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Chesapeake Energy insolvent – warum das eine gute Nachricht sein könnte

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Das US-Frackingunternehmen Chesapeake Energy hat gestern Insolvenz angemeldet nach CHAPTER 11 der US-Insolvenzordnung. Der Geschäftsbetrieb wird erst einmal fortgesetzt. Durch die Anmeldung im Chapter 11 will man in Eigenregie mit Gläubigern verhandeln um 7 Milliarden Dollar an Schulden abzubauen, so das Unternehmen. Alleine im 1. Quartal dieses Jahres machte Chesapeake Energy 8,3 Milliarden Dollar Verlust. Klar, bei den hohen Förderkosten im Fracking-Segment und dem brutal abgestürzten Ölpreis!

Chesapeake Energy ist während der Coronakrise das bislang größte Fracking-Unternehmen, das pleite geht. Das Unternehmen war mal die Nummer 2 beim Fördern von Erdgas in den USA. Aber inzwischen ist die Firma wie viele andere auch Opfer des Ölpreis-Crash geworden. Aber man sollte die Branche noch nicht zu früh abschreiben. Gut möglich, dass umgeschuldet wird, dass Schulden in Aktien umgetauscht werden, und man auf einen höheren Ölpreis wartet? Fracking-Felder werden stillgelegt, auch bis der Ölpreis wieder deutlich höher notiert? Nach so einem Chapter 11-Verfahren kann die Firma ja “restrukturiert” wieder an den Markt kommen?

Weniger Öl-Produktion dank Pleitewelle?

Aber kurz- und mittelfristig darf man annehmen, dass durch die zahlreichen Pleiten der letzten Wochen die Öl-Fördermenge in den USA erst einmal leidet. Die jüngsten Daten der US-Energiebehörde “Energy Information Administration” zeigen, dass die Fördermenge letzte Woche bei 11,0 Millionen Barrels pro Tag lag, nach über 12 Millionen pro Tag im April. Man darf annehmen, dass insolvente Fracker trotz Fortsetzung des Geschäftsbetriebs bestehende Förderanlagen erstmal nicht weiter hochfahren, und auch erstmal keine neuen Quellen erschließen? Und die Pleitewelle der Fracker in den USA ist durchaus ein wichtiger Faktor für den Ölmarkt. Laut jüngsten Berichten sollen 30 Prozent der Branche bereits “technisch” insolvent sein bei einem Ölpreis von 35 Dollar pro Barrel. 18 Unternehmen gingen dieses Jahr schon pleite (zum Beispiel Whiting Petroleum als einer der großen am 1. April), nach 20 Unternehmenspleiten im letzten Jahr.

Dies ist offenkundig die große Marktbereinigung in den USA. Unternehmen, die jetzt dank Coronakrise und Ölpreis-Crash keine Anschlussfinanzierung bei einer Bank oder keine neuen Anleihe-Investoren finden, halten nicht durch, und gehen pleite. Dies kann jetzt zu sinkender Fördermenge in den USA führen. Aber auch beim letzten großen “Öl-Krieg” vor sechs Jahren kamen die Fracker wieder, und schraubten die Fördermenge in den USA so hoch wie noch nie. Aber jetzt für das Jahr 2020, da kann diese aktuelle Konsolidierung der Branche kurzzeitig durchaus dafür sorgen, dass sich die Angebotsmenge an die Nachfrage anpasst, und der Markt (auf den ersten Blick) kurzfristig etwas gesundet. Dies könnte dem Ölpreis gut tun.

Was macht die Aktie von Chesapeake Energy?

Vor drei Wochen berichten wir bereits über zahlreiche pleite gegangenen Unternehmen oder solche, die kurz davor standen pleite zu gehen. Die Aktienkurse dieser Unternehmen stiegen extrem stark an – unfassbar! Zu diesen Aktien gehörte auch die von Chesapeake Energy. Der Chart zeigt auf CFD-Basis den Kursverlauf der Aktie von Chesapeake Energy gegen den Dow 30 seit Mitte Mai. Als der Gesamtmarkt tagelang nur am Steigen war, wurden die Schrottaktien wie auch die von Chesapeake Energy im Sog mit hochgezogen. In nur drei Tagen stieg die Aktie von unter 14 auf 77 Dollar. Aber die Euphorie brach sofort wieder in sich zusammen. Am Freitag Abend schloss die Aktie mit 11,85 Dollar. In Deutschland sieht man aktuell Kurse um die 6,30 Euro.

Chart zeigt Chesapeake Energy gegen Dow 30

2 Kommentare

2 Comments

  1. Avatar

    thinkSelf

    29. Juni 2020 13:44 at 13:44

    “Aber kurz- und mittelfristig darf man annehmen, dass durch die zahlreichen Pleiten der letzten Wochen die Öl-Fördermenge in den USA erst einmal leidet.”

    Wieso das? Wenn die nach Cheapter 11 pleite machen, ist doch das Unternehmen nicht weg. Es ist nur seine Schulden los. OK, die Altaktionäre werden ihr Vermögern verlieren. Nau und? Für den, der am Schluss die Bude für ein paar Dollar übernimmt, brechen goldene Zeiten an.
    Allerdings darf man da erst wieder einsteigen wenn die Insolvenz abgewickelt ist und die aktuellen Anteilseigner rassiert wurden. Und nicht etwa jetzt. Aber das hat wahrscheinlich der ein oder andere nicht so ganz verstanden.

  2. Avatar

    HR

    29. Juni 2020 13:55 at 13:55

    Ich fände in der derzeitigen Thematik der gehäuften Insolvenzen, eine Betrachtung der CLOs in einem Artikel für höchst interessant. Wann wird wohl der Kipp Punkt wie damals bei den MBS beziehungsweise den CDO / CDs erreicht sein?

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Technologie-Blase: Sehen wir gerade die Dotcom-Blase 2.0?

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Seit Ausbruch der Corona-Pandemie erleben wir eine regelrechte Flucht in Technologie-Aktien. Insbesondere die Nasdaq eilt seit Wochen von einem Allzeithoch zum nächsten. Zwar profitieren einige Technologie-Werte von der aktuellen Situation während der Pandemie, aber was zurzeit abläuft, grenzt an absurder Euphorie. Man muss sich nur den Chart von Tesla anschauen, hier fehlt nur das Fähnchen, dass man an die Fahnenstange hängen kann. Tesla ist nur eins von vielen Beispielen. Auch Apple hat seit dem März-Tief einen Anstieg von über 80 Prozent hingelegt. Als Info an alle Börsenanfänger – solche Steigerungsraten sind NICHT normal.

Diesmal ist alles anders

Diesmal ist es aber anders als in der Zeit des „Neuen Markt“. Damals wurde alles gekauft, dass nicht bei drei auf den Bäumen war. Dazu gehörten auch Unternehmen, die übertrieben gesagt, irgendwo in einer Garage an unnützer Software gearbeitet haben. Im Gegensatz dazu, ist es diesmal so, dass sich die Euphorie nicht auf eine große Anzahl von Techwerten konzentriert, sondern nur auf wenige Unternehmen. Hier sind die großen Technologie-Unternehmen zu nennen – Apple, Amazon, Microsoft, Alphabet, Facebook, Netflix und Nvidia. Diese sieben Unternehmen machen mittlerweile 50 Prozent des gesamten Index aus.

Klumpenbildung der Technologie-Werte

Die Situation ist auch den ETFs geschuldet. Um gute Wachstumsraten für ihre Kunden zu gewährleisten, müssen sie die großen Technologie-Werte übergewichten. Dadurch verstärkt sich der Effekt. Steigen die Kurse der großen Technologie-Unternehmen, dann zieht das mehr und mehr Käufer aus allen Bereichen an – Private, Institutionelle und Fonds. Entsprechend erhöht sich das Risiko einer Klumpenbildung. Kommt es zu einer erneuten Korrektur, wäre das ein Problem, da alle gleichzeitig durch eine kleine Tür rauswollen.

Weltweite Rezession

Es scheint auch fast so, als ob die Investoren vergessen, dass wir uns in einer weltweiten Rezession befinden. Diese Rezession ausgelöst durch die Corona-Pandemie hat nämlich einen Faktor, der derzeit ignoriert wird – Unsicherheit. Damit ist gemeint, dass aktuell niemand voraussagen kann was die tatsächlichen Auswirkungen auf die Realwirtschaft sind und wie sich die Pandemie weiterentwickelt. Auch die Technologie-Unternehmen sind davon betroffen. Apple setzt zum Beispiel weniger Handys ab, Facebook hat weniger Werbeeinnahmen und Teslas Absatz an Automobilen ist alles andere als beeindruckend. Die ab nächste Woche beginnende Berichtssaison wird mehr Aufschluss darüber geben, wie sich die Pandemie tatsächlich auf die Unternehmensgewinne auswirkt.

Aktuelle Entwicklung der Technologie-Unternehmen

In den nachfolgenden Grafiken kann man einerseits die Kursentwicklung der großen fünf Technologie-Unternehmen in dem letzten Monat erkennen sowie die Relation vom Nasdaq zum S&P500. Insbesondere der Chart des Nasdaq in Relation zum S&P zeigt deutlich, dass die Entwicklung der Technologie-Werte auf dem Weg ist eine neue Blase zu bilden. Demnach brauchen wir nicht mehr über Bewertungen zu sprechen. Es wurde mehrfach in anderen Artikeln darauf hingewiesen, dass diese fernab von Gut und Böse sind. Geschuldet ist diese Situation natürlich auch den Geldflutungen und Stimuli von Notenbanken und Staaten. FED-Chef Powell hat zwar vor kurzem betont, dass man durch die Maßnahmen keine Blasenbildung erzeugen möchte, aber genau das ist was gerade passiert. Die Corona-Pandemie wird noch länger Einfluss auf die Märkte haben und Unsicherheit verbreiten. Früher oder später muss Luft aus der Blase abgelassen werden, sonst droht das Platzen.


Technologie-Blase: Sehen wir gerade die Dotcom-Blase 2.0? Corona

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Aktienmärkte aktuell: Der nächste Corona-Hype durch Remdesivir

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Und die nächste Jubelmeldung über ein Medikament, welches das Coronavirus bekämpfen soll. Remdesivir (der schon wieder) soll laut ganz aktueller Veröffentlichung des Herstellers Gilead Sciences das Todesrisiko bei Patienten um 62 Prozent senken. Hurra, es kann endlich wieder aufwärts gehen an der Börse? Die Aktienmärkte steigen. Der Dow Jones steigt in den letzten Minuten um 150 Punkte, der Dax um 54 Punkte. Wie lange kann diese Euphorieblase dieses Mal die Kurse pushen? Wann folgt die Enttäuschung? Oder ist es dieses Mal wirklich der Durchbruch?

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Aktienmärkte: Warum sie laut “NorthmanTrader” nicht weiter steigen

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Tja, warum können die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht mehr ansteigen? Warum komplettieren sie nicht die V-förmige Erholung nach dem großen Crash im März? Derzeit sagt zum Beispiel der Experte Andre Stagge (siehe beispielsweise hier), dass wir derzeit voll in der Saisonalität angekommen sind, wo die Sommermonate grundsätzlich eine maue Nummer abliefern. Das ist nachvollziehbar. Und ja, grundsätzlich kann man derzeit vom Sommerloch sprechen?

Aktienmärkte in Angst vor der Fed?

Der im Netz inzwischen gut bekannte und anerkannte Experte Sven Henrich ist bei Twitter mit seinem dortigen Accountnamen “NorthmanTrader” zu finden. Er hat eine eigene Theorie, warum die Aktienmärkte seit einigen Wochen nicht weiter steigen können. Und er hat dazu auch eine gut nachvollziehbare Begründung, nämlich einen Vergleichschart. Im folgenden Tweet sieht man basierend auf Daten der St. Louis Fed (die Statistik-Grube der Fed) einmal den Verlauf der gesamten Bilanz der Federal Reserve seit Dezember 2019, als blaue Linie. Im Vergleich dazu sieht man in rot in den Verlauf des S&P 500, der dank der 500 enthaltenen Aktien die Marktbreite der Aktienmärkte in den USA besser darstellt als der Dow Jones mit seinen 30 Werten.

Und was sieht man? Die Aktienmärkte korrelieren sehr gut mit der Bilanz der Fed. Exakt am 9. Juni erreichte der S&P 500 seinen höchsten Punkt seit dem Crash im März, um seitdem seitwärts oder leicht fallend zu tendieren. Und wir haben nachgeschaut. Tatsächlich, genau am 9. Juni erreichte die Fed-Bilanz ihren Hochpunkt mit 7,168 Billionen Dollar (hier im Detail nachzuschauen). Bis jetzt fällt sie auf 6,92 Billionen Dollar. Wolfgang Müller hatte jüngst schon von einer Pause bei der Geldflut gesprochen. Und ja, die Fed legt derzeit eine Pause ein.

248,1 Milliarden Dollar Bilanzrückgang in vier Wochen

Auch Holger Zschaepitz erwähnt aktuell den Rückgang der Fed-Bilanz, nun die vierte Woche in Folge. Liquidität in Höhe von 248,1 Milliarden Dollar sei den Märkten in den letzten vier Wochen entzogen worden. Haben die großen Player mit dem “intelligenten” Geld (darf man es so sagen?) genau darauf ein Auge? Herrscht so viel Angst vor diesem Abbau an Geldflutung, dass die Aktienmärkte sich deshalb ausgebremst haben? Dieses Szenario ist jedenfalls nicht zu ignorieren.

Im folgenden Chart haben wir den S&P 500 und den Dax auf CFD-Basis in im Verlauf der letzten zwölf Monate übereinander gelegt. Wie es zu erwarten war, laufen die Aktienmärkte im Gleichschritt – natürlich läuft der Dax nach der Vorgabe der Amerikaner, da machen wir uns alle bitte nichts vor. Seit gut vier Wochen ist der Wurm drin – genau seit dem Augenblick, wo die Fed begann mit ihrer Geldflut zu pausieren.

Aktienmäkte wollen seit vier Wochen nicht mehr richtig steigen

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