch ernsthaft von Corona beeinträchtigt, und das laut Bundesregierung vier Monate nach dem wirtschaftlichen Tiefpunkt der Krise. Der eine erachtet dies als großen Schritt in die richtige Richtung, der andere sieht darin ein Desaster, dass immer noch so viele Betriebe ernsthafte Probleme haben. Dazu hier einige Aussagen des IAB im Wortlaut:

Die Ergebnisse zeigen, dass sich die wirtschaftliche Situation der Betriebe sehr deutlich gegenüber dem Höhepunkt der Krise im Frühjahr verbessert hat“, erklärt IAB-Forscher Jens Stegmaier.

Von den im Mai stark negativ durch die Corona-Krise betroffenen Betrieben sind 49 Prozent weiterhin stark betroffen. 25 Prozent der im Mai stark negativ betroffenen Betriebe geben aktuell geringe negative Auswirkungen an, 23 Prozent keine oder gleichermaßen positive wie negative Auswirkungen und 3 Prozent überwiegend positive Auswirkungen.

Am heftigsten wurde das Gastgewerbe von der Corona-Krise getroffen: Im Mai lag der Anteil der Betriebe mit starken negativen Auswirkungen bei 78 Prozent und der Anteil mit geringen negativen Auswirkungen bei 17 Prozent. Aktuell sind 45 Prozent stark negativ betroffen und 17 Prozent gering negativ betroffen.

Im Bereich Information und Kommunikation waren im Mai dagegen nur 3 Prozent der Betriebe stark negativ betroffen. Gering negativ betroffen waren 25 Prozent. Aktuell sind 5 Prozent stark negativ und 29 Prozent gering negativ betroffen.

Das Verarbeitende Gewerbe liegt dazwischen: Für den Mai berichteten 37 Prozent der Betriebe von starken negativen und 28 Prozent von geringen negativen Auswirkungen. Aktuell sind 29 Prozent mit starken negativen Auswirkungen und 24 Prozent mit geringen negativen Auswirkungen konfrontiert.

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Geldpolitik: US-Notenbank macht Nullzins langfristig fest – Werbung

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Lieber Börsianer,

gestern haben sich im Rahmen ihres turnusmäßigen Treffens die US-Notenbanker nochmals zur Geldpolitik eingelassen. Dabei verzichtete man erstmals auf jede Geheimniskrämerei und garantierte dem Kapitalmarkt, den gegenwärtigen Leitzins von Null langjährig beizubehalten. Die Fed wird dabei auch zumindest vorübergehend Inflationsraten oberhalb der bisher starren Inflationsgrenze von 2 % akzeptieren.

Das war nicht der ganz große Wurf der Fed. Am Aktienmarkt hatte man doch auf eine weitere Lockerung der Geldpolitik gehofft. So hofften die Börsianer, dass die Notenbanker nächstens ihre Anleihenkäufe nochmals ausweiten und künftig auch im Junk-Bereich (Anleihen mittlerer und schlechter Qualität) einkaufen werden. Diese Phantasie ist nach der gestrigen Notenbank-Sitzung erst einmal vom Tisch.

Trotzdem hatten die Währungshüter rund um Jerome Powell auch positive Nachrichten für uns. Mittlerweile wissen wir, die Pandemie hat sich nicht so zerstörerisch auf die US-Volkswirtschaft ausgewirkt wie zuvor befürchtet. So rechnen die Analysten der Fed nun damit, dass die Arbeitslosenrate in den USA Ende des Jahres zwischen 7 und 8 % liegen wird, aktuell übrigens 8,4 %. Zuvor war man noch von einer Rate in der Spanne zwischen 9 bis 10 % ausgegangen.

Vor diesem Hintergrund sah der Offenmarktausschuss – das oberste Gremium der Fed – keine Notwendigkeit, kurzfristig weitere Mittel in den Markt zu pumpen. Folglich schwächelten die Aktienmärkte rund um den Globus zum Wochenausklang.

Eine Frage: Warum ist eigentlich die Geldpolitik der Fed, aber auch der EZB so immens wichtig für uns als Anleger? Warum reagieren die Märkte jedes Mal nahezu prompt auf die Einlassungen der Geldpolitiker?

Hierzu einige Hintergrund-Informationen: Die Geldpolitik bestimmt vereinfacht gesprochen, wieviel Geld die Wirtschaftssubjekte wie Unternehmen, Verbraucher und auch Investoren in der Tasche haben. Und je lockerer oder expansiver eine Geldpolitik, desto mehr Kapital befindet sich im Wirtschaftskreislauf. Und viel Geld bedeutet letztlich immer steigende Aktienkurse.

Damit ist die Geldpolitik neben der fundamentalen Entwicklung in den Unternehmen der große und entscheidende Faktor für die Aktienmärkte. Ich behaupte, dass die Börsenhausse der vergangenen Jahre ganz wesentlich auf der lockeren…..

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