Anleihen

Unsicherheit bleibt bestehen „Cash is King“ für britische Pensionsfonds nach Schock am Anleihemarkt

Nach dem Schock am britischen Anleihemarkt: Cash ist derzeit King.

Pfund-Geldscheine

Am Dienstag hatte die Bank of England interveniert. Die Kurse britischer Staatsanleihen waren stark gefallen, die Renditen entsprechend stark gestiegen. Im Hintergrund gab es für Außenstehende kaum sichtbar enorme Turbulenzen, zum Beispiel für Pensionsfonds. Die britische Notenbank schritt ein und kaufte große Mengen an Staatsanleihen, um die Kurse zu pushen und die Renditen wieder runter zu drücken. Heute früh hatten wir verschiedene aktuelle Schmerzgrenzen am britischen Kapitalmarkt aufgezeigt. Die Lage bleibt angespannt, bei Anleihen und auch beim britischen Pfund. An dieser Stelle schauen wir auf die kritische Lage bei Pensionsfonds und die Flucht in Cash.

Unsicherheiten am britischen Anleihemarkt – erstmal fliehen in Cash-Bestände

Wenn die Lage unklar bleibt, geht man erstmal raus aus Anlageklassen mit großen Verlustrisiken. Also in Cash?

Bloomberg schreibt aktuell: Nach den Marktturbulenzen am britischen Anleihemarkt, die durch die Nachschussforderungen von Pensionsfonds ausgelöst wurden, kommen die Liquiditätsengpässe der Pfund-Anleger zu einem ungünstigen Zeitpunkt, so eine Managerin von M&G Investments.

Nina Moylett, Leiterin des Bereichs Cash und Währungen bei M&G Investments, sieht die Märkte geteilt zwischen Pensionsfonds, die einen Mangel an Cash haben und anderen, die ausreichende Puffer aufgebaut haben. Das ist in dieser Woche zu einem entscheidenden Thema auf den britischen Finanzierungsmärkten und darüber hinaus geworden, nachdem die Bank of England wegen erzwungener Verkäufe von Sicherheiten interveniert hat, um die Talfahrt auf den Anleihemärkten aufzuhalten.

„Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein, da das Quartalsende bevorsteht und Nicht-Bank-Marktteilnehmer ihre Bilanzen fertig stellen müssen und gleichzeitig die Liquidität derjenigen, die auf der Suche nach Sicherheiten sind, immer mehr zunimmt“, schrieb Moylett in einem Blogbeitrag auf der Website des Unternehmens. „Die dringende Frage – auf die es meiner Meinung nach derzeit keine klare Antwort gibt – ist, ob dies zu einem breiteren Liquiditätszusammenbruch führen könnte.“

Bank of England befürchtete zu viele Zwangsverkäufe von Pensionsfonds

Die Bank of England griff laut Bloomberg ein, da sie befürchtete, dass Margin Calls für viele Pensionsfonds zu Zwangsverkäufern von Staatsanleihen gemacht hätten. Sie warnte, dass eine anhaltende Dysfunktion die Finanzstabilität gefährden und sogar die Wirtschaft schädigen könnte.

Sogenannte Liability-Driven-Investment-Strategien sind bei britischen Pensionskassen sehr beliebt. Sie setzen häufig Derivate ein, um die seit Jahrzehnten bestehenden Verbindlichkeiten mit den Vermögenswerten des Pensionsfonds in Einklang zu bringen. Das Problem ist, dass der Anstieg der Renditen britischer Staatsanleihen dazu geführt hat, dass die Gegenparteien bei diesen Geschäften mehr Marge verlangen, was bedeutet, dass viele Pensionsfonds Barmittel durch die Liquidierung von Vermögenswerten beschaffen müssen.

Denn diese Pensionskassen besorgten sich Cash und hinterlegten dafür als Sicherheit britische Staatsanleihen. Da der Kurs-Verfall der Staatsanleihen den Wert der hinterlegten Sicherheiten reduziert, müssen die Pensionskassen Cash generieren, um diese erhöhte Sicherheitshinterlegung zu gewährleisten. Das zwang die Pensionsfonds zum Verkauf der Staatsanleihen, die sie im Portfolio haben, um den Margin Call zu verhindern. Gleichzeitig aber stiegen so die Renditen immer weiter, was die Pensionskassen dann wiederum zu weiteren Verkäufen von Staatsanleihen zwang – ein Teufelskreis.

Pensionsfonds sind ein bedeutender Anbieter von britischen Staatsanleihen (Gilts) für den Repo-Markt, auf dem jetzt eine gewisse Anspannung herrscht, da Anleihen entweder aus Repo-Programmen zurückgezogen oder verliehen werden, um Barmittel zur Finanzierung von Sicherheiten zu beschaffen, so Moylett, die auch dem Ausschuss für Wertpapierleihe der BOE vorsitzt.

Sie betonte, dass es Marktteilnehmer gibt, die derzeit über reichlich Liquidität in Form von Bargeld verfügen. Sie habe in den letzten Tagen beobachtet, dass diese Marktteilnehmer ihre Liquiditätspuffer noch weiter aufgestockt haben, indem sie die Laufzeiten von Barkrediten verkürzten, befristete Finanzierungsgeschäfte nicht verlängerten und liquide Aktiva wie Gilts von Kreditprogrammen ausschlossen.

Das Risiko besteht ihrer Meinung nach darin, dass die „Habenichtse“ versuchen, ihre Bargeldbestände wieder aufzufüllen, während die „Habenden“ weiterhin ihre reichliche Liquidität aufstocken. „Es versteht sich von selbst, dass Bargeld im Moment wirklich der König ist“.

FMW/Bloomberg

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