Devisen

China: 450 Menschen wegen „Kapitalflucht“ verhaftet

FMW-Redaktion

In der DDR gab es die „Republik-Flucht“ als schweren Straftat-Bestand, in China darf man ausreisen, aber das Kapital sollte man besser zuhause lassen. So meldete heute das chinesische „Ministerium für die Sicherheit der chinesischen Bürger“, dass in diesem Jahr 450 Personen wegen illegalem Kapitalexport verhaftet worden seien.

Insgesamt hätten die Beschuldigten 200 Milliarden Yuan (etwa 30 Milliarden Dollar) außer Landes geschafft, so die Behörde. Das sei vorwiegend über offshore-Firmen sowie „Untergrund-Banken“ geschehen, die gemeinhin auch als Schattenbanken bezeichnet werden. Hintergrund der Versuche, Kapital aus dem Land zu schaffen, ist die Sorge vieler Chinesen vor einer weiteren Abwertung des Yuan angesichts der sich abkühlenden Wirtschaft. Damit misstrauen die Chinesen den Aussagen der Behörden, den Yuan stabil halten zu wollen – was nach dem großen Abwertungsschritt im August 2015 bislang jedoch weitgehend gelang.

Der Drang zur Absicherung durch Kapitalflucht ist jedoch groß – und wird von westlichen Analysten auch rational unterlegt. So hätten die Devisenreserven Chinas vor allem durch die Stützungsmaßnahmen der chinesischen Notenbank People´s Bank of China zugunsten des Yuan abgenommen, während gleichzeitig die Geldmenge M2 rasant gestiegen sei. Diese steigende Geldmenge wiederum erhöhe den Druck auf die Notenbank, die verhindern müsse, dass das Kapital ins Ausland abfließt, während gleichzeitig aufgrund der geringeren Währungsreserven der Notenbank diese Abflüsse schwieriger zu kompensieren seien. Das erklärt das harte Vorgehen der Behörden gegen die „Kapital-Sünder“.

Analysen von Goldman Sachs gehen davon aus, dass im Juli 55 Milliarden Dollar aus China abgeflossen sind – im Juni waren es noch 49 Milliarden Dollar. Hochpunkt der Kapitalabflüsse war der Dezember 2015 mit einem Abzug von ca. 170 Milliarden Dollar.

Nachdem die Regierung die Möglichkeiten von Geldabhebungen an Bankautomaten im Ausland strikt begrenzt hat, versuchen viele Chinesen vor allem über den Hub Hongkong ihr Kapital zu retten. Sie kaufen in der einstigen britischen Kolonie etwa Versicherungen und wandeln damit Yuan in Hongkong-Dollar um. Besonders beliebt sind auch Immobilienkäufe im Ausland, so etwa als Paradebeispiel Vancouver, wo die Preise aufgrund der chinesischen Käufer in den letzten Jahren massiv nach oben geschossen sind.

Die heutige Veröffentlichung einer genauen Zahl der Verhafteten soll für Chinas Bürger ein Warnsignal sein: wer sein Kapital illegal außer Landes schafft, landet im Knast, so die Botschaft..



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