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CFDs, Binäre Optionen – und der Unterschied zwischen amerikanischen und deutschen Aufsichtsbehörden

Eines ist sicher: unseren deutschen Behörden geht es doch einzig und alleine um den Schutz der kleinen Investoren! Ganz sicher – dort betreibt man noch angewandten Humanismus! Oder?

Markus Fugmann

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Von Markus Fugmann

Die deutschen Finanzaufsicht BaFin hat im September in Gestalt eines Interviews der Chefin für die Wertpapieraufsicht in der „Welt am Sonntag“, Elisabeth Roegele, eine Bombe platzen lassen: man überlege, so Roegele, ein Verbot von CFDs in Deutschland (siehe dazu unseren Artikel Verbot von CFDs in Deutschland? Sagt uns endlich die Wahrheit!“). Angeblich zum Schutz der Anleger, aber das ist mehr als unwahrscheinlich, nachdem man nun seit fast 20 Jahren keine Probleme mit CFDs hatte.

Dass das nun auf einmal anders ist, dürfte an den Fortschritten bei den Gesprächen zwischen einigen EU-Ländern zur Einführung einer Transaktionssteuer liegen – CFDs sind überwiegend OTC-Geschäfte, die nicht direkt an einer Börse stattfinden, sondern einen „Differenzvertrag“ zwischen Anbieter und Kunde darstellen. Insofern sind sie schwer direkt zu besteuern und von der Transaktionssteuer, leider leider, nicht zu erfassen.

Das sorgt offenkundig für Unmut bei den Aufsichtsbehörden – weswegen CFDs nun auf einmal sehr gefährlich sind für den doch so hilflosen, schützenswerten Kunden. Wenn es aber um Steuern geht, ist der liebe Kunde dann doch etwas weniger schützens-wert – nicht wahr, liebe BaFin?

Zwar hat Roegele in dem Interview auch ihre Bedenken gegen Binäre Optionen angemeldet – von einem geplanten Verbot wie bei CFDs aber war nicht die Rede. Und bislang ist auch nicht bekannt, dass die BaFin gegen Anbieter solcher Binärer Optionen, die ja eine „Alles-oder-Nichts-Wette“ sind, vorgegangen wäre. Hier muß man ergänzen: eine Wette mit miserablem Chance-Risiko-Verhältnis für den Wettenden, was die Sache für Anbieter der Binären Optionen natürlich umso attraktiver macht.

Während hier also die BaFin schläft, ist die US-Börsenaufsichtsbehörde in diesem Bereich ganz anderes „auf zack“. So hat die SEC gestern eine Strafe von 1,7 Millionen Dollar gegen einen israelischen Anbieter solcher Binärer Optionen verhängt. Es handelt sich um die Firma EZTD Inc., die auch auf dem deutschen Markt aktiv ist als eztrader.com.

Der Vorwurf der SEC: die Firma habe ihre Plattform angepriesen als “highly profitable trading platform” und als “an extremely lucrative avenue for individuals who are looking to see an increase in income.” Was jedoch alles andere als der Fall sei. So habe man festgestellt, so die SEC, dass weniger als 3% der amerikanischen Kunden von EZTD Inc. wirklich Gewinne gemacht hätten. Ausserdem habe die Firma die erforderliche Registrierung gar nicht, um Binäre Optionen amerikanischen Kunden anzubieten:

„According to the SEC’s order issued today against EZTD Inc., not only did the firm fail to register the binary options or register as a broker-dealer to legally sell the investment to U.S. investors in the first place, but it failed to disclose on its trading platforms that there was significantly greater potential for investors to lose rather than earn money.“

Und die US-Behörden gehen sogar noch weiter und haben ausdrücklich vor dem Gebrauch von Binären Optionen gewarnt (Investor Alert: Binary Options Websites may be Used for Fraudulent Schemes) – die meisten Anbieter dieser Produkte seien nicht konform mit US-Recht:

„Much of the binary options market operates through Internet-based trading platforms that are not necessarily complying with applicable U.S. regulatory requirements.“

Nun: das ist in Europa völlig anders – da prangt die Werbung solcher Anbieter etwa auf dem Trikot des FC Liverpool und vieler anderer. Weil: das Geschäft lohnt sich, wenn das Chance-Risiko-Verhältnis so eindeutig zugunsten der Anbieter ausgerichtet ist (warum das so ist, würde einen eigenen Artikel erfordern..). Aber die europäische und deutschen Behörden kucken dem Treiben der Anbieter zu – sie schauen halt wahrscheinlich auch gerne Fußball..

Aber eines ist sicher: unseren deutschen Behörden geht es doch einzig und alleine um den Schutz der kleinen Investoren. Ganz sicher – dort betreibt man noch angewandten Humanismus! Und genau deswegen wollen sie die CFDs verbieten, während dann wahrscheinlich Binäre Optionen unverändert weiter an den Mann/Frau gebracht werden und auf Fußball-Trikots prangen dürfen..

geld
Foto: Avarice (2012), by Jesus Solana / Wikipedia (CC BY 2.0)

5 Kommentare

5 Comments

  1. Avatar

    sirpat100

    11. November 2016 18:24 at 18:24

    Hallo,

    Wenn Finanzaufsicht Behörde Bafin ihre arbeit richtig machen würde, hatte sie von Anfang an Binäre Optionen verbieten müssen,wenn das nicht Roulette gleicht dann weis ich es nicht.
    CFD hingegen , ist auch für Privatperson nicht ungefährlich, aber mit wissen und Erfahrung kann man Risiko mindern.
    Was mir in dieser Richtung langfristig zu denken gibt,kann es sein,das mehr „Einfache“ Leute Privatpersonen mehr vom Kuchen abbekommen als manch obere lieb ist? nach dem Motto Kleinvieh macht auch mist?, verglichen mit obere sag ich mal so,der ca 10000 Aktien verkaufen muss,um eine Position glatt-zustellen,während ich mit 50-100 ziemlich schnell reagieren kann. Und in Zeiten von Internet und bessere Informationsfluss heutzutage, bin ich der Meinung, werden Privatpersonen immer besser Informiert. Nur mein Gedanke.
    Mfg
    Patrick

  2. Avatar

    Bob

    11. November 2016 20:16 at 20:16

    Absolut richtig Patrick,
    die grossen Jungs haben begriffen dass ein CFD-Trader innerhalb von Sekunden aussteigen kann während ein Fondmanager in Terminmärkten u.U. Tage benötigt. Das grosse Cash ist eben etwas langsamer. Bin gespannt wie das mit den CFD´s weitergeht.
    Fürchte in Zukunft auf ETF´s oder Optionsscheine oder sonst irgendwas umsteigen zu müssen weil diese eigentlich eine britische Erfindung, und in der EU eher weniger verbreitet sind. Komischerweise macht da kaum einer Gedanken drüber, zumal ziemlich alle seriösen ihren Sitz in der UK haben. Diese Art von Produkt würd wohl in der EU erstmal wieder eine Zulassung benötigen..?

    Was meint die FMW-Redaktion zu dem Thema?
    Danke im Voraus.
    Gruss Bob

  3. Avatar

    Linde

    12. November 2016 00:35 at 00:35

    Um ein Demokonto bei 24 Option.com zu bekommen, mußte ich € 1000 einzahlen (eine Firma in Wien hat es mir geraten). Ein Hr. Steinweg hat mich psychisch unter Druck (durch Telefonterror) , ich solle mein ganzes Geld einzahlen, er würde in 3 Monaten einen 100% Gewinn machen. Er hat mir Einsteige, Ausstiege und Betrag gesagt und ich habe nur gedrückt. 120.000 waren in 3 Monaten verloren. Dazu hat Hr. Aigner und Hr. Wendler auch dazu beigetragen. Macht Boris Becker nur Gewinne, warum ich dann Verluste? MIFID wird nicht beachtet. Der österreichische Staat erlaubt 24 Option das die Staatsbürger betrogen werden. Unter den Augen der EU werden solche Abzockerfirmen erlaubt, Geschäfte mit ahnungslosen, alten Menschen zu machen. Ich wurde von der FMA (Finanzmarktaufsicht) in Österreich aufgefordert mich an die CySEC zu wenden, welche mir auf ca. 50 Mails nie geantwortet hat. Nach 1 Jahr hat der Ombudmann entschieden, das 24OP mir
    50.000 zurückzahlen muß und der Rest sei „empfohlen“. Israel will Binäre Optionen verbieten, da Zigtausende ins Unglück gestürzt worden sind.

  4. Avatar

    Emm wie Meikel

    12. November 2016 04:08 at 04:08

    Binäre Optionen sind das reinste Glücksspiel. Die Bank bzw. der Broker gewinnt unter dem Strich immer, dank statistischem Hausvorteil (und der ist gewaltig). Leicht nachvollziehbar, indem man von einer 50/50 Chance auf gestiegene/gefallene Kurse zum Ende der Laufzeit ausgeht (einfachste Wahrscheinlichkeitsrechnung, die jeder Mittelschüler beherrschen sollte).

    CFD’s sind nicht verkehrt, wenn auch mit erheblichen Risiken verbunden. Der hohe Hebel ist kreuzgefährlich (ein echter Kontokiller) und viele CFD Broker sollen gegen den Anleger wetten (wobei sie selbst die Kurse stellen). CFD’s sind ziemlich intransparent und wer nicht ganz genau weiß, worauf er sich da einlässt, wird sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mächtig die Finger verbrennen.

  5. Avatar

    Bob

    12. November 2016 07:19 at 07:19

    @ Linde
    ..bin mir nicht sicher ob ich da jetzt Mitleid haben soll. Aber manche wissen es, v.a. mit Medienpräsenz zu überzeugen. Wenn man auf diese Art von Risiko setzt dann höchstens in StartUps. Da ist die Chance eine hohe Rendite zu erwirtschaften noch recht akzeptabel. Und sonst gilt: Finger weg von Dingen bei denen man keine Erfahrung hat.
    Ich glaube Ihnen helfen zu können. Besuchen Sie mich bei Interesse und Gelegenheit in Aarau/Schweiz.
    birklewaldemar@gmail.com

    LG Bob

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US-Wahl: Was passieren muß, damit Trump gewinnt!

Markus Fugmann

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Die US-Wahl rückt immer näher, laut Umfragen liegt Donald Trump derzeit recht deutlich hinter Joe Biden. Eines scheint klar: wenn Trump die US-Wahl gewinnen will, muß er zwingend den Bundeststaat Florida gewinnen – gewönne Biden in Florida, wäre ein Wechsel im US-Präsidentenamt praktisch sicher. Die Zwischenstände aus Florida werden also extrem wichtig – es gibt sogar einen kleinen Wahlbezirk in diesem Bundeststaat, der schon früh die Richtung anzeigen dürfte.

US-Wahl – das sind die Szenarien

Die US-Seite https://fivethirtyeight.com/ zählt zu den führenden Prognose-Quellen in den USA. Sie bietet ein interaktives Tool an, mit dem man Szenarien durchspielen kann: gewinnt etwa Biden den swing state Pennsylvania, dann hat das einen positiven Einfluß auch auf seine Sieges-Chancen auch in Nachbar-Bundestsaaten. Sehen Sie hier, was passieren muß, damit Trump gewinnen kann:

 

Und so ist die Lage in den USA unmittelbar vor der US-Wahl – es ist ein gespaltenes, zerrissenes Land, wie folgende ARTE-Dokumentation zeigt:

 

Was muß passieren, damit Trump die US-Wahl gewinnt?

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Banken: Es hagelt sensationell gute Quartalsergebnisse!

Claudio Kummerfeld

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am

Hochhäuser von Banken im Londoner Viertel Canary Wharf

Was ist das los? Gerade in der schlimmsten Rezession seit Jahrzehnten sollten sich die Banken doch in einer dramatischen Schieflage befinden? Denn Kreditausfälle müssten aus Quartalsgewinnen eigentlich Verluste machen und damit folglich das Eigenkapital der Banken angreifen? Dieses Szenario steht womöglich bevor, wenn die anstehende Pleitewelle Löcher in die Bücher der Banken reißt.

Aber noch ist es nicht soweit. Derzeit hagelt es sensationell gute Quartalszahlen von Banken weltweit. Vor allem fällt auf, dass gerade die Banken tolle Zahlen melden, die stark im Kapitalmarktgeschäft tätig sind, und eher weniger im Privat- und Firmenkundengeschäft mit Krediten, wo Probleme mit Kreditausfällen drohen, und wo die Banken sich derzeit mehr denn je mühen neue Kundeneinlagen abzuweisen – weil sie selbst sonst Strafzinsen zum Beispiel bei der EZB entrichten müssten.

Banken mit starkem Kapitalmarktgeschäft im Vorteil

Wie gesagt. Wer stark im Kapitalmarktsegment engagiert ist, der feiert die Krise. Zum Beispiel lässt sich derzeit viel Geld machen mit den globalen Schuldenorgien. Wo die Banken zum Beispiel in Europa in den Erstauktionen der staatlichen Schuldenagenturen Staatsanleihen aufkaufen, können sie mutmaßlich schön und entspannt Gewinn machen mit dem Weiterverkauf der Anleihen an die EZB am Sekundärmarkt. Auch in vielen anderen Bereichen des Kapitalmarkts war die letzten Quartale viel los. Man beachte in diesem Zusammenhang die sensationell guten Quartalszahlen von Goldman Sachs vom 14. Oktober. Der Quartalsgewinn konnte gegenüber dem Vorjahresquartal verdoppelt werden (hier die Details). Bei den anderen großen US-Banken gab es keine Katastrophen-Meldungen. Und dann am Dienstag dieser Woche meldete die Schweizer Großbank UBS ebenfalls eine Gewinn-Verdoppelung (hier die Details).

Barclays

Heute nun hat die britische Großbank Barclays ihre Quartalszahlen veröffentlicht. Der Gewinn liegt mit 611 Millionen Pfund gut drei Mal so hoch wie erwartet, und auch dramatisch besser als im Vorjahr. Da war es noch ein Verlust von 292 Millionen Pfund – auch wenn man hier berücksichtigen muss, dass der Verlust aufgrund von Schadenersatzzahlungen an geschädigte Kreditnehmer zustande kam. Dennoch ist heute ein Gewinn, der drei Mal so hoch reinkommt wie erwartet, beachtlich. Außerdem hat Barclays wie viele andere Banken auch im dritten Quartal die Risikovorsorge für mögliche Kreditausfälle deutlich reduziert, nämlich auf 608 Millionen Pfund nach 3,7 Milliarden Pfund in den ersten sechs Monaten des Jahres.

Nordea

Bei der größten skandinavischen Bank Nordea könnte man glatt meinen, dass die Krise zeitlich auf den Kopf gestellt wurde. Auch hier gab es heute Quartalszahlen. Der operative Gewinn steigt binnen Jahresfrist von 875 Millionen auf 1,09 Milliarden Euro. Die Gründe für die guten Zahlen: Einerseits mehr Kreditvergabe-Volumen in der Krise – andererseits nicht mehr vorhandene Belastungen durch Schrottkredite (331 Millionen Euro Belastung im Vorjahresquartal). Dennoch erwartet Nordea für das Gesamtjahr Kreditausfälle von gut einer Milliarde Euro. Es klingt wie ein Witz, dass jetzt Belastungen durch Kreditausfälle weggefallen sind. Aber aktuell wirkt es noch schlüssig. Es werden weltweit auch mit Staatshilfen viele neue Kredite vergeben, wo die Kreditnehmer natürlich erstmal wieder liquide sind und auch die monatlichen Raten einige Zeit lang zahlen können.

Noch sieht es gut aus

Wenn die große Pleitewelle bei Unternehmen denn kommen sollte, dürfte sich die Lage für die Banken verdunkeln. Banken wie Goldman Sachs mit fast null klassischem Privatkundengeschäft könnten auch in einer Pleitewelle gut da stehen, weil man ja keine Kreditausfälle verkraften müsste. Und die deutschen Banken? Die Commerzbank meldet ihre Quartalszahlen am 5. November, die Deutsche Bank am 28. Oktober. Es ist möglich, dass sie schon vorab als Ad Hoc-Meldung ihre Finanzdaten berichten, wenn sie zu stark von den Erwartungen abweichen. Es könnte sein, dass auch die beiden deutschen Großbanken jetzt halbwegs akzeptable Zahlen melden, und dass die bitteren Verluste der Kreditausfälle erst noch anstehen, wenn die Pleitewelle wie von vielen Experten erwartet demnächst einsetzt. Aber es kann vielleicht noch einige Zeit dauern, bis eine Pleitewelle wirklich auf die Quartalszahlen der Banken durchschlägt. Denn bis die Bank wirklich einen Kredit als Verlust abschreibt, muss erstmal der Schuldner den Bach runtergehen, dann gibt es Verhandlungen über Umschuldungen usw. Also, kurzfristig könnten auch Deutsche Bank und Commerzbank noch akzeptable Quartalszahlen melden.

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Sahra Wagenknecht über die große Krise, und wie man sie lösen kann

Redaktion

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Sahra Wagenknecht hat den Ruf wirklichen wirtschaftlichem Sachverstand zu besitzen. Bei ihr kann man erkennen: Es wird nicht stumpf das sozialistische Lied abgespielt. Bei ihren Aussagen merkt man, dass sie das Gesamtbild im Blick hat und auch versteht. Natürlich kann und darf man über ihren Lösungsansatz für das große Gesamtproblem streiten. Aber auch ihren Lösungsansatz begründet sie inhaltlich nachvollziehbar.

Sahra Wagenknecht mit Bestandsaufnahme der Krise

In ihrem aktuellsten Video (am Ende dieses Artikels) wirft Sahra Wagenknecht die Frage auf, ob eine große Finanzkrise bevorsteht. Dafür arbeitet sie sich an vielen Ungleichgewichten und wirtschaftlichen Schieflagen ab, die in dieser Form in der Tat auch bestehen. So bespricht sie die gigantische Geldschwemme der Notenbanken, in der Europa verursacht durch die EZB. Diese sorge für einen riesigen Push bei den Aktienkursen. Profitieren würden vor allem die Reichen, die in großem Umfang Aktien besitzen. Der Kleinsparer, der sein Geld nur auf dem Sparkonto parkt, würde durch Nullzinsen (neuerdings immer öfters auch Negativzinsen) und Inflation laut Sahra Wagenknecht real jedes Jahr Geld verlieren.

Die Großkonzerne würden in der Coronakrise mit billigem Geld überschwemmt, so dass sie gar keine Probleme hätten durch diese Krise zu kommen (ja, dafür gibt es zahlreiche Beispiele). Gleichzeitig haben es laut Sahra Wagenknecht kleine Unternehmen und Unternehmer derzeit sehr schwer überhaupt an Geld zu kommen, um die Krise überleben zu können. Demnach seien die großen Konzerne die Krisengewinner, die kleinen Betriebe die Verlierer. Sahra Wagenknecht nennt in diesem Zusammenhang auch die Anleihekäufe der EZB, wo auch in großem Stil Unternehmensanleihen gekauft werden. Und hier geht es eben um Anleihen großer Unternehmen, und nicht um Schulden kleiner Betriebe, die eh keine Anleihen ausgeben.

Als weiteres Ungleichgewicht benennt Sahra Wagenknecht auch die Immobilienblase. Bei den niedrigen Zinsen lohne sich die große Spekulation, welche die Preise immer weiter nach oben treibe. Und letztlich beleuchtet sie die (von uns bei FMW oft angesprochene) steigende Bedrohung für das Bankensystem in Europa. Schon vor der Krise habe es laut Sahra Wagenknecht 600 Milliarden Euro Volumen an faulen Krediten bei Banken in Europa gegeben – jetzt drohe diese Summe auf 1,4 Billionen Euro zu steigen.

Problemlösung

Was sei nun die Lösung des Problems? Laut Sahra Wagenknecht seien immer neue Schulden und immer tiefere Zinsen nicht die Lösung des Problems. Die Wirtschaft könne auch nicht so kräftig ansteigen, dass Volkswirtschaft und Staat aus dem gigantischen Schuldenberg „herauswachsen“ könnten, wie sie es formuliert. Inflation sei auch keine Lösung, da hierbei die kleinen Leute mit ihren Sparguthaben enteignet würden. Die reichen Leute würden mit ihren Immobilien und Betriebsvermögen ihren Wohlstand behalten, während die kleinen Leute bei einer spürbaren Inflation den Preis bezahlen müssten.

Für Sahra Wagenknecht gibt es nur eine Lösung des Problems. Und da kommt natürlich die linke Politik wieder zum Vorschein. Man müsse die enorme angehäufte Schuldenlast restrukturieren, und zwar zu Lasten der wirklich Vermögenden. Dazu kann man anmerken: Das ist eine politische Frage, was man will. Diese Lösung kann man befürworten, oder eben auch nicht. Ansichtssache. Aber abgesehen davon: Die anderen Alternativen sind auch nicht berauschend. Man darf vermuten: So wie die aktuelle Merkel-Regierung wird wohl auch ein Nachfolger wie Herr Laschet keinen großen Wurf machen, sondern stillschweigend zusammen mit der EZB auf die Lösung setzen, die auch die Amerikaner seit Jahrzehnten praktizieren, wenn es um Problemlösungen geht. „Kick the can down the road“ – die Dose die Straße weiter runter kicken. Das Problem also in die Zukunft verschieben. Also jetzt immer neue Rettungsprogramme auflegen (letztlich finanziert durch die EZB, das neue EU-Schuldenprogramm uvm), – und diese Probleme darf irgendwer in ferner Zukunft abzahlen.

Sahra Wagenknecht
Sahra Wagenknecht. Foto: Ferran Cornellà CC BY-SA 4.0

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