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Cash Crunch – was läuft da schief?

Panik am US-Geldmarkt – Hintergründe zu dem, was noch viele Rätsel hinterlässt!

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In den letzten Tagen hat es merkwürdige, geradezu historische Bewegungen mit einem Cash Crunch an den US-Geldmärkten gegeben, genauer gesagt an den Repo-Märkten. „Repo“ steht für „repurchase agreement“, auf deutsch eine „Rückkauf-Vereinbarung“. Dieses „repurchase agreement“ ist ein Vehikel für Investoren, eine (US-Staats-)Anleihe zu kaufen und sich dabei ca. 90% bis 95% des Kaufpreises dieser Anleihe zu leihen, wobei dann die gekaufte Anleihe als Sicherheit für diesen „Kredit“ hinterlegt wird. In der Regel verkauft ein „dealer“ die Staatsanleihe und kauft sie dann am nächsten Tag wieder zurück – daher der Name „repurchase agreement“ („Rückkauf-Vereinbarung“).

Mit anderen Worten: ein Investor kauft eine US-Staatsanleihe und hinterlegt als Sicherheit für den dafür gewährten Kredit die (weitgehend risikolose) US-Staatsanleihe als Sicherheit für das geliehene Geld. Faktisch haben wir es also mit einem Mechanismus zu tun, der den Kauf von Staatsanleihen fördern soll, indem die Investoren gewissermaßen nur wenig Geld investieren müssen, um eine Staatsanleihe zu kaufen! Der durchschnittliche Zinssatz, zu dem dieser aufgenommene und durch die gekaufte Staatsanleihe besicherte Kredit aufgenommen wird, ist die repo rate.

Große Institutionen, die mehr als die von der Fed festgelegten Geldreserven bei der Notenbank geparkt haben, leihen in der Regel diese überschüssige Liqudidität an andere Banken oder Geld-Instituionen zu einem Zinssatz, den die Fed festgesetzt hat als „effective federal funds rate“. Mit dem Anstieg der repo rate sind ist aber auch die effective federal funds rate (der Zinssatz, zu dem sich US-Banken untereinander über Nacht Geld leihen) deutlich gestiegen, und zwar über den eigentlich von der Fed mit einer Obergrenze versehenen Zinssatz! Das zeigt einen Kontrollverlust der mächtigsten Notenbank der Welt!

 

Die Fed und der Cash Crunch

Normalerweise hält sich die US-Notenbank Fed aus diesem Markt heraus – aber die Ereignisse der letzten Tage mit einem gewaltigen Cash Crunch haben die Fed (in Gestalt der New York Fed) gezwungen, einzugreifen, nachdem die repo rate am Montag bis knapp unter 10% nach oben geschossen war. In den letzten drei Tagen hat die New York Fed nun ca. 200 Milliarden an Liqudität in den Repomarkt gepumpt, um die Liquiditätsknappheit, die in dem massiven Anstieg der repo rate zum Ausdruck kam, zu lindern. Gestern etwa bot sie 75 Milliarden Dollar an – aber die Nachfrage war mit 84 Milliarden Dollar größer als das Angebot. Daher wird die Fed heute erneut zur Tat schreiten – und es stellt sich die Frage, was da faul ist am Geldmarkt, dass dieser Schritt erneut nötig ist:

Aufgrund der Regularien (z.B. Dodd–Frank Act) sind viele Finanzinstutionen gezwungen, einen bestimmmten Bestand an Anleihen in ihrem Portfolio zu halten – sie müssen daher solche Anleihen regelmäßig kaufen. Nun war aber offenkundig bei den „dealern“ zu wenig Dollar-Liquidtät vorhanden, um die Nachfrage nach diesen Repo-Geschäften bedienen zu können – Geld war also knapp, daher stiegen die Kosten für das Geld respektive die Kosten für den gegebenen Kredit, den die Dealer von den Käufern der Staatsanleihe forderten. Da die Invstoren aber aufgrund der Regularien eben kaufen müssen, sind diese Käufe für diese Investoren zu extrem ungünstigen Konditionen passiert, als die repo rate in Richtung 10% schoss. Faktisch machen also diese Investoren riesige Verluste in diesem Cash Crunch!

Warum diese Knappheit entstanden ist – und offenkundig nach wie vor anhält – ist nach wie vor nicht ganz klar (massive Emmission neuer Staatsanleihen durch die US-Administration und Steuerzahlungen von Banken sind zwei mögliche Gründe). Faktisch dürften die Geldreserven, die die Banken bei der Fed hinterlegt haben, zurück gegangen sein, weil die Bilanzsumme der Fed mit ihrem QT (quantitative tightening) kleiner geworden ist:

„The most popular narrative is that of dwindling bank reserves at the Fed. These are reserves often made available to other financial institutions for overnight borrowing and they are now at their lowest level since 2011 as the Fed winds down its balance sheet.“

So oder so: die Vermutung liegt nahe, dass da etwas faul ist im System, das seinen Ausgangspunkt in unbewältigen Mechanismen der Finanzkrise hat:

„There is something potentially really rotten in the financial system that probably may not have been fixed since the 2008-09 crisis and that is the most worrying part.“

Abschließend noch interessante Aussagen von Bond-King Jeff Gundlach zum Cash Crunch – er sieht darin ein klares Warnsignal, dass etwas nicht stimmt:

 

Der Cash Crunch ist Ausdruck von Panik am US-Geldmarkt

4 Kommentare

4 Comments

  1. Avatar

    Wolfgang Koch

    20. September 2019 12:35 at 12:35

    Jeff Gundlach:Klares Warnsignal,dass etwas nicht stimmt.Dass nicht nur etwas,sondern sehr viel nicht stimmt weiss jeder schon länger,der sich nicht mit der Kneiffzange anzieht!Die,mit Abstand allmächtigste Kultur,die dieser Planet je hervorgebracht hat,scheint die Ära der Notenbanken zu sein.Ägypter,Griechen,Römer etc.,alles erbärmlich kleine Lichter gegen die „finanziellen Master of the Universe!“Zur Zeit werde ich beinahe täglich von Meldungen heimgesucht,welche die galaxisweite Potenz der Nuttenbanken,preist!(Minuszins,noch tieferer Minuszins,ultralockere Geldpolitik,noch ultralockererererere GP,Notenbanken werden „aus allen Rohren“feuern,um ein vernichtendes Rezessiönchen zu verhindern,etc,etc!Meine Meinung dazu ist:Keiner wird den Kapitalismus retten,indem er ihm das Herz,den Zins rausreisst!

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    Chris

    20. September 2019 13:52 at 13:52

    Auch Bernecker hat sich dazu geäußert:

    https://www.youtube.com/watch?v=txLWA7QnDtc

    Stehen wir vor einem heißen Herbst? Was ist von den Kapriolen am amerikanischen Zinsmarkt zu halten? Hans A. Bernecker im Gespräch vom 18.09.2019 in der Sendung „Die Woche“ im #Bernecker TV.

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    pigeon

    20. September 2019 13:54 at 13:54

    Eine kleine Anmerkung:
    Die Fed hat nicht 200 Mrd USD in den Markt gepumpt, sondern 53 Mrd, 75 Mrd und dann wieder 75 Mrd. D.h. im Moment sind 75 Mrd ausstehend, weil das Geld ja overnight ist, d.h. am nächsten Tag wieder zurückgezahlt werden muss.

  4. Pingback: Fed – die Erschaffung eines märchenhaften Gelddruckprogramms - news-for-friends.de

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Die EZB akzeptiert bald auch IHREN Hund als Kreditsicherheit!

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Lange Jahre wurde über die ach so bösen und unfähigen US-Ratingagenturen geschimpft, die Schuldner schlechter Bonität zu gute Noten ausstellten. Die Abschaffung der Ratingagenturen wurde oft gefordert, und kommt nun durch die Hintertür. Doch ganz anders, als es sich die Kritiker dachten. Denn seit heute akzeptiert die EZB auch Junkbonds, Schrottanleihen, als Kreditsicherheit. Gemeint sind griechische Staatspapiere. Damit sind Ratings in der Tat nutzlos geworden. Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis Banken bei der EZB alles mögliche verpfänden dürfen, um an Geld zu kommen.

Junk-Bonds sind für die Europäische Zentralbank jetzt eine Kreditsicherheit!

Selbstverständlich betont die EZB, dass die Akzeptanz von als Junk gerateten griechischen Staatsanleihen lediglich eine temporäre Maßnahme sei. Doch aus temporären Maßnahmen wurden in den vergangenen zwölf Jahren allzu oft permanente. Noch im Januar war ich mir sicher, die große Bonds-Rallye sei in Griechenland inzwischen gelaufen. Diese Einschätzung muss ich heute revidieren. Denn wenn diese Anleihen nun von der EZB als Kreditsicherheit akzeptiert werden, ist es für eine europäische Bank attraktiv, griechische Staatsanleihen zu kaufen. Die sind deutlich günstiger als zum Beispiel deutsche Anleihen.

Doch Junkbonds sind nicht das einzige, was die Europäische Zentralbank akzeptiert. Schrottanleihen sind zwar riskant, aber weitgehend problemlos am Markt handelbar. Das hat den Vorteil, dass die Kreditsicherheit im Zweifelsfall schnell verkauft werden kann. Erst diese Eigenschaft macht die Anleihen überhaupt zu einer Kreditsicherheit. Was bringt Ihnen (oder der EZB) schließlich eine Kreditsicherheit, die beim Kreditausfall nicht verkauft werden kann, weil es an interessierten Käufern mangelt? Soweit denkt die EZB aber nicht – oder es ist ihr schlicht egal. Denn auch nicht marktfähige Wertpapiere werden akzeptiert. Darauf nimmt die EZB immerhin Sicherheitsabschläge vor. Doch die wurden heute flucks um 20% reduziert. Also die Sicherheitsabschläge, nicht die akzeptierten, nicht handelbaren Wertpapiere. Nicht handelbar heißt übersetzt, dass sich dafür partout keine Käufer finden lassen. Selbst jetzt nicht, in einem Moment, in dem die Wertpapiermärkte noch relativ gut funktionieren und bereits wieder in den Boom-Modus umschalteten.

Die EZB erschafft das perpetuum mobile der Geldschöpfung!

Weiter gehts damit, dass die Zentralbanken des Eurosystems ab sofort auch staatlich garantierte Krisenkredite an Selbständige und Verbraucher als Kreditsicherheit akzeptieren dürfen. Also die Kredite, bei denen manche schon über Ausfallraten von 50% spekulieren. Da die Kredite staatlich garantiert wurden, müssten sich die Staaten neues Geld über Anleihen beschaffen, die die EZB natürlich postwendend über ihr Anleihekaufprogramm aufkauft. Also ein perpetuum mobile der Geldschöpfung: Die Banken geben Kredite ohne größere Bonitätsprüfung an Selbständige und Verbraucher aus, die sie bei der EZB bzw. als Zentralbank als Sicherheit hinterlegen dürfen, um zusätzliches Geld zu bekommen. Sollten die Kredite platzen, dann kauft die EZB selbst die Anleihen, die herausgegeben werden müssen, um die bei der EZB als Sicherheit hinterlegten Kredite zu tilgen.

Wenn Sie nun denken, dass sich die EZB nun ausreichend mit unabschätzbaren Risiken eindecken kann, dann irren Sie. Denn noch eine weitere Maßnahme kam hinzu. In einer Krise kann es vorkommen, dass sich die Bonität eines Schuldners verschlechtert. Zum Beispiel, weil der dem Zahlungsausfall nahe kommt. Das war bislang blöd, weil dann auf einmal die von diesem Schuldner herausgegebenen Wertpapiere nicht mehr als Kreditsicherheit geeignet waren. Banken mussten dann neue Sicherheiten fordern. Damit soll es künftig auch vorbei sein. Die Eurosystem Kommittees sollen Möglichkeiten finden, diese negativen Effekte künftig zu mildern. Das kann nur heißen, dass Downgrades künftig ignoriert werden sollen. Natürlich nur temporär, wie die EZB schreibt.

Und was hat das nun alles mit Ihrem Hund zu tun? Nun, Hunde wurden bisher schon von Gerichtsvollziehern eingezogen und bei eBay verkauft, um Schulden zu tilgen. Von hier ist es nur noch ein kleiner Schritt, um Hunde künftig bei der Zentralbank als Kreditsicherheit zu hinterlegen (ja, natürlich ist das Satire!). Im Gegensatz zu nicht marktgängigen Wertpapieren sind Hunde wenigstens wieder veräußerbar und stellen insofern sogar eine bessere Kreditsicherheit dar als das, was die EZB derzeit akzeptiert.

Wer sich vor dem Hintergrund der im Eiltempo gelockerten Bestimmungen der EZB wundert, warum der Goldpreis in Euro gerechnet gestern einen neuen Allzeit-Schlusskurs markierte, ist nicht mehr zu helfen. Der Kauf von Anleihen durch die EZB und die Akzeptanz praktisch aller Risiken als Kreditsicherheit sind die Mefo-Wechsel des 21. Jahrhunderts. Nur dass dieses Mal nicht die Aufrüstung eines Landes finanziert wird, sondern die lebenserhaltenden Maßnahmen für Zombie-Unternehmen und -länder.

Übrigens: Beim Mefo-Wechsel galt als Erfolg, dass trotz der immensen damit betriebenen Geldschöpfung keine Inflation sichtbar wurde. Gleichwohl wurde die Reichsmark international gemieden und als die Inflation nach dem Krieg sichtbar wurde, musste einmal wieder eine Währungsreform durchgeführt werden. Inflation sehen wir im offiziellen Verbraucherpreisanstieg derzeit auch nicht. Doch wer soll glauben, dass der Euro langfristig seinen Wert behalten könnte, wenn so offensichtlich Regeln und Vorsichtsmaßnahmen keine Rolle mehr spielen und es nur noch darum geht, auf Teufel komm raus Geld ins System zu pumpen?

EZB und die griechischen Junk Bonds
Bild: DonkeyHotey – Planet of the Euros – Cartoon CC BY 2.0

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Schulden: Die BBB-Bombe hat in der Coronakrise gezündet!

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Über die letzte Dekade hinweg hat sich weltweit eine neue Blase an Schulden aufgepumpt: die der Unternehmensschulden. In Europa und den USA verschlechterten sich die Bonitäten der Schuldner schon vor der Corona-Krise, sodass bereits 50 Prozent der ausstehenden Unternehmensanleihen nur noch knapp über Ramsch-Niveau bewertet wurden. Doch nun kommt eine Welle der Qualitätsabstufungen ins Rollen. Mit drastischen Konsequenzen.

Mit horrenden Schulden in die Krise

Mehr als 20 Billionen US-Dollar ist der Weltmarkt für Unternehmenskredite schwer, die von Ratingagenturen bewertet werden. Dazu gehören Unternehmensanleihen, kurzfristige Schuldverschreibungen, befristete Kredite und revolvierende Kreditfazilitäten. Dieses Kreditvolumen ist im Verhältnis zum globalen Bruttoinlandsprodukt das höchste seit Datenaufzeichnung. Ein Fünftel dieser Unternehmensschulden war schon vor der Krise mit geringer Bonität bewertet, galten also als hochspekulativ oder gar ausfallgefährdet. Die Hälfte der Unternehmensanleihen in Europa und den USA waren bereits vor dem Corona-Schock von den großen Ratingagenturen Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch nur noch knapp über „Ramschniveau“ bewertet worden. Doch nun droht eine Lawine von bislang als Investmentgrade (IG) bewerteten Schulden in Richtung High Yield (HY) ins Rutschen zu kommen.

Für die betroffenen Unternehmen, die „Falling Angels“, bedeutet dies einen deutlich schwierigeren Zugang zu Krediten und deutlich höhere Fremdkapitalkosten.

Bereits im ersten Quartal 2020 stieg das Volumen der „Falling Angels“-Anleihen dramatisch an. Von 8,5 Mrd. US-Dollar im dritten Quartal 2020 auf 148,8 Mrd. US-Dollar im ersten Quartal dieses Jahres. Laut Analysten der Deutschen Bank fielen allein im März in den USA Schulden in Höhe von 90 Mrd. US-Dollar in den Ramsch-Status ab. Das ist in so kurzer Zeit ein neuer Rekord. Damit ist es nun offiziell: Die BBB-Bombe platzt.

Die Engel beginnen abzustürzen

Als „Falling Angels“ bezeichnet man Firmen, wie zum Beispiel Ford, die ehemals gute Kreditratings besaßen und nun in die hochspekulative „Ramsch“- oder „Junk“-Kategorie abgestuft wurden. Ford wurde bereits im Jahr 2005 zusammen mit dem Konkurrenten General Motors (GM) herabgestuft. Beide Unternehmen konnten nur dank staatlicher Unterstützung die Weltfinanzkrise überleben. Sieben Jahre später, im Mai 2012, hatte der Autobauer aus Michigan mit dem blauen Emblem und dem geschnörkelten Schriftzug sein Investmentgrate-Rating wiedererlangen. Acht Jahre später ist Ford erneut ein gefallener Engel.

Neben dem weltweit agierenden Autobauer hat es auch den Energiekonzern Occidental Petroleum, den Konservenhersteller Kraft Heinz sowie den Einzelhandelskonzern Macy’s erwischt. Der bereits 1858 in New York von Rowland Hussey Macy gegründete Warenhausbetreiber ist mit 728 Filialen der größte seiner Branche. Die Umsätze sind in der Corona-Krise um über 70 Prozent eingebrochen und bringen den Kaufhauskonzern ins Wanken. Shopping-Center in Deutschland, Frankreich und Großbritannien verzeichneten in der zweiten Märzhälfte laut ShopperTrak sogar Umsatzeinbußen in Höhe von 90 bis 95 Prozent. Das sind schlechte Perspektiven für Macy’s für die nächsten Wochen.

Neben den Automobilherstellern, Kreuzfahrtschiffbetreibern, Einzelhändlern und Gastronomen trifft es auch die Transportbranche sehr hart. Dazu gehören neben Autovermietern und anderen Flottenbetreibern auch Taxi- und Uber-Fahrer, also wichtige Kunden von Ford.

Dabei war der Finanzvorstand von Ford, Tim Stone, anlässlich der Vorstellung der Zahlen zum vierten Quartal 2019 im Februar noch optimistisch: „Wir sind weiterhin bestrebt, eine starke Bilanz und ein Investment-Grade-Rating aufrechtzuerhalten. Ford ist in guter Verfassung, um die nächste Rezession zu meistern“. Doch auf das, was dann ab März auf den Autobauer zukommen sollte, war auch das Ford-Management nicht vorbereitet und die Bilanz nicht solide genug aufgestellt. Schulden von Ford in Höhe von 36 Mrd. US-Dollar wurden Ende März von den Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s auf „Ramschniveau“ herabgestuft. Damit fliegen die Papiere nun aus unzähligen Portfolios von Investmentfonds, Stiftungen und Family-Offices heraus. Neue Anleihen können nur noch mit hohen Zinsaufschlägen an Investoren die auf Hochzinsanleihen (HY) spezialisiert sind verkauft werden.

Die Corona-Krise fungierte als Zünder der BBB-Bombe

Die Bank of America (BofA) warnt davor, dass die Gesamtsumme der Herabstufungen in den Ramsch-Bereich in diesem Jahr in Folge der Corona-Krise ein Volumen von über 200 Mrd. US-Dollar erreichen könnte. Aktuell werden Anleihen im Wert von 360 Mrd. US-Dollar mit BBB geratet, die niedrigste Investment-Grade Stufe. Sobald eine Anleihe dieses Rating verliert und in die Junkbond-Kategorie fällt, können sich die Zinsen für die Schulden vervielfachen, da die Nachfrage nach Hochrisikoanleihen in Krisenzeiten besonders gering ist.

Käufer für Anleihen gefallener Engel – also für deren Schulden – zu finden, könnte daher bis auf Weiteres eine Herausforderung werden. Der Markt für Investment-Grade-Anleihen in den USA hat eine Größe von 6,7 Billionen US-Dollar und ist weitaus größer als der Markt für hochrentierliche und sehr risikoreiche Unternehmensanleihen mit 1,2 Billionen US-Dollar Volumen. Auch wenn sich die Verhältnisse hier weiter zu Gunsten der Ramsch-Papiere verschieben werden, so wird es dennoch nicht im gleichen Maße höheres Kaufinteresse geben, solange nicht klar ist, wie lange die Krise dauert und welche Schäden sie in den Bilanzen der betroffenen Unternehmen anrichtet.

Gelingt es den Unternehmen nicht, die höheren Kapitalkosten in dem eingetrübten wirtschaftlichen Umfeld zu Schultern und dringend benötigtes Kapital zu akquirieren, dann folgt auf das Platzen der BBB-Bombe die Pleite-Schockwelle.

Die hohen Schulden bringen in der Coronakrise viele Unternehmen in Schwierigkeiten

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Repo-Geschäft: was ist das, und wie funktioniert es?

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Der Repo-Markt und das Repo-Geschäft sind kürzlich in den Fokus gerückt – die US-Notenbank Fed musste mit vielen Milliarden Dollar im Repo-Markt intervenieren, um den Zusammenbruch des amerikanischen Geldmarkts zu verhindern.

Der Begriff Repo kommt aus dem englischen und ist die Kurzform von Repurchase Operation, auch als Repurchase Agreement bezeichnet: es handelt sich um eine Rückkaufvereinbarung. Allgemein gesagt ist ein Repo-Geschäft eine Vereinbarung zweier Parteien, einen Vermögenswert zu einem bestimmten Preis zu verkaufen und zu einem zukünftigen Zeitpunkt wieder zurückzukaufen. Als Geldmarktinstrument klassifiziert, funktioniert das Repo-Geschäft und die Rückkaufsvereinbarung als eine Art kurzfristig verzinstes Darlehen, das durch Sicherheiten wie Wertpapiere abgesichert ist. In der Regel handelt es sich bei einem Repo-Geschäft um festverzinsliche Wertpapiere, meist sind dies Staatsanleihen, aber auch Pfandbriefe und andere besicherte Schuldverschreibungen. Repos haben in der Regel eine sehr kurze Laufzeit, die meisten Transaktionen laufen nur über Nacht, können aber auch eine Laufzeit bis zu einem Jahr haben.

Wie funktioniert ein Repo-Geschäft?

Der Repo-Markt ist ein Teil des Geldmarktes. Dabei verpflichtet sich der Darlehensnehmer, die hinterlegten Sicherheiten am Ende der vereinbarten Laufzeit zurückzukaufen und die für das Darlehen vereinbarten Zinsen zu zahlen. Der Käufer tritt als kurzfristiger Kreditgeber auf, während der Verkäufer als kurzfristiger Kreditnehmer agiert.

Es gibt zwei Arten bei einem Repo-Geschäft. Zum Ersten das bilaterale Repo-Geschäft, es besteht aus zwei Transaktionen. Im ersten Schritt verkauft der Darlehensnehmer Wertpapiere an den Darlehensgeber zu einem bestimmten Preis. Im zweiten Schritt erfolgt dann der Rückkauf der Wertpapiere durch den Darlehensnehmer zum ursprünglichen Preis plus einer Zinszahlung an den Darlehensgeber für den erhaltenen Kredit. Für die Laufzeit be einem Repo-Geschäft geht das Eigentumsrecht der Sicherheiten an den Darlehensgeber über.

Zum Zweiten gibt es das Triparty-Repo-Geschäft, hier kommt eine dritte Partei ins Spiel. Ein Vermittler (Clearingbank) agiert dabei zwischen dem Darlehensnehmer und dem Darlehensgeber. Seine Aufgaben ist es, die hinterlegten Sicherheiten zu kontrollieren, zu verwalten und die Risiken zu überwachen, gegebenenfalls übernimmt er auch das Inkasso. Insbesondere in den USA läuft das Gros aller Repo-Geschäfte so ab.

Die Besonderheit beim Repo-Markt

Die Besonderheit am Repo-Markt ist, dass die für das Darlehen überlassenen Sicherheiten vom Darlehensgeber erneut beliehen werden können. Dadurch kommt es zu einem vergleichbaren Effekt wie bei der Geldschöpfung der Geschäftsbanken. Sie reichen die Wertpapiere kurzfristig als Sicherheiten bei der jeweiligen Zentralbank ein – zum Beispiel der FED oder EZB – und erhalten ihrerseits dafür Liquidität. Diese Besonderheit des Repo-Marktes birgt durch die mehrfachen Beleihungen derselben Sicherheit eine Gefahr. Fällt eine Partei dabei aus, wie es 2008 mit Lehman Brothers passiert ist, dann kommt es zu einer Kettenreaktion.

Warum ist ein Repo-Geschäft und der Repo-Markt so wichtig?

Banken und Hedgefonds nutzen den Repo-Markt um kurzfristig Liquiditätsbedarf auszugleichen. Er trägt damit zu einer effizienten Funktion der Geldversorgung bei – dient aber auch als Brandbeschleuniger für ein immer größer werdendes Schattenbankensystem. Damit sorgt der Repo-Markt und das Instrument Repo-Geschäft – gewollt oder ungewollt – dafür, wie viel Geld in diese Grauzone des Finanzmarktes gelangen kann. Darüber hinaus erleichtert er den Zentralbanken die Umsetzung ihrer Geldpolitik. Die FED (Federal Reserve Bank) interveniert über den Repo-Markt um den Kreditmarkt zu stabilisieren und um Liquidität bereitzustellen.

Ein Repo-Geschäft ist ein zentraler Bestandteil des Geldmarkts

 

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