Zuletzt gab es einen kleinen Aufschwung in der deutschen Chemieindustrie. Ein erstes Anzeichen dafür, dass sich die Konjunktur erholt, dass das Sondervermögen seine Wirkung langsam entfaltet? Wohl eher nicht! Im zweiten Quartal dürften Kunden der Chemiebetriebe versucht haben so schnell wie möglich an zusätzliche Erzeugnisse zu kommen, um die Lagerbestände aufzufüllen – für den Fall einer echten Verknappung von Gütern, falls Vorprodukte aus der Golfregion ausbleiben (Iran-Krieg). Im dritten Quartal könnte es wegen dieser Vorzieheffekte noch schlechter für die Branche aussehen.
Chemieindustrie: Absturz und Sondereffekte
Der Verband der deutschen Chemieindustrie (VCI) hat heute seine Halbjahreszahlen präsentiert, und bezieht klar Stellung. Von Erholung keine Spur, es geht weiter bergab. Die Produktion im ersten Halbjahr lag rund drei Prozent unter Vorjahr. Der Umsatz sinkt um 1 % auf 106 Milliarden Euro. Die Investitionen der Chemieindustrie gehen das dritte Jahr in Folge zurück.
Die Chemieindustrie in Deutschland kommt nicht aus der Krise heraus, so der Verband. Zwar entwickelte sich das erste Halbjahr 2026 etwas besser als die zweite Jahreshälfte 2025. Von einer nachhaltigen Erholung könne jedoch keine Rede sein. „Die Halbjahresbilanz ist enttäuschend“, fasst VCI-Präsident Markus Steilemann zusammen. „Eine leichte Belebung ist kein Grund zur Entwarnung. Dafür sind vor allem Sondereffekte aufgrund der kriegerischen Auseinandersetzungen in Nahost verantwortlich. Wir erleben nur eine Atempause, keine Trendwende. Grundsätzlich bin ich aber weiter von dem großen Potenzial unserer Branche als Treiber für die notwendige Transformation zu Nachhaltigkeit und Resilienz überzeugt.“
Der Verband benennt den positiven Sondereffekt für die Chemieindustrie ganz klar: „Unternehmen füllen derzeit wegen des Kriegs am Golf ihre Lager auf, um möglichen Versorgungsengpässen vorzubeugen. Gleichzeitig ließ der Wettbewerbsdruck aus Asien durch die Sperrung der Straße von Hormus vorübergehend nach.“
Vor diesem Hintergrund hat sich das Inlandsgeschäft der Chemieindustrie in den ersten sechs Monaten zuletzt etwas stabilisiert. Die Exporte sind jedoch weiterhin schwach. Viele Anlagen sind nach wie vor unterausgelastet. Produktion und Absatz liegen deutlich unter dem Niveau von 2021, so der VCI.
Viele Unternehmen rechnen auch für die kommenden Monate mit einer schwierigen Geschäftsentwicklung. Steigende Kosten, schwache Absatzmengen und der insgesamt intensive internationale Wettbewerb setzen die Erträge weiterhin unter Druck. Für das Gesamtjahr erwartet der VCI deshalb einen Produktionsrückgang von 1,5 Prozent. Von weiteren Prognosen sieht der Verband angesichts der volatilen geopolitischen Lage derzeit ab.
Deutschland fällt weiter zurück
Besonders besorgniserregend ist aus Sicht des VCI der Rückgang der Sachanlageinvestitionen in der Chemieindustrie. Sie liegen rund 15 Prozent unter dem Niveau von 2023. Diese Entwicklung passt zu einem alarmierenden Gesamtbild: Die produktiven Nettoinvestitionen in Deutschland liegen einer Studie zufolge nur noch bei etwa 0,2 Prozent der Wirtschaftsleistung. Auch in Europa werden Produktionskapazitäten abgebaut, ohne dass ausreichend in neue Anlagen und Zukunftstechnologien investiert wird. Für die Unternehmen zählen hohe Energie- und Produktionskosten sowie weitere negative Rahmenbedingungen in Deutschland zu den größten Investitionshemmnissen.
Reformpaket ist erster Schritt
Vor diesem Hintergrund kommt es aus Sicht des VCI jetzt darauf an, dass die bisherigen Einzelmaßnahmen der Bundesregierung in eine umfassende Strukturreform münden. „Das Reformpaket der schwarz-roten Koalition ist der erste ernsthafte Versuch seit Jahren, die regulatorischen Ketten des Standorts Deutschland zu sprengen. Dieser Kurs muss konsequent fortgesetzt werden. Zusätzliche Belastungen würden die Lage weiter verschärfen“, betont Steilemann.
Der Handlungsbedarf bleibt groß. Das zeigt auch die aktuelle VCI-Mitgliederumfrage: Mehr als 80 Prozent der Unternehmen in der Chemieindustrie sehen die Risiken einer Deindustrialisierung politisch nicht ausreichend berücksichtigt. Der Verband fordert deshalb vor allem wettbewerbsfähige Unternehmenssteuern, niedrigere Arbeitskosten, schnellere Genehmigungen und weniger Bürokratie.
Trotz der anhaltenden Krise sieht der VCI weiterhin großes Potenzial für den Industriestandort Deutschland. Steilemann betont: „Deutschland hat die industrielle Substanz und die Innovationskraft. Jetzt ist die Zeit, diese Stärken wieder zur Entfaltung zu bringen. Dazu brauchen wir auch einen Mentalitätswandel hin zu mehr Offenheit, Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung. Entscheidend ist die Einsicht, dass die Kosten des Nicht-Handelns größer werden als die Kosten gemeinsamer Reformen.“
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In bewegten Zeiten hat Konsistenz ihren eigenen Wert, darum sollten wir Kurs halten, damit die Menschen heute wissen, was übermorgen Sache ist.
Es geht auch anders.
…Die spanische Chemieindustrie verzeichnete beim Umsatz im Zeitraum von 2020 bis 2025 ein Gesamtwachstum von rund 32,4 Prozent…
Für die BASF AG in der rheinland-pfälzischen Stadt Ludwigshafen wäre zum einen eine Energiepolitik, welche sich zu „sämtlich“ verfügbare Energieformen bekennt, vorteilhaft. Desweiteren erfuhr ich zwar vom Finanzpolitiker Dr. Michael Meister, Staatsminister im Bundeskanzleramt, zuständig für das Zusammenspiel zwischen Bund und Ländern, daß eine Senkung der Körperschaftssteuer ab dem Jahr 2028 von 15% auf 10% in jährlichen Schritten um jeweils 1% bis zum Jahr 2032 beschlossen wurde. Jedoch gibt es innerhalb der Bundeskanzler Friedrich Merz-Bundesregierung/Koalition Forderungen, die genannte Steuersenkung vorzuziehen. Da die Körperschaftssteuer je zur Hälfte dem Bund und den Ländern zugutekommt, hat Ministerpräsident Gordon Schnieder eine Mitwirkungsmöglichkeit bei der Gesetzgebung. Bis zum 30.09.26 hat Rheinland-Pfalz den Vorsitz der Ministerpräsidentenkonferenz inne.
…schön das das verarbeitende Chemiegewerbe nach der etwas längeren Durststrecke wieder stabiler läuft…wir sind am Anfang des neuen Wirtschaftszyklus…klasse…the roaring twenties…so wie vorhergesagt…